Kategorie: Russland

  • Butscha: Ein Name, der sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat

    Butscha: Ein Name, der sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat

    Vor genau drei Jahren endete für die ukrainische Kleinstadt Butscha eine dunkle Etappe – und eine neue, nicht minder schwere begann. Am 30. März 2022 verließen russische Truppen die Stadt. Was sie hinterließen, ging als das „Massaker von Butscha“ in die Geschichte ein.

    In den Straßen lagen Leichen. Menschen, deren Hände gefesselt waren, aus nächster Nähe erschossen. Der Tod war nicht zufällig – er war geplant, systematisch und brutal. Es war der Moment, in dem die Welt endgültig begriff, was dieser Krieg bedeutete.

    Ein Blick zurück: Was damals geschah

    Butscha liegt nur wenige Kilometer nordwestlich von Kiew. Im März 2022 war die Stadt schwer umkämpft, fiel unter russische Besatzung – und wurde zum Schauplatz von Verbrechen, deren Ausmaß erst nach dem Rückzug sichtbar wurde.

    Bis August 2022 fanden ukrainische Ermittler 458 Leichen. 419 davon trugen Spuren von Folter, Hinrichtungen, Gewalt. Fast alle Opfer waren Zivilisten. Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort lebten – in ihren Häusern, auf der Flucht oder beim Versuch, anderen zu helfen.

    Der Fund dieser Opfer löste international Fassungslosigkeit aus – und die klare Forderung: Diese Verbrechen dürfen nicht ohne Antwort bleiben.

    Reaktionen aus aller Welt

    Die Bilder aus Butscha ließen niemanden kalt. Politiker weltweit verurteilten die Taten aufs Schärfste. Olaf Scholz etwa sprach davon, dass die Verbrechen deutlich zeigten, was Putins Krieg wirklich sei: ein Angriff auf alles Menschliche. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron nannte das Massaker „unerträglich“ und forderte Konsequenzen.

    Internationale Organisationen wie Human Rights Watch dokumentierten akribisch, was in Butscha geschehen war. Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen wurden eingeleitet. Die Welt forderte Gerechtigkeit – laut, deutlich und entschlossen.

    Moskau indes? Stritt alles ab. Von einer Inszenierung war die Rede, von „Fake News“ – obwohl die Beweislage erdrückend war.

    Ein Ort, der sich neu erfinden musste

    Drei Jahre später steht in Butscha kein Stein mehr dort, wo er vorher war – weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn. Die Stadt hat den Wiederaufbau in Angriff genommen. Schulen, Straßen, Wohnhäuser – vieles wurde erneuert oder zumindest repariert. Auf den ersten Blick wirkt Butscha heute wie eine ruhige Kleinstadt.

    Doch der Schmerz liegt tiefer.

    Die Menschen, die zurückgekehrt sind, tragen Narben. Nicht alle sichtbar. Viele haben Angehörige verloren, Freunde, Nachbarn. Psychologische Hilfe ist gefragt – aber nicht immer verfügbar. Und das Vertrauen, das zerstört wurde, lässt sich nicht so einfach wieder aufbauen.

    Zwischen Trauer, Wut und Hoffnung

    Butscha ist heute mehr als nur ein geografischer Ort – es ist ein Symbol. Ein Mahnmal. Ein Spiegelbild für die Grausamkeit des Krieges.

    Die Stadt erinnert uns daran, dass Kriegsverbrechen kein abstrakter Begriff sind. Dass es Gesichter, Namen, Geschichten sind, die dahinterstehen. Dass jedes Opfer eine Familie hatte, ein Leben, einen Traum. Und dass Gerechtigkeit nicht optional ist – sondern notwendig.

    Gleichzeitig – und das mag paradox klingen – steht Butscha auch für Hoffnung. Für die Widerstandskraft einer Gemeinschaft, die sich nicht brechen ließ. Für Menschen, die trotz allem anpacken, aufbauen, weitermachen. Vielleicht nicht wie vorher, aber trotzdem.

    Und jetzt?

    Drei Jahre sind keine lange Zeit. Für Trauernde sowieso nicht. Und doch blickt Butscha nach vorn. Mit Bedacht, mit Vorsicht – aber mit Haltung.

    Die juristische Aufarbeitung läuft. Manche Täter wurden bereits identifiziert, andere bleiben anonym. Doch die Hoffnung bleibt: Dass irgendwann auch auf der internationalen Bühne Verantwortung übernommen wird.

    Und die Welt?

    Die darf nicht wegsehen. Nicht vergessen. Denn wer schweigt, macht sich mitverantwortlich. Wer verdrängt, riskiert, dass sich Geschichte wiederholt.

    Wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass eine kleine Stadt wie Butscha zu einem der stärksten Symbole des Ukraine-Krieges wird?

    Und doch – genau das ist geschehen.

    Von C. Hatty

  • Ukraine rüstet auf: Fünf Millionen FPV-Drohnen jährlich

    Ukraine rüstet auf: Fünf Millionen FPV-Drohnen jährlich

    Die Ukraine treibt die Militarisierung ihrer Verteidigungsindustrie weiter voran – mit einem Fokus auf autonome Kriegstechnologie. Nach Angaben aus dem Umfeld des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist das Land inzwischen in der Lage, jährlich bis zu fünf Millionen sogenannte FPV-Drohnen (First-Person-View) herzustellen. Damit setzt Kiew nicht nur auf Quantität, sondern auch auf eine neue Qualität der Kriegsführung, die zunehmend durch Drohnentechnologie geprägt wird.

    Dezentralisierung als Sicherheitsstrategie

    Diese ambitionierte Produktionsmenge wird durch ein Netzwerk von inzwischen über 150 Unternehmen ermöglicht, die in der Ukraine Drohnen entwickeln und fertigen. Anders als klassische Rüstungsbetriebe operieren viele dieser Hersteller in dezentralen Strukturen, verteilt über das ganze Land. Dieser Ansatz ist nicht nur ein Schutz gegen russische Luftangriffe, sondern auch Ausdruck einer widerstandsfähigen industriellen Infrastruktur, die sich flexibel an die Herausforderungen des Krieges anpasst.

