Kategorie: Frankreich

  • Verhältnis Frankreich und Algerien im freien Fall – Diplomatische Eskalation mit Ansage

    Verhältnis Frankreich und Algerien im freien Fall – Diplomatische Eskalation mit Ansage

    Was sich derzeit zwischen Paris und Algier abspielt, ist mehr als ein kurzfristiger diplomatischer Eklat. Es ist ein neuer Tiefpunkt in einer Beziehung, die nie frei war von Misstrauen, unausgesprochenen Vorwürfen – und einer Geschichte, die bis heute schmerzt. Zwölf algerische Diplomaten müssen Frankreich verlassen. Algier reagiert im Gleichschritt. Botschafter Romatet wird zurückgerufen. Die Sprache ist eindeutig: Schluss mit Freundlichkeiten, willkommen im politischen Ernstfall. Doch was steckt dahinter? Die Verhaftung eines algerischen Konsularbeamten, der mutmaßlich in die Entführung des regierungskritischen TikTok-Stars Amir DZ verwickelt ist, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Frankreich behandelt den Fall als Angriff auf seine Souveränität. Algerien spricht von Demütigung. Zwei Sichtweisen, die sich ausschließen – und in einer toxischen Atmosphäre aufeinandertreffen. Man muss kein Historiker sein, um zu erkennen: Die Wunde des Kolonialismus ist nie verheilt. …

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  • SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    Mai steht in Frankreich traditionell für verlängerte Wochenenden – und seit jeher auch für soziale Spannungen. Dieses Jahr könnte es ganz besonders turbulent werden. Gleich mehrere Gewerkschaften der französischen Staatsbahn SNCF rufen zu Streiks auf – und das ausgerechnet vor und während des langen Wochenendes rund um den 8. Mai. Die Aussichten auf eine reibungslose Reisezeit? Ziemlich getrübt.


    Wer steckt hinter dem Streikaufruf?

    Den Anfang machte SUD-Rail. Die Gewerkschaft ist bekannt für ihren kämpferischen Kurs und rief schon Anfang April zur Mobilisierung auf. Schnell folgte ein informeller, aber schlagkräftiger Zusammenschluss von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern – derselbe, der bereits Weihnachten 2022 und im Februar 2024 für mächtig Wirbel auf den Schienen gesorgt hatte.

    Auch Force Ouvrière, die fünftgrößte Gewerkschaft bei der SNCF, schloss sich dem Aufruf an. Und als dann noch die CGT-Cheminots einstieg – die stärkste Gewerkschaft im Unternehmen –, war klar: Das wird keine Randnotiz. Zum ersten Mal richtet sich der Streikaufruf nicht nur an das Bordpersonal, sondern auch an die Lokführer.


    Wann wird gestreikt?

    Die Planungen sind taktisch klug gewählt. SUD-Rail und der erwähnte Kontrolleurskollektiv rufen zur Arbeitsniederlegung vom Mittwoch, 7. Mai, bis einschließlich Sonntag, 11. Mai, auf. Der Donnerstag, 8. Mai, selbst ist ein gesetzlicher Feiertag – der Streik schließt ihn also ein, was juristisch relevant sein könnte.

    Die CGT-Cheminots legt allerdings noch eine Schippe drauf: Sie will bereits am Montag, den 5. Mai, mit dem Streik beginnen. Das bedeutet: Wer am Anfang der Woche pendeln oder verreisen will, sollte sich warm anziehen. Der Bahnverkehr könnte bis zu sieben Tage lang durcheinandergewirbelt werden.


    Was fordern die Beschäftigten?

    Es geht – wie so oft – ums Geld. Aber nicht nur. Die Gewerkschaften prangern unfaire Arbeitsbedingungen an, etwa kurzfristige Dienstplanänderungen, die das Privatleben der Mitarbeitenden regelmäßig über den Haufen werfen.

    Für das Zugpersonal fordert die CGT eine deutliche Anhebung der sogenannten „prime de travail“ – einer Arbeitszulage, die derzeit als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird. Und die neuen digitalen Planungssysteme? Laut Gewerkschaft führen sie zu Verwirrung, Stress und einer Verschlechterung der Kommunikation zwischen Führungspersonal und Mitarbeitenden.

    Auch die Lokführer pochen auf Nachbesserung – insbesondere bei der sogenannten „prime traction“, einer kilometerbasierten Prämie, die trotz gestiegener Belastung seit Jahren nicht angepasst wurde. „Ein veraltetes, ungerechtes System“, klagt Axel Persson, Sprecher der CGT-Cheminots für Trappes und Rambouillet.


    Wie groß werden die Auswirkungen sein?

    Noch lässt sich schwer abschätzen, wie heftig der Streik den Bahnverkehr treffen wird. Doch klar ist: Die CGT und SUD-Rail gemeinsam repräsentieren über 50 Prozent der Mitarbeitenden der SNCF – das heißt, wenn sie mobilisieren, hat das Gewicht. Force Ouvrière kommt noch obendrauf.

    Die beiden anderen großen Gewerkschaften, Unsa (22,1 %) und CFDT (15,94 %), halten sich bisher zurück – was die Lage etwas entschärfen könnte. Doch ob das reicht?


    Und die SNCF?

    Die Unternehmensleitung versucht, ruhig zu bleiben. Man setze auf „sozialen Dialog“, erklärte SNCF-Chef Christophe Fanichet – und zeigte sich Anfang April bei einem Radiointerview noch „sehr zuversichtlich“, dass dieser Dialog zu einem guten Ergebnis führen werde.

    Doch hinter den Kulissen ist die Nervosität spürbar. Denn im Jahr 2025 ist die SNCF nicht mehr Monopolist, sondern muss sich gegen private Anbieter behaupten. Ein ausgedehnter Streik zur Ferienzeit? Ein gefundenes Fressen für die Konkurrenz – und eine Ohrfeige für das eigene Image.


    Was bedeutet das für die Fahrgäste?

    Ganz ehrlich? Wer im Mai verreisen will, sollte sich Alternativen bereithalten. Auch wenn noch nicht offiziell bekannt ist, wie stark die Ausfälle sein werden – bei dieser Konstellation kann es richtig ungemütlich auf den Bahnsteigen werden.

    Und wer denkt, das sei doch jedes Jahr dasselbe, der irrt: Die aktuelle Bündelung mehrerer Gewerkschaften und Berufsgruppen, gepaart mit den ohnehin angespannten wirtschaftlichen Bedingungen, deutet auf einen Konflikt mit Potenzial zur Eskalation hin.

    Catherine H.

  • Nach der Flut: Wenn Häuser weichen müssen, um Leben zu schützen

    Nach der Flut: Wenn Häuser weichen müssen, um Leben zu schützen

    Ein halbes Jahr ist vergangen, seit gewaltige Wassermassen am 17. Oktober 2024 über Teile Südostfrankreichs hereinbrachen. Besonders schwer getroffen: die Haute-Loire. Und auch wenn die Schlagzeilen längst anderen Themen gehören – vor Ort sind die Spuren der Katastrophe allgegenwärtig. In einigen Gemeinden sind die Aufräumarbeiten noch im Gange, an anderen Orten wird bereits über Abriss statt Wiederaufbau gesprochen.


    Die Flut, die alles veränderte

    630 Millimeter Regen – in wenigen Stunden. Diese extreme Wassermenge hat im Herbst ganze Landschaften umgestaltet. Über 900 Menschen mussten damals in Sicherheit gebracht werden, mehr als 1.000 Feuerwehrkräfte waren rund um die Uhr im Einsatz. Die Flut traf weite Teile der Rhône-Alpes-Region, doch in der Haute-Loire war die Zerstörung besonders drastisch. Rund 40 Gemeinden meldeten massive Schäden. Infrastruktur, Straßen, Häuser – vieles wurde mitgerissen, manches unbewohnbar.


    Coubon und Brives-Charensac: Zwei Orte, zwei Wege

    In Coubon zieht man jetzt eine Konsequenz, die schwerfällt, aber wohl notwendig ist. Vier Wohnhäuser, die zu nah am Flussufer stehen, sollen abgerissen werden. Die Gemeinde hat bereits mit dem Kauf dieser Immobilien begonnen, unterstützt von staatlichen Stellen und dem sogenannten Fonds Barnier – einer speziellen Hilfe zur Vorbeugung von Naturkatastrophen. Die Entscheidung ist nicht leicht, doch leerstehende und gefährdete Gebäude wären ein Risiko – für die Sicherheit und gegen illegale Besetzung.

    Ein paar Kilometer weiter, in Brives-Charensac, wird hingegen aufgebaut. Die Uferpromenade samt Rad- und Fußweg am Audinet-Wehr ist bereits wiederhergestellt. Mauern wurden neu errichtet, beschädigte Strukturen stabilisiert. Auch im örtlichen Sportzentrum beginnen bald die Renovierungsarbeiten – ein Zeichen von Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten.


    Wenn Geld zur Geduldsprobe wird

    Nicht alles läuft glatt. Die Sofortmaßnahmen sind abgeschlossen, doch viele Gemeinden warten noch immer auf konkrete Finanzierungszusagen vom Staat oder auf Rückmeldungen der Versicherungen. In Coubon etwa fällt es dem stellvertretenden Bürgermeister schwer, überhaupt einen Haushaltsplan für 2025 zu erstellen – zu viele Unbekannte, zu viele offene Fragen. Immerhin: In Brives-Charensac könnten sich die Schadenssummen niedriger als befürchtet herausstellen. Statt vier Millionen Euro rechnet man nun mit etwas weniger. Ein schwacher Trost, aber ein Anfang.


    Der stille Weckruf

    Diese Flut hat mehr als nur Straßen unter Wasser gesetzt. Sie hat Bewusstsein geschaffen – oder es zumindest geschärft. Die Haute-Loire zählt 171 Gemeinden, die als hochwassergefährdet gelten. Eine Zahl, die wachrütteln sollte. Der Abriss gefährdeter Häuser ist dabei keine einfache Lösung, sondern eine bittere Notwendigkeit. Wer auf denselben Fundamenten neu bauen will, läuft Gefahr, beim nächsten Unwetter alles wieder zu verlieren.

    Doch aus dem Trümmerfeld kann auch Neues entstehen: klügere Bauplanung, bessere Schutzmaßnahmen, mehr Resilienz. Wenn die Gemeinden jetzt die Chance nutzen, ihre Infrastruktur robuster und zukunftsfähiger zu machen, könnte aus der Katastrophe langfristig sogar ein Wandel hervorgehen.


    Und die Menschen?

    Sie sind erschöpft, aber sie halten durch. Man trifft auf Dorfbewohner, die mit Gummistiefeln in der Hand von Behördenbesuchen erzählen. Auf Bürgermeister, die sich von Sitzung zu Sitzung kämpfen. Und auf Bauarbeiter, die Mauern errichten, als ginge es um mehr als nur Stein auf Stein – nämlich um ein Stück Zukunft.

    Vielleicht ist das der wahre Kern dieser Geschichte: Trotz aller Verluste bleibt der Wille zum Wiederaufbau. Nicht exakt wie vorher – sondern besser, sicherer, durchdachter.

    Von Andreas M. Brucker

  • Mit dem Fahrrad für die Demokratie – Serbiens Jugend rüttelt Europa wach

    Mit dem Fahrrad für die Demokratie – Serbiens Jugend rüttelt Europa wach

    13 Tage. Über 1.400 Kilometer. Wind, Regen, Müdigkeit – und trotzdem: ein Ziel vor Augen. Als am 15. April 2025 rund 80 serbische Studierende auf dem Straßburger Platz der Republik einrollten, ging ein leiser Ruck durch die Menge. Nicht wegen ihrer sportlichen Leistung. Sondern wegen dessen, was sie verkörpern: Hoffnung. Wut. Entschlossenheit.

    Diese Tour war keine Radtour der Extraklasse – sie war ein Protest mit Pedalen. Ein Aufschrei auf zwei Rädern gegen ein System, das versagt hat. Der Anlass? Der Einsturz eines frisch renovierten Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Ein Desaster, das die Mängel eines durch Korruption zerfressenen Staatswesens schmerzhaft sichtbar machte. Doch das eigentliche Erdbeben kam erst danach – mit dem Schweigen der Behörden.

    „Wenn die Regierung uns nicht zuhört, dann fahren wir eben dorthin, wo man gehört wird.“ Mit diesem Satz beschrieb eine der Organisatorinnen den Antrieb der jungen Aktivistinnen und Aktivisten. Und sie meinten es ernst.

    Startpunkt: Novi Sad. Ziel: das Herz Europas – Straßburg. Die Route führte sie durch fünf Länder, über Grenzen und viele Höhenmeter hinweg. Jeden Tag 100 bis 150 Kilometer. Die serbische Diaspora in Budapest, Wien und München empfing sie auf den Zwischenstationen wie Heldinnen und Helden – mit heißen Suppen, offenen Armen und vielen Tränen. Denn was diese jungen Menschen taten, war mehr als ein politisches Statement. Es war ein Ruf nach Gerechtigkeit, getragen vom Vertrauen in die europäische Idee.

    Die Studierenden fordern nicht weniger als einen Wandel – konkret: Gerechtigkeit für die Opfer, ein Ende der Repression, mehr Investitionen in Bildung und transparente Bauprojekte. Und vor allem: dass Europa endlich hinschaut. Denn genau das, so ihre Kritik, passiert bisher viel zu selten.

    In Straßburg angekommen, wurden sie von einer breiten Unterstützungswelle empfangen. Hunderte Menschen, darunter Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Aktivist:innen und Unterstützer, begrüßten die Radgruppe. Ein paar Abgeordnete signalisierten sogar ihre Bereitschaft, sich mit den Studierenden persönlich zu treffen. Ob daraus Taten folgen? Das bleibt offen.

    Aber was diese Aktion schon jetzt erreicht hat, ist bemerkenswert: Sie hat ein Licht auf ein Land geworfen, das zwar geografisch in Europa liegt, aber politisch oft in der Grauzone zwischen Versprechen und Realität hängt. Serbien, ein EU-Beitrittskandidat – und doch so weit entfernt von den Werten, für die Europa steht.

    Die Botschaft der Studierenden ist klar: Demokratie ist kein abstrakter Begriff, sondern ein täglicher Kampf. Und manchmal braucht es eben keine Flugblätter oder lauten Reden – sondern 80 Fahrräder, Ausdauer und den Willen, sich nicht mit Missständen abzufinden.

    Vielleicht fragen sich jetzt manche in Brüssel, Straßburg oder Berlin: Was können wir tun? Die Antwort ist einfach – zuhören. Und handeln. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht abstrakt, sondern konkret.

    Denn wenn junge Menschen aus Serbien bereit sind, alles zu geben, um gehört zu werden – dann ist es verdammt nochmal Zeit, hinzuhören.

    Andreas M. B.

  • Macron drängt auf humanitäre Hilfe – Nétanyahou lehnt Palästinenserstaat strikt ab

    Macron drängt auf humanitäre Hilfe – Nétanyahou lehnt Palästinenserstaat strikt ab

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich in einem eindringlichen Appell für das Ende des Leidens der Zivilbevölkerung in Gaza ausgesprochen. In einem Telefongespräch mit dem israelischen Premierminister Benyamin Nétanyahou am Dienstag betonte Macron: „Das Martyrium, das die Zivilbevölkerung Gazas derzeit erlebt, muss ein Ende haben.“ Gleichzeitig forderte er die sofortige Öffnung aller Grenzübergänge für humanitäre Hilfe – eine Maßnahme, die er als überlebenswichtig bezeichnete.

    Blockierte Hilfe, dringender Appell Der französische Präsident schilderte seine Eindrücke von einem Besuch in der ägyptischen Grenzstadt Al-Arisch, die derzeit als logistisches Zentrum für Hilfslieferungen nach Gaza dient. „Die Hilfe ist auf der anderen Seite der Grenze blockiert“, so Macron. Seine Forderung ist klar: Sie muss schnellstmöglich bei den Menschen ankommen, die sie am dringendsten benötigen. Mit Blick auf die anhaltenden Kämpfe in Gaza sprach Macron sich erneut für einen sofortigen Waffensti…

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  • Steuerflucht auf französischem Boden – Wie der Staat den organisierten Steuerbetrügern den Kampf ansagt

    Steuerflucht auf französischem Boden – Wie der Staat den organisierten Steuerbetrügern den Kampf ansagt

    In Frankreich tobt ein stiller Krieg – nicht gegen Feinde von außen, sondern gegen ein raffiniert organisiertes System von Steuerbetrügern im Inneren. Was früher als Kavaliersdelikt einzelner galt, ist heute eine hochprofessionalisierte Industrie der Finanzkriminalität. Das Finanzministerium spricht längst nicht mehr von Einzelfällen, sondern von einer „organisierten kriminellen Industrie“. Treffender lässt sich die Lage kaum beschreiben. 2024 wurden in Frankreich fast 20 Milliarden Euro an betrügerischen Machenschaften rund um Steuern, Sozialleistungen, Zölle und staatliche Hilfen aufgedeckt. Besonders auffällig: 16,7 Milliarden Euro entfallen allein auf Steuerbetrug. Das ist doppelt so viel wie noch im Jahr 2020 – eine Entwicklung, die sowohl alarmiert als auch motiviert. Denn rund 11,4 Milliarden Euro davon konnten zurückgeholt werden. Wie funktioniert dieses komplexe Betrugssystem? Die Methoden sind raffiniert. Fake-Firmen, Phantom-Arbeitnehmer, gefälschte Renovierungsprojekte – al…

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  • La Réunion im Griff des Virus: Chikungunya-Epidemie spitzt sich zu – französisches Militär im Einsatz

    La Réunion im Griff des Virus: Chikungunya-Epidemie spitzt sich zu – französisches Militär im Einsatz

    Auf La Réunion überschlagen sich die Ereignisse – erneut hat sich das Chikungunya-Virus mit voller Wucht auf der Insel ausgebreitet. Mehr als 27.000 Menschen sind seit Jahresbeginn 2025 infiziert worden. Und das mit einem Tempo, das viele vor Ort aufschreckt. Die Behörden reagieren jetzt mit drastischen Maßnahmen – sogar das Militär rückt aus.


    Wenn das Virus kein Halt macht

    Allein in der Woche vom 9. April wurden über 6.000 neue Infektionen registriert. Wer glaubt, das sei ein lokales Problem, irrt: Die betroffenen Regionen reichen von Saint-Denis über Étang-Salé bis nach Saint-Pierre und Le Tampon – also quer über die Insel verteilt. Besonders hart trifft es die Schwächsten: Ältere Menschen über 65 und Säuglinge unter sechs Monaten landen überdurchschnittlich oft im Krankenhaus. Zwei Tote wurden bereits gemeldet – beide über 75 Jahre alt.

    Besserung in Sicht? Fehlanzeige.


    Wenn Soldaten gegen Mücken kämpfen

    Was zunächst nach Science-Fiction klingt, ist Realität auf La Réunion: Seit dem 15. April sind 120 Soldaten des „Régiment de service militaire adapté“ (RSMA) im Einsatz – und zwar nicht zur Sicherung eines Krisengebiets, sondern im Kampf gegen Mücken. Klingt absurd? Ist es aber nicht.

    Die Soldaten helfen dabei, Brutstätten des Virus tragenden Aedes-Moskitos ausfindig zu machen und zu beseitigen. Schluchten, Brachflächen, schwer erreichbare Ecken – all das gehört nun zu ihrem Terrain. Sie verstärken ein bereits großes Team, das über 700 Menschen umfasst. Darunter Anti-Mücken-Agenten und Teilnehmende des Programms „Parcours Emploi Compétences“.

    Man sieht: Der Kampf gegen das Virus ist ein echter Kraftakt.


    Hoffnung aus der Apotheke

    Doch es gibt auch Lichtblicke. Am 7. April wurde eine Impfkampagne gestartet – mit dem neuen Impfstoff „Ixchiq“, dem ersten seiner Art gegen Chikungunya. Zunächst richtet sich das Angebot an Menschen über 65 mit Vorerkrankungen – also genau jene, die das Virus besonders gefährdet. Und das Beste daran: Die Impfung ist kostenlos und in Apotheken erhältlich.

    Ein Hoffnungsschimmer – vor allem für jene, die sich bisher kaum schützen konnten.


    Kein Einzelfall: Regionale Ausbreitung nimmt Fahrt auf

    Die Epidemie bleibt nicht auf La Réunion beschränkt. Auch aus Mayotte, Mauritius und Rodrigues wurden Infektionen gemeldet – teilweise importiert, teilweise lokal übertragen. Die Zahlen sind zwar noch vergleichsweise niedrig, doch sie machen eines deutlich: Das Virus kennt keine Grenzen. Koordinierte regionale Maßnahmen sind daher nicht nur wünschenswert – sie sind zwingend erforderlich.

    Die Uhr tickt.


    Ein Rückblick, der Gänsehaut verursacht

    Viele Einheimische erleben gerade ein bitteres Déjà-vu. Schon 2005/2006 hatte das Virus zugeschlagen – damals erkrankte rund ein Drittel der Bevölkerung. Auch damals waren es die Mücken, die das Virus verbreiteten. Auch damals musste jede Wasserlache, jeder ungenutzte Blumentopf auf den Prüfstand.

    Heute wie damals steht fest: Ohne die konsequente Beseitigung der Brutstätten lässt sich der Ausbruch nicht stoppen. Der Unterschied heute? Die Behörden handeln schneller, zielgerichteter – und mit der vollen Wucht aller verfügbaren Ressourcen. Inklusive Militär.


    Und jetzt?

    Was bleibt, ist ein Inselparadies im Ausnahmezustand – und ein ganzes Netzwerk an Helfenden, das sich dem Kampf gegen das Virus verschrieben hat. Klar ist: Die Situation ist ernst. Aber sie ist auch ein Beweis dafür, wie entschlossen eine Gemeinschaft handeln kann, wenn es wirklich drauf ankommt.

    Was, wenn wir genau diese Entschlossenheit auch anderswo öfter sehen würden?

    Von C. Hatty

  • Verzweifelte Suche nach Agathe Hilairet – Eine ganze Gemeinde steht Kopf

    Verzweifelte Suche nach Agathe Hilairet – Eine ganze Gemeinde steht Kopf

    Seit dem 10. April fehlt von Agathe Hilairet jede Spur. Die 28-jährige Joggerin aus Vivonne im Département Vienne ist spurlos verschwunden – ein Albtraum, der sich zur bitteren Realität für Familie, Freunde und ein ganzes Dorf entwickelt hat.

    Was als harmlose Joggingrunde begann, ist nun ein Kriminalfall, der Menschen tief erschüttert.


    Eine beispiellose Suchaktion

    Kaum war Agathe als vermisst gemeldet, rückten die Einsatzkräfte aus – in großer Zahl und mit aller verfügbaren Technik. Über 100 Gendarmen, dazu Spürhunde, Taucher und sogar Helikopter waren im Einsatz. Die anfängliche Suchzone von 100 Quadratkilometern wurde mittlerweile auf 3 Quadratkilometer um Vivonne herum eingegrenzt. Dort startete Agathes letzter Lauf.

    Es gingen sage und schreibe 140 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Jeder einzelne wird akribisch geprüft – auch wenn die erhoffte Spur bislang ausbleibt.


    Ein Fall für die Justiz

    Weil konkrete Ergebnisse bisher fehlen, hat die Staatsanwaltschaft Poitiers jetzt die nächste Stufe gezündet: Eine richterliche Untersuchung wegen „Entführung und Freiheitsberaubung gegen Unbekannt“ wurde eingeleitet. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten – unter anderem können DNA-Spuren gesichert, Wohnungen durchsucht und Personen intensiv befragt werden.

    Besonders im Fokus steht eine Beobachtung: In einem Waldstück, nahe dem Ort des Verschwindens, soll ein Mann mit merkwürdigem Verhalten gesichtet worden sein. Wer war das – und was hat er dort gewollt?


    Ein Dorf zwischen Angst und Hoffnung

    In Vivonne hängt die Sorge förmlich in der Luft. Die Menschen vor Ort sind tief betroffen. Viele kennen Agathe – als ruhige, freundliche Frau, die mit großer Leidenschaft lief. Jetzt organisieren sie Nachtwachen, helfen bei der Suche, spenden warme Worte.

    Es ist diese stille Solidarität, die trotz allem Zuversicht wachsen lässt – auch wenn die Fragen überwiegen.


    Ein Thema, das viele betrifft

    Mit Agathes Verschwinden rückt ein unbequemes Thema wieder in den Fokus: die Sicherheit von Joggerinnen, gerade in ländlichen Regionen. Immer mehr Frauen sprechen offen darüber, wie unsicher sie sich fühlen – selbst bei Tageslicht.

    Sie fordern klare Maßnahmen: bessere Beleuchtung auf beliebten Strecken, mehr Polizeipräsenz, Aufklärungskampagnen. Denn niemand sollte beim Laufen Angst im Nacken haben müssen.


    Zwischen Warten und Weitermachen

    Noch immer fehlt von Agathe jede Spur. Doch Hoffnung – diese zähe, leise Kraft – bleibt. Vielleicht geschieht das Unerwartete. Vielleicht ist sie bald wieder da.

    Bis dahin bleiben ein engagiertes Dorf, eine ermittelnde Justiz und viele offene Fragen.

    Aber auch der dringende Appell: Räume, in denen wir uns frei bewegen, müssen sicher sein. Für alle – jederzeit.

    Von C. Hatty

  • Schießerei in Arles: Wenn die Gewalt regiert – ein Stadtteil im Ausnahmezustand

    Schießerei in Arles: Wenn die Gewalt regiert – ein Stadtteil im Ausnahmezustand

    In der Nacht vom 14. auf den 15. April 2025 erschütterte eine tödliche Schießerei das Viertel Barriol in Arles. Zwei junge Männer – 23 und 22 Jahre alt – wurden in ihrem Fahrzeug angegriffen. Der Fahrer wurde in den Kopf getroffen und starb noch am Tatort. Sein Beifahrer erlitt eine Schussverletzung am Arm und kam ins Krankenhaus. Lebensgefahr besteht bei ihm nicht.

    Beide Opfer sind der Polizei bestens bekannt – das deutet in eine klare Richtung.


    Ein gezielter Anschlag – wie aus dem Nichts

    Laut bisherigen Ermittlungen soll ein einzelner Täter das Feuer eröffnet haben. Fünf Patronenhülsen vom Kaliber 9 mm wurden am Tatort gefunden. Alles spricht für eine präzis geplante Tat. Kein wilder Schusswechsel, kein Zufall – sondern eine Hinrichtung auf offener Straße.

    Die Polizei geht derzeit von einem klassischen Racheakt im Drogenmilieu aus. Ein weiterer Fall in einer langen Kette blutiger Abrechnungen, wie sie in der Region inzwischen fast zur traurigen Routine geworden sind.


    Barriol – ein Viertel zwischen Angst und Hoffnungslosigkeit

    Barriol gilt als sozial schwacher Stadtteil mit anhaltenden Problemen: Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, und mittendrin – ein florierender Drogenmarkt. Hier rekrutieren Dealer junge Menschen, hier werden Schulden nicht mit Mahnungen beglichen, sondern mit Kugeln.

    Wer hier lebt, gewöhnt sich an Schüsse. „Wir schlafen mit dem Handy unterm Kopfkissen – für den Fall, dass wir fliehen müssen“, erzählt ein Anwohner. Polizei-Patrouillen gehören zum Alltag. Vertrauen in den Staat? Kaum noch vorhanden.


    Staatliche Maßnahmen: Viel Polizei, wenig Wirkung

    Die Behörden versuchen gegenzusteuern. Die Polizei ist mit erhöhter Präsenz im Viertel, Sondereinheiten ermitteln. Die Justiz setzt auf konsequente Strafverfolgung. Doch die Erfolge sind punktuell. Jeder zerschlagene Ring wird schnell durch neue Strukturen ersetzt – meist brutaler als zuvor.

    Auch Prävention wird versucht: Projekte für Jugendliche, Sportvereine, Sozialarbeit. Aber gegen schnelle Geldversprechen und Gruppenzugehörigkeit im Drogenmilieu wirken diese Angebote oft hilflos.


    Ein tödlicher Kreislauf

    Der Fall von Arles reiht sich ein in eine ganze Serie ähnlicher Taten in Südfrankreich. Marseille, Nîmes, Perpignan – immer wieder kommt es dort zu Schießereien im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Und die Opfer werden immer jünger.

    Der getötete Fahrer war gerade mal 23. Ein Alter, in dem das Leben eigentlich losgehen sollte. Stattdessen endete es mit einem Schuss in den Kopf – mitten in der Nacht, mitten im Viertel, mitten in Europa.


    Wie weiter?

    Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Das zuständige Kommissariat und die Polizeijudikative aus Bouches-du-Rhône sind mobilisiert. Ziel ist es, Täter und mögliche Hintermänner schnellstmöglich zu fassen. Doch selbst wenn das gelingt – das eigentliche Problem bleibt bestehen.

    Kann man diese Gewaltspirale überhaupt noch stoppen? Oder ist sie längst fester Bestandteil einer Parallelwelt geworden, die mit der offiziellen Gesellschaft kaum noch Berührungspunkte hat?

    Was es braucht, ist mehr als Polizeipräsenz. Es braucht neue Perspektiven, echten sozialen Wandel – und den Willen, auch die „vergessenen“ Stadtteile nicht aufzugeben.

    Denn solange Kugeln statt Chancen verteilt werden, bleibt der nächste Schuss nur eine Frage der Zeit.

    Von Andreas M. B.

  • Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Mitten in einer wirtschaftlich angespannten Lage und vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Ausgaben – insbesondere im Verteidigungsbereich – steht Frankreich vor einer neuen Debatte: Die Regierung plant erneut eine Reform der Arbeitslosenversicherung. Dabei ist die letzte kaum in Kraft – und schon droht die nächste.

    Reformpläne trotz laufender Anpassungen Am 3. April 2025 trafen sich Präsident Emmanuel Macron, Premierminister François Bayrou und Arbeitsministerin Astrid Panosyan-Bouvet im Élysée-Palast. Thema: Die politische Agenda für 2026 – und ganz oben auf der Liste: eine neue Reform der Arbeitslosenversicherung. Das Ziel ist klar formuliert: öffentliche Defizite senken, ohne die dringend nötigen Investitionen in andere Sektoren zu gefährden. Dabei hatte die jüngste Reform – beschlossen am 15. November 2024 – erst Maßnahmen für Einsparungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro zwischen 2025 und 2028 auf den Weg gebracht. Trotzdem scheint das nicht zu reichen.

    Das Haushaltsloch w…

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