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  • Comeback auf Schienen: Direkte Zugverbindung Marseille–London könnte bald Realität werden

    Comeback auf Schienen: Direkte Zugverbindung Marseille–London könnte bald Realität werden

    Eine direkte Bahnverbindung zwischen Marseille und London – das klingt wie ein Relikt aus einer optimistischeren Ära europäischer Zusammenarbeit. Doch genau dieses Projekt nimmt wieder Fahrt auf. In Zeiten wachsender Umweltbewusstheit und eines klaren politischen Signals für nachhaltige Mobilität erscheint es fast überfällig.

    Zurück in die Zukunft der Mobilität

    Der März 2025 brachte eine spannende Wende: Eurotunnel (Getlink) und London Saint-Pancras Highspeed haben offiziell ihre Zusammenarbeit angekündigt. Ziel ist es, den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen London und dem Festland Europas auszubauen. Neben Köln, Zürich und Genf wurde auch Marseille als mögliche Endstation ins Spiel gebracht – eine Option mit erheblichem Potenzial. Die Idee: Nur Städte mit unter sechs Stunden Fahrzeit von London sollen für den neuen Schnellzug infrage kommen. Marseille, über Lyon angebunden, erfüllt diese Bedingung.

    Wird hier also gerade ein neuer europäischer Eisenbahntraum geboren?

    Trenitalia rückt nach – Konkurrenz auf der Schiene

    Auch Italien mischt kräftig mit. Trenitalia, der nationale Bahnkonzern, plant eine Schnellverbindung von London nach Mailand bis 2029. Der Clou: Die Strecke soll über Paris führen. Von dort aus ist eine Verlängerung nach Süden, also auch nach Lyon und Marseille, im Gespräch. Eine milliardenschwere Investition – mit der Ambition, dem Eurostar Paroli zu bieten.

    Obwohl Marseille bei Trenitalia bislang nicht explizit als Zielort auftaucht, scheint eine Einbindung in das Streckennetz fast logisch. Schließlich liegt die südfranzösische Metropole ideal zwischen Paris und Mailand – und könnte sich somit zum neuen Drehkreuz entwickeln.

    Der grüne Wandel auf Schienen

    Fliegen war gestern. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst gegen das Flugzeug und für den Zug. Das hat gute Gründe: Der CO₂-Ausstoß eines Zuges liegt bis zu 90 Prozent unter dem eines Flugzeugs. Gerade auf mittleren Distanzen zwischen 500 und 1.000 Kilometern wird der Zug zur echten Alternative.

    Und Hand aufs Herz – wer steigt nicht lieber stressfrei in einen Zug ein, um gemütlich durch Landschaften zu gleiten, statt sich am Flughafen mit Sicherheitskontrollen und Verspätungen herumzuschlagen?

    Die Bahn wird zum Symbol der klimabewussten Mobilität – ein rollender Hoffnungsträger.

    Hürden auf dem Weg zum Ziel

    So viel Begeisterung – doch die Realität bleibt kompliziert.

    Ein durchgehender Zug von London nach Marseille ist kein Selbstläufer. Zunächst braucht es massive Investitionen in Infrastruktur und Technik. Dann muss die Zusammenarbeit mehrerer Bahnunternehmen funktionieren. Und nicht zuletzt ist die Zoll- und Grenzfrage nach dem Brexit ein nicht zu unterschätzender Stolperstein.

    Hinzu kommt: Die Konkurrenz schläft nicht. Billigfluglinien locken mit Kampfpreisen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer solchen Zugverbindung steht und fällt mit der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Wer nimmt einen teureren, langsameren Zug, wenn er für einen Bruchteil des Preises fliegen kann?

    Eine Antwort auf diese Frage hängt auch davon ab, wie viel uns eine umweltfreundliche Zukunft tatsächlich wert ist.

    Vision oder bald Wirklichkeit?

    Die Idee, London und Marseille wieder direkt zu verbinden, ist mehr als Nostalgie. Es geht um nichts Geringeres als den Umbau der europäischen Mobilität. Die beteiligten Akteure zeigen Engagement – sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Doch aus Plänen müssen jetzt konkrete Schritte werden.

    Vielleicht erleben wir gerade den Anfang einer neuen Ära, in der Europa nicht nur über Klimaziele spricht, sondern sie auch konsequent auf die Schiene bringt.

    Denn wer Europa stärken will, muss es verbinden – auch mit Zügen, nicht nur mit Worten.

