Schlagwort: Abraham-Abkommen

  • Aktionäre genehmigen Musks Vergütungspaket im Wert von einer Billion Dollar

    Aktionäre genehmigen Musks Vergütungspaket im Wert von einer Billion Dollar

    Die Tesla-Aktionäre haben einem Vergütungsplan für Elon Musk zugestimmt, der dem reichsten Mann der Welt Aktien im Wert von fast einer Billion US-Dollar zuspricht – sofern er ambitionierte Unternehmensziele erreicht. Dazu zählen unter anderem eine massive Steigerung der Börsenbewertung des Unternehmens sowie der Verkauf von einer Million humanoider Roboter.

    Der Plan ist so strukturiert, dass auch die Investoren profitieren, sollte Musk finanziell erfolgreich sein. Kritiker, darunter Vertreter öffentlicher Pensionsfonds in New York und Kalifornien, sprachen sich jedoch vehement gegen das Vergütungspaket aus. Sie warnten davor, dass dadurch zu viel Reichtum und unternehmerische Macht in die Hände einer einzigen Person gelegt würden.

    Musks mögliche Billionenvergütung steht in starkem Kontrast zum Wahlerfolg von Zohran Mamdani, einem erklärten Vertreter einer „Tax-the-Rich“-Politik, der in New York City zum Bürgermeister gewählt wurde – ein Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit vieler Amerikaner mit einem Wirtschaftssystem, das es ihnen zunehmend erschwert, Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Wohnraum und Kinderbetreuung zu finanzieren. „Wenn die Wähler in New York bereits das Gefühl haben, dass die Milliardärsklasse ihr Leben unbezahlbar macht – wartet nur, bis die Demokraten gegen eine Billionärsklasse antreten müssen“, sagte ein Funktionär der Demokratischen Partei.


    Warum droht Trump mit Militäreinsatz in Nigeria?

    Mit scharfen Worten hat Donald Trump Anfang November 2025 auf religiös motivierte Gewalt in Nigeria reagiert. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte der US-Präsident, Christen im westafrikanischen Land seien einem „existentiellen Risiko“ ausgesetzt – und kündigte eine mögliche militärische Intervention an, sollte Nigerias Regierung nicht umgehend handeln. Zugleich wurde Nigeria von den USA auf die Liste der besonders besorgniserregenden Länder in Fragen der Religionsfreiheit gesetzt.

    Tatsächlich ist die Lage komplex: Nigeria ist religiös gespalten, ethnisch vielfältig und von Unsicherheit geprägt. Christliche Gemeinschaften – vor allem im Norden – sind immer wieder Opfer von Übergriffen, doch Experten warnen vor einer Verkürzung der Ursachen auf Religion allein. Gewalt resultiert ebenso aus Armut, Landkonflikten, schwacher Infrastruktur und der Präsenz bewaffneter Gruppen.

    Trumps Drohung steht auch im Kontext der US-Innenpolitik. Besonders unter evangelikalen Wählern besitzt das Thema Christenverfolgung hohe Symbolkraft. Gleichzeitig signalisiert diese Rhetorik ein außenpolitisches Umdenken: weg von entwicklungspolitischer Kooperation, hin zu machtpolitischem Druck, gar Interventionismus.

    Nigeria reagiert mit deutlicher Kritik – man sehe die eigene Souveränität bedroht. Auch international sorgt Trumps Vorstoß für Irritationen: Eine unilaterale Militäraktion ohne UN-Mandat würde völkerrechtlich heikle Fragen aufwerfen.

