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  • Kommentar – Wenn Angst regiert: Willkommen in der Republik der Panikmacher

    Kommentar – Wenn Angst regiert: Willkommen in der Republik der Panikmacher

    Es gibt wenige Disziplinen, in denen die extreme Rechte mit solcher Virtuosität brilliert wie im Verbreiten von Angst. Während andere politische Kräfte mühsam zwischen Fakten und Lösungen balancieren, inszeniert der Rassemblement National (RN) das perfekte Endzeitdrama – Woche für Woche, Mikrofon für Mikrofon. Sébastien Chenu, Vizepräsident der Partei und Abgeordneter des Departements Nord, hat heute einmal mehr bewiesen: Wer braucht differenzierte Analyse, wenn man auch mit einem rhetorischen Flammenwerfer auf die Realität zielen kann?

    Frankreich, so Chenu, sei auf dem direkten Weg in die Hölle. Gewalt explodiere, die Kriminalität befinde sich auf „nie dagewesenen Höchstständen“, und – natürlich – „die Immigration“ sei schuld. Dass Statistiken zu Gewalt- und Eigentumsdelikten in Frankreich komplexer sind als in einer Talkshow darstellbar, interessiert dabei nicht. Die Wahrheit hat im Theater der Empörung bekanntlich Sendepause.

    Dramaturgie statt Daten

    „Alles explodiert“, ruft Chenu. Die Zahl der versuchten Tötungsdelikte sei um „mehr als 85 Prozent“ gestiegen. In anderen Bereichen seien es „mehr als 115 Prozent“. Ob sich diese Zahlen auf ein Quartal, ein Jahr oder zehn Jahre beziehen? Nebensache. Hauptsache, sie klingen nach Ausnahmezustand.

    Tatsächlich zeigen die offiziellen Zahlen des französischen Innenministeriums und des Nationalen Observatoriums für Kriminalität (ONDRP) ein differenzierteres Bild: Während bestimmte Gewaltformen, wie etwa häusliche Gewalt oder Jugendgewalt, in den letzten Jahren zugenommen haben – teils infolge besserer Erfassung –, sind andere Deliktformen, insbesondere Eigentumsdelikte, rückläufig oder stabil. Und was den oft zitierten „Anstieg bei Tötungsdelikten“ betrifft: Die Zahl bleibt, gemessen an Frankreichs Gesamtbevölkerung, im europäischen Mittelfeld. Das ist schlimm genug – aber kein Indiz für den gesellschaftlichen Kollaps, den Chenu beschwört.

    Die Schuldigen stehen fest – bevor die Debatte beginnt

    Wenn Rechtspopulisten über Kriminalität sprechen, ist eines sicher: Die Schuldfrage ist längst geklärt, bevor das erste Argument gefallen ist. Auch Chenu macht keinen Hehl daraus: Schuld sind „die Jugendlichen“ und „die Immigranten“. Dass junge Menschen seit jeher statistisch häufiger in polizeilichen Kriminalitätsstatistiken auftauchen – international, altersunabhängig, milieubedingt – wird zur ideologischen Nebensache. Und dass die Kategorie „immigré“ in Frankreich ein weites, häufig undifferenziertes Feld umfasst – egal. Hauptsache, das Feindbild steht.

    Die Aussage, es gebe eine „überrepräsentierte Immigration“ in der Kriminalität, ist bewusst schwammig. Wer ist gemeint? Französische Staatsbürger mit Migrationshintergrund? Papierlose Migranten? Asylsuchende? In der rechtspopulistischen Rhetorik verschwimmt das alles zu einem bedrohlichen Amalgam, das nur eines will: „unsere“ Republik zerstören.

    Politik der harten Hand – und des kurzen Denkens

    Die Lösung, wie immer, liegt auf der Hand: mehr Gefängnisse, härtere Strafen, niedrigere Hürden für Haft. Auch für Minderjährige, selbstverständlich. Aber bitte nicht gemeinsam mit „Multirezidivisten“ – Chenu gibt sich da großzügig differenziert. Stattdessen fordert er spezielle Strukturen – von denen er weiß, dass sie bislang nicht existieren, was ihn jedoch nicht davon abhält, deren Fehlen der Regierung anzulasten.

    Das eigentliche Ziel dieser Straflust? Nicht Sicherheit, sondern Machtdemonstration. Es geht nicht darum, Ursachen von Gewalt zu bekämpfen – Armut, soziale Desintegration, Bildungsmangel –, sondern darum, einen imaginären Ordnungspfeiler einzurammen. Einen, der „den Franzosen“ signalisiert: Wir wissen, wo das Böse wohnt. Und es kommt aus dem Ausland.

    Migration als Sündenbock in Endlosschleife

    Was wäre ein RN-Interview ohne den obligaten Ruf nach Abschiebungen? Auch Chenu enttäuscht nicht: „Wer nicht Franzose ist und hier ein Verbrechen begeht, muss raus.“ Dass ein erheblicher Teil der Delikte von Menschen mit französischer Staatsangehörigkeit begangen wird? Unerheblich. Dass internationale Abschiebeabkommen oft fehlen oder Staaten die Rücknahme verweigern? Detailfrage.

    So wird das Migrationsproblem zur universellen Erklärung für jedes gesellschaftliche Symptom – und zugleich zur Waffe gegen eine politische Elite, die angeblich „nicht sehen will“, was die Straße längst erkannt habe. Dass diese „Straße“ vom RN selbst seit Jahren mit Empörung beliefert wird, versteht sich von selbst.

