Kategorie: Frankreich

  • Mozzarella aus dem Herzen der Normandie – Wie ein italienischer Klassiker den französischen Käse-Olymp erobert

    Mozzarella aus dem Herzen der Normandie – Wie ein italienischer Klassiker den französischen Käse-Olymp erobert

    Die Normandie und Käse? Da denkt man sofort an Camembert, Livarot oder den zarten Pont-l’Évêque. Was aber passiert, wenn sich mutige Landwirte aus dem Perche mit einem italienischen Käsemeister zusammentun? Richtig – dann entsteht etwas Unerwartetes: handgemachte Mozzarella, tief verwurzelt im französischen Terroir. Und nein, das ist kein gastronomischer Scherz, sondern ein echtes Erfolgsrezept. Willkommen […]

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  • Sicherheitszone Valence: Wie eine Mittelstadt in Südfrankreich mit repressiven Mitteln gegen den Drogenhandel vorgeht

    Sicherheitszone Valence: Wie eine Mittelstadt in Südfrankreich mit repressiven Mitteln gegen den Drogenhandel vorgeht

    Inmitten der Rhône-Alpes-Region, im sonst wenig beachteten Valence, formt sich ein exemplarisches Modell französischer Sicherheitspolitik im urbanen Raum. Mit Videokameras, Polizeipräsenz und gezielten Zwangsräumungen begegnet die Stadt dem zunehmenden Einfluss des Drogenhandels – und stößt dabei eine nationale Debatte über Ordnung, Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt an. Die sichtbare Präsenz des Drogenhandels in einzelnen Vierteln von Valence – eine Stadt mit rund 65.000 Einwohnern – ist kein neues Phänomen. Doch die Reaktionen darauf sind es. Bürgermeister Nicolas Daragon (Les Républicains) hat zusammen mit der Präfektur ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, das auf konsequente Rückeroberung des öffentlichen Raums abzielt. Der Fokus liegt dabei nicht auf sozialpolitischer Prävention, sondern auf unmittelbarer Kontrolle: Videoüberwachung, koordinierte Polizeieinsätze und wohnungspolitische Sanktionen gegen mutmaßlich kriminelle Mieter. Sicherheitstechnologie als erste Verteid…

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  • François Ruffin und das Präsidentenamt zum Mindestlohn – ein radikaler Bruch mit dem politischen Establishment

    François Ruffin und das Präsidentenamt zum Mindestlohn – ein radikaler Bruch mit dem politischen Establishment

    In einem noch frühen Stadium vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 hat François Ruffin, Abgeordneter aus der Somme und profilierter Vertreter des linken Spektrums, mit einer spektakulären Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht: Sollte er in das höchste Staatsamt gewählt werden, wolle er nicht mehr verdienen als den gesetzlichen Mindestlohn (SMIC) – ein symbolträchtiger Bruch mit den Gepflogenheiten der politischen Elite. Zugleich fordert Ruffin eine umfassende Reform: eine „große Trennung von Geld und Staat“, mit der Einflussnahmen von Lobbygruppen und Kapital auf das politische System grundsätzlich unterbunden werden sollen. Symbolpolitik oder Systemkritik? Die derzeitige Vergütung des französischen Präsidenten liegt bei rund 16.000 Euro brutto im Monat – ein Vielfaches des SMIC, der sich auf etwa 1.430 Euro netto monatlich beläuft. Für Ruffin, der bereits als Abgeordneter erklärt hatte, nur den Mindestlohn beziehen zu wollen, ist diese Differenz Ausdruck einer tiefen str…

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  • Macron gegen den Drogenhandel: Frankreichs Präsident ruft zu einem Maßnahmenpaket für Häfen und Flughäfen auf

    Macron gegen den Drogenhandel: Frankreichs Präsident ruft zu einem Maßnahmenpaket für Häfen und Flughäfen auf

    Die französische Regierung verschärft den Kurs im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel. Präsident Emmanuel Macron kündigte Ende Januar 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket an, das die staatliche Repression an den Einfallstoren des Landes deutlich verstärken und zugleich neue Wege in der Prävention beschreiten soll. Im Zentrum stehen die Zollbehörden in Seehäfen und an Flughäfen – aber auch die Konsumenten illegaler Substanzen rücken stärker in den Fokus. Frankreich reagiert damit auf die Eskalation der Gewalt in urbanen Zentren sowie in den überseeischen Gebieten – und auf die zunehmende internationale Verflechtung der Drogenrouten. Verstärkte Zollpräsenz an strategischen Knotenpunkten Herzstück von Macrons Initiative ist ein „massiver Plan“ zur Stärkung der französischen Zollbehörden an den wichtigsten logistischen Schnittstellen: Gemeint sind insbesondere die großen Häfen im Westen und Süden des Landes sowie internationale Flughäfen wie Paris-Charles-de-Gaulle oder Marseille-P…

