Kategorie: Paris, Ile de France

  • Paris sucht Abkühlung: Kanäle und Schwimmbäder werden zu Rettungsinseln in der Hitze

    Paris sucht Abkühlung: Kanäle und Schwimmbäder werden zu Rettungsinseln in der Hitze

    Paris erlebt bereits im Juni eine Hitzewelle, die viele Einwohner an die Hochsommertage vergangener Jahre erinnert. Schon am frühen Nachmittag klettern die Temperaturen deutlich über die 30-Grad-Marke. Zwischen Asphalt, Beton und dicht bebauten Straßenzügen staut sich die Wärme wie in einem riesigen Backofen. Für viele Pariser gibt es deshalb nur eine Richtung: ans Wasser.

    Besonders rund um den Canal Saint-Martin zeigt sich, wie sehr die Hauptstadt nach Abkühlung verlangt. Wo sonst Spaziergänger, Radfahrer und Cafébesucher unterwegs sind, herrscht nun beinahe Urlaubsstimmung. Familien, Studenten und Touristen drängen sich entlang der Ufer. Das Wasser, einst vor allem Verkehrs- und Freizeitweg, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Zufluchtsort gegen die Hitze.

    Die Stadtverwaltung reagierte auf eine Entwicklung, die sich bereits seit Wochen abgezeichnet hatte. Immer wieder sprangen Jugendliche trotz Verbots in den Kanal, um sich zu erfrischen. Statt ausschließlich auf Kontrollen zu setzen, entschied sich die Stadt für einen pragmatischen Weg. In einem überwachten Bereich dürfen Besucher nun offiziell baden. Rettungsschwimmer sorgen für Sicherheit, der Zugang bleibt kostenlos. Damit passt sich Paris einer Realität an, die sich kaum noch ignorieren lässt.

    Auch die städtischen Schwimmbäder erleben einen regelrechten Ansturm. Bereits kurz nach der Öffnung bilden sich lange Warteschlangen. Viele Anlagen erreichen innerhalb kurzer Zeit ihre Kapazitätsgrenzen. Besonders gefragt sind Freibäder und Schwimmbäder mit Außenbecken. Dort suchen die Menschen nicht nur das kühle Wasser, sondern auch ein wenig Erholung vom hektischen Großstadtalltag.

    Wer an diesen Tagen durch Paris spaziert, erkennt schnell, wie sich die Stadt verändert. Plätze, Kanäle und Wasserflächen übernehmen eine neue Funktion. Sie dienen längst nicht mehr nur der Freizeitgestaltung. Vielmehr entstehen kleine klimatische Rückzugsräume in einer Metropole, die sich auf heißere Sommer einstellen muss.

    Experten gehen davon aus, dass intensive Hitzeperioden künftig häufiger auftreten. Gleichzeitig verstärkt der sogenannte Wärmeinseleffekt die Belastung in dicht bebauten Vierteln. Gebäude speichern die Hitze über Stunden hinweg und geben sie erst langsam wieder ab. Dadurch bleiben die Temperaturen selbst nachts oft unangenehm hoch.

    Vor diesem Hintergrund gewinnt die Öffnung zusätzlicher Badeflächen an Bedeutung. Paris investiert zunehmend in Konzepte, die den Bewohnern während extremer Wetterlagen Erleichterung verschaffen sollen. Die Kanäle und Schwimmbäder der Stadt entwickeln sich damit zu einem festen Bestandteil der Anpassung an den Klimawandel.

    Die Bilder dieser Tage zeigen eine Stadt im Wandel. Wo früher nur vereinzelt gebadet wurde, entstehen heute improvisierte Sommeroasen. Paris lernt, mit der Hitze zu leben – und das Wasser spielt dabei eine immer wichtigere Rolle.

    Autor: C.H.