    Ein Land wird mürbe gemacht

    Die wahre Gefahr liegt nicht in den – realen – Herausforderungen durch Jugendkriminalität, Drogenhandel oder Parallelgesellschaften. Sie liegt in der systematischen Polarisierung der Debatte. In der Transformation eines sozialen Problems in ein kulturelles und letztlich ethnisches. Und in der Erosion des Vertrauens in demokratische Institutionen.

    Wer permanent ein Land beschreibt, als stünde es am Abgrund, betreibt keine Sicherheitspolitik – er betreibt politische Brandstiftung. Wer Kriminalitätsstatistiken als Waffe gegen die Grundwerte der Republik nutzt, zersetzt nicht nur das Vertrauen in Regierung und Verwaltung, sondern auch in den demokratischen Diskurs.

    Am Ende bleibt das Bild eines Frankreichs, das angeblich im Chaos versinkt – aber in Wahrheit von jenen destabilisiert wird, die davon politisch profitieren wollen. Und Chenu? Der steht dabei nicht am Rand, sondern mitten im Epizentrum dieser Erzählung. Denn Angst ist nicht nur ein schlechter Ratgeber. Sie ist auch ein verdammt effektives Wahlkampfmittel.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Kurswechsel gegenüber Teheran: Die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation signalisiert eine neue europäische Linie

    Frankreichs Kurswechsel gegenüber Teheran: Die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation signalisiert eine neue europäische Linie

    Die Europäische Union steht vor einer symbolträchtigen, geopolitisch heiklen Entscheidung: Die Aufnahme der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) in die EU-Terrorliste. Was lange als unwahrscheinlich galt, wird nun Realität – auch dank einer Kehrtwende Frankreichs, das sich bislang als Bremser positioniert hatte. Mit der Zustimmung aus Paris öffnet sich der Weg für eine einheitliche europäische Linie gegenüber dem Iran. Die Folgen dieser Entscheidung dürften weitreichend sein – diplomatisch, rechtlich und strategisch.

    Frankreichs Sinneswandel kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Am Vorabend eines EU-Außenministertreffens in Brüssel verkündete der französische Außenminister Jean-Noël Barrot die Unterstützung seines Landes für die Maßnahme. Noch vor wenigen Wochen galt Paris als zögerlich, mahnte zur Vorsicht und setzte auf diplomische Kanäle. Doch die anhaltende, brutale Repression der Proteste im Iran hat nun offenbar eine Neubewertung ausgelöst. Barrot sprach von einer „intolerablen Gewalt“, für die Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden müssten.


    Ein Präzedenzfall in der europäischen Sanktionspolitik

    Die Entscheidung berührt grundlegende Fragen der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Noch nie hat die EU eine offizielle Organisation eines souveränen Staates als Terrorgruppe eingestuft. Zwar führen die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien die IRGC bereits seit Jahren auf ihren Terrorlisten, doch die EU hatte sich bislang schwergetan, diesen Schritt mitzutragen – nicht zuletzt aus Sorge um die Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen zu Teheran.

    Die Revolutionsgarden sind nicht irgendeine paramilitärische Gruppierung. Sie stellen eine mächtige, parallel zu den regulären Streitkräften operierende Struktur innerhalb des iranischen Staatsapparats dar. Ihr Einfluss reicht weit über das Militärische hinaus: Sie kontrollieren weite Teile der iranischen Wirtschaft, insbesondere im Bauwesen, im Energiesektor und in der Rüstungsindustrie, und spielen eine Schlüsselrolle in den iranischen Nuklear- und Raketenprogrammen. Eine Einstufung als Terrororganisation bedeutet daher nicht nur politisches Stigma, sondern kann zu erheblichen wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen führen.


    Von Bedenken zur Einigkeit: Die Dynamik hinter der Entscheidung

    Der französische Kurswechsel ist Teil einer breiteren Verschiebung in der europäischen Haltung gegenüber Teheran. Nachdem in den letzten Tagen auch Spanien und Italien ihre Vorbehalte aufgegeben hatten, zeichnete sich eine mögliche Einstimmigkeit im Rat der EU ab – Voraussetzung für jede Erweiterung der Terrorliste. In Paris wog man offenbar das Risiko diplomatischer Folgen gegen die Notwendigkeit europäischer Geschlossenheit und politischer Konsequenz ab. Die moralische Dringlichkeit angesichts der Lage im Iran überwog letztlich die strategischen Vorbehalte.

    Diplomatische Quellen berichten, Frankreich habe lange befürchtet, dass eine solche Maßnahme den letzten verbliebenen Gesprächskanal mit Teheran kappen könnte – etwa im Hinblick auf die Freilassung europäischer Staatsbürger, die im Iran inhaftiert sind, oder bei Verhandlungen über das Atomabkommen (JCPOA). Doch die zunehmende Eskalation der Repression im Iran, bei der laut Menschenrechtsorganisationen tausende Demonstrierende getötet oder verhaftet wurden, ließ die Bedenken zunehmend verblassen.