    Die Entscheidung, die Drohnenproduktion nicht zentral zu bündeln, sondern auf viele kleinere Einheiten zu verteilen, folgt einer klaren sicherheitspolitischen Logik: Sabotageakte oder gezielte Angriffe auf Produktionsstätten sollen so ins Leere laufen. Gleichzeitig erlaubt die modulare Fertigung eine kontinuierliche technologische Anpassung an sich wandelnde Anforderungen im Gefecht.

    FPV-Drohnen als taktische Waffe

    FPV-Drohnen spielen eine immer zentralere Rolle auf dem Gefechtsfeld. Ausgerüstet mit Kameras, die Echtzeitbilder an den Bediener senden, ermöglichen sie eine präzise Steuerung auch über weite Entfernungen. In der ukrainischen Armee werden sie sowohl zur Aufklärung als auch für gezielte Angriffe auf gegnerische Infanterie, Fahrzeuge und Stellungen eingesetzt.

    Im Gegensatz zu herkömmlichen Aufklärungsdrohnen sind FPV-Modelle oft Einwegwaffen. Sie tragen kleine Sprengladungen und stürzen sich direkt auf ihr Ziel. Die niedrigen Produktionskosten machen diese Einsatzweise ökonomisch tragbar – und zugleich strategisch effizient. In Kombination mit künstlicher Intelligenz, verbesserter Navigation und steigender Resistenz gegen elektronische Störmaßnahmen werden FPV-Drohnen zunehmend zu einem unverzichtbaren Bestandteil der ukrainischen Taktik.

    Innovation unter Kriegsbedingungen

    Der Krieg hat in der Ukraine eine erstaunlich schnelle Innovationsdynamik ausgelöst. Technische Fortschritte bei Drohnenplattformen, Steuerungssystemen und der Miniaturisierung von Elektronikkomponenten werden in enger Zusammenarbeit zwischen Militär, Zivilgesellschaft und Industrie entwickelt. Insbesondere bei der Integration von Glasfasersteuerung, um elektronische Störmaßnahmen zu umgehen, erzielt die Ukraine beachtliche Fortschritte.

    Diese technologische Aufholjagd geschieht in einem politischen und wirtschaftlichen Umfeld permanenter Unsicherheit. Dennoch gelingt es der Ukraine, ihre industrielle Basis im Hochtechnologiesektor weiter auszubauen – mit möglichen Auswirkungen weit über die Landesgrenzen hinaus.

    Strategische Dimensionen der Drohnenproduktion

    Die industrielle Kapazität zur Produktion von Millionen unbemannter Luftfahrzeuge verändert nicht nur die Kriegsführung, sondern auch die geopolitische Wahrnehmung der Ukraine. Was früher als rückständiger Teil der postsowjetischen Rüstungslandschaft galt, entwickelt sich nun zu einem Hightech-Sektor mit globaler Aufmerksamkeit.

    Darüber hinaus schafft die massive Produktion von Drohnen neue wirtschaftliche Perspektiven. Der wachsende Rüstungssektor schafft Arbeitsplätze, fördert Forschung und Entwicklung und stärkt das nationale Selbstbewusstsein. Auch wenn die Exportfähigkeit ukrainischer Drohnentechnologie derzeit durch den Krieg begrenzt ist, ist absehbar, dass die Ukraine sich langfristig als Anbieter spezialisierter Wehrtechnik etablieren will.

    Ein neues Gleichgewicht im Drohnenkrieg

    Während die Ukraine ihre Drohnenproduktion auf eine neue Stufe hebt, bleibt der Krieg ein asymmetrischer Konflikt. Russland verfügt über eigene Drohnenkapazitäten und erhält zusätzlich Nachschub aus dem Iran. Der technologische Wettlauf in der Luft ist daher Teil eines umfassenderen Ringens um die Lufthoheit, das inzwischen ebenso stark von Software, Algorithmen und Störtechnologien bestimmt wird wie von reiner Produktionszahl.

    Allerdings verschieben sich durch die neue Produktionskapazität auch operative Parameter: Mit einer verlässlichen Versorgung an Millionen von FPV-Drohnen kann die Ukraine künftig gezielter auf lokale Frontverläufe reagieren, gegnerische Logistik unterbrechen und psychologischen Druck auf gegnerische Truppen erhöhen.

    Die Kriegsführung des 21. Jahrhunderts, das zeigt die Entwicklung in der Ukraine deutlich, wird durch technologische Innovationszyklen entschieden – und nicht allein durch Panzer oder Artillerie.

    MAB

  • Putins überraschender Vorschlag: Eine internationale Übergangsverwaltung für die Ukraine

    Putins überraschender Vorschlag: Eine internationale Übergangsverwaltung für die Ukraine

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit einem überraschenden Vorstoß international für Aufsehen gesorgt: Während eines Besuchs im nordrussischen Murmansk schlug er vor, die Ukraine unter eine temporäre internationale Verwaltung zu stellen. Diese Übergangsregierung solle unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen und unter Beteiligung der USA, europäischer Länder und Russlands selbst gebildet werden. Ziel sei es, freie und demokratische Wahlen zu ermöglichen und eine neue Regierung zu etablieren, die als legitimer Gesprächspartner für Friedensverhandlungen auftreten könne.

    Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der russisch-ukrainische Krieg im dritten Jahr befindet und eine militärische Lösung in weite Ferne gerückt scheint. Die Reaktionen auf Putins Vorstoß sind ebenso vielschichtig wie die geopolitischen Interessen, die den Konflikt von Beginn an prägen.

    Eine neue Phase des Konflikts?