  • Paris öffnet den Canal Saint-Martin früher für Badegäste

    Paris öffnet den Canal Saint-Martin früher für Badegäste

    Die Sommerhitze hat Paris fest im Griff – und die Stadt reagiert ungewöhnlich schnell. Angesichts der hohen Temperaturen, die in dieser Woche erwartet werden, dürfen Pariserinnen und Pariser bereits ab Mittwoch im Canal Saint-Martin baden. Eigentlich war die Öffnung des beliebten Badebereichs erst für Anfang Juli vorgesehen. Nun zieht die Hauptstadt den Startschuss vor und schafft damit eine willkommene Abkühlung mitten im Herzen der Metropole. Freigegeben wird ein rund 100 Meter langer Abschnitt im Bassin des Récollets im 10. Arrondissement. Zwischen 16 und 20 Uhr können Besucher dort kostenlos ins Wasser steigen. Rettungsschwimmer sorgen während der Öffnungszeiten für Sicherheit, während die Stadt die Wasserqualität regelmäßig kontrolliert. Die Entscheidung kommt nicht von ungefähr. Hitzewellen prägen den Pariser Sommer immer stärker. Asphalt, Beton und dicht bebaute Straßenzüge verwandeln viele Viertel an heißen Tagen in wahre Wärmespeicher. Wer dann nach Erfrischung sucht, hat oft …

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  • Drogentests in den Ministerien: Lecornu setzt auf Kontrolle und Symbolwirkung

    Drogentests in den Ministerien: Lecornu setzt auf Kontrolle und Symbolwirkung

    Paris verschärft den Kurs im Kampf gegen Drogenkonsum und organisierte Kriminalität. Mit einer am 16. Juni veröffentlichten Anweisung hat Premierminister Sébastien Lecornu die Minister seines Kabinetts aufgefordert, in ihren Ressorts unangekündigte und verpflichtende Drogentests mittels Speichelproben durchzuführen. Die Maßnahme betrifft die Ministerien und deren Mitarbeiter und soll nach Darstellung der Regierung die Integrität des Staatsapparats stärken. Die Entscheidung reiht sich in eine breitere sicherheitspolitische Strategie ein, mit der die Regierung auf die zunehmende Präsenz von Drogenhandel und organisierter Kriminalität in Frankreich reagiert. Lecornu hatte bereits zuvor einen „Wechsel der Dimension der Antwort“ auf die Herausforderungen des Drogenhandels gefordert und eine entschlossenere staatliche Reaktion angekündigt. Vertrauen in staatliche Institutionen stärken Nach Angaben aus Regierungskreisen sollen die Tests ohne Vorankündigung stattfinden, um ihre Wirksamkeit zu …

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  • Millionenbetrug am Flughafen Roissy: Ermittler zerschlagen mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk

    Millionenbetrug am Flughafen Roissy: Ermittler zerschlagen mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk

    Ein spektakulärer Schlag gegen die organisierte Geldwäsche beschäftigt derzeit die französischen Justizbehörden. Fünf Personen wurden im Rahmen eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens angeklagt, nachdem ein mutmaßliches Netzwerk aufgedeckt worden war, das große Mengen illegaler Gelder außer Landes geschafft haben soll. Bei der Polizeiaktion stellten die Ermittler nahezu drei Millionen Euro Bargeld sicher – verteilt auf zahlreiche kleine Banknoten und versteckt in Koffern. Nach bisherigen Erkenntnissen nutzte das Netzwerk eine vergleichsweise einfache, aber seit Jahrzehnten bekannte Methode. Sogenannte „Kofferträger“ transportierten erhebliche Bargeldsummen persönlich zum Flughafen Roissy bei Paris. Von dort aus sollten die Gelder offenbar in die Türkei gebracht werden. Trotz moderner Überwachungssysteme und immer ausgefeilterer Finanzkontrollen zeigt der Fall, dass der physische Transport von Bargeld weiterhin eine zentrale Rolle in der Welt der Geldwäsche spielt. Die Ermittlungen ze…

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  • Sommer in Paris: Diese Metro-, RER- und Tramlinien sorgen 2026 für Umwege

    Sommer in Paris: Diese Metro-, RER- und Tramlinien sorgen 2026 für Umwege

    Wer Paris in diesem Sommer besucht, sollte bei der Reiseplanung nicht nur an Sehenswürdigkeiten, Cafés und Museumsbesuche denken. Auch der öffentliche Nahverkehr verdient besondere Aufmerksamkeit. Während der Sommermonate laufen in der französischen Hauptstadt zahlreiche Modernisierungsarbeiten, die den Verkehr auf vielen Metro-, RER-, Tram- und Vorortbahnlinien spürbar beeinträchtigen.