    Juristische Grauzonen und geopolitische Risiken

    Die juristische Grundlage für eine solche Maßnahme ist komplex. Die EU kann Organisationen auf Grundlage konkreter terroristischer Handlungen in ihre Liste aufnehmen. Doch wie lässt sich dies bei einem staatlichen Akteur anwenden, der gleichzeitig offizieller Bestandteil des Regierungssystems eines Landes ist? Kritiker warnen vor einer potenziellen Verwässerung der juristischen Standards und einer Instrumentalisierung der Terrorliste für außenpolitische Zwecke. Die Beweislage, die eine solche Listung rechtfertigen muss, dürfte besonders sorgfältig geprüft werden.

    Zugleich steht die Entscheidung exemplarisch für eine Verschiebung in der europäischen Außenpolitik: weg von rein realpolitischer Interessensabwägung, hin zu einer stärkeren Betonung von Menschenrechten und normativer Außenpolitik. Es ist ein bewusster Bruch mit dem bisherigen Versuch, selbst unter schwierigen Bedingungen Gesprächskanäle offenzuhalten – ein Ansatz, der in der Vergangenheit etwa im Rahmen des Atomabkommens mühsam verfolgt wurde.


    Strategische Folgen: Druck erhöhen, Türen schließen?

    Sollte die Einstufung erfolgen, wird dies die Beziehungen zwischen der EU und dem Iran weiter belasten – mit ungewissen Folgen. Die Sanktionen, die mit einer Listung einhergehen, umfassen Vermögenssperren, Reiseverbote und das Verbot finanzieller Unterstützung. Es ist ein starkes Signal der Solidarität mit der iranischen Opposition – aber auch ein kalkulierter diplomatischer Affront.

    Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie belastbar die außenpolitische Strategie der EU gegenüber autoritären Regimen noch ist. Die Entscheidung könnte Auswirkungen über den Iran hinaus haben: Sie wird in Moskau ebenso wahrgenommen wie in Peking, Ankara oder Riad – überall dort, wo europäische Diplomatie regelmäßig an autoritäre Realitäten stößt.

    Auch innenpolitisch ist die Entscheidung nicht ohne Bedeutung. Sie kommt einem Schulterschluss mit der iranischen Diaspora in Europa gleich, die seit Jahren auf eine härtere Gangart gegenüber Teheran drängt. Zugleich markiert sie eine Positionsverschiebung der französischen Diplomatie, die bislang stets betont hatte, auch mit problematischen Partnern im Gespräch bleiben zu wollen.


    Am Ende ist der Schritt ein Dammbruch: Die Aufnahme einer staatlichen Organisation in die EU-Terrorliste könnte zum Präzedenzfall werden – mit offenem Ausgang. Er steht exemplarisch für den wachsenden Druck auf westliche Demokratien, ihre außenpolitischen Prinzipien glaubhaft zu vertreten, auch wenn dies strategische Risiken mit sich bringt. Frankreichs neue Haltung macht deutlich: In Brüssel wie in Paris ist man bereit, diesen Preis zu zahlen – zumindest vorerst.

    Autor: P. Tiko

  • Capgemini unter Druck: Wie ein US-Vertrag die ethischen Grenzen europäischer Technologiekonzerne aufzeigt

    Capgemini unter Druck: Wie ein US-Vertrag die ethischen Grenzen europäischer Technologiekonzerne aufzeigt

    Der französische IT-Gigant Capgemini steht im Zentrum einer internationalen Kontroverse. Eine seiner US-Tochterfirmen hat einen Vertrag mit der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE unterzeichnet – eine Behörde, die seit Jahren wegen ihrer harten Abschiebungspraxis und mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen über die ethische Verantwortung multinationaler Unternehmen auf und sorgt für politische Turbulenzen in Paris.

    Capgemini Government Solutions (CGS), die amerikanische Regierungsdienstleistungs-Sparte des Konzerns, hat Ende 2025 einen Vertrag im Umfang von rund 4,8 Millionen US-Dollar mit dem US Department of Homeland Security unterzeichnet. Der Auftrag umfasst sogenannte „Skip Tracing“-Dienste – datenbasierte Methoden zur Lokalisierung gesuchter Personen. Zielgruppe: Personen ohne regulären Aufenthaltsstatus in den USA. Laut Recherchen mehrerer Medien könnten die kumulierten Auftragswerte mit ICE in den vergangenen Jahren sogar mehrere hundert Millionen Dollar betragen.

    Dass ein französisches Vorzeigeunternehmen, das sich in seinem Nachhaltigkeitsbericht auf Menschenrechte, Diversität und soziale Verantwortung beruft, ausgerechnet mit einer Behörde kooperiert, die mit Abschiebe-Razzien, Familientrennungen und überfüllten Haftzentren in Verbindung gebracht wird, hat zu einem Sturm der Entrüstung geführt – intern wie extern.

    Ethische Ambivalenz im digitalen Staatsdienst

    Capgemini ist nicht das erste Technologieunternehmen, das mit ICE in Verbindung gebracht wird. Auch andere IT-Dienstleister haben Verträge mit US-Sicherheitsbehörden abgeschlossen. Doch der Fall Capgemini ist insofern besonders brisant, als der Konzern seinen Hauptsitz in Paris hat und in der französischen Öffentlichkeit als Aushängeschild der digitalen Souveränität gilt. Die moralische Fallhöhe ist entsprechend groß.

    Technologieanbieter geraten zunehmend in ein Spannungsfeld zwischen lukrativen Regierungsaufträgen und der Einhaltung internationaler Normen. Je datengetriebener die Migrationspolitik wird, desto zentraler wird die Rolle privater Dienstleister – etwa bei der Analyse von Bewegungsdaten, dem Aufbau biometrischer Systeme oder dem Einsatz künstlicher Intelligenz zur Risikoprognose. Die Übergänge zwischen Verwaltungshilfe und Überwachung sind dabei fließend.