    Putins Initiative wirkt auf den ersten Blick wie ein Schritt in Richtung Deeskalation. Die Idee einer internationalen Verwaltung erinnert an historische Präzedenzfälle – etwa das Interimsregime im Kosovo nach 1999 –, in denen internationale Organisationen temporär Regierungsfunktionen übernahmen, um stabile politische Verhältnisse zu ermöglichen. Auch in Afghanistan und Bosnien wurden in der Vergangenheit ähnliche Modelle diskutiert oder erprobt.

    Doch Putins Motivlage wirft Fragen auf. Der Zeitpunkt des Vorschlags ist nicht zufällig gewählt. Russland behauptet, in den von ihr annektierten Gebieten der Ukraine – insbesondere in Teilen der Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson – weitgehende Kontrolle zu besitzen. In Wirklichkeit jedoch dauern die Kämpfe an vielen Frontabschnitten unvermindert an. Berichte über Verstöße gegen Waffenstillstandsvereinbarungen und zivile Opfer deuten darauf hin, dass die militärische Lage keineswegs stabilisiert ist. Kritiker sehen in Putins Vorstoß daher weniger ein Friedensangebot als vielmehr ein strategisches Manöver, um internationale Sanktionen zu lockern und die Ukraine politisch unter Druck zu setzen.

    Die Legitimitätsfrage als Druckmittel

    Ein zentrales Element von Putins Rede in Murmansk war die Infragestellung der Legitimität des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Putin argumentierte, dessen Amtszeit sei formal abgelaufen, und suggerierte, dass es daher an einer international anerkannten Führung in Kiew mangele. Dabei ignoriert er jedoch, dass die ukrainische Verfassung in Kriegszeiten eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten vorsieht – ein Umstand, den westliche Staaten und Rechtsexperten als rechtlich gedeckt ansehen.

    Putin scheint mit dieser Argumentation darauf abzuzielen, die politische Autorität Selenskyjs zu delegitimieren und die Ukraine auf internationaler Bühne als führungslos erscheinen zu lassen. In diesem Kontext erhält auch die Einladung an die USA – und insbesondere der positive Verweis auf Donald Trump – eine neue Dimension. Putin bezeichnete den US-Präsidenten als „aufrichtigen Friedensstifter“ und äußerte die Hoffnung, dass dieser den Vorschlag unterstützen werde.

    Reaktionen in Kiew und im Westen

    In der Ukraine stieß der Vorschlag erwartungsgemäß auf heftige Ablehnung. Präsident Selenskyj warnte davor, den internationalen Druck auf Russland zu verringern. Ein Sprecher der ukrainischen Regierung nannte den Plan einen „Versuch, die Souveränität der Ukraine zu untergraben und russische Kriegsgewinne zu legitimieren“. Auch Vertreter westlicher Staaten äußerten sich skeptisch. Die Sorge: Eine internationale Übergangsregierung unter Einbeziehung Russlands könnte als Einfallstor für eine politische Einflussnahme dienen, die Moskaus Interessen langfristig in der Ukraine verankert.

    Tatsächlich steht hinter dem Vorschlag ein zentraler Widerspruch: Während Russland die territoriale Integrität der Ukraine verletzt hat, verlangt es nun Mitspracherechte bei der Bildung einer Übergangsregierung, deren Zweck es sein soll, Demokratie und Souveränität wiederherzustellen. Kritiker erkennen darin ein Paradox – oder eine bewusste Strategie zur Spaltung des Westens und zur Schwächung des ukrainischen Widerstandswillens.

    Eine echte Chance oder ein taktisches Manöver?

    Internationale Stimmen rufen dennoch zu einer differenzierten Bewertung auf. In diplomatischen Kreisen wird betont, dass jede noch so unerwartete Initiative die Möglichkeit eines politischen Gesprächs eröffnen könne – sofern die Bedingungen glaubwürdig und transparent seien. Ein möglicher Verhandlungspfad könnte darin bestehen, dass Russland sich zu einem schrittweisen Truppenabzug verpflichtet und im Gegenzug eine internationale Übergangsregierung mit klaren zeitlichen und funktionalen Grenzen akzeptiert wird. Doch die Erfahrung lehrt: Ohne gegenseitiges Vertrauen und Sicherheitsgarantien sind solche Modelle kaum realisierbar.

    Die Frage, ob Putin tatsächlich an einem stabilen Frieden interessiert ist oder lediglich versucht, durch diplomatische Nebelkerzen Zeit zu gewinnen und geopolitische Positionen zu sichern, bleibt offen. Das Misstrauen auf ukrainischer und westlicher Seite ist tief. Dennoch zeigt der Vorstoß, dass Moskau durchaus bemüht ist, das Narrativ vom kompromissbereiten Akteur zu pflegen – möglicherweise mit Blick auf eine neue geopolitische Konstellation nach den US-Wahlen.

    Ein entscheidender Punkt wird sein, ob China, die Türkei oder andere Länder außerhalb des Westens bereit wären, einen solchen Übergangsprozess mitzutragen. Nur ein breites internationales Mandat könnte verhindern, dass die Idee einer UN-Verwaltung zur Farce verkommt. Ebenso wird sich zeigen müssen, ob die Vereinten Nationen überhaupt die Kapazitäten und das politische Mandat aufbringen können, ein solch sensibles Projekt zwischen Kriegspartei und Opferstaat zu moderieren.

    Während Putin den Vorstoß als Geste der Offenheit verkauft, sieht Kiew darin einen Versuch, die Ukraine zu entmündigen. Wie sich dieser Balanceakt in den kommenden Wochen entwickelt, hängt entscheidend von den Reaktionen in Washington, Brüssel und Peking ab. Klar ist nur: Der Krieg in der Ukraine wird längst nicht nur mit Waffen geführt – sondern zunehmend auch mit diplomatischen Offensiven, deren Absichten schwer zu durchschauen sind.

