Schlagwort: Algen

  • Meeresschätze auf dem Teller – Wie Algen die französische Gourmetküche erobern

    Meeresschätze auf dem Teller – Wie Algen die französische Gourmetküche erobern

    An der rauen Küste der Bretagne wächst ein stiller Trend heran, der dabei ist, die französische Spitzengastronomie von Grund auf zu verändern. Dabei handelt es sich weder um Trüffel noch um exotische Zutaten aus fernen Ländern – sondern um das, was jahrhundertelang unterschätzt oder gar verachtet wurde: Algen. Diese Meerespflanzen erleben aktuell ein beeindruckendes Comeback – dank leidenschaftlicher Sammler, die sich selbst als „Gärtner der Meere“ verstehen. Algenpflücker mit Michelin-Connection Jean-Marie und Valérie Pédron sind zwei dieser Algenliebhaber. Seit 2012 betreiben sie im französischen Küstenort Le Croisic ihre Meeresfarm Les Jardins de la Mer. Statt Maschinen setzen sie auf Muskelkraft, statt Massenproduktion auf Qualität. Über 250 Tage im Jahr durchkämmen sie bei Ebbe die Felsen und Wattlandschaften der Atlantikküste – mit Eimern, Messern und einem geschulten Blick für die besten Algen. Was sie finden, ist nicht nur gesund, sondern auch heiß begehrt: Spitzenköche wie Ann…

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  • Giftige Algenblüte legt Muschelfischerei an Frankreichs Atlantikküste lahm

    Giftige Algenblüte legt Muschelfischerei an Frankreichs Atlantikküste lahm

    Kaum kündigt sich der Frühling an, geraten an Frankreichs Atlantikküste die gewohnten Rhythmen aus dem Takt. In gleich mehreren Départements wurde die Muschelfischerei fast vollständig gestoppt – der Grund: eine toxische Mikroalge, die derzeit in Massen auftritt und ernste gesundheitliche Risiken birgt.

    Die Rede ist von Pseudo-nitzschia australis, einer Alge, die ein starkes Nervengift produziert – Domoinsäure. Gelangt dieses Toxin über Muscheln in den menschlichen Körper, kann es nicht nur Magen-Darm-Beschwerden verursachen, sondern im schlimmsten Fall zu neurologischen Ausfällen und Gedächtnisverlust führen. Klingt gruselig? Ist es auch. Denn in besonders schweren Fällen kann die sogenannte amnesische Muschelvergiftung sogar tödlich enden.

    Ein Albtraum für Fischerei und Freizeitangler

    Entlang der Küsten von Loire-Atlantique, Vendée und Morbihan greifen die Behörden derzeit hart durch. In Loire-Atlantique gilt seit dem 27. März ein absolutes Verbot – Muscheln dürfen dort weder gesammelt noch verkauft oder transportiert werden. Ob professioneller Fischfang oder Hobby-Sammler: Alle müssen die Finger davon lassen.

    In der Vendée sind besonders die Inseln Noirmoutier und Yeu sowie der Küstenabschnitt bei Fromentine betroffen. Auch dort – rote Karte für jegliche Muschelaktionen.

    Und Morbihan? Dort zieht sich die Liste der gesperrten Gebiete ebenfalls lang: Plouharnel, die Flussmündung von Étel, die Reede von Lorient, Belle-Île – überall gelten die gleichen Einschränkungen.

    Ironischerweise passiert das alles kurz vor den sogenannten „großen Gezeiten“. Diese Frühjahrsphänomene locken Jahr für Jahr unzählige Muschelsucher an die Strände – ganze Familien, die mit Eimern und Rechen bewaffnet ihr Abendessen aus dem Sand holen. Doch dieses Jahr bleibt’s bei der Vorstellung. Die Warnungen sind eindeutig: Wer jetzt Muscheln isst, geht ein Risiko ein, das schlicht nicht vertretbar ist.

    Was steckt dahinter?

    Natürlich taucht Pseudo-nitzschia australis nicht zum ersten Mal auf – Mikroalgen gibt’s schon, seit es Meere gibt. Aber die Heftigkeit dieser aktuellen Blüte hat eine neue Qualität. Die Bedingungen im Ozean haben sich verändert. Und viele Meeresbiolog*innen sind sich einig: Die Erwärmung des Wassers durch den Klimawandel ist ein zentraler Treiber für solche Ausbrüche.