    Ob Trump diese Drohung tatsächlich umsetzt, ist offen. Doch bereits jetzt markiert sie einen neuen Ton in den US-Beziehungen zu Afrika – mit weitreichenden geopolitischen Implikationen.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Diplomaten und Staatschefs haben die jährliche UN-Klimakonferenz in Belém, Brasilien, eröffnet – einer Stadt am Rand des Amazonas-Regenwaldes.
    • Die paramilitärische Organisation R.S.F. im Sudan hat einem von den USA vogelegten Vorschlag für eine Waffenruhe zugestimmt. Hintergrund ist der zunehmende internationale Druck wegen Gräueltaten, die den R.S.F.-Truppen vorgeworfen werden.
    • Kasachstan hat angekündigt, sich wahrscheinlich den Abraham-Abkommen anzuschließen, die eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren mehrheitlich muslimischen Staaten zum Ziel haben.
    • Russland steht kurz davor, die strategisch wichtige ukrainische Stadt Pokrowsk einzunehmen – das wäre der bislang größte militärische Erfolg seit 2023.
    • OpenAI bemüht sich, Sorgen über seine finanzielle Lage zu zerstreuen, nachdem ein ranghoher Manager angedeutet hatte, die US-Regierung könnte als Rückversicherung für milliardenschwere Investitionen in Rechenzentren einspringen.
    • Internationale Flüge dürften von der Entscheidung der Trump-Regierung, Flüge an 40 US-Flughäfen wegen des Regierungsstillstands einzuschränken, nicht direkt betroffen sein. Dennoch sind auch dort Störungen im Reiseverkehr möglich.
    • Laut israelischen Behörden sitzen Dutzende Hamas-Kämpfer im Gazastreifen in Gebieten fest, die unter israelischer Kontrolle stehen – viele von ihnen verbergen sich in weitläufigen Tunnelsystemen.

    Autor: P. Tiko

  • US-Diplomatie unter Trump: Neuer Druck für den Gaza-Plan

    US-Diplomatie unter Trump: Neuer Druck für den Gaza-Plan

    Die USA unter Präsident Donald Trump intensivieren ihre diplomatischen Bemühungen im Nahen Osten, um den brüchigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas zu stabilisieren – und darüber hinaus eine politische Lösung für den Gazastreifen zu forcieren. Im Zentrum dieser Bemühungen stehen bekannte Akteure: Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und ehemaliger Berater, sowie der Immobilienunternehmer Steve Witkoff, der derzeit als inoffizieller Nahost-Gesandter fungiert. Beide trafen gestern in Israel ein, gefolgt von Vizepräsident J.D. Vance, dessen Ankunft für heute erwartet wurde.

    Dass Kushner erneut in den Vordergrund tritt, signalisiert eine Rückkehr zur Familien-Diplomatie der ersten Trump-Administration. Und sie kommt zu einem kritischen Zeitpunkt.

    Waffenstillstand auf der Kippe

    Der Waffenstillstand, der unter dem Druck der US-Regierung vor wenigen Tagen zwischen Israel und der Hamas zustande kam, zeigt bereits erste Risse. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße vor – von Raketenbeschuss bis zu gezielten Angriffen im Gazastreifen. Diplomaten und Beobachter in Washington äußern laut der New York Times wachsende Sorge, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu den Deal aufkündigen könnte. Die Trump-Regierung fürchtet einen strategischen Rückschlag, sollte der fragile Status quo zerbrechen.

    Ein hochrangiger US-Beamter, der anonym zitiert wird, bestätigte: „Netanjahu spielt mit dem Gedanken, sich aus der Vereinbarung zurückzuziehen – das gefährdet alle weiteren Pläne zur Befriedung Gazas.“

    Kushner – Verhandler im Schatten der Institutionen

    Dass Kushner als Privatmann erneut diplomatische Missionen übernimmt, ist bemerkenswert. Seit dem Ende der ersten Trump-Amtszeit leitet er ein Investmentunternehmen in Miami. Dennoch behält er engen Zugang zu politischen Entscheidern und Netzwerken im Nahen Osten, vor allem durch seine Verbindungen zu den Golfstaaten.

    Bereits zwischen 2017 und 2020 hatte Kushner eine zentrale Rolle beim sogenannten „Abraham-Abkommen“ gespielt – jener Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und weiteren arabischen Staaten. Dass er nun wieder zwischen Israel und der Hamas vermittelt, dürfte auch mit dem mangelnden Vertrauen vieler regionaler Akteure in klassische diplomatische Kanäle der USA zusammenhängen.