    Von Andreas Brucker

  • Annäherung im Schwarzen Meer: Russland und Ukraine einigen sich auf teilweise Waffenruhe

    Annäherung im Schwarzen Meer: Russland und Ukraine einigen sich auf teilweise Waffenruhe

    Ein überraschender Schritt sorgt für neue Bewegung im festgefahrenen Krieg in der Ukraine: Moskau und Kiew haben sich darauf verständigt, die Kampfhandlungen im Schwarzen Meer einzustellen. Die Einigung, die unter Vermittlung der Vereinigten Staaten bei Gesprächen in Saudi-Arabien erzielt wurde, markiert einen seltenen Moment gegenseitiger Zugeständnisse in einem ansonsten von Eskalation und Misstrauen geprägten Konflikt.

    Beide Seiten verpflichteten sich, die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten und Handelsschiffe nicht länger für militärische Zwecke zu missbrauchen. Die Vereinbarung zielt darauf ab, eine kritische Region zu stabilisieren, deren strategische Bedeutung weit über die Region hinausreicht.

    Einigung durch indirekten Dialog

    Bemerkenswert an der Vereinbarung ist die indirekte Kommunikationsform: Russland und die Ukraine verhandelten nicht direkt miteinander, sondern über die Vereinigten Staaten als Vermittler. Die Gespräche fanden getrennt statt, mündeten jedoch in inhaltlich weitgehend deckungsgleiche Erklärungen beider Seiten. Die Tatsache, dass ein solches Format überhaupt zustande kam und zu konkreten Ergebnissen führte, wird von Beobachtern als diplomatischer Erfolg gewertet – auch wenn es sich bislang lediglich um eine sektorale Waffenruhe handelt.

    Kiew zeigte sich unmittelbar nach der Verkündung kooperationsbereit. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Übereinkunft als „guten Schritt“, während Verteidigungsminister Rustem Umerow ergänzende technische Konsultationen anmahnte, um offene Fragen zu klären. Er stellte zugleich klar, dass jegliche Bewegung russischer Kriegsschiffe nahe ukrainischer Gewässer eine Verletzung des Abkommens darstellen würde.

    Moskaus Bedingungen und Erwartungen

    Auf russischer Seite wurde der Waffenruhe zwar zugestimmt, jedoch mit Bedingungen verknüpft. Die Regierung in Moskau verlangt im Gegenzug die Lockerung westlicher Sanktionen, insbesondere solcher, die russische Agrar- und Düngemittelexporte behindern. Im Zentrum der Forderungen steht die Aufhebung von Beschränkungen gegen die Agrarbank Rosselkhozbank sowie gegen relevante Versicherungs- und Logistikdienstleister. Russland erwartet von den USA konkrete Schritte zur Wiederherstellung seines Zugangs zu globalen Märkten, inklusive besserer Versicherungsbedingungen für Frachtschiffe, Hafenlogistik und Zahlungssysteme.

    Diese Bedingungen verdeutlichen, dass Moskau die militärische Deeskalation im Schwarzen Meer eng mit wirtschaftspolitischen Anliegen verknüpft. Die aktuelle Einigung könnte somit ein Versuch sein, durch sicherheitspolitische Entgegenkommen auf wirtschaftlichem Feld Erleichterungen zu erzielen – eine Strategie, die bereits bei früheren Abkommen verfolgt wurde.

    Dritte Parteien als Garanten

    Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Einigung ist die geplante Einbindung dritter Staaten in die Überwachung der Waffenruhe. Selenskyj zufolge haben sich die Ukraine und die Vereinigten Staaten darauf verständigt, neutrale Staaten mit der technischen und operativen Überwachung der Vereinbarung zu betrauen. In diplomatischen Kreisen gelten Länder wie die Türkei oder Saudi-Arabien als mögliche Kandidaten für diese Rolle. Russland äußerte sich zu dieser Frage bislang nicht, signalisierte jedoch allgemein Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Drittstaaten im maritimen und energetischen Bereich.

    Die Einbindung neutraler Akteure könnte nicht nur zur Vertrauensbildung beitragen, sondern auch sicherstellen, dass sich keine der beiden Parteien durch militärische oder wirtschaftliche Provokationen Vorteile verschafft. Offen bleibt allerdings, wie solche Kontrollmechanismen in der Praxis umgesetzt und durchgesetzt werden sollen.

    Historische Parallelen und offene Fragen

    Bereits in der Vergangenheit spielte das Schwarze Meer eine Schlüsselrolle in der kriegsbedingten Wirtschafts- und Ernährungskrise. Ein Getreideabkommen, das von Juli 2022 bis Juli 2023 in Kraft war, ermöglichte der Ukraine trotz des Krieges die Ausfuhr von Agrargütern. Russland stieg jedoch einseitig aus diesem Abkommen aus und warf dem Westen vor, die zugesagten Sanktionslockerungen nicht eingehalten zu haben.

    Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Vereinbarung mehr als eine rein sicherheitspolitische Maßnahme: Sie greift in die geopolitische Balance bei der globalen Ernährungssicherheit ein. Sowohl Russland als auch die Ukraine zählen zu den wichtigsten Exportnationen von Getreide und Düngemitteln. Eine stabile Lage im Schwarzen Meer könnte daher nicht nur regionale, sondern auch weltwirtschaftliche Entspannung bringen.

    Fragile Hoffnung inmitten fortgesetzter Gewalt

    Trotz der positiven Signale ist der Weg zu einem umfassenden Frieden noch weit. Der Kreml erklärte, man werde die Ergebnisse der Gespräche zunächst analysieren. Zwar sei der Dialog mit den USA fortzusetzen, doch gebe es bislang keinen Termin für ein weiteres Treffen. Die russische Delegation hat Saudi-Arabien bereits wieder verlassen.

    Gleichzeitig dauern die Kämpfe an anderen Fronten unvermindert an. In der ostukrainischen Stadt Sumy wurden bei einem russischen Raketenangriff Dutzende Menschen verletzt – ein Vorfall, der den begrenzten Charakter der neuen Vereinbarung unterstreicht. Auch von ukrainischer Seite gab es in den vergangenen Tagen Angriffe auf russisches Territorium. Die Waffenruhe im Schwarzen Meer bedeutet daher keinen Waffenstillstand im Gesamtkrieg, sondern bleibt ein punktuelles Signal der Entspannung.

    Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Rolle Europas. Während Washington als Vermittler fungierte, blieben die europäischen Staaten bei diesen Gesprächen außen vor. Ob das eine bewusste Entscheidung der Konfliktparteien oder eine Folge diplomatischer Abnutzung ist, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass eine nachhaltige Friedenslösung ohne europäische Einbindung langfristig kaum denkbar erscheint.

    Ein vorsichtiger Optimismus ist dennoch angebracht. Die Waffenruhe im Schwarzen Meer ist kein Durchbruch, aber ein konstruktiver Schritt. Dass beide Seiten überhaupt bereit waren, sich auf ein formelles Abkommen zu verständigen – auch wenn es nur ein sektoraler Kompromiss ist – zeigt, dass sich inmitten der militärischen Auseinandersetzung zumindest punktuell neue Spielräume auftun. Ob daraus ein stabiler Friedensprozess erwachsen kann, hängt nun vor allem vom politischen Willen und diplomatischem Geschick der Beteiligten ab.

    Von Andreas Brucker

    Quellen:
    ZDF, The Guardian, Associated Press, RIA Novosti, The Times

  • Verhandlungen zwischen USA und Russland: Trumps Emissär relativiert Putins Expansionsabsichten

    Verhandlungen zwischen USA und Russland: Trumps Emissär relativiert Putins Expansionsabsichten

    Im Vorfeld neuer Gespräche über den Ukraine-Krieg hat Steve Witkoff, Sondergesandter des US-Präsidenten Donald Trump, für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit dem Sender Fox äußerte er Zweifel daran, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Absicht habe, ganz Europa zu erobern. Diese Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA, der Ukraine und Russland in eine neue Phase treten – mit moderaten Erwartungen auf Fortschritt, aber erheblichen geopolitischen Spannungen im Hintergrund. Witkoffs Äußerung ist nicht nur eine Analyse des gegenwärtigen Konflikts, sondern auch ein deutlicher Kontrast zur vorherrschenden Einschätzung westlicher Regierungen. Sie wirft ein Licht auf die veränderte Perspektive der Trump-nahen politischen Kreise gegenüber Russland – und sie wirft Fragen auf über die künftige strategische Positionierung der Vereinigten Staaten. Eine historische Relativierung „Ich glaube einfach nicht, dass er ganz Europa einneh…

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  • Neue Dynamik im Ukraine-Konflikt: Selenskyj plant Gespräch mit Trump

    Neue Dynamik im Ukraine-Konflikt: Selenskyj plant Gespräch mit Trump

    Am heutigen Mittwoch kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an, ein Gespräch mit Donald Trump führen zu wollen. Dies geschieht kurz nach einem Telefonat zwischen dem US-Präsidenten und Wladimir Putin, bei dem eine sehr eng begrenzte Waffenruhe vereinbart wurde. Selenskyj betonte die Notwendigkeit einer gerechten Friedenslösung mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine, um eine erneute Eskalation des Konflikts zu verhindern.

    Fortgesetzte russische Angriffe trotz Waffenruhe

    Ungeachtet der Vereinbarung über eine 30-tägige Einstellung der Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur setzte Russland seine Angriffe auf zivile Ziele fort. Während der Nacht wurden mehrere Raketen und über hundert Kampfdrohnen auf die Ukraine abgefeuert. Dabei wurden eine Person getötet und zwei Krankenhäuser beschädigt. Die Fortsetzung der Angriffe trotz der Waffenruhe wirft Fragen über die tatsächlichen Absichten Moskaus auf und erschwert diplomatische Bemühungen.

    Washington drängt auf umfassendere Vereinbarung

    Die US-Regierung signalisiert den Wunsch nach einer Ausweitung der Waffenruhe. Während sich Trump und Putin zunächst auf eine Begrenzung der Waffenruhe auf Energieinfrastrukturen einigten, drängt Washington auf einen umfassenderen Waffenstillstand, der auch andere Bereiche umfassen soll. Ziel sei es, eine dauerhafte Beruhigung der Lage zu ermöglichen und den Grundstein für weiterführende Verhandlungen zu legen.

    Europäische Skepsis gegenüber russischen Absichten

    Aus europäischer Sicht bleiben Zweifel an der Glaubwürdigkeit Moskaus bestehen. Führende Vertreter der EU äußerten sich kritisch und wiesen darauf hin, dass Russland bisher keine echten Zugeständnisse gemacht habe. Besonders die Forderung Russlands, westliche Militärhilfe für die Ukraine einzustellen, wird als inakzeptabel bewertet. Dies unterstreicht die weiterhin bestehenden Differenzen zwischen der EU und Russland in der Frage einer langfristigen Konfliktlösung.

    Nächste Verhandlungsrunde in Saudi-Arabien

    In wenigen Tagen sollen in Dschidda weitere Gespräche zur Deeskalation des Konflikts beginnen. Geplant ist die Teilnahme hochrangiger Vertreter der US-Regierung. Unklar bleibt bislang, wer Russland bei diesen Verhandlungen vertreten wird. Die kommenden Tage dürften entscheidend dafür sein, ob sich die diplomatischen Bemühungen in eine Richtung bewegen, die einen tatsächlichen Durchbruch ermöglichen könnte.

    Von Andreas Brucker

  • Berlin kritisiert Putins Taktik nach erneuten russischen Angriffen

    Berlin kritisiert Putins Taktik nach erneuten russischen Angriffen

    Die diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation des Ukraine-Krieges haben einen neuen Rückschlag erlitten. Trotz einer von den USA und Russland vereinbarten 30-tägigen Pause der Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur setzte Moskau seine militärischen Operationen fort. Ziel der jüngsten Angriffe waren erneut zivile Einrichtungen, darunter ein Krankenhaus in Sumy sowie mehrere Stadtteile von Kiew. Die Ukraine sieht in diesen Angriffen den Beweis, dass Russland nicht ernsthaft an einem Waffenstillstand interessiert ist.