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  • Boualem Sansal: Ein Dissident wird unsterblich

    Boualem Sansal: Ein Dissident wird unsterblich

    Mit der Wahl des franko-algerischen Schriftstellers Boualem Sansal in die Académie française setzt Frankreich ein kulturpolitisches Signal – und schreibt ein neues Kapitel in der Geschichte der frankophonen Weltliteratur. Am 29. Januar 2026 wählten die Mitglieder der Académie française den 81-jährig…

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  • Ringen um die Rüstungssouveränität: Frankreich verkauft Industrieperle an US-Konzern

    Ringen um die Rüstungssouveränität: Frankreich verkauft Industrieperle an US-Konzern

    Die Übernahme des französischen Rüstungsausrüsters LMB Aerospace durch einen US-amerikanischen Konzern hat in Paris eine Kontroverse ausgelöst, die weit über den Einzelfall hinausweist. Im Spannungsfeld von industrieller Offenheit und sicherheitspolitischer Selbstbehauptung wirft die Transaktion grundsätzliche Fragen zur strategischen Autonomie Frankreichs auf. Der Verkauf von LMB Aerospace an das US-amerikanische Unternehmen Loar Group für rund 400 Millionen Euro hat eine Welle der Kritik ausgelöst – von Oppositionspolitikern über Militärstrategen bis hin zu Vertretern der eigenen Verwaltung. LMB, mit Sitz im Département Corrèze, stellt unter anderem hochspezialisierte Komponenten für Kampfflugzeuge, U-Boote und Trägerschiffe her – darunter auch für die Rafale-Jets, das atomgetriebene U-Boot-Programm Frankreichs sowie den Flugzeugträger Charles de Gaulle. Seit Jahren wird die Firma in sicherheitspolitischen Kreisen als „Fleuron“, also als industriepolitisches Schmuckstück, gehandelt. …

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  • Die unsichtbare Arbeitslosigkeit – Frankreich meldet einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenzahlen

    Die unsichtbare Arbeitslosigkeit – Frankreich meldet einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenzahlen

    Doch nicht die Realität hat sich verändert, sondern der Blick auf die Zahlen. In Frankreich ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen binnen eines Jahres um 6,8 Prozent gestiegen. Das meldet die Behörde France Travail, die seit der jüngsten Reform den Auftrag hat, den Arbeitsmarkt umfassender zu erfassen. Hinter dieser Zahl verbirgt sich ein gravierender Wandel – nicht unbedingt der Lage am Arbeitsmarkt selbst, wohl aber der Statistik. Die neue Methodik zählt seither nicht nur klassisch Arbeitssuchende, sondern auch Langzeitleistungsbezieher, junge Menschen in Eingliederungsmaßnahmen und Fälle, die früher durch Sanktionsmechanismen aus dem Raster gefallen wären. Das Resultat: Die Erwerbslosigkeit wirkt höher – nicht weil sie gestiegen wäre, sondern weil sie sichtbarer gemacht wurde. Der französische Arbeitsmarkt zeigt sich auf den ersten Blick robust. Die amtliche Arbeitslosenquote der Statistikbehörde INSEE, gemessen nach internationalem ILO-Standard, lag im dritten Quartal 2025 bei…

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  • Das schwarze Gedächtnis des Meeres – warum man in der Bretagne mehr als 25 Jahre nach der „Erika“ erneut ölverschmierte Vögel findet

    Das schwarze Gedächtnis des Meeres – warum man in der Bretagne mehr als 25 Jahre nach der „Erika“ erneut ölverschmierte Vögel findet

    Die Bretagne hat ein langes Gedächtnis. Manchmal reicht ein Sturm, ein toter Vogel am Strand, ein schmieriger Glanz auf schwarzem Gefieder – und plötzlich ist alles wieder da. Ende Januar wurden an den Stränden des südlichen Finistère rund fünfzehn ölverschmierte Seevögel entdeckt. Kleine Alken, Trottellummen, schwarz-weiß wie aus einem Naturkundebuch, und doch gezeichnet von einer Substanz, die die bretonische Küste seit Jahrzehnten verfolgt. Vieles spricht dafür, dass es sich um denselben schweren Treibstoff handelt, der im Dezember 1999 aus dem Wrack der Erika austrat.