    Ist das ein Zufall, dass schon im Dezember 2023 ebenfalls Teile der französischen Küste dichtgemacht wurden – damals wegen Noroviren in Austern? Wohl kaum. Besonders rund um Arcachon, wo jährlich über 8.000 Tonnen Austern geerntet werden, sorgte der Vorfall für Aufsehen. Das Muster ist zu deutlich, um es zu ignorieren: Die Risiken in unseren Küstengewässern nehmen zu – und sie tun es schnell.

    Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?

    Für die betroffenen Fischer*innen ist das nicht nur eine Umweltmeldung – es ist ein wirtschaftlicher Schlag. Viele leben direkt von der Schalentierernte, haben keine großen Rücklagen und erleben solche Sperrungen als existenzielle Bedrohung. Und die Freizeitangler? Die fühlen sich oft übergangen – dabei geht es schlicht um Gesundheitsschutz. Domoinsäure wirkt schnell, oft schon eine Viertelstunde nach dem Verzehr. Die Symptome? Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen. In seltenen Fällen sogar Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit.

    Warum sollten wir also leichtsinnig handeln?

    Vorsicht ist keine Panikmache

    Die Gesundheitsbehörden rufen dazu auf, in den betroffenen Regionen auf das Sammeln und Essen von Muscheln zu verzichten. Auch nach starken Regenfällen sollte man mindestens zwei Tage abwarten, bevor man wieder ans Muschelsammeln denkt. Denn Regen spült viele Stoffe ins Meer – darunter auch Nährstoffe, die Algen zum Wachsen bringen. Klingt paradox? Ist aber Realität.

    In diesen Tagen heißt es also: Lieber auf Nummer sicher gehen. Und bei jeder geplanten Aktivität an der Küste: kurz online checken, was erlaubt ist und was nicht. Niemand hat was davon, wenn aus dem Muschelgericht ein Notfall im Krankenhaus wird.

    Ein Symptom eines größeren Problems

    So beunruhigend einzelne Ereignisse wie diese Algenblüte auch sind – sie sind mehr als bloße Ausnahmen. Sie zeigen, wie eng unsere Ökosysteme mit dem Klima verknüpft sind. Und sie legen offen, wie schnell sich Verhältnisse ändern können, wenn die Temperatur nur ein wenig steigt.

    Kann man solche Entwicklungen stoppen? Nicht komplett. Aber man kann sich besser vorbereiten – mit besserer Überwachung, schnellerer Kommunikation, technologischen Innovationen. Und mit dem Bewusstsein, dass Klimawandel kein fernes Szenario mehr ist, sondern längst Realität. Für Fischer, für Behörden, für uns alle.

    Gleichzeitig drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wie lange können fragile Küstenregionen solche Belastungen noch aushalten, ohne dass ganze Lebensmodelle kippen?

    Mehr Zusammenarbeit, weniger Verdrängung

    Klar ist: Die Bekämpfung solcher Algenblüten kann nicht allein Sache der Küstenwache sein. Es braucht eine Zusammenarbeit – zwischen Klimaforscherinnen, Ozeanografinnen, Epidemiologinnen, Politikerinnen. Denn nur mit einem breiten Blick lassen sich diese Entwicklungen wirklich begreifen – und Lösungen finden, die nicht nur kurzfristig wirken.

    Vielleicht braucht es auch ein Umdenken im Tourismus. Vielleicht sogar eine neue Idee davon, wie wir Küsten nutzen – und schützen. Klingt nach viel? Ist es auch. Aber die Zeit drängt.

    Und am Ende? Hoffnung. Trotz allem.

    Trotz der düsteren Nachrichten: Es gibt Fortschritte. Die Erkennung solcher Algen ist präziser geworden. Labore analysieren täglich Wasserproben. Behörden reagieren schneller als noch vor zehn Jahren. Und immer mehr Menschen verstehen, dass der Schutz unserer Meere kein Nischenthema ist – sondern ein zentrales Element unserer Zukunft.

    Vielleicht ist genau das der Silberstreif an diesem toxischen Horizont.