    Während ICE betont, dass die beauftragten Dienste im Rahmen gesetzlicher Standards operieren, argumentieren Menschenrechtsorganisationen, dass die Technologien zur Verschärfung restriktiver und intransparenter Maßnahmen beitragen. Skip Tracing sei nicht neutral, sondern Teil eines Systems, das Migranten systematisch entrechtet.

    Politische Rückkopplung nach Paris

    Die französische Regierung hat schnell reagiert. Wirtschaftsminister Roland Lescure forderte öffentlich Aufklärung und betonte, dass die Erklärung der Konzernleitung, wonach es sich um eine eigenständige Entscheidung der US-Tochter handele, nicht ausreiche. Auch die Verteidigungsministerin meldete sich zu Wort und verwies auf die Verantwortung französischer Konzerne zur Wahrung von Menschenrechten im Ausland.

    Capgemini selbst sieht sich in einer diffizilen Lage. CEO Aiman Ezzat erklärte, die Tochterfirma unterliege einer strikt getrennten US-Governance-Struktur, wie sie für sicherheitsrelevante Regierungsaufträge vorgeschrieben sei. Der Konzern verfüge weder über operative Kontrolle noch über Einblick in die klassifizierten Teile der Vertragstätigkeit. Diese Argumentation entspricht gängiger Praxis bei „Special Security Agreements“, lässt jedoch die zentrale Frage offen, inwieweit ethische Standards konzernweit gelten müssen – auch bei rechtlicher Trennung.

    Interner Aufruhr und Reputationsrisiken

    Besonders heikel für Capgemini: Die Debatte hat auch die Belegschaft erreicht. Mehrere Mitarbeiter und Gewerkschaften äußerten öffentlich ihre Kritik. Die CGT forderte den sofortigen Ausstieg aus dem Vertrag und warf dem Unternehmen vor, sich moralisch zu diskreditieren. In internen Foren berichten Angestellte von „Vertrauensbruch“ und „Sinnverlust“. Der Imageschaden dürfte langfristig wirken – gerade bei einem Unternehmen, das um junge, werteorientierte Talente wirbt.

    Im Zuge der Digitalisierung staatlicher Prozesse wachsen sowohl die Möglichkeiten als auch die Verantwortlichkeiten privater Akteure. Wenn Unternehmen wie Capgemini Software liefern, mit der Behörden Menschen lokalisieren, einstufen oder zur Abschiebung selektieren können, stehen sie in der Mitverantwortung für deren Anwendung – ob sie dies anerkennen oder nicht.

    Europas digitale Industrie vor einem Dilemma

    Der Fall Capgemini verdeutlicht ein tiefer liegendes Problem: Europäische Konzerne mit globaler Reichweite bewegen sich in einem Spannungsfeld divergierender Rechtssysteme und Werteordnungen. Was in einem Land als legal gilt, kann im anderen als inakzeptabel empfunden werden. Regierungen verlangen Rechenschaft, Belegschaften stellen Sinnfragen, Kunden drohen mit Boykott – die globale Ethik der Konzerne wird zunehmend zur strategischen Dimension.

    In Zeiten, in denen Technologieanbieter immer häufiger als stille Architekten staatlicher Infrastruktur agieren, wird die Frage nach den Grenzen des Zulässigen unausweichlich. Nicht jedes Geschäft ist ein gutes Geschäft. Für Capgemini markiert diese Krise möglicherweise einen Wendepunkt: weg vom opportunistischen Pragmatismus, hin zu einer neuen Form der digitalen Rechenschaft.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich verabschiedet Gesetz zur Abschaffung des „ehelichen Pflichtverkehrs“ – ein Meilenstein für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

    Frankreich verabschiedet Gesetz zur Abschaffung des „ehelichen Pflichtverkehrs“ – ein Meilenstein für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

    Mit seltener Einstimmigkeit hat die französische Nationalversammlung Ende Januar 2026 ein Gesetz beschlossen, das die Vorstellung eines „ehelichen Pflichtverkehrs“ ausdrücklich aus dem Zivilrecht verbannt. Die Reform schafft nicht nur juristische Klarheit, sondern markiert auch einen gesellschaftlichen Wandel: Der Ehevertrag begründet künftig keine implizite Verpflichtung zu sexuellen Handlungen – auch nicht zwischen Eheleuten. Damit folgt das französische Parlament einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und sendet ein starkes Signal zur Bedeutung des individuellen Einvernehmens – unabhängig vom Beziehungsstatus. Ein historischer Irrtum wird juristisch korrigiert Obwohl der Begriff devoir conjugal – wörtlich „eheliche Pflicht“ – niemals explizit im französischen Zivilgesetzbuch verankert war, hielt sich die Vorstellung eines sexuellen Anspruchs innerhalb der Ehe über Jahrzehnte. Juristische Formulierungen wie die Pflicht zur „communauté de vie“, also zum gemeinsa…

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  • Edouard Philippe im doppelten Wahlkampf – Wie die Kommunalwahl in Le Havre zur Präsidentschaftsfrage wird

    Edouard Philippe im doppelten Wahlkampf – Wie die Kommunalwahl in Le Havre zur Präsidentschaftsfrage wird