    Die Gaza Humanitarian Foundation zieht sich zurück

    Ein weiteres Signal für die Unsicherheit in der Region ist die Ankündigung der Gaza Humanitarian Foundation, ihre Hilfslieferungen vorübergehend einzustellen. Die Organisation, die teils von US-Sicherheitsfirmen betrieben und von Israel unterstützt wird, gilt als umstritten. Kritiker werfen ihr mangelnde Transparenz und politische Nähe zur israelischen Regierung vor.

    Die temporäre Aussetzung der Hilfeleistung sei laut offiziellen Angaben eine „Vorsichtsmaßnahme aufgrund der instabilen Sicherheitslage“. Für die ohnehin dramatisch unterversorgte Bevölkerung des Gazastreifens stellt dies einen herben Rückschlag dar.

    Australien, China und Europa: Die globale Sicherheitslage bleibt angespannt

    Parallel zu den Entwicklungen in Nahost ist eine globale Häufung sicherheitspolitischer Spannungen zu beobachten:

    • In der Südchinesischen See kam es zu einem gefährlichen Zwischenfall zwischen der chinesischen Luftwaffe und einem australischen Aufklärungsflugzeug. Australische Regierungsvertreter sprachen von einem „aggressiven Akt“, nachdem ein chinesischer Jet Flares in unmittelbarer Nähe des australischen Flugzeugs abgeworfen hatte – ein Manöver, das Experten als Provokation mit hohem Eskalationspotenzial einstufen.
    • In Europa warnt der deutsche Generalinspekteur Carsten Breuer in einem Interview mit der New York Times, dass ein Sieg Russlands in der Ukraine „demokratische Grundfesten in Europa ins Wanken bringen“ würde. Seine Aussagen fügen sich ein in eine wachsende Debatte über eine mögliche europäische Aufrüstung und strategische Autonomie.
    • Unterdessen haben die USA ein Abkommen mit Australien geschlossen, das amerikanischen Firmen bevorzugten Zugang zu Australiens seltenen Erden gewährt – ein geostrategisch bedeutsamer Schritt angesichts des globalen Wettlaufs um kritische Rohstoffe.

    Zwischen Wahlkampf und Weltpolitik

    Die diplomatische Aktivität der USA in Nahost steht auch im Kontext des bevorstehenden Wahlkampf zu den Zwischenwahlen in den USA 2026. Donald Trump versucht offenkundig, außenpolitische Erfolge vorzuweisen, um seinen Führungsanspruch zu untermauern. Wie in seiner ersten Amtszeit setzt er dabei verstärkt auf Vertraute außerhalb etablierter Regierungsstrukturen – ein Stil, der seiner direkten, transaktionalen Politikauffassung entspricht, jedoch außenpolitisch schwer kalkulierbar ist.

    Autor: P. Tiko

  • Trumps Friedensvision für den Nahen Osten – Wunschbild oder Wendepunkt?

    Trumps Friedensvision für den Nahen Osten – Wunschbild oder Wendepunkt?

    Donald Trump inszeniert sich als Architekt eines historischen Neubeginns im Nahen Osten. Doch hinter der Inszenierung bleiben zentrale Konflikte ungelöst – und alte Muster kehren rasch zurück.

    Nach wochenlangen Verhandlungen verkündete Donald Trump einen befristeten Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas – begleitet von der Freilassung israelischer Geiseln, vagen Zusagen zur Entwaffnung der Hamas und einem groß inszenierten Friedensgipfel im ägyptischen Scharm al-Scheich. Der ehemalige US-Präsident, der sich bereits im Wahlkampf für 2026 befindet, sprach in der Knesset vom „historischen Morgengrauen eines neuen Nahen Ostens“. Der Jubel seiner israelischen Gastgeber und mediale Bilder befreiter Geiseln unterstrichen den symbolischen Moment – doch politisch bleiben viele Fragen offen.