    Die Reaktion aus Deutschland folgte prompt. Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete die fortgesetzten Angriffe als Beleg für das taktische Spiel Russlands, das lediglich den Anschein diplomatischer Fortschritte erwecken wolle. Es sei offensichtlich, dass Moskau nicht bereit sei, von seiner aggressiven Haltung abzurücken. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz forderte einen umfassenden Waffenstillstand und betonte, dass eine nachhaltige Friedenslösung nur unter direkter Einbeziehung der Ukraine gefunden werden könne.

    Die USA hatten zuvor einen begrenzten Waffenstillstand mit Russland verhandelt, der sich auf Angriffe gegen Energieinfrastrukturen beschränkte. Washington drängt nun darauf, dass die Vereinbarung auch auf andere zivile Einrichtungen ausgeweitet wird. In diesem Zusammenhang sind für das kommende Wochenende neue Verhandlungen in Saudi-Arabien angesetzt. Die USA werden durch hochrangige Vertreter aus dem Außenministerium und dem Nationalen Sicherheitsrat vertreten sein, während die russische Delegation bislang nicht offiziell benannt wurde.

    Die anhaltenden Angriffe lassen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der russischen Zusagen aufkommen. Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in einer ersten Reaktion, dass Wladimir Putin den Vorschlag eines vollständigen Waffenstillstands explizit abgelehnt habe. Dies untergrabe die Hoffnungen auf eine baldige Deeskalation und verstärke den Druck auf die westlichen Staaten, ihre militärische und wirtschaftliche Unterstützung für die Ukraine aufrechtzuerhalten.

    Berlin sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, seinen Einfluss innerhalb der EU zu nutzen, um eine kohärente Reaktion auf die Entwicklungen in der Ukraine zu koordinieren. Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten als einer der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Unterstützer der Ukraine positioniert und drängt auf eine einheitliche europäische Haltung. Die Forderungen nach weiteren Sanktionen gegen Russland und einer verstärkten militärischen Hilfe für die Ukraine dürften nun erneut an Gewicht gewinnen.

    Die bevorstehenden Gespräche in Jeddah könnten entscheidend dafür sein, ob ein weitergehender Waffenstillstand realistisch erscheint oder ob sich die Fronten weiter verhärten. Dabei bleibt die Frage offen, inwieweit Russland tatsächlich bereit ist, über substanzielle Friedensvereinbarungen zu verhandeln oder ob es lediglich Zeit gewinnen will, um seine militärischen Ziele weiterzuverfolgen. Der internationale Druck auf Moskau nimmt zu, doch eine nachhaltige Lösung scheint nach den jüngsten Angriffen in weiter Ferne.

    Autor: P.T.

  • Russland, Ukraine und die Bedingungen für einen Waffenstillstand

    Russland, Ukraine und die Bedingungen für einen Waffenstillstand

    Nach mehr als drei Jahren Krieg zeichnet sich eine mögliche Verhandlungslösung im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ab. Eine zentrale Rolle spielt dabei die von den USA vorgeschlagene 30-tägige Waffenruhe, die als vertrauensbildende Maßnahme dienen soll. Doch die Bedingungen beider Seiten sind bislang kaum miteinander vereinbar.

    Russland verfolgt weiterhin die strategischen Ziele, die es zu Beginn der Invasion formuliert hatte: die Verhinderung eines NATO-Beitritts der Ukraine, eine erhebliche Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte und die offizielle Anerkennung der russischen Sprache und Kultur. Darüber hinaus fordert Moskau, dass Kiew seine Truppen aus den vier Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson zurückzieht – Gebiete, die Russland im September 2022 annektiert hat, jedoch nie vollständig unter seine Kontrolle bringen konnte.

    Ein weiterer wesentlicher Punkt auf der russischen Agenda ist die Aufhebung der westlichen Sanktionen und die Freigabe eingefrorener russischer Vermögenswerte. Präsident Wladimir Putin sieht zudem die NATO-Präsenz nahe der russischen Grenze als Sicherheitsbedrohung und fordert eine Rücknahme der militärischen Stärkung der osteuropäischen Allianzmitglieder. Ein entscheidender Streitpunkt ist zudem die Legitimität des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dessen reguläre Amtszeit bereits ausgelaufen ist. Moskau stellt infrage, ob er überhaupt befugt ist, einen bindenden Friedensvertrag zu unterzeichnen.

    Die Ukraine verfolgt hingegen das Ziel, Sicherheitsgarantien von internationalen Partnern zu erhalten, um sich gegen weitere russische Aggressionen zu schützen. Da ein NATO-Beitritt kurzfristig nicht realistisch erscheint, setzen Kiews westliche Verbündete auf alternative Sicherheitsarrangements. Eine mögliche Lösung wird in einer „Koalition der Willigen“ gesehen, die bereit ist, Truppen zu stationieren oder militärische Unterstützung zu leisten. Parallel dazu betont die ukrainische Regierung die Notwendigkeit, ihre eigene Verteidigungsfähigkeit auszubauen. Eine Stärkung der Streitkräfte sowie eine Unabhängigkeit von ausländischer Rüstungshilfe sind zentrale Anliegen.

    Auf territorialer Ebene zeigt sich die Ukraine zwar flexibel, indem sie keine unmittelbare Rückgabe aller seit 2014 verlorenen Gebiete verlangt, jedoch lehnt Kiew die offizielle Abtretung ukrainischen Territoriums entschieden ab. Ein weiteres Kernthema ist die Forderung nach der Rückführung von ukrainischen Kindern, die illegal nach Russland deportiert wurden, sowie die Freilassung von in Russland inhaftierten Zivilisten.

    Die Verhandlungen werden durch die wechselseitigen roten Linien erschwert. Während Moskau strikt gegen jegliche NATO-Präsenz in der Ukraine ist, betrachtet Kiew den Verlust weiterer Gebiete als nicht verhandelbar. In diesem Spannungsfeld versuchen die USA, einen pragmatischen Ansatz zu finden. US-Präsident Donald Trump signalisierte in einem Telefonat mit Putin seine Bereitschaft, Fragen der territorialen Kontrolle und der Energieinfrastruktur in die Gespräche einzubeziehen.