    Edouard Philippe ist zurück im Wahlkampfmodus – gleich in doppelter Mission. Offiziell geht es um die Kommunalwahl im nordfranzösischen Le Havre, wo der frühere Premierminister seine Wiederwahl als Bürgermeister anstrebt. Inoffiziell jedoch gilt der Urnengang im März 2026 als erste Etappe auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur 2027. Denn Philippe hat längst erklärt, dass er ins Rennen um den Élysée einsteigen will – und das Ergebnis im eigenen politischen Stammland dürfte über seine Glaubwürdigkeit auf nationaler Bühne entscheiden. Ein Bürgermeister mit landespolitischem Anspruch Edouard Philippe regiert Le Havre seit 2010 – mit einer Unterbrechung während seiner Zeit als Premierminister unter Emmanuel Macron (2017–2020). Dass er nun erneut für das Amt kandidiert, ist weniger Ausdruck kommunaler Ambitionen als vielmehr ein strategisches Manöver. Der 55-Jährige weiß: Ein Sieg in der Hochburg an der normannischen Küste würde seine Position als ernsthafter Anwärter auf das Präsidenten…

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  • Das langsame Hochwasser

    Das langsame Hochwasser

    Warum die Bretagne im Regen steht – und warum das Wasser nicht so schnell wieder geht

    Es beginnt unspektakulär.
    Kein Donnern. Kein reißender Strom. Kein dramatischer Moment für die Abendnachrichten.

    Nur Regen.
    Immer wieder Regen.

    In diesen Januartagen steigt das Wasser in der Bretagne nicht plötzlich, sondern beharrlich. Es sickert, sammelt sich, schiebt sich voran. Zentimeter für Zentimeter. Und genau darin liegt die Gefahr. Hochwasser, das leise kommt, bleibt oft am längsten.


    Ein Landstrich im Wartemodus

    Seit Tagen stehen alle vier bretonischen Départements unter Hochwasserwarnung. Besonders angespannt ist die Lage in Ille-et-Vilaine und im Morbihan. Straßen sind gesperrt, Keller geflutet, mobile Schutzwände errichtet. In Redon spannt sich eine 500 Meter lange Metallbarriere durch die Stadt – montiert mit Hilfe von Armee und Zivilschutz.

    Am Mittwoch gab es eine kurze Atempause.
    Doch sie täuscht.

    Denn für das kommende Wochenende kündigt Météo-France erneut kräftige Niederschläge an. Regen auf Regen. Auf Böden, die längst nichts mehr aufnehmen können.


    Der Winter, in dem es nicht aufhört zu regnen

    Ausgelöst wurde die jüngste Regenserie durch Sturm Chandra, der sich über der Keltischen See formte und Richtung Britische Inseln zog. Zwischen Montag und Dienstag fielen regional 20 bis 40 Liter Niederschlag.

    Das allein wäre in der Bretagne kaum der Rede wert.
    Doch dieser Regen fiel auf einen Winter, der bereits außergewöhnlich nass ist.

    „Im diesem Januar liegen wir regional bei etwa dem Doppelten der üblichen Niederschlagsmenge“, sagt Patrick Galois, Meteorologe bei Météo-France.

    Manche Orte haben historische Marken überschritten. In Sizun im Finistère wurden bis zum 28. Januar 366 Liter pro m2 gemessen, in Ploudaniel fast 300. Werte, die sonst über ein ganzes Jahr verteilt fallen.

    Und der Monat war noch nicht vorbei.


    Wenn der Boden aufgibt

    Regen ist nicht gleich Regen. Entscheidend ist, was darunter liegt.

    Nach Wochen fast ununterbrochener Niederschläge sind die Böden der Bretagne vollständig gesättigt. Die Poren sind gefüllt, der Speicher ist belegt. Jeder neue Schauer läuft oberflächlich ab – direkt in Gräben, Bäche, Flüsse.

    Hydrologen sprechen von stark verminderter Infiltration.
    Anschaulicher gesagt: Der Boden hat aufgegeben.

    Das erklärt, warum Flüsse wie die Laïta bei Quimperlé oder der Oust bei Malestroit über die Ufer getreten sind. Am Oust wurde ein Pegelstand von 3,41 Metern gemessen. Kein Rekord – aber genug, um Straßen, Felder und Keller unter Wasser zu setzen.


    Die trügerische Logik des Hochwassers

    Wer Hochwasser nur aus alpinen oder mediterranen Regionen kennt, erwartet Dramatik. Innerhalb weniger Stunden schwillt ein Bach zum reißenden Strom an. In der Bretagne funktioniert das anders.

    Hier ist das Relief flach, die Flüsse lang, die Einzugsgebiete weit verzweigt. Wasser braucht Zeit. Manchmal einen Tag. Manchmal zwei.

    „Zwischen Niederschlag und Hochwasser gibt es einen deutlichen zeitlichen Versatz“, erklärt Patrick Galois. „Selbst wenn es aufhört zu regnen, kann der Pegel weiter steigen.“

    Das macht diese Lage so schwer einschätzbar. Die Gefahr verschwindet nicht mit den Wolken.


    Wenn der Wind das Wasser festhält

    Hinzu kommt ein weiterer, oft übersehener Faktor: der Wind.

    Starker Westwind kann den Abfluss der Flüsse ins Meer bremsen – besonders bei hohen Gezeiten. Das Wasser staut sich zurück, als würde jemand den Abfluss zudrücken. Fluss und Ozean geraten in ein unruhiges Wechselspiel.