    Damals sank der vom Energiekonzern Total gecharterte Tanker rund 120 Kilometer vor der bretonischen Küste. Etwa 20.000 Tonnen Schweröl gelangten ins Meer, verseuchten rund 400 Kilometer Küstenlinie und töteten Hunderttausende Seevögel. Wer in jenen Wochen an der Küste lebte, erinnert sich an den Geruch, an schwarze Strände, an Freiwillige in weißen Schutzanzügen. Viele glaubten, dieses Kapitel sei abgeschlossen. Offenbar ist es das aber nicht.

    Die jüngsten Funde lösten Alarm aus bei der Ligue de protection des oiseaux. Innerhalb weniger Stunden wurden sechzehn stark verschmutzte Vögel in das Pflegezentrum auf der Île-Grande gebracht. Für Kenner der Szene war das ein Déjà-vu. Dieselben Arten, dieselben Symptome, dieselbe Hilflosigkeit der Tiere. Also folgte das übliche Prozedere: Proben sichern, Öl analysieren, Herkunft klären.

    Diese Aufgabe übernimmt das in Brest ansässige Cedre, weltweit eine der wichtigsten Referenzen bei Ölverschmutzungen. Die Ergebnisse ließen wenig Raum für Zweifel. Schweröl besitzt so etwas wie einen chemischen Fingerabdruck. Vergleicht man diesen mit Rückständen an Federn oder Haut, lassen sich erstaunlich präzise Übereinstimmungen feststellen. In diesem Fall zeigte sich eine auffällige Nähe zum Treibstoff der „Erika“. Kein absoluter Beweis, aber ein sehr starkes Indiz.

    Wie kann Öl aus einem Wrack, das seit mehr als einem Vierteljahrhundert auf dem Meeresboden liegt, erneut an die Oberfläche gelangen? Die Antwort ist ernüchternd. Auch wenn das Wrack nach der Havarie weitgehend leergepumpt wurde, blieb ein erheblicher Rest zurück. Fachleute sprechen von „impompables“, von Taschen aus zähflüssigem Schweröl, das nicht mehr geborgen werden konnte. Rund 5.000 Tonnen, so schätzen Experten, ließen sich damals schlicht nicht bergen.

    Dieses Öl ist keine dünnflüssige Brühe. Es ähnelt eher einer streichfähigen Paste, die nur unter Erwärmung bewegt werden kann. In den tief liegenden, schwer zugänglichen Bereichen der Tanks bleibt sie haften, oft über Jahrzehnte. Die „Erika“ verfügte über vierzehn Tanks – ein komplexes Labyrinth, das selbst moderne Technik an ihre Grenzen bringt. Vollständige Entleerung ist bei solchen Wracks Illusion.

    Hinzu kommt: Die „Erika“ ist kein Einzelfall. In französischen Gewässern liegen Tausende Wracks, einige davon mit potenziell umweltschädlichen Ladungen. Der alte Frachter Tanos, ebenfalls vor der Küste des Finistère gesunken, gibt trotz mehrfacher Sicherungsversuche immer wieder Öl ab. Das Meer vergisst nicht, und es verzeiht nur sehr sehr langsam.

    Die jüngsten Stürme liefern einen weiteren Schlüssel zum Verständnis. Ende Januar peitschte Sturm Ingrid über die Bretagne. An der Pointe du Raz wurden Windgeschwindigkeiten von über 140 km/h gemessen, auch bei der Pointe de Penmarc’h tobte der Atlantik. Solche Wetterlagen setzen enorme Kräfte frei. Meeresströmungen verändern sich, Sedimente werden aufgewühlt, Strukturen am Meeresboden verändert. Alte Schwachstellen in einer rostenden Schiffshülle können nachgeben.