    Ein Waffenstillstand ohne Verankerung

    Zwar markiert das Ende der akuten Kampfhandlungen nach fast zwei Jahren Krieg im Gazastreifen eine wichtige Wegmarke. Die Erleichterung unter Familienangehörigen der Geiseln und auch unter vielen Palästinensern in Gaza ist spürbar. Doch von einem nachhaltigen Frieden kann kaum die Rede sein. Während in Washington bereits über einen Wiederaufbauplan gesprochen wird, feuerten israelische Soldaten erneut auf Palästinenser, die sich Armee-Stellungen genähert haben sollen. Gleichzeitig kündigte die israelische Regierung an, die Zahl der Hilfstransporte in den Gazastreifen zu begrenzen.

    Hinzu kommt: Weder Vertreter der Hamas noch der israelischen Regierung nahmen am ägyptischen Gipfel teil. Der Waffenstillstand beruht auf einer fragilen Vereinbarung, vermittelt durch Katar, Ägypten und die Türkei – nicht auf einem formellen Vertrag zwischen den Konfliktparteien. Zwar gab es vonseiten Washingtons mündliche Zusicherungen, dass Israel die Kampfhandlungen nicht sofort wieder aufnimmt. Doch schriftliche Garantien, wie von der Hamas gefordert, blieben aus.

    Ein politischer Balanceakt für Netanjahu

    Die Rolle des israelischen Premierministers bleibt ambivalent. Zwar ließ sich Benjamin Netanjahu unter internationalem Druck auf die Feuerpause ein – gegen den erklärten Willen seines rechtsnationalen Regierungslagers, das die vollständige Vernichtung der Hamas fordert. Doch politische Beobachter in Israel vermuten taktisches Kalkül. Netanjahus Popularitätswerte sind niedrig, mehrere Korruptionsprozesse belasten sein Amt, und die nächste Wahl steht für 2026 im Raum.

    Der Konflikt mit der Hamas diente Netanjahu bereits mehrfach als innenpolitisches Ablenkungsmanöver. Dass er mittelfristig wieder auf Eskalation setzt, ist keineswegs ausgeschlossen. „Wenn sich in einigen Wochen zeigt, dass der Krieg nur eine weitere Runde war – und Hamas weiter existiert –, wird Netanjahu versuchen, das zu korrigieren“, sagte der Nahost-Experte Nimrod Novik dem New York Times. Auch Nimrod Goren vom israelischen Thinktank Mitvim warnt vor wahlstrategischer Eskalation.

    Friedensplan mit schwacher Grundlage

    Trump präsentiert derweil einen eigenen „20-Punkte-Plan“ für den Nahen Osten. Zentraler Bestandteil ist eine vage formulierte Perspektive auf „palästinensische Selbstbestimmung“ und ein zukünftiger Staat – ein Thema, das von der arabischen Welt seit Jahrzehnten eingefordert wird. Doch gerade hier zeigen sich die Grenzen von Trumps Ansatz.

    Israels Regierung lehnt eine Zwei-Staaten-Lösung dezidiert ab, und auch innerhalb der Trump-nahen außenpolitischen Kreise ist davon wenig zu hören. Stattdessen wird der Wiederaufbau des Gazastreifens in erster Linie als Investitionsprojekt gesehen. Trumps Vertraute Mike Huckabee und David Friedman – beide prominente Unterstützer der israelischen Siedlungsbewegung – traten am Wochenende bei einer Veranstaltung auf, bei der sie in einem umgedichteten Lied französische und UN-Initiativen zur Zwei-Staaten-Lösung verspotteten und Trumps Rückendeckung für Israels Territorialansprüche lobten.

    Die Kluft zwischen Israel und der arabischen Welt

    Die politische Diskrepanz zwischen dem Trump-Lager, Israel und den arabischen Staaten wird zunehmend offensichtlich. Während Trump auf eine rasche Ausweitung der Abraham-Abkommen und ein Wiedererstarken US-israelischer Allianzen setzt, pochen Jordanien, Ägypten und andere arabische Akteure auf eine ernsthafte Friedenslösung. „Er weiß, dass es nicht nur um Gaza geht“, betonte Jordaniens König Abdullah II. im Interview mit der BBC. „Es gibt keinen Frieden in der Region ohne eine Zukunft für die Palästinenser.“

    Auch diplomatische Beobachter bezweifeln, dass Trumps Regierung – sollte er erneut ins Weiße Haus einziehen – die politische Substanz für eine nachhaltige Nahoststrategie mitbringt. „Sie haben die Normalisierung zwischen Israel und arabischen Staaten überverkauft – und die Frage der palästinensischen Staatlichkeit unterschätzt“, sagte Barbara Leaf, Nahost-Beauftragte der Biden-Regierung, dem Sender CNN.