    Auch in Europa wird diskutiert, wie eine tragfähige Sicherheitsarchitektur für die Ukraine aussehen könnte. Während einige EU-Staaten die Stationierung von Truppen zur Stabilisierung eines Waffenstillstands in Erwägung ziehen, herrscht Skepsis gegenüber der Zuverlässigkeit russischer Zusagen. Italien etwa hat bereits eine Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe ausgeschlossen.

    Obwohl es diplomatische Bewegung gibt, bleibt die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Waffenstillstands gering. Beide Seiten haben sich in ihrer Rhetorik festgelegt, und keiner der Hauptakteure scheint bereit, grundsätzliche Kompromisse einzugehen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die internationale Diplomatie gegen die Realitäten eines festgefahrenen Konflikts durchsetzen kann.

    Von Andreas Brucker

  • Ein Schritt in Richtung Deeskalation: Russland und USA vereinbaren 30-tägige Waffenruhe für ukrainische Energieinfrastruktur

    Ein Schritt in Richtung Deeskalation: Russland und USA vereinbaren 30-tägige Waffenruhe für ukrainische Energieinfrastruktur

    In einem bemerkenswerten diplomatischen Schritt haben der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump eine 30-tägige Aussetzung von Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine vereinbart. Dieses Abkommen, das während eines mehr als zweistündigen Telefongesprächs am 18. März 2025 erzielt wurde, könnte einen Wendepunkt im seit drei Jahren andauernden Konflikt darstellen.

    Hintergrund des Konflikts

    Seit der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 befindet sich die Region in einem anhaltenden Kriegszustand. Trotz internationaler Bemühungen blieben dauerhafte Friedenslösungen bislang aus. Die Energieinfrastruktur der Ukraine war immer wieder Ziel russischer Angriffe, was zu erheblichen Versorgungsengpässen führte. Im Gegenzug griff die Ukraine russische Raffinerien und Treibstoffdepots an.

    Details der Vereinbarung

    Laut Kreml stimmte Präsident Putin dem Vorschlag von Präsident Trump zu, für 30 Tage auf Angriffe gegen die Energieinfrastruktur zu verzichten, und erteilte umgehend entsprechende Anweisungen an das russische Militär. Die Vereinbarung umfasst einen gegenseitigen Verzicht auf solche Angriffe, wobei die spezifische Haltung der Ukraine zu dieser temporären Maßnahme nicht explizit erwähnt wurde.

    Diese Vereinbarung stellt eine bedeutende Deeskalation in dem dreijährigen Krieg dar. Allerdings ging sie nicht so weit wie der von den USA unterstützte Vorschlag eines umfassenden 30-tägigen Waffenstillstands, dem die Ukraine bereits zugestimmt hatte.

    Russische Bedingungen für einen umfassenderen Waffenstillstand

    Präsident Putin betonte die Notwendigkeit, mehrere wesentliche Punkte zu klären, um einen effektiven Waffenstillstand entlang der gesamten Frontlinie zu gewährleisten. Dazu gehören die Beendigung der Zwangsmobilisierung in der Ukraine und das Stoppen der Aufrüstung der ukrainischen Streitkräfte. Zudem forderte er ein vollständiges Ende der ausländischen Militärhilfe und der Bereitstellung von Geheimdienstinformationen an Kiew als Schlüsselbedingung für eine diplomatische Lösung des Konflikts.

    Austausch von Gefangenen

    Ein weiterer positiver Aspekt des Gesprächs war die Ankündigung eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und der Ukraine. Am 19. März sollen jeweils 175 Gefangene ausgetauscht werden, was als Zeichen des guten Willens beider Seiten gewertet wird.

    Internationale Reaktionen

    Die internationale Gemeinschaft reagierte vorsichtig optimistisch auf diese Entwicklungen. Die Europäische Union begrüßte die Vereinbarung als Schritt in die richtige Richtung, betonte jedoch, dass weitere Anstrengungen erforderlich seien, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Der französische Präsident Emmanuel Macron betonte die Notwendigkeit, vorbereitet zu sein, um einen Krieg zu vermeiden, und unterstrich die Bedeutung einer starken Verteidigung Europas.

    Obwohl die 30-tägige Waffenruhe für die Energieinfrastruktur der Ukraine bereits ein positiver Schritt ist, bleibt unklar, ob sie zu einem umfassenderen Waffenstillstand führen wird. Die von Russland gestellten Bedingungen könnten für die Ukraine schwer akzeptabel sein, insbesondere in Bezug auf die Beendigung der ausländischen Militärhilfe. Dennoch bieten die geplanten Verhandlungen im Nahen Osten eine Gelegenheit, weitere Fortschritte in Richtung eines dauerhaften Friedens zu erzielen.

    Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um zu sehen, ob diese vorläufige Vereinbarung den Weg für einen umfassenderen Frieden ebnen kann oder ob sie lediglich eine kurzfristige Deeskalation darstellt. Die internationale Gemeinschaft wird weiterhin eine Schlüsselrolle dabei spielen, beide Seiten zu konstruktiven Verhandlungen zu ermutigen und eine nachhaltige Lösung des Konflikts zu fördern.