    Dazu kommt ein simpler physikalischer Effekt. Schweröl ist dichter als Wasser, doch sobald es sich löst und erwärmt, kann es aufsteigen, an die Oberfläche gelangen und von Wind und Wellen verdriftet werden. Liegt das Wrack südwestlich von Belle-Île-en-Mer, wie im Fall der „Erika“, und wehen starke Südwestwinde, dann zeigt der Weg des Öls ziemlich direkt auf die Küsten des südlichen Finistère. Keine Magie, nur Physik. Bitter genug.

    Bleibt die Frage, warum das Öl jetzt austritt. Die Antwort klingt banal, ist aber kaum aufzuhalten: Korrosion. Salzwasser frisst sich durch Stahl, langsam, aber unerbittlich. Nach mehr als 25 Jahren ist selbst gutes Metall mürbe. Kleine Risse genügen, um eingeschlossene Rückstände freizusetzen. Das Meer arbeitet geduldig. Und gründlich.

    Die französische Atlantik-Präfektur prüft inzwischen ein Überwachungs- und Interventionssystem rund um das Wrack. Moderne Unterwasserfahrzeuge, Taucher, Sensoren – all das steht theoretisch bereit. Praktisch sind solche Einsätze teuer, logistisch aufwendig und stark nachgefragt. Wann genau gehandelt werden kann, bleibt offen.

    Für die Bretagne ist das alles mehr als eine technische Debatte. Es ist eine emotionale Wunde, die wieder aufreißt. Ein paar ölverschmierte Vögel reichen aus, um Erinnerungen wachzurufen, die nie ganz verschwunden waren. Und man fragt sich, leise, aber hartnäckig: Wie viele Altlasten ruhen noch dort draußen, unter den Wellen, und warten auf den nächsten Sturm?

    Autor: C.H.

  • Wenn der Nebel gefriert und die Straße zur Falle wird – Serienunfälle in der Seine-Maritime

    Wenn der Nebel gefriert und die Straße zur Falle wird – Serienunfälle in der Seine-Maritime

    Der Donnerstag, der 29. Januar 2026, wird im Département Seine-Maritime als ein Tag in Erinnerung bleiben, an dem scheinbar banale Winterbedingungen den Straßenverkehr binnen Minuten lahmlegten. Kein Schneesturm, kein Orkan, keine spektakuläre Wetterwarnung. Stattdessen dichter, gefrierender Nebel – leise, unscheinbar und doch von erstaunlicher Wucht.

    In den frühen Morgenstunden trifft es besonders die Autobahn A28 nördlich von Rouen. Zwischen den Anschlussstellen Rouge-Terre und Moulin-d’Écalles reihen sich auf einer Strecke von kaum 500 Metern Unfall an Unfall. Sechzehn Fahrzeuge, darunter zwei Lastwagen, bleiben beschädigt auf der Fahrbahn zurück. Die Sicht ist stark eingeschränkt, die Orientierung schwierig, die Straße tückisch glatt. Wer hier unterwegs ist, erkennt die Gefahr oft erst im Moment des Kontrollverlusts – ein kurzer Ruck im Lenkrad, ein blockierendes Rad, dann der Aufprall. Zack, Feierabend.

    Erstaunlich ist, dass der menschliche Schaden vergleichsweise gering ausfällt. Sieben Menschen verletzen sich, fünf davon kommen zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus. Angesichts der Unfalldichte und der beteiligten Fahrzeuge wirkt diese Bilanz fast milde. Die Autobahn muss dennoch zeitweise komplett gesperrt werden. Der Verkehr staut sich, Einsatzfahrzeuge manövrieren im Schritttempo durch stehende Kolonnen, Blaulicht spiegelt sich im milchigen Grau des Nebels.

    Doch die A28 bleibt kein Einzelfall. Über das gesamte Département verteilt registrieren Polizei und Rettungsdienste im Laufe des Vormittags eine weitere Serie von Kollisionen. Rund ein Dutzend zusätzliche Unfälle, vor allem auf Nebenstraßen und Pendlerachsen, fordert nochmals etwa fünfzehn Verletzte. Meist Prellungen, Schleudertraumata, ein gehöriger Schreck. Für viele beginnt der Tag nicht im Büro, sondern im Straßengraben oder auf der Liege eines Rettungswagens.