    Der Tag danach bleibt unklar

    Trump selbst scheint sich bereits neuen Projekten zuzuwenden – etwa einer geplanten Ausweitung der Abraham-Abkommen oder gar einem Friedensnobelpreis, wie sein Umfeld offen andeutet. Doch ob seine Regierung – erneut oder weiterhin – die Kraft hat, das schwierige Terrain des „Tags danach“ in Gaza und der Westbank diplomatisch zu gestalten, ist zweifelhaft.

    Wie in früheren US-Administrationen zeigt sich: Den Krieg zu beenden, ist nicht die eigentliche Herausforderung. Der eigentliche Test steht erst bevor – nämlich der Aufbau einer tragfähigen Friedensordnung, die auch der palästinensischen Seite eine glaubwürdige Perspektive eröffnet. Bisher ist davon wenig zu sehen.


    Machtverschiebung in Madagaskar

    Während im Nahen Osten neue Machtverhältnisse verhandelt werden, zeigt sich auch in anderen Weltregionen eine Erosion etablierter Ordnungen. In Madagaskar hat das Militär die Kontrolle über das Land übernommen und nahezu alle staatlichen Institutionen außer dem Unterhaus des Parlaments aufgelöst. Dieses stimmte am Dienstag für die Amtsenthebung von Präsident Andry Rajoelina – damit endet die über ein Jahrzehnt andauernde Herrschaft eines Mannes, der selbst durch einen Putsch an die Macht gelangt war.

    Rajoelina teilte mit, er befinde sich aus Angst um sein Leben an einem unbekannten Ort im Untergrund. Zuvor hatten sich Proteste über fast drei Wochen hinweg landesweit ausgebreitet – angeführt vor allem von jungen Menschen. Am Wochenende brach schließlich eine Eliteeinheit des Militärs, CAPSAT, mit der Regierung und schloss sich den Demonstrationen an.

    Das Beispiel Madagaskars reiht sich ein in eine wachsende Zahl jugendgetragener Protestbewegungen – etwa in Nepal, Marokko oder Kenia –, die sich gegen Korruption, Perspektivlosigkeit und autoritäre Strukturen richten. Sie zeugen von einem wachsenden Unmut einer Generation, die politische und wirtschaftliche Teilhabe einfordert – nicht selten unter hohem Risiko.

    Trump: Außenpolitische Widersprüche und neue Fronten

    Auch an anderer Stelle offenbart sich die Widersprüchlichkeit von Trumps außenpolitischem Kurs. So gab er bekannt, die US-Streitkräfte hätten vor der venezolanischen Küste sechs mutmaßliche Drogenschmuggler getötet – Teil einer Serie militärischer Operationen, die seit September 27 Todesopfer forderten. Die rechtliche Grundlage dieser Einsätze wird zunehmend hinterfragt, da sie ohne völkerrechtlich gesicherte Mandate erfolgen.

    Zugleich kündigte Trump ein 20-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für Argentinien an – explizit zur Unterstützung von Präsident Javier Milei, einem politischen Verbündeten, der sich mit wachsendem innenpolitischen und wirtschaftlichen Druck konfrontiert sieht. Pikant ist: Das Paket steht im Kontrast zu Trumps „America First“-Rhetorik, und US-amerikanische Landwirte, die bislang auf Entlastungen im Handelskonflikt warten, zeigen sich zunehmend ungeduldig.

