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  • Kommentar: Lasst doch endlich das Morden sein – ein korsisches Inseldrama in Endlosschleife

    Kommentar: Lasst doch endlich das Morden sein – ein korsisches Inseldrama in Endlosschleife

    Ach, Korsika. Du schöne, wilde, widerspenstige Insel. Schauplatz unzähliger Urlaubsbroschüren, gesäumt von türkisfarbenem Wasser, Macchia-Duft und patriotischem Stolz. Und wieder einmal schallt kein Kirchenlied durch deine Hügel – sondern der dumpfe Hall eines Gewehrschusses. Diesmal trifft er Alain Orsoni, Symbolfigur des korsischen Nationalismus, getroffen am Grab seiner eigenen Mutter. Man hätte fast denken können, man lässt ihm noch einen letzten Moment der Trauer. Aber nein – Ehre, Vendetta, Prestige, alte Rechnungen… irgendjemand meinte, jetzt sei genau der richtige Zeitpunkt, das nächste Kapitel dieser blutdurchtränkten Tragödie aufzuschlagen.

    Kommt diese Insel denn nie zur Ruhe?

    Es ist, als hänge über Korsika ein unsichtbares Drehbuch, verfasst von einem zynischen Dramatiker, der sich weigert, das letzte Kapitel zu schreiben. Da ist kein Platz für „post-konfliktuelle Stabilität“, kein Raum für Reue oder Dialog. Stattdessen bekommt die Welt nun wieder einen dieser symbolgeladenen Morde serviert, bei dem man sich fragt: War es politisch? War es privat? War es beides? Oder einfach nur – korsisch?

    Denn wo sonst als auf Korsika wird ein Mann erschossen, der früher einmal eine Untergrundarmee anführte, dann im Exil Unterschlupf fand, später Fußballpräsident wurde – und schließlich mit einem Präzisionsgewehr während einer Beerdigung eliminiert wird? Nicht einmal in sizilianischen Mafiaepen der 1970er-Jahre hätte man sich das ausdenken können.

    Und die Reaktionen? Betretenes Schweigen. Politische Zurückhaltung. „Die Ermittlungen laufen“, sagt Paris. „Man soll nicht spekulieren“, sagt Ajaccio. Und wir sagen: Wie viele Ermittlungen müssen denn noch „laufen“, bevor diese Insel endlich lernt, dass politische Konflikte nicht mit Schüssen im Macchia gelöst werden?

    Ist es wirklich so schwer, sich für eine Zukunft zu entscheiden, die nicht am Gewehrlauf endet?

    Natürlich, Orsoni war kein Heiliger. Sein Lebenslauf liest sich wie ein Roman zwischen „Der Pate“ und „Che Guevara light“. Aber er war auch ein Mensch, ein Vater, ein Sohn – und er stand an einem Grab. Wenn selbst der Tod nicht mehr heilig ist, was dann?

    Vielleicht ist es Zeit, dass Korsika sich selbst eine Frage stellt: Was genau wird hier eigentlich verteidigt, mit all diesen Waffen? Ehre? Identität? Oder nur alte Geister, die man nicht beerdigen will?

    Lasst doch endlich das Morden sein. Es ist 2026. Die Welt hat größere Sorgen – Klimakrise, geopolitische Eskalationen, künstliche Intelligenz. Aber irgendwo in den korsischen Bergen liegt ein Mann tot im Gras, und jemand ist schon wieder dabei, das nächste Magazin zu laden.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Ein Schuss im Schatten der Macchia – Der gewaltsame Tod von Alain Orsoni erschüttert Korsika

    Ein Schuss im Schatten der Macchia – Der gewaltsame Tod von Alain Orsoni erschüttert Korsika

    Der Mord an Alain Orsoni, einer der schillerndsten und umstrittensten Figuren des korsischen Nationalismus, hat Frankreich aufgerüttelt. Der ehemalige Separatistenführer wurde am 12. Januar 2026 auf dem Friedhof von Vero, einem kleinen Ort in der Nähe von Ajaccio, während der Beerdigung seiner Mutter von einem Scharfschützen erschossen. Die Tat ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern wirft erneut ein grelles Licht auf die unbewältigte Geschichte politischer Gewalt auf der französischen Mittelmeerinsel – und auf die fragilen Grenzverläufe zwischen Idealismus, Loyalität und organisierter Kriminalität.

    Ein Präzisionsschuss im Moment der Trauer Die Szene gleicht einem düsteren Drehbuch: Dutzende Trauergäste versammeln sich auf dem Friedhof von Vero, als plötzlich ein einzelner Schuss durch die Stille des Nachmittags bricht. Alain Orsoni, 71, wird tödlich getroffen – nach ersten Erkenntnissen von einem Scharfschützen, der sich in den umliegenden Höhenlagen des Macchia-Gebüschs pos…

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