    Meteorologisch wirkt das Geschehen unspektakulär, beinahe lehrbuchhaft. Gefrierender Nebel entsteht, wenn feuchte Luft bei Temperaturen um den Gefrierpunkt abkühlt. Die in der Luft schwebenden Wassertröpfchen schlagen sich auf kalten Oberflächen nieder und gefrieren dort augenblicklich. Zurück bleibt eine hauchdünne, nahezu unsichtbare Eisschicht. Kein weißer Reif, kein auffälliges Glitzern. Nur Asphalt, der seinen Grip verloren hat. Genau das macht den Nebel so gefährlich. Er tarnt die Gefahr, statt sie anzukündigen.

    In der Normandie gehört Nebel zum Winter wie der Wind zur Küste. Doch in Kombination mit Temperaturen nahe null verwandelt er Straßen innerhalb kürzester Zeit in glatte Fallen. Selbst vorsichtige Fahrer geraten ins Rutschen, wenn Geschwindigkeit und Abstand nicht konsequent angepasst sind. Auf Autobahnen verschärft sich das Problem zusätzlich. Hohe Reisegeschwindigkeiten, dichter Verkehr, eingeschränkte Sicht – ein kleiner Fehler genügt, und es kommt zur Kettenreaktion.

    Die Ereignisse dieses Tages stehen zudem in einem größeren Zusammenhang. Bereits eine Woche zuvor hatte ein kräftiges Sturmtief weite Teile Nordfrankreichs beschäftigt, Verkehrsverbindungen unterbrochen und die Infrastruktur belastet. Auf den Sturm folgt nun die Kälte, auf den Regen der Nebel. Das Zusammenspiel dieser Wetterlagen erhöht das Risiko, ohne dramatisch auszusehen. Genau darin liegt die Krux. Gefrierender Nebel wirkt harmlos, beinahe banal. Und genau deshalb unterschätzen ihn viele.

    Sicherheitsfachleute weisen seit Jahren darauf hin, dass die Kombination aus eingeschränkter Sicht und glatter Fahrbahn zu den unfallträchtigsten Szenarien im Winter zählt. Bremswege verlängern sich drastisch, Reaktionszeiten schrumpfen, Abstände reichen plötzlich nicht mehr aus. In solchen Momenten entscheidet nicht Fahrpraxis, sondern Physik. Und die ist gnadenlos.

    Die Behörden mahnen deshalb zur Vorsicht. Geschwindigkeit deutlich reduzieren, Sicherheitsabstände vergrößern, abrupte Lenk- oder Bremsmanöver vermeiden. Das klingt nach Routine, nach Fahrschulwissen. Doch der Morgen des 29. Januar zeigt, wie schnell diese Regeln im Alltag vergessen werden. Ein paar Minuten Zeitgewinn, ein kurzer Blick aufs Handy, ein zu später Bremsversuch – und schon reiht man sich ein in eine Kette von Unfällen.

    Der Tag endet ohne Todesopfer, aber mit einer klaren Botschaft. Das Straßennetz ist verwundbar, gerade in Regionen mit dichtem Verkehr. Gefrierender Nebel ist kein Randphänomen, sondern ein ernstzunehmender Gegner. Vielleicht braucht es weniger Technik und mehr Bewusstsein. Denn manchmal genügt ein unscheinbarer Schleier, um aus einer gewöhnlichen Fahrt einen gefährlichen Balanceakt zu machen.

    Autor: Daniel Ivers

  • Die Montage der Abhängigkeit

    Die Montage der Abhängigkeit

    Renaults Elektromotoren aus China und das europäische Dilemma industrieller Souveränität

    Wenn Renault im Werk Cléon künftig Elektromotoren montiert, die aus China stammen, dann ist das mehr als eine Standortentscheidung. Es ist ein lehrreiches Kapitel über die neue Arbeitsteilung in der globalen Industrie – und darüber, wie europäische Staaten mit dem Verlust industrieller Tiefe umgehen.

    Die Nachricht klang zunächst unscheinbar: Ab Frühjahr 2027 sollen im traditionsreichen Werk Cléon in der Normandie jährlich bis zu 120.000 Elektromotoren zusammengebaut werden, deren Kernkomponenten vom chinesischen Zulieferer Shanghai Electric Drive stammen. Verbaut werden sollen sie in künftige Kleinwagenmodelle der Marken Renault, Dacia und Mitsubishi. Die Botschaft dahinter ist jedoch deutlich weitreichender: Europa bleibt im Strukturwandel der Automobilindustrie auf Zulieferungen aus Asien angewiesen – selbst dort, wo politische Programme den Aufbau eigenständiger Kapazitäten beschwören.


