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  • Temple Saint-Martin: Wo Montbéliards Geschichte Weihnachten feiert

    Temple Saint-Martin: Wo Montbéliards Geschichte Weihnachten feiert

    Wenn die ersten Lichter des Weihnachtsmarktes durch die Gassen von Montbéliard schimmern und der Duft von Gewürzen und gebrannten Mandeln durch die Altstadt zieht, öffnet ein ganz besonderer Ort seine Türen. Der Temple Saint-Martin, die älteste erhaltene, eigens für den protestantischen Gottesdienst errichtete Kirche Frankreichs, empfängt nach umfassender Restaurierung wieder Besucher. Vom 21. November bis zum 24. Dezember 2026 begegnen sich hier Geschichte, Musik und weihnachtliche Traditionen – in einem Gotteshaus, dessen Mauern mehr als vier Jahrhunderte erzählen.

    Und manchmal genügt schon ein Schritt über die Schwelle, um die Gegenwart für einen Augenblick hinter sich zu lassen.

    Ein Stück Württemberg mitten in Frankreich

    Montbéliard, auf Deutsch Mömpelgard, liegt zwischen Vogesen und Jura, unweit der Schweizer Grenze. Die Stadt besitzt eine bemerkenswerte Vergangenheit, die eng mit dem deutschen Südwesten verbunden ist. Rund 400 Jahre lang prägte das Haus Württemberg ihre Geschicke. Diese historische Verbindung hinterließ nicht nur politische und kulturelle Spuren, sondern beeinflusste auch die religiöse Identität der gesamten Region.

    Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis dieser Epoche steht mitten im historischen Zentrum: der Temple Saint-Martin.

    Zwischen 1601 und 1607 entstand das Gotteshaus nach Entwürfen des württembergischen Renaissancearchitekten Heinrich Schickhardt. Seine klare Formensprache spiegelt die Ideale der Reformation wider. Statt üppiger Verzierungen und prunkvoller Inszenierung rückten das gesprochene Wort, die Predigt und die Gemeinschaft der Gläubigen in den Mittelpunkt.

    Dabei reicht die Geschichte des Ortes noch weiter zurück. Bereits im Mittelalter stand hier eine dem heiligen Martin geweihte Kirche. Mit der Einführung des Luthertums im damaligen Fürstentum Montbéliard begann schließlich ein neues Kapitel.

    Dass ausgerechnet eine französische Stadt eines der bedeutendsten Zeugnisse protestantischer Baugeschichte bewahrt, überrascht selbst manchen Geschichtsfreund.

    Alte Mauern, neu entdeckte Schätze

    Die 2026 abgeschlossene Restaurierung schenkt dem historischen Bau eine neue Ausstrahlung. Fachleute legten alte Malereien frei, arbeiteten architektonische Einzelheiten heraus und bewahrten wertvolle historische Elemente für kommende Generationen.

    Was erzählen Mauern, die seit über 400 Jahren Gebete, politische Umbrüche und menschliche Schicksale begleiten?

    Eine ganze Menge – und gerade darin liegt der besondere Reiz dieses Gotteshauses.

    Der Temple Saint-Martin präsentiert sich heute nicht allein als religiöses Denkmal, sondern zugleich als lebendiger Kulturraum. Seine Wiedereröffnung zur Adventszeit verbindet die Bewahrung historischer Substanz mit einem Programm, das Menschen unterschiedlicher Generationen und Glaubensrichtungen anspricht.

    Weihnachtsgeschichten zwischen Renaissance und Kerzenschein

    Vom 21. November bis zum 24. Dezember 2026 steht die Kirche jeweils mittwochs und samstags zwischen 14 und 18 Uhr für freie Besichtigungen offen.

    Besonders stimmungsvoll versprechen die Mittwochnachmittage zu sein. Um 15 Uhr und 16.30 Uhr erzählt die Compagnie Gakokoé weihnachtliche Geschichten. Dazu zählt Hans Christian Andersens berührendes Märchen vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern. Auch die geheimnisvolle Vouivre, ein sagenhaftes Wesen der regionalen Folklore, erhält ihren Auftritt.

    Ein bisschen Märchenzauber darf im Advent schließlich nicht fehlen.

    Wenn Chorstimmen die Kirche erfüllen

    Auch musikalisch zeigt sich der Temple Saint-Martin von seiner festlichen Seite. Am 28. und 29. November erklingen jeweils um 16 Uhr Weihnachtskonzerte des vierstimmigen gemischten Chores DIAIRI aus dem Pays de Montbéliard.

    Ein weiterer Höhepunkt folgt am 13. Dezember. Unter dem Titel „Voix de Noël à Saint-Martin“ gestalten zahlreiche regionale Chöre zwischen 14 und 19 Uhr einen musikalischen Nachmittag mit Orgelklängen und Instrumentalbegleitung.

    Am 18. Dezember, voraussichtlich um 18 oder 18.30 Uhr, steht die Feier des Friedenslichts aus Bethlehem auf dem Programm. Einen Tag später, am 19. Dezember um 18 Uhr, bringt die Gruppe Let’s Praise God aus Mulhouse mit einem ökumenischen Gospelkonzert zusätzliche musikalische Energie in die historischen Mauern.

    Wo sonst begegnen sich Renaissancearchitektur, französische Weihnachtstraditionen und mitreißender Gospel auf so charmante Weise?

    Ein Adventsausflug mit besonderem Charme

    Ein Besuch lässt sich wunderbar mit dem Weihnachtsmarkt „Lumières de Noël“ verbinden. Zwischen festlich geschmückten Gassen, regionalen Spezialitäten und dem historischen Schloss entfaltet Montbéliard einen ganz eigenen Weihnachtszauber.

    Vielleicht wartet anschließend noch eine würzige Montbéliard-Wurst oder ein Stück Comté auf dem Teller.

    Der Temple Saint-Martin erinnert dabei an etwas, das über die Weihnachtszeit hinausreicht: Geschichte lebt dort weiter, wo Menschen ihr mit Neugier, Respekt und offenen Türen begegnen.

    Weitere Informationen: Office de Tourisme du Pays de Montbéliard, 1 rue Henri Mouhot, 25200 Montbéliard. Telefon: +33 (0)3 81 94 45 60. www.paysdemontbeliard-tourisme.com

    Ein Artikel von M. Legrand