    Von Andreas M. Brucker

  • „Bitte seid Menschen“ – Zum Tod der Zeitzeugin Margot Friedländer

    „Bitte seid Menschen“ – Zum Tod der Zeitzeugin Margot Friedländer

    Am 9. Mai 2025, dem 80. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus, ist Margot Friedländer im Alter von 103 Jahren in Berlin gestorben. Ihr Tod an genau jenem Tag, der in Deutschland als Tag der Befreiung begangen wird, verleiht dem Abschied eine tiefere symbolische Bedeutung – und rückt ein Leben in den Vordergrund, das wie kaum ein anderes für Erinnerung, Versöhnung und den unermüdlichen Kampf gegen das Vergessen stand.

    Überleben im Schatten der Vernichtung

    Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin-Kreuzberg als Tochter einer jüdischen Familie geboren. Die politischen Umwälzungen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderten ihr Leben grundlegend. Ab 1933 wurde sie mit wachsender Ausgrenzung und schleichender Entrechtung konfrontiert. 1943 erfolgte die Deportation ihrer Mutter und ihres Bruders nach Auschwitz – beide wurden ermordet. Friedländer selbst tauchte unter, lebte monatelang mit falscher Identität in Berlin, bis sie 1944 verhaftet und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Sie überlebte – als Einzige ihrer unmittelbaren Familie.

    In späteren Jahren erinnerte sie sich an diesen Teil ihres Lebens mit großer Klarheit, aber ohne Bitterkeit. Ihre Stimme blieb stets geprägt von der Haltung, die Menschlichkeit selbst unter unmenschlichen Bedingungen nicht zu verlieren. Der letzte Satz ihrer Mutter, „Versuche, dein Leben zu machen“, wurde zu einer Lebensmaxime.

    Rückkehr und eine späte Heimat

    Nach dem Krieg wanderte Friedländer mit ihrem Mann in die Vereinigten Staaten aus, wo sie über sechs Jahrzehnte lebte. Die Rückkehr nach Berlin im Jahr 2010, nach dem Tod ihres Mannes und mit fast 89 Jahren, war ein Akt der Selbstvergewisserung und der historischen Verantwortung. Friedländer entschloss sich bewusst dazu, ihre Erinnerungen öffentlich zu machen – als Stimme einer Generation, deren Zeugenschaft mit den Jahren immer seltener geworden ist.

    Ihr Engagement richtete sich vor allem an die Jugend: Schulbesuche, Lesungen und Vorträge wurden zu ihrem täglichen Leben. Dabei war ihre Botschaft stets eine des menschlichen Miteinanders. Friedländer vermied einfache Schuldzuweisungen, doch sie appellierte eindringlich an eine kollektive Verantwortung für das Geschehene. Ihre Erzählungen verbanden das Konkrete – Orte, Gesten, Begegnungen – mit der ethischen Mahnung, dass Demokratie, Empathie und Achtung vor dem Anderen keine Selbstverständlichkeiten seien.

    Ein öffentliches Leben im hohen Alter

    Auch jenseits des Erinnerns wurde Friedländer zur moralischen Instanz. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und die Ehrenbürgerwürde Berlins. Ihre Autobiografie, zahlreiche Interviews und ihre Präsenz in Dokumentationen machten sie zu einer der bekanntesten Zeitzeuginnen des Holocaust in Deutschland.

    Ihr Auftritt zwei Tage vor ihrem Tod bei einer zentralen Gedenkveranstaltung zum 8. Mai 1945 wurde zum Vermächtnis. Ihre Worte „Bitte seid Menschen!“ – gesprochen mit fester Stimme, aber zugleich durchdrungen von einer stillen Dringlichkeit – fassten die Essenz ihres Wirkens in drei Worte. Es war kein pathetischer Appell, sondern eine zutiefst persönliche Bitte, gespeist aus Erfahrung und Überzeugung.

    Bedeutung für die politische Kultur

    Friedländers Leben zeigt exemplarisch, wie Erinnerung zur aktiven gesellschaftlichen Gestaltung beitragen kann. Ihre Biografie durchlief alle Stationen des 20. Jahrhunderts: Diktatur, Flucht, Exil, Wiederkehr und Engagement. In einer Zeit, in der rechtsextreme Kräfte in Europa wieder an Zulauf gewinnen und antisemitische Übergriffe zunehmen, war ihre Stimme ein Gegengewicht – nicht durch Lautstärke, sondern durch Authentizität.