    Meteorologie trifft Hydrologie.
    Und zeigt, wie komplex Hochwasser wirklich ist.


    Eine sanfte Flut – und genau deshalb gefährlich

    Der Bürgermeister von Rieux beschreibt die Lage treffend: Diese Flut sei „sanft“ – und gerade deshalb heimtückisch. Kein plötzlicher Schock, sondern ein langsames Vordringen. Das Wasser kommt von unten, aus dem Boden, aus den Kanälen, aus den Flüssen.

    Ich habe solche Situationen oft erlebt, bei Forschungsaufenthalten in Nordwesteuropa. Sie sind psychologisch belastend. Weil es kein klares Ende gibt. Weil man wartet. Und wartet. Und das Wasser bleibt.


    Der größere Zusammenhang

    Dass solche Winter häufiger werden, ist kein Zufall.

    Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen – etwa sieben Prozent pro Grad Erwärmung. Das ist einfache Physik. Und sie hat Folgen: intensivere Niederschläge, vor allem im Winterhalbjahr.

    Langfristige Analysen des IPCC und der WMO zeigen übereinstimmend: In Nordeuropa nehmen die Winterniederschläge zu. Auch an der Atlantikküste. Auch in der Bretagne.

    Nicht jedes Hochwasser ist „Klimawandel“.
    Aber der Hintergrund wird nasser.


    Wer besonders betroffen ist

    Hochwasser ist selten gerecht.

    Es trifft oft jene, die in tiefer gelegenen Gebieten wohnen, in schlecht isolierten Häusern, ohne umfassenden Versicherungsschutz. Schäden ziehen sich hin. Schimmel, Wertverlust, psychische Belastung. Vieles davon taucht in keiner Statistik auf.

    Klimaanpassung ist deshalb mehr als Technik. Sie ist eine soziale Aufgabe.


    Was bleibt

    Die Bretagne ist gut vorbereitet. Frühwarnsysteme funktionieren, Einsatzkräfte sind erfahren, Kommunen handeln entschlossen. Und doch zeigt dieser Winter die Grenzen des Machbaren.

    Das Wasser kommt leise.
    Und es bleibt.

    Die entscheidende Frage ist nicht, ob solche Winter wiederkehren.
    Sondern wie wir lernen, mit ihnen zu leben – klüger, gerechter, vorausschauender.

    Denn Regen wird es immer geben.
    Aber wie viel Schaden er anrichtet, liegt auch in unserer Hand.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Groenland als Weckruf: Europas langsames Erwachen in einer neuen strategischen Realität

    Groenland als Weckruf: Europas langsames Erwachen in einer neuen strategischen Realität

    Der Rückzug Grönlands aus der Europäischen Gemeinschaft galt lange als Randnotiz der Integrationsgeschichte. Doch im geopolitischen Klima des 21. Jahrhunderts wird das arktische Territorium zunehmend zum Prüfstein europäischer Handlungsfähigkeit – und zum Symbol für eine notwendige strategische Neuausrichtung.

    Als Grönland 1985 offiziell die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft verließ, nahm kaum jemand in Brüssel Notiz. Zwar handelte es sich um den ersten tatsächlichen Austritt eines Territoriums aus dem europäischen Integrationsprozess – Jahrzehnte vor dem Brexit. Doch die politische Bedeutung des dünn besiedelten Landes im hohen Norden galt als marginal, der Austritt als Sonderfall mit begrenzter Tragweite. Erst heute, inmitten wachsender geopolitischer Spannungen, rückt Grönland erneut ins europäische Blickfeld – als strategisches Frühwarnsignal, das lange übersehen wurde.

    Präzedenzfall im Schatten der Geschichte

    Der Weg Grönlands aus der europäischen Gemeinschaft begann 1982 mit einem Referendum. Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung sprach sich gegen die Mitgliedschaft in der damaligen EG aus – nicht aus grundsätzlicher Europa-Skepsis, sondern vor allem aus Unmut über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Stärkung der lokalen Autonomie. Der daraufhin ausgehandelte „Grönland-Vertrag“ trat 1985 in Kraft. Seither hat Grönland einen Sonderstatus als „Überseeisches Land und Gebiet“ (OCT) – ein assoziiertes, aber nicht integriertes Partnerterritorium der EU.

    In den 1980er Jahren wurde dieser Schritt kaum als Signal verstanden. Zu peripher erschien das Territorium, zu gering sein Einfluss auf die institutionelle Ordnung Europas. Die Ereignisse blieben weitgehend ohne Folgen für das europäische Selbstverständnis. Erst retrospektiv wird deutlich, dass hier ein juristischer und politischer Präzedenzfall geschaffen wurde, der künftig an Relevanz gewinnen sollte.

    Strategisches Erwachen im Zeichen globaler Spannungen

    Im geopolitischen Klima der 2020er Jahre hat sich die Wahrnehmung Grönlands grundlegend verändert. Die russische Invasion in der Ukraine, das belastete transatlantische Verhältnis unter Donald Trump und die wachsende strategische Bedeutung der Arktis haben das Augenmerk europäischer Entscheidungsträger auf lange ignorierte Randgebiete gelenkt.