    Von Andreas Brucker

  • Trump und Putin: Gespräche über Waffenstillstand in der Ukraine am heutigen Dienstag

    Trump und Putin: Gespräche über Waffenstillstand in der Ukraine am heutigen Dienstag

    US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin werden am Dienstag ein Telefongespräch führen, um über die Beendigung des Ukraine-Konflikts zu verhandeln. Der Kreml bestätigte am Montag, dass die Vereinigten Staaten Moskaus Unterstützung für einen 30-tägigen Waffenstillstand anstreben.​

    Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, das Gespräch werde sich hauptsächlich auf die Beilegung des Konflikts in der Ukraine konzentrieren. Zudem sei es „ein wichtiger Schritt, der den Ton für die Wiederbelebung der bilateralen Beziehungen setzt“. Russlands umfassende Invasion in der Ukraine begann 2022.​

    Am 17. März skizzierte Präsident Trump die zentralen Verhandlungspunkte für die Gespräche mit Putin über ein mögliches Kriegsende. Er äußerte am Sonntag die Hoffnung auf eine baldige Einigung: „Wir kommen, glaube ich, mit Russland ganz gut voran“, sagte er gegenüber Reportern an Bord der Air Force One. „Vielleicht haben wir am Dienstag etwas anzukündigen.“​

    Auf die Frage nach möglichen russischen Zugeständnissen erklärte Trump, es seien bereits Gespräche über die Aufteilung von Vermögenswerten geführt worden. „Wir werden über Land sprechen. Wir werden über Kraftwerke sprechen“, sagte er. „Ich denke, vieles davon wurde bereits ausführlich zwischen beiden Seiten, Ukraine und Russland, diskutiert.“​

    Moskaus Zurückhaltung gegenüber dem US-Waffenstillstandsvorschlag

    In der vergangenen Woche erklärten US-Beamte, dass nun „der Ball bei Russland liegt“, nachdem die Ukraine dem Waffenstillstandsabkommen zugestimmt hatte. Putin hat sich bislang geweigert, den US-Vorschlag vollständig zu unterstützen, und verwies auf „Nuancen“, die „gründlicher Untersuchung“ bedürften. Seine Truppen versuchen derweil, ukrainische Einheiten aus der südwestlich gelegenen russischen Region Kursk zu vertreiben und Kiew eine wichtige Verhandlungsposition zu nehmen.​

    Am Donnerstag erklärte Putin, Russland werde einem Waffenstillstand nur zustimmen, wenn dieser zu einem dauerhaften Frieden führe. Dabei deutete er Bedingungen an, etwa ein Verbot jeglicher militärischer Unterstützung durch die USA oder eine Begrenzung der ukrainischen Mobilmachung. Zudem stellte er die Frage, wie eine solche Waffenruhe durchgesetzt werden könnte.​

    Russland hat stets weitreichende Forderungen gestellt, die die Ukraine als unannehmbar betrachtet. Im Juni erklärte Putin, er werde die Kämpfe sofort einstellen, wenn die Ukraine vier südöstliche Regionen aufgäbe, die Russland teilweise besetzt hält, und auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichte.​

    Moskau wies außerdem Vorschläge westlicher Staaten zurück, ausländische Friedenstruppen als Sicherheitsgarantie in die Ukraine zu entsenden.​

    Es bleibt unklar, welche Sicherheitsgarantien die Ukraine erhalten würde, um sich vor zukünftigen Angriffen zu schützen, oder ob Trump nennenswerte Zugeständnisse von Putin erwirken könnte.​

    Differenzen zwischen Russland und der Ukraine scheinen sich zu verringern

    Steve Witkoff, ein Sondergesandter Trumps, erklärte am Sonntag, sein jüngstes Treffen mit Putin sei „positiv“ verlaufen. Die Differenzen zwischen russischen und ukrainischen Vertretern schienen sich „angenähert“ zu haben.​

    „Ich war gestern den ganzen Tag mit dem Präsidenten zusammen und werde heute wieder mit ihm sein“, sagte Witkoff über Trump in der CNN-Sendung State of the Union. „Wir sitzen mit ihm zusammen und besprechen, wie wir die Lücke weiter schließen können.“​

    Auf die Frage, ob Putin das Haupthindernis für ein Friedensabkommen sei, antwortete Witkoff: „Ich möchte Präsident Putin keine Worte in den Mund legen, aber ich denke, er hat angedeutet, dass er die Philosophie von Präsident Trump akzeptiert. Präsident Trump will ein Ende dieses Krieges.“​

    Er widersprach nicht Trumps Einschätzung, dass ein Friedensabkommen innerhalb weniger Wochen erreicht werden könnte. „Dies ist eine hochkomplexe Situation“, sagte Witkoff. „Und dennoch überbrücken wir die Kluft zwischen beiden Seiten.“​

    Der republikanische Senator Mike Rounds aus South Dakota äußerte sich in derselben Sendung jedoch vorsichtiger. „Die Zeit wird zeigen“, sagte er, „ob Putin uns täuscht.“​

    Rounds stellte klar, dass Putin den Krieg begonnen habe und der Aggressor sei. Falls der russische Präsident seine Meinung geändert und erkannt habe, welchen Schaden der Krieg seiner Wirtschaft und seinem Militär zugefügt habe, könne ein Fortschritt erzielt werden – allerdings nur, wenn es einen „durchsetzbaren Frieden“ gebe.​

    „Egal, welche Vereinbarungen wir treffen, sie müssen durchsetzbar sein“, so Rounds. „Sonst werden sie nicht funktionieren, wenn wir es mit Herrn Putin zu tun haben.“​

    Kiews rote Linien und westliche Sicherheitsgarantien

    Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha formulierte am Montag die ukrainischen „nicht verhandelbaren“ Positionen.​

    „Es gibt fundamentale Prinzipien“, erklärte Sybiha in einem Interview mit RBC-Ukraine. „Die Ukraine wird niemals besetzte Gebiete anerkennen. Zweitens hat kein Land das Recht, das Wahlrecht des ukrainischen Volkes oder seine Entscheidung, Bündnissen wie der EU oder der NATO beizutreten, zu blockieren.“​

    US-Sicherheitsberater Michael Waltz erklärte am Sonntag, eine dauerhafte NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sei „höchst unwahrscheinlich“. Er bestätigte damit die Äußerungen von Verteidigungsminister Pete Hegseth im vergangenen Monat, der klargestellt hatte, dass ein Beitritt aufgrund der „harten Realitäten vor Ort“ nicht auf dem Tisch liege.

    MAB