    Die Bauarbeiten gehören mittlerweile fast schon zum Pariser Sommer wie das Picknick an der Seine. Hinter den Sperrungen steckt ein ehrgeiziges Ziel: Ein Verkehrsnetz, das teilweise seit mehr als einem Jahrhundert besteht, soll fit für die Zukunft gemacht werden. Gleise, Weichen, Stromleitungen und Bahnhöfe erhalten eine umfassende Modernisierung. Gleichzeitig bereiten die Verkehrsbetriebe die Einführung neuer Züge vor.

    Für Besucher bedeutet das allerdings Geduld.

    Besonders mehrere wichtige Metrolinien geraten in den kommenden Wochen immer wieder ins Visier der Bauarbeiter. Die Linien 4, 8, 12 und 13 zählen zu den am stärksten betroffenen Strecken. Auf der Linie 12 laufen bereits seit Monaten umfangreiche Arbeiten, die noch bis Ende Juli andauern. Auch die stark frequentierte Linie 13 bleibt von Einschränkungen nicht verschont. Dort erfolgen Anpassungen für die künftigen MF19-Züge, die schrittweise das Netz modernisieren sollen.

    Noch deutlicher fallen die Auswirkungen bei den RER-Linien aus, die täglich Millionen Menschen zwischen Paris und den Vororten transportieren. Die Linien A, B, D und E verzeichnen während des Sommers wiederholt Unterbrechungen, Streckensperrungen und geänderte Fahrpläne.

    Besonders einschneidend wirkt die Situation auf der RER-D-Linie. Zwischen dem 25. Juli und dem 16. August verkehren keine Züge zwischen den Bahnhöfen Paris-Nord und Paris-Lyon. Der Grund: ein umfangreicher Austausch von Weichen in einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Region. Für Pendler und Touristen bedeutet das teils erhebliche Umwege.

    Auch auf der RER-E-Linie müssen Fahrgäste längere Einschränkungen einkalkulieren. Vor allem im Bereich Chelles-Gournay ziehen sich die Arbeiten bis in den September hinein.

    Nicht nur Schienen unter der Erde stehen im Fokus. Die Straßenbahnlinien T1 und T2 erhalten ebenfalls technische Erneuerungen. Auf einzelnen Streckenabschnitten ersetzen Busse die regulären Tramverbindungen. Wer sich auf gewohnte Fahrzeiten verlässt, könnte schnell feststellen: Aus einer kurzen Fahrt wird plötzlich ein kleiner Ausflug.

    Ähnlich sieht die Lage bei der RER C aus. Dort schließen die Betreiber zwischen Mitte Juli und Ende August mehrere Abschnitte, um Oberleitungen zu erneuern und die Infrastruktur besser gegen Hochwasser zu schützen. Solche Maßnahmen wirken auf den ersten Blick unspektakulär, bilden jedoch die Grundlage für einen zuverlässigeren Betrieb in den kommenden Jahren.

    Trotz aller Baustellen bleibt Paris hervorragend erreichbar. Ersatzbusse, alternative Streckenführungen und zusätzliche Informationen sollen die Auswirkungen begrenzen. Dennoch lohnt sich ein täglicher Blick auf aktuelle Verkehrsmeldungen. Gerade in einer Stadt, in der Entfernungen oft unterschätzt werden, spart eine gute Vorbereitung Zeit und Nerven.

    Denn eines gilt im Sommer 2026 mehr denn je: Der schnellste Weg durch Paris ist nicht immer der, der gestern noch funktioniert hat. Wer flexibel bleibt und seine Route rechtzeitig prüft, erlebt die französische Hauptstadt trotzdem entspannt – und erspart sich so manche unangenehme Überraschung auf dem Weg zum nächsten Wahrzeichen.

    Autor: C.H.

  • Schatzsuche zwischen Luxus und Legenden

    Schatzsuche zwischen Luxus und Legenden

    Wer bei einem Flohmarkt an wackelige Tapeziertische, alte Bücher und ein paar vergessene Schallplatten denkt, erlebt in Saint Ouen eine Überraschung. Direkt vor den Toren von Paris befindet sich mit den Puces de Saint Ouen einer der außergewöhnlichsten Märkte Europas. Hier treffen kostbare Antiquitäten auf günstige Fundstücke, elegante Kunsthändler auf neugierige Touristen und Innenarchitekten auf leidenschaftliche Sammler. Wer durch die engen Gassen schlendert, merkt schnell: Dieser Ort folgt seinen ganz eigenen Regeln.