    Europas sicherheitspolitische Selbstprüfung

    Für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war das Verhalten der USA in den letzten Monaten ein „heilsamer Schock“ – ein Weckruf für Europa, seine sicherheitspolitische Abhängigkeit zu überdenken. Diese Rhetorik, die auf die Unsicherheiten in den NATO-Strukturen verweist, gewinnt angesichts konkreter Vorfälle an Schärfe: etwa als Washington im Jahr 2019 und später im Jahr 2025 unverhohlen Interesse am Kauf Grönlands bekundete – ein Vorgang, der von dänischer wie europäischer Seite als diplomatische Zumutung verstanden wurde.

    Für die EU war dies mehr als ein symbolischer Affront. Es zeigte sich, dass die sicherheitspolitische Verlässlichkeit der USA keine Selbstverständlichkeit mehr ist – und dass auch europäisch assoziierte Gebiete Ziel direkter Einflussnahme werden können. Die Reaktion fiel zögerlich aus, doch das Signal war unübersehbar: Europas geopolitische Naivität könnte zum Risiko werden.

    Arktische Ressourcen und Energiepolitik

    Mit dem Fortschreiten des Klimawandels rückt die Arktis verstärkt in den Fokus wirtschaftlicher und strategischer Interessen. Neue Seewege entlang des Nordpolarmeers, schmelzende Eisschilde und reichhaltige Rohstoffvorkommen machen die Region zum Spielball globaler Machtprojektionen. In diesem Kontext erscheint Grönland nicht mehr als Randgebiet, sondern als geostrategischer Knotenpunkt.

    Für die EU, die sich nach den Energiekrisen infolge des russischen Angriffskriegs um größere Unabhängigkeit bemüht, ist Grönland Teil einer neuen Energiearchitektur. Der für Energiepolitik zuständige Kommissar bezeichnete die „Grönland-Krise“ jüngst als „Weckruf für Europas Energiesicherheit“. Der Fokus liege dabei nicht auf fossilen Ressourcen, sondern auf langfristiger Diversifizierung, erneuerbaren Energien und strategischer Resilienz. Die Arktis wird damit nicht nur zum ökologischen, sondern auch zum sicherheitspolitischen Raum, in dem Europas Interessen aktiv verteidigt werden müssen.

    Europäische Handlungsfähigkeit im Stresstest

    Abseits der konkreten Ressourcenpolitik ist Grönland auch zu einem Prüfstein europäischer Kohärenz geworden. Innerhalb der EU mehren sich Stimmen, die den Umgang mit dem arktischen Territorium als Indikator für die politische Reife der Union begreifen. Kann Europa souveräne Interessen seiner Mitglieder und assoziierten Partner wirksam vertreten? Oder bleibt es bei wohlklingenden Strategiepapieren ohne operative Konsequenz?

    Für Föderalisten ist Grönland ein Testfall: Wenn Europa den Anspruch erhebt, eine eigenständige politische Union zu sein, dann muss es auch bereit sein, territoriale Integrität und außenpolitische Kohärenz aktiv zu gestalten. Dazu gehört nicht nur die Verteidigung gegen äußeren Druck, sondern auch die Entwicklung klarer Strategien für Räume jenseits des klassischen EU-Territoriums.

    Kein Schock, aber ein Symptom

    Grönland ist kein klassischer „Elektroschock“ im Sinne eines plötzlichen Umbruchs. Vielmehr fungiert das Territorium als symptomatischer Prüfstein für die europäische Fähigkeit zur strategischen Selbstbehauptung. Die Herausforderungen der Arktis, die Schwankungen im transatlantischen Verhältnis und die Fragen territorialer Souveränität verdichten sich in einem geopolitischen Mikrokosmos, dessen Bedeutung lange unterschätzt wurde.

    Die Lektion aus Grönland ist ambivalent: Europa hat die Zeichen erkannt, doch das Handeln bleibt zögerlich. Es bedarf klarer strategischer Prioritäten, politischer Geschlossenheit und operativer Fähigkeiten, um in einer Welt multipolarer Machtkonkurrenz bestehen zu können. Grönland ist in diesem Kontext weniger Auslöser als Spiegel – und zugleich Mahnung, dass strategische Randgebiete oft Schlüssel zu zentraler Handlungsfähigkeit sind.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Zurück in die Tiefe? Frankreich diskutiert um die Zukunft fossiler Energien in seinen Überseegebieten

    Zurück in die Tiefe? Frankreich diskutiert um die Zukunft fossiler Energien in seinen Überseegebieten

    Eine Gesetzesinitiative im französischen Senat entfacht eine hitzige Debatte über Klimaziele, wirtschaftliche Perspektiven und das Selbstverständnis der Republik in ihren überseeischen Regionen. Der Vorstoß zur Wiederaufnahme der Öl- und Gasexploration in der französischen Karibik und Südamerika spaltet nicht nur die politische Klasse, sondern stellt auch die Grundsatzfrage: Wie ernst meint es Frankreich mit dem Abschied von den fossilen Energien? Am 29. Januar debattierte der französische Senat einen Gesetzentwurf, der es ermöglichen soll, die 2017 verabschiedete Regelung zur Beendigung von Öl- und Gasförderprojekten aufzuheben – zumindest in den französischen Überseegebieten. Der ursprüngliche Gesetzesrahmen, auch als „Loi Hulot“ bekannt, verbot neue Genehmigungen für fossile Energieprojekte auf französischem Staatsgebiet und sah den schrittweisen Rückzug aus bestehenden Konzessionen bis spätestens 2040 vor. Die nun eingebrachte Gesetzesvorlage will diese Bestimmung regional aufweich…