    Bundespräsident Steinmeier sprach von einem „Geschenk“, das Friedländer Deutschland gemacht habe. Dies ist keine Übertreibung: In einer Gesellschaft, die zunehmend um kollektive Identität ringt, war Friedländers leiser, aber bestimmter Ton ein Ankerpunkt für historische Verantwortung. Sie machte deutlich, dass Erinnern nicht Selbstzweck ist, sondern eine Frage der Gegenwart.

    Ihr Tod markiert das Ende einer Epoche – jener der unmittelbaren Zeitzeugenschaft. Doch ihre Wirkung bleibt. Nicht nur in Form von Auszeichnungen, sondern vor allem in den Erinnerungen jener, denen sie begegnet ist. Ihre Präsenz in Schulklassen, in Fernsehstudios, auf öffentlichen Podien – all dies bleibt dokumentiert und wirksam.

    Ihr Leben fordert auf zur Auseinandersetzung, zur Wachsamkeit, zur Menschlichkeit. In diesem Sinne war Margot Friedländer nicht nur eine Zeugin der Geschichte, sondern eine Gestalterin der demokratischen Kultur in Deutschland. Sie hat diese Gesellschaft verändert – nicht durch Macht, sondern durch Glaubwürdigkeit.

    Margot Friedländer hat ihr Leben gemacht. Nun liegt es an uns, daraus Verantwortung zu schöpfen.

    Von Andreas Brucker

  • Neue Grenzkontrollen sorgen für Ärger – Kehl und Straßburg empört über deutsches Vorgehen

    Neue Grenzkontrollen sorgen für Ärger – Kehl und Straßburg empört über deutsches Vorgehen

    Stillstand am Rhein – und das mitten am 8. Mai. Während in Frankreich der Tag der Befreiung gefeiert wird, sorgt eine Entscheidung des neuen deutschen Innenministers Alexander Dobrindt für dicke Luft. Denn an der deutsch-französischen Grenze geht plötzlich nichts mehr wie gewohnt: Autos stauen sich, TGVs bleiben stehen und der Tramverkehr ist lahmgelegt. Was ist da eigentlich los? Die Antwort: Dobrindt hat durchgegriffen. Seit dem frühen Donnerstagmorgen kontrolliert die deutsche Bundespolizei verstärkt an den Grenzübergängen – und das ziemlich rigoros. Die offizielle Begründung: mehr illegale Einreisen sollen verhindert, mehr Menschen ohne gültige Papiere abgewiesen werden. Für viele jedoch fühlt sich das Ganze an wie ein politischer Rückschritt.

    Ein Tag der Versöhnung – mit einem politischen Dämpfer Ausgerechnet am 8. Mai, dem Tag der deutsch-französischen Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs, trifft diese Maßnahme …

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  • Brüssel droht mit Milliarden-Zöllen auf US-Importe

    Brüssel droht mit Milliarden-Zöllen auf US-Importe

    Die Europäische Union verschärft ihren Ton gegenüber den Vereinigten Staaten. Hintergrund ist ein erneut aufflammender Handelskonflikt, ausgelöst durch die Wiedereinführung von US-Zöllen auf europäische Produkte unter der Regierung von Donald Trump. Die EU-Kommission hat am 8. Mai angekündigt, Vergeltungsmaßnahmen im Volumen von bis zu 95 Milliarden Euro vorzubereiten. Damit sendet Brüssel ein klares Signal an Washington – doch gleichzeitig bleibt der Wille zum Dialog bestehen.

    Breite Front gegen US-Exporte

    Die geplanten Maßnahmen umfassen ein breites Spektrum amerikanischer Produkte. Neben Flugzeugen und Kraftfahrzeugen sollen auch elektrische Geräte, Batterien, Agrarerzeugnisse sowie alkoholische Getränke betroffen sein. Insbesondere Hersteller aus den Bereichen Luftfahrt, Automobilbau und Lebensmittelindustrie könnten empfindlich getroffen werden. Nach Angaben der Kommission wurden entsprechende Vorbereitungen für eine öffentliche Konsultation gestartet, um die betroffenen Produkte final festzulegen.

    Mit diesem Schritt setzt die EU auf ein erprobtes Mittel: die Drohung mit Zöllen, um politischen Druck aufzubauen. Bereits während der ersten Amtszeit Donald Trumps hatte Brüssel mit ähnlichen Maßnahmen auf US-Zölle reagiert. Neu ist jedoch der Umfang – nie zuvor stand ein solch hohes Volumen potenzieller Gegenmaßnahmen zur Debatte.

    Rechtliche Schritte über die WTO

    Parallel zur Ankündigung der Strafzölle plant die Europäische Union auch den Gang zