Schlagwort: Aprikosenernte Frankreich

  • Sonnengereifte Aprikosen bringen den Gard zum Lächeln

    Sonnengereifte Aprikosen bringen den Gard zum Lächeln

    Wer in diesen Sommertagen durch den Gard fährt, begegnet einer Landschaft, die nach Süden aussieht, nach Wärme riecht und nach Urlaub schmeckt. Zwischen Weinbergen, kleinen Dörfern und trockenen Hügeln leuchten in den Obstgärten unzählige orangefarbene Früchte. Die Aprikosen sind reif – und in diesem Jahr offenbar besonders süß.

    Die Produzenten im südfranzösischen Département erleben eine Saison, die ihnen Freude bereitet. Viel Sonne und hohe Temperaturen sorgten dafür, dass die Früchte reichlich Zucker einlagerten und intensive Aromen entwickelten. Wer eine frisch gepflückte Aprikose aufbricht, riecht sofort diesen typischen Duft, der irgendwo zwischen Honig, Sommerwiese und Kindheitserinnerung liegt.

    Und genau darum geht es.

    Denn bei Aprikosen entscheidet nicht allein das Aussehen. Eine makellose Frucht nützt wenig, wenn sie hart und geschmacklos auf dem Teller liegt. Verbraucher suchen reife Früchte, die saftig schmecken und ihr volles Aroma entfalten. Die Ernte im Gard trifft diesen Wunsch in diesem Sommer ziemlich genau.

    Ein Produzent bringt die Stimmung mit einem herrlich einfachen Satz auf den Punkt: „Das macht glücklich und sorgt für gute Laune.“

    Wer möchte da widersprechen?

    Die Aprikose gehört schließlich zu jenen Früchten, die sofort Bilder hervorrufen. Ein Korb auf dem Markt, eine offene Küchentür, draußen flirrende Hitze und irgendwo das Zirpen der Zikaden. Vielleicht steht schon ein Glas selbst gekochte Marmelade auf dem Tisch. Vielleicht landet die nächste Portion in einer Tarte. Oder die Früchte verschwinden einfach direkt aus dem Korb – schwupps, eine nach der anderen.

    Im Gard besitzt der Aprikosenanbau eine lange wirtschaftliche Bedeutung. Das Département zählt zu den wichtigen französischen Anbaugebieten. Doch die Bauern wissen aus Erfahrung, wie schnell sich das Blatt drehen kann. Später Frost im Frühjahr bedroht die Blüten, Hagel beschädigt innerhalb weniger Minuten eine ganze Ernte und ungünstige Wetterperioden beeinträchtigen Qualität und Menge.

    Landwirtschaft bleibt eben ein Geschäft mit der Natur als ziemlich eigenwilliger Geschäftspartnerin.

    Dieses Jahr zeigte sie sich zumindest während der entscheidenden Sommerphase von ihrer großzügigen Seite. Wärme und Sonnenschein begleiteten die Reifung. Das Ergebnis hängt nun schwer und duftend an den Bäumen: Früchte mit kräftiger Farbe, viel Süße und ausgeprägtem Geschmack.

    Natürlich erzählt eine gute Aprikosenernte auch etwas über die mediterrane Lebensart. Hier zählt der richtige Moment. Eine Frucht soll nicht wochenlang auf ihren Einsatz warten, sondern möglichst reif vom Baum kommen und bald gegessen werden. Genau dann zeigt sie, was in ihr steckt.

    Vielleicht liegt darin sogar das kleine Geheimnis dieser unscheinbaren Sommerfreude: Man braucht nicht viel.

    Eine reife Aprikose, etwas Sonne, einen schattigen Platz und ein paar Minuten Ruhe reichen manchmal schon. Während anderswo über große Glücksrezepte diskutiert wird, hängt im Gard eine ziemlich einfache Antwort am Baum – orange, süß und sonnenwarm.

    Und plötzlich versteht man den Satz des Produzenten ein bisschen besser.

    „Das macht glücklich und sorgt für gute Laune.“

    An manchen Sommertagen schmeckt Lebensfreude tatsächlich nach Aprikose.

    M. Legrand