    Medienfreiheit unter Druck

    In den USA selbst spitzt sich der Konflikt zwischen der Regierung und den Medien weiter zu. Führende US-Sender – darunter Fox News, ABC, CBS und NBC – verweigerten jüngst die Unterzeichnung einer neuen Pressepolitik des Verteidigungsministeriums. Diese sieht vor, Journalist:innen den Zugang zu Informationen zu verweigern, die nicht offiziell vom Pentagon freigegeben wurden – ein massiver Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit. Medien, die nicht unterschreiben, verlieren künftig ihre Presseakkreditierung beim Verteidigungsministerium.

    China setzt auf wirtschaftliche Hebel

    In einem geopolitisch brisanten Schritt hat China seine Exportkontrollen für seltene Erden drastisch verschärft – ein Gegenschlag zu westlichen Sanktionen im Technologiesektor. Die Maßnahme traf die USA überraschend, ist jedoch das Resultat einer mehrjährigen Strategie Pekings: Während Washington den Export von Hochtechnologie wie Halbleitern einschränkt, nutzt China seine marktbeherrschende Stellung bei strategischen Rohstoffen als Druckmittel.

    Seltene Erden sind für moderne Technologien unverzichtbar – von Smartphones bis zu Flugzeugtriebwerken. Mit den neuen Kontrollen testet China seine Hebelwirkung auf dem geopolitischen Schachbrett – und signalisiert zugleich, dass ökonomische Abhängigkeiten längst Teil strategischer Machtprojektion geworden sind.

    Autor: P. Tiko

  • Donald Trumps Rückzug aus Gaza: Zwischen Blockade, Hunger und geopolitischem Kalkül

    Donald Trumps Rückzug aus Gaza: Zwischen Blockade, Hunger und geopolitischem Kalkül

    Donald Trump trat seine zweite Amtszeit mit großspurigen Plänen für den Gazastreifen an. Er versprach Frieden nach über einem Jahr verheerender Kriegshandlungen, machte die islamistische Hamas und seinen Amtsvorgänger Joe Biden für das palästinensische Desaster verantwortlich und präsentierte eine ebenso visionäre wie realitätsferne Idee: Gaza solle entvölkert, vollständig übernommen und als luxuriöses Touristenziel wiederaufgebaut werden. Doch nach über 100 Tagen im Amt scheint Trump das Interesse an Gaza weitgehend verloren zu haben.

    Eine im März zusammengebrochene Waffenruhe wurde kaum von der US-Regierung unterstützt, während sich der diplomatische Fokus des Weißen Hauses zunehmend auf Iran verlagerte. Die israelischen Luftangriffe und Bodenoffensiven begannen von Neuem – mit schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Von Immobilienprojekten oder einer Neugestaltung des Gazastreifens ist inzwischen keine Rede mehr.

    Ein Gebiet unter vollständiger Belagerung

    Seit über 60 Tagen blockiert Israel nahezu vollständig die Einfuhr humanitärer und kommerzieller Güter in den Gazastreifen. Die Lage für die ohnehin notleidende Bevölkerung hat sich damit dramatisch verschärft. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen teilte kürzlich mit, dass seine Lager leer seien. Bäckereien und Suppenküchen rationieren die letzten Vorräte. UN-Experten warnen vor einem baldigen Ausbruch einer Hungersnot – ein Szenario, das immer greifbarer wird.

    Menschen vor Ort berichten von einer katastrophalen Lage. „Die jetzige Situation ist mit Abstand die schlimmste Phase dieses Krieges“, sagte Haroun al-Khatib, ein 29-jähriger Bewohner, dessen Familie ihre während der Waffenruhe gesammelten Vorräte beim überstürzten Rückzug zurücklassen musste. Mohammed Murtaja, 25 Jahre alt und mit rund 40 Verwandten in Gaza-Stadt lebend, erklärte: „Wir verbringen unsere Tage damit, Wasser und Essen zu suchen, Akkus zu laden, damit wir nachts etwas sehen können – und warten darauf, zu sterben.“

    Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens wurden nach Angaben lokaler Behörden seit dem 7. Oktober 2023 vertrieben. Die militärische Offensive Israels, ausgelöst durch einen tödlichen Angriff der Hamas mit über 1.200 Toten und hunderten Entführungen, hat die zivile Infrastruktur weitgehend zerstört. Die Zahl der Todesopfer liegt nach palästinensischen Angaben mittlerweile bei deutlich über 50.000.