    Die Ursprünge des Marktes reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Damals mussten die sogenannten Biffins, die Pariser Trödler und Lumpensammler, die Hauptstadt verlassen. Sie ließen sich außerhalb der Stadtgrenzen nieder und verkauften dort gebrauchte Waren aller Art. Aus den improvisierten Ständen entwickelte sich über die Jahrzehnte ein riesiger Handelsplatz, der heute als größter Antiquitäten und Trödelmarkt der Welt gilt.

    Schon beim ersten Besuch fällt die beeindruckende Größe des Geländes auf. Die Puces bestehen nicht aus einem einzigen Markt, sondern aus einem ganzen Netzwerk verschiedener Bereiche, Hallen und Passagen. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues. Mal öffnet sich eine Galerie voller Gemälde, mal ein Geschäft mit alten Möbeln oder eine kleine Boutique mit Vintage Mode.

    Genau darin liegt der Zauber dieses Ortes. Wo sonst findet man innerhalb weniger Minuten einen prachtvollen Kronleuchter aus einem französischen Schloss, eine vergilbte Postkarte aus den 1920er Jahren und eine Lederjacke, die aussieht, als stamme sie direkt aus einem alten Film? Die Vielfalt wirkt fast grenzenlos.

    Besonders bekannt ist der Marché Biron. Dort präsentieren Händler Antiquitäten von beeindruckender Qualität. Viele Stücke könnten problemlos in einem Museum stehen. Vergoldete Spiegel, historische Kommoden, Skulpturen und seltene Kunstwerke ziehen Käufer aus aller Welt an. Die Preisschilder sorgen dabei gelegentlich für große Augen. Manche Objekte kosten so viel wie ein Einfamilienhaus.

    Doch die Puces gehören nicht allein den Wohlhabenden.

    Nur wenige Schritte weiter beginnt eine völlig andere Welt. Zwischen Kisten voller Schallplatten, alten Kameras, Büchern und Modeschätzen stöbern Besucher nach günstigen Entdeckungen. Wer Geduld mitbringt und genau hinsieht, findet oft echte Perlen zu überraschend kleinen Preisen. Gerade diese Mischung aus Luxus und Schnäppchen macht den Markt so spannend.

    Auch die Modebranche schwärmt seit Jahren von den Puces. Vintage Kleidung besitzt hier einen besonderen Stellenwert. In manchen Geschäften hängen seltene Stücke berühmter französischer Modehäuser neben zeitlosen Klassikern vergangener Jahrzehnte. Designer, Stylisten und Prominente suchen regelmäßig nach Inspiration. Viele der angebotenen Kleidungsstücke erzählen Geschichten aus einer Zeit, als Mode noch stärker von Handwerk und Individualität geprägt war.

    Doch selbst Menschen ohne Kaufabsichten kommen auf ihre Kosten. Der Markt gleicht einem lebendigen Museum. Jede Gasse erzählt von vergangenen Jahrzehnten. Alte Reklameschilder erinnern an längst verschwundene Geschäfte. Möbel spiegeln wechselnde Stilrichtungen wider. Fotografien zeigen Gesichter und Momente aus einer anderen Epoche. Manchmal genügt ein einziger Gegenstand, um eine ganze Geschichte im Kopf entstehen zu lassen.

    Und genau das macht den Reiz aus.

    Die Franzosen besitzen für diese besondere Form des Stöberns sogar ein eigenes Wort: „chiner“. Es beschreibt die Freude am Suchen, Entdecken und Finden. Nicht jeder Besuch endet mit einem Kauf. Oft zählt die Suche selbst mehr als das Ergebnis. Wer weiß schließlich, welches verborgene Schmuckstück hinter der nächsten Ecke wartet?

    Zwischendurch laden kleine Cafés und Bistros zu einer Pause ein. Dort sitzen Einheimische neben Touristen, Händler neben Sammlern. Das Stimmengewirr, der Duft von Kaffee und die geschäftige Atmosphäre verleihen dem Markt eine Lebendigkeit, die man kaum künstlich erzeugen könnte.

    Trotz seines internationalen Ruhms bewahrte sich der Markt seinen ursprünglichen Charakter. Zwischen luxuriösen Antiquitätenläden und einfachen Verkaufsständen lebt noch immer jener Geist weiter, der einst die ersten Trödler nach Saint Ouen führte. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seines Erfolgs. Die Puces wirken nie geschniegelt oder geschniegelt geschniegelt – sie bleiben authentisch, ein bisschen chaotisch und gerade deshalb so charmant.