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  • Wenn das Wasser bleibt: Wie die Überschwemmungen in der Bretagne Unternehmen lahmlegen

    Wenn das Wasser bleibt: Wie die Überschwemmungen in der Bretagne Unternehmen lahmlegen

    Die Bretagne erlebt seit Ende Januar Tage, die man dort so schnell nicht vergessen wird. Regen, der nicht aufhört. Flüsse, die nicht zurückweichen. Straßen, die verschwinden. In den Départements Finistère, Morbihan, Ille-et-Vilaine und Côtes-d’Armor steht das Wasser vielerorts höher als in den Erinnerungen selbst älterer Einwohner. Und während Einsatzkräfte Deiche sichern und Anwohner ihre Häuser räumen, steht ein anderer Teil des Lebens still – die Wirtschaft. Was abstrakt nach „Betriebsunterbrechung“ klingt, ist vor Ort bittere Wirklichkeit. Werkstätten, deren Maschinen unter Wasser stehen. Läden, die ihre Türen nicht öffnen können, weil der Gehweg davor zum Kanal geworden ist. Lagerhallen, in denen Kartons aufweichen wie Pappe im Regen. In Orten entlang der Laïta, der Vilaine oder des Oust zeigt sich, wie verletzlich selbst solide gewachsene Wirtschaftsstrukturen sind, wenn das Wasser kommt und bleibt. In Quimperlé etwa, einer Stadt, die Hochwasser kennt, aber selten in dieser Dauer…

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  • Kanadas neue außenpolitische Richtung: Abschied von der US-Abhängigkeit

    Kanadas neue außenpolitische Richtung: Abschied von der US-Abhängigkeit

    Mark Carneys Rede in Davos fand nicht nur international Beachtung – auch in Kanada stieß sie auf breite Zustimmung. Der Premierminister sprach offen über die strategische Notwendigkeit, sich von der jahrzehntelangen wirtschaftlichen Abhängigkeit von den USA zu lösen. „Nostalgie ist keine Strategie“, sagte Carney. Kanada müsse seine Handelspartner diversifizieren und neue Allianzen schmieden, um gegenüber einem zunehmend unberechenbaren Amerika resilienter zu werden.

    Die Herausforderung ist enorm: Rund 70 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die USA. Doch erste Verschiebungen sind sichtbar. Der Handel mit Drittstaaten stieg zuletzt um 13 Prozent, Kanada exportiert nun erstmals Gas nach Asien, der Ölexportanteil außerhalb der USA wuchs auf 10 Prozent. Ein neues Abkommen mit China – inklusive wechselseitiger Zollsenkungen – bricht mit Ottawas traditioneller US-Nähe.

    Carneys Vision: Eine Allianz der „Mittelmächte“ – von Kanada über Europa bis Japan –, um gemeinsam auf US-Dominanz zu reagieren. Zwar bleibt eine vollständige Abkopplung unrealistisch, doch der Vorstoß sendet ein starkes Signal: Kanada will außenpolitisch selbstbestimmter agieren – und hofft auf Gleichgesinnte.


    Drohnenangriffe in Cherson: Das tägliche Risiko des Überlebens im Süden der Ukraine

    Die Stadt Cherson, gelegen im Süden der Ukraine, erlebt seit der russischen Invasion einen täglichen Überlebenskampf. Russische Drohnenangriffe, insbesondere die Verwendung von sogenannten Selbstmorddrohnen, haben die Zivilbevölkerung in ständige Angst versetzt und zwingen sie dazu, ihr tägliches Leben unter extremen Bedingungen zu führen.

    Die strategische Bedeutung von Cherson, als Zugangspunkt zur Krimbrücke und als wichtiger Verkehrsknotenpunkt, macht die Stadt zu einem umkämpften Gebiet in diesem Konflikt. Die Verwendung von Drohnen durch die russischen Streitkräfte hat sich als besonders effektiv und verheerend erwiesen, wobei häufig Wohngebiete und zivile Infrastrukturen ins Visier genommen werden. BürgerChersons berichten von täglichen Explosionen und der ständigen Angst, Opfer eines Drohnenangriffs zu werden.

    Die internationale Reaktion auf die Situation in Cherson und anderen Teilen der Ukraine bleibt eine Kombination aus diplomatischer Unterstützung für die Ukraine und Sanktionen gegen Russland. Die humanitäre Lage verschärft sich jedoch weiter, da der Winter naht und viele Menschen ohne ausreichende Versorgung oder Unterkunft sind.


    Weitere Nachrichten

    Südkoreas First Lady Kim Keon Hee wegen krimineller Handlungen verurteilt.
    – In Nigeria versucht ein katholischer Bischof die Aufregung nach US-Missile-Angriff zu dämpfen.
    – Putin empfängt den neuen syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa erneut in Moskau.
    Südafrika nach Militärübungen mit Iran mit US-Drohungen konfrontiert.
    – Film über Melania Trump in Südafrika aus dem Programm genommen.
    – Ein Erdrutsch in Niscemi, Sizilien bedroht das historische Stadtzentrum.
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    Macron: Politisches Comeback durch Duelle mit Trump.
    Keir Starmer verbessert Handelsbeziehungen zu China durch Treffen mit Xi Jinping.
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    – Wissenschaftler campen auf dem Thwaites-Gletscher.
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    Microsofts Wasserverbrauch könnte sich bis 2030 verdoppeln.

    Autor: P. Tiko