    Von Andreas M. Brucker

  • Gastronomie: Der lukrative Markt der essbaren Algen

    Gastronomie: Der lukrative Markt der essbaren Algen

    Algen haben sich in den letzten Jahren zu einem aufstrebenden und äußerst lukrativen Markt in der Gastronomie entwickelt. In Europa befindet sich das größte Algenfeld in der Bretagne, wo diese nahrhaften Meeresgewächse noch traditionell von Hand geerntet werden. Insbesondere an der Küste von Finistère, in Lampoul-Plouarzel, liegt die größte essbare Algenfarm des Kontinents, die heute […]

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  • Bouches-du-Rhone: Grünalgen werden zu Biokunststoff recycelt

    Bouches-du-Rhone: Grünalgen werden zu Biokunststoff recycelt

    Im Département Bouches-du-Rhône stellt das Unternehmen Eranova Bioplastik aus Grünalgen her, die an den Ufern des Étang de Berre angespült werden. Durch dieses innovative Verfahren kann die fossile Kunststoffproduktion reduziert werden.

    Seit Jahren schon vergiften grüne Algenteppiche den Alltag von Anwohnern der französischen Küste. Zehntausende Tonnen Algen werden jedes Jahr an den Stränden der Bretagne und des Mittelmeers gesammelt. Diese ekelerregenden und giftigen Abfälle müssen mit Hilfe von Baggern vergraben werden. Dieser Prozess ist aufwendig und kostet die Gemeinden viel Geld. Das junge Unternehmen Eranova aus dem Departement Bouches-du-Rhône hat für dieses Problem jetzt eine Lösung gefunden. Nach mehrjähriger Forschung haben die Ingenieure eine Technik entwickelt, mit der die Algen in biologisch abbaubaren und recycelbaren Kunststoff umgewandelt werden können. Ein weltweit einzigartiges Verfahren, das gleichzeitig die Attraktivität der Strände verbessert. „Wir arbeiten mit gestrandeten Algen, die man in der Bretagne, aber auch im Mittelmeer findet. Aus diesen Abfällen haben wir Granulat hergestellt“, erklärt Philippe Lavoisier gegenüber France Télévisions. Er ist Chemieingenieur und war Berater bei mehreren großen Kunststoffherstellern, bevor er die Leitung von Eranova gemeinsam mit seinem Partner Philippe Michon übernahm.

    Echte Alternative zu herkömmlichem Plastik

    Die Algen aus dem Étang de Berre werden kostenlos von den Gemeinden gesammelt. Sie werden anschliessend in einem speziellen Becken gereinigt, bevor sie „ausgehungert“ werden. Dabei werden ihnen Nährstoffe entzogen, um ihre Eigenproduktion von Stärke, dem Rohstoff für das Bioplastikgranulat, zu steigern. Die Algen werden anschliessend zerkleinert, getrocknet und weiterverarbeitet. „Das Problem bei Algen ist der Geruch und die Farbe. Wenn man eine Verpackung braucht, will man diese grüne Farbe nicht mehr. Also bleichen wir sie. Wir haben ein natürliches Bleichverfahren entwickelt, das ganz ohne Chemikalien auskommt“, erklärt Philippe Lavoisier. Verpackungen, Flaschen, Plastikfolien – aus der Stärke der Grünalgen lassen sich mehrere Arten von Kunststoffen herstellen, die recycelbar, kompostierbar und natürlich biologisch abbaubar sind.

    Das Unternehmen sammelt jedes Jahr 500 Tonnen Grünalgen, um 300 Tonnen Kunststoff und Verbundstoffe herzustellen. Zu den Kunden von Eranova gehören Le Slip Français, Handelsketten wie Carrefour sowie mehrere große Bauunternehmen. Doch das Start-up will es nicht dabei belassen und strebt nun den internationalen Markt an. Eranova hat eine erste Lizenz für den Bau einer Fabrik in Indonesien vergeben. Das junge Unternehmen plant natürlich auch, in Frankreich zu expandieren. „Wir arbeiten gerade an einem Standort mit einer Fläche von 100 Hektar, der uns die 100-fache Produktion ermöglichen wird. Wir werden 30.000 Tonnen Algen verarbeiten können. 120 bis 130 Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen werden an diesem Standort beschäftigt sein“, kündigt Philippe Michon, Elektronikingenieur und Mitgeschäftsführer von Eranova, an.