    Die israelische Strategie: Kontrolle statt Rückzug

    Israelische Stellen betonen, dass kein Mangel an Hilfsgütern bestehe, und rechtfertigen die Blockade mit kaum belegten Behauptungen, dass die Hamas Hilfsgüter in großem Stil umleite. Tom Fletcher, der humanitäre Koordinator der UN, sprach hingegen am Donnerstag von einer „grausamen kollektiven Bestrafung“ der Bevölkerung. Er appellierte an die israelischen Behörden, die Blockade zu beenden: „Lassen Sie die humanitäre Hilfe zu, retten Sie Leben.“

    Statt auf Deeskalation zu setzen, scheint Israel seine Kontrolle über das Gebiet weiter auszubauen. Etwa 70 Prozent des Gazastreifens wurden in den vergangenen sechs Wochen entweder zu militärischen „roten Zonen“ erklärt oder evakuiert. Die Pufferzonen entlang der Grenze zu Ägypten wurden vergrößert. Diese Maßnahmen dienen laut israelischer Regierung der Sicherheit und dem Druck auf die Hamas, die noch immer Geiseln festhält. Mehrere israelische Regierungsmitglieder deuteten zugleich an, dass eine längere Besatzung des Gazastreifens durchaus erwogen werde.

    Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte am Donnerstag in einer Rede, dass es ohne Erfüllung der militärischen Ziele keinen Lösung für die Palästinenser geben werde: „Die Freilassung der Geiseln ist ein wichtiges Ziel, aber das höchste Ziel dieses Krieges ist der Sieg über unsere Feinde.“ Noch deutlicher äußerte sich der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich, der erklärte, Israels Feldzug werde erst enden, wenn „Gaza von der Hamas gesäubert ist und Hunderttausende Palästinenser auf dem Weg in andere Länder sind“.

    Trumps Fokus verlagert sich – neue Allianzen in Sicht?

    Trump bereitet derzeit eine Reise nach Saudi-Arabien vor, die als Auftakt zu neuen Friedensvereinbarungen in der Region gelten soll. In jüngsten Interviews erklärte er, Riad werde bald den sogenannten „Abraham-Abkommen“ beitreten – jenen Normalisierungsverträgen, die Trump in seiner ersten Amtszeit zwischen Israel und mehreren arabischen Monarchien vermittelt hatte. Doch saudische Vertreter zeigen sich bislang zurückhaltend. Ohne substanzielle Fortschritte bei der Lösung des Palästinenserkonflikts sei ein diplomatischer Durchbruch mit Israel undenkbar, hieß es aus Riad.

    Bei Anhörungen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag äußerte der saudische Vertreter Mohamed Saud Alnasser scharfe Kritik: Israels Vorgehen sei „barbarisch“ und ziele auf „ethnische Säuberung“. Man wolle die palästinensische Bevölkerung vertreiben oder töten, um das Gebiet annektieren zu können.

    Internationale Kritik prallt an Israels Regierung ab

    Trotz zunehmender internationaler Verurteilung zeigt sich die israelische Regierung unbeeindruckt. Viele Politiker im Land sehen in den Vereinten Nationen ein voreingenommenes Gremium. Gilad Erdan, ehemaliger israelischer UN-Botschafter, forderte sogar die vollständige Entfinanzierung und Auflösung der Organisation. „Israel muss eine globale Kampagne anführen, um die UN vollständig zu zerschlagen“, erklärte er auf einer Konferenz am vergangenen Wochenende.

    Die Entwicklungen der letzten Wochen zeigen: Weder Trump noch die israelische Regierung scheinen derzeit an einer tragfähigen Lösung für Gaza interessiert zu sein. Die humanitäre Krise verschärft sich, während politische Visionen entweder ins Leere laufen oder von langfristigen Besatzungsplänen überlagert werden. Die Menschen im Gazastreifen bleiben in einer Situation gefangen, die sich mit jedem Tag weiter zuspitzt.

    Von Andreas Brucker