    Wer Paris aus einer anderen Perspektive kennenlernen möchte, sollte diesem Ort unbedingt einen Besuch widmen. Denn die Puces de Saint Ouen zeigen eine Seite der französischen Hauptstadt, die in keinem Reiseführer vollständig eingefangen wird. Hier begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart auf engstem Raum, Luxus und Alltag reichen sich die Hand, und hinter jeder Ecke wartet die Möglichkeit auf eine kleine Entdeckung.

    Oder vielleicht sogar auf den Fund des Lebens.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Paris setzt auf die Zivilgesellschaft, um die Zwei-Staaten-Lösung in Nahost am Leben zu halten

    Paris setzt auf die Zivilgesellschaft, um die Zwei-Staaten-Lösung in Nahost am Leben zu halten

    Paris versucht an diesem Freitag, einer Idee neues politisches Gewicht zu verleihen, die viele Beobachter bereits für nahezu gescheitert halten: der Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dabei setzt die französische Diplomatie nicht allein auf Regierungen und internationale Organisationen, sondern bewusst auf Vertreter der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft. Die Zusammenkunft soll in einen neuen „Pariser Appell“ münden und an eine ähnliche Initiative des Paris Peace Forum aus dem Vorjahr anknüpfen.

    Die Bedeutung des Treffens ist vor allem politischer Natur. Nach Monaten anhaltender Gewalt im Gazastreifen, zunehmender Spannungen im Westjordanland und einer immer stärkeren Polarisierung auf beiden Seiten erscheint die Perspektive einer verhandelten Friedenslösung weiter entfernt denn je. Frankreich möchte dennoch ein Signal senden: Es gibt weiterhin Menschen und Organisationen, die an Dialog, gegenseitige Anerkennung und ein friedliches Zusammenleben glauben.

    Die französische Regierung betont dabei die zentrale Rolle gesellschaftlicher Akteure. Friedensinitiativen, Menschenrechtsorganisationen, kommunale Vertreter, Wissenschaftler und Bürgerbewegungen sollen sichtbar machen, dass die Debatte über die Zukunft der Region nicht ausschließlich von militärischen und politischen Entscheidungen bestimmt wird. Die Botschaft richtet sich auch an die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen, die in den kommenden Tagen über die Lage im Nahen Osten beraten.

    Der Zeitpunkt der Initiative ist bewusst gewählt. Frankreich hat gemeinsam mit mehreren westlichen Partnern zuletzt Sanktionen gegen Personen und Netzwerke verhängt, die mit Gewaltakten israelischer Siedler und dem Ausbau von Siedlungen im Westjordanland in Verbindung gebracht werden. Paris verfolgt damit einen doppelten Ansatz: politischen Druck dort auszuüben, wo internationales Recht verletzt wird, und zugleich diplomatische Perspektiven für eine spätere Konfliktlösung offenzuhalten.

    Die Hindernisse bleiben allerdings gewaltig. Die territoriale Zersplitterung der palästinensischen Gebiete, die tiefe gegenseitige Feindseligkeit, die Schwäche der palästinensischen Institutionen sowie die zunehmende Radikalisierung politischer Kräfte in Israel erschweren jede Rückkehr zu ernsthaften Friedensverhandlungen. Viele Experten bezweifeln inzwischen, dass die Voraussetzungen für die Schaffung eines lebensfähigen palästinensischen Staates noch gegeben sind.

    Gerade deshalb gewinnt die Pariser Initiative an Bedeutung. Sie wird den Konflikt nicht lösen und keine unmittelbaren politischen Durchbrüche erzielen. Doch sie erinnert daran, dass dauerhafter Frieden nicht allein durch diplomatische Abkommen entsteht. Politische Vereinbarungen können nur Bestand haben, wenn sie von den Gesellschaften getragen werden. Ohne lokale Akteure, die den Dialog aufrechterhalten, bleiben selbst die ambitioniertesten Friedenspläne wirkungslos.

    Ob der neue „Pariser Appell“ über seine symbolische Wirkung hinausreichen wird, bleibt offen. Entscheidend wird sein, ob aus den Erklärungen konkrete Maßnahmen folgen: besserer Schutz der Zivilbevölkerung, glaubwürdige politische Perspektiven für die Palästinenser, Sicherheitsgarantien für Israel und eine konsequente Bekämpfung extremistischer Gewalt. Paris versucht, eine fast aufgegebene Idee wieder in die internationale Debatte einzubringen. Ob daraus mehr entsteht als ein diplomatisches Signal, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

    Christine Macha

  • Urteil in Orléans: Lange Haftstrafen für Mitglieder eines kriminellen Online-Netzwerks

    Urteil in Orléans: Lange Haftstrafen für Mitglieder eines kriminellen Online-Netzwerks

    Ein französisches Gericht in Orléans hat vier Männer wegen schwerer Straftaten gegen Minderjährige zu Haftstrafen zwischen sechs und sechzehn Jahren verurteilt. Das Urteil beendet ein mehrjähriges Ermittlungsverfahren, das eines der umfangreichsten Verfahren dieser Art in Frankreich hervorgebracht hat. Die Verurteilten im Alter von 37 bis 64 Jahren gehörten nach Überzeugung des Gerichts zu einem Netzwerk, das digitale Kommunikationsplattformen nutzte, um Minderjährige gezielt anzusprechen und illegale Inhalte auszutauschen. Drei der Angeklagten wurden zusätzlich wegen besonders schwerer Übergriffe auf Kinder schuldig gesprochen. Die Ermittlungen begannen im Jahr 2022, nachdem französische Sicherheitsbehörden Zugang zu einschlägigen Online-Gruppen erhalten hatten. Dabei stießen die Ermittler auf eine große Menge belastenden Materials. Im Verlauf der Untersuchungen konnten zahlreiche Opfer identifiziert werden, darunter auch Kinder aus Frankreich. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand un…

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  • Abschied von Bernadette Chirac: Frankreich ehrt eine prägende Figur der Fünften Republik

    Abschied von Bernadette Chirac: Frankreich ehrt eine prägende Figur der Fünften Republik

    Eine Woche nach ihrem Tod nimmt Frankreich Abschied von Bernadette Chirac. Die frühere Première dame, die am 5. Juni im Alter von 93 Jahren verstorben ist, wird zunächst in Paris beigesetzt. Anschließend folgen weitere Gedenkfeiern in der Corrèze, jener Region, die ihr politisches Leben über Jahrzehnte geprägt hat und mit der ihr Name untrennbar verbunden bleibt. Trauerfeier in Paris mit prominenten Gästen Die zentrale Trauerzeremonie findet in der Basilika Sainte-Clotilde im 7. Arrondissement von Paris statt. Der Ort besitzt für die Familie Chirac eine besondere symbolische Bedeutung. In der nahegelegenen Kapelle Sainte-Clotilde hatten Bernadette Chodron de Courcel und Jacques Chirac im Jahr 1956 geheiratet. Zudem wurde dort 2016 die Trauerfeier für ihre älteste Tochter Laurence abgehalten. Zu den erwarteten Gästen zählen zahlreiche politische Weggefährten sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Unter ihnen befinden sich die ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Fra…

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  • Die Stars des Sumo kommen nach Paris: Seltenes Turnier sorgt für Begeisterung

    Die Stars des Sumo kommen nach Paris: Seltenes Turnier sorgt für Begeisterung

    Paris erlebt an diesem Wochenende ein außergewöhnliches sportliches und kulturelles Ereignis. Mehr als 30 Jahre nach dem letzten großen Auftritt professioneller japanischer Sumoringer in Frankreich kehren die größten Namen dieser traditionsreichen Sportart in die französische Hauptstadt zurück. Die Accor Arena in Bercy verwandelt sich am 13. und 14. Juni in eine Bühne für spektakuläre Duelle, uralte Rituale und ein Stück japanischer Kulturgeschichte. Für Fans des Sumo besitzt die Veranstaltung historischen Charakter. Internationale Auftritte professioneller Rikishi sind selten, da sich der Sport fast ausschließlich auf die sechs großen Jahresmeisterschaften in Japan konzentriert. Umso größer ist die Vorfreude auf die Rückkehr der Athleten nach Europa. Mit Hoshoryu und Onosato reisen zwei der bekanntesten und erfolgreichsten Kämpfer der Gegenwart nach Paris. Ihre Namen stehen für die neue Generation des Sumo und ziehen auch außerhalb Japans immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Wer Sumo n…

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