    Das günstige Herz aus Fernost

    Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint der Schritt logisch. Der E-Motor, der nun in Frankreich montiert wird, ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen bis zu 50 Prozent günstiger als vergleichbare europäische Eigenentwicklungen. In einem Marktsegment, das von Preissensibilität und schmalen Margen geprägt ist, zählt jeder Euro. Renault folgt also der Logik des Wettbewerbs – so wie es nahezu alle europäischen Hersteller inzwischen tun.

    Doch der Preis dieser ökonomischen Rationalität ist eine weitere Verflachung der industriellen Wertschöpfungstiefe: Entwicklung, Fertigung, technologische Expertise – all das liegt in diesem Fall nicht in Frankreich, sondern in China. Die Rolle der europäischen Standorte beschränkt sich auf die Endmontage – eine Tätigkeit, die man einst Entwicklungsländern zugeschrieben hätte.

    Das mag kurzfristig Arbeitsplätze sichern. Doch es stellt die Frage, was von Europas vielbeschworener „strategischer Autonomie“ in diesem Industriesektor übrig bleibt, wenn Schlüsselkomponenten nicht mehr eigenständig hergestellt, sondern nur noch zusammengeschraubt werden.


    Ein Etikettenschwindel mit politischer Rückendeckung

    Denn es ist gerade diese Form der Montage, die es Herstellern wie Renault ermöglicht, von politischen Förderinstrumenten zu profitieren. In der Logik vieler Programme – national wie europäisch – genügt ein bestimmter Anteil an lokaler Fertigung, um als „Made in Europe“ zu gelten. Das wiederum kann entscheidend sein, um Subventionen zu erhalten oder regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

    Es entsteht ein paradoxes Bild: Europäische Industriepolitik läuft Gefahr, genau die Abhängigkeiten zu zementieren, die sie doch zu überwinden vorgibt. Statt eigenständiger Produktionsketten wächst eine Scheinautarkie, bei der das Label europäisch ist, der Inhalt jedoch zunehmend importiert.


    Kein Einzelfall – sondern Symptom

    Renault ist mit diesem Vorgehen nicht allein. Volkswagen sucht die Nähe zu chinesischen Partnern, Stellantis investiert in gemeinschaftliche Batterieprojekte mit asiatischen Zulieferern. Selbst Premiumhersteller sehen sich gezwungen, zentrale Technologien aus Fernost zuzukaufen.

    Die Ursachen sind vielfältig: Jahrzehntelange Verlagerung der Fertigung, politische Unterinvestition in strategische Industrien, fehlende Skaleneffekte, bürokratische Hürden, überkomplexe Förderstrukturen. Während China seine Industrie mit strategischer Zielstrebigkeit und staatlicher Unterstützung ausgebaut hat, fehlte es Europa an Koordination, Tempo und industriepolitischer Klarheit.

    Das Ergebnis: Wer heute wettbewerbsfähige kleine Elektrofahrzeuge bauen will, hat derzeit kaum eine Alternative zum Zukauf aus Asien – sei es bei Batterien, Leistungselektronik oder nun auch bei Antriebseinheiten.


    Der Verzicht auf die Kontrolle

    Es ist eine strategische Entscheidung mit Langzeitfolgen, wenn sich europäische Hersteller zunehmend auf externe Technologie verlassen. Denn jede Komponente, die man nicht selbst entwickelt oder fertigt, bedeutet einen Verlust an technologischem Wissen, an Souveränität – und an Gestaltungskraft.

    Europa droht, zum verlängerten Montageband globaler Industrieprozesse zu werden. Das ist gefährlich – nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive, sondern auch mit Blick auf geopolitische Risiken. Lieferketten, die sich in Krisenzeiten als brüchig erweisen, können ganze Industriezweige in Mitleidenschaft ziehen. Die Pandemie war dafür nur ein Vorgeschmack.


    Europa steht vor einer Entscheidung. Will es weiterhin mitspielen im globalen industriellen Wettbewerb, muss es sich nicht nur auf Regulierung und Förderkulissen verlassen, sondern konkrete Kapazitäten aufbauen: für Entwicklung, Fertigung, Innovation. Cléon kann ein Arbeitsplatz für Hunderte bleiben – und gleichzeitig ein Mahnmal dafür werden, wie man Kontrolle über Schlüsselindustrien verliert.

    Von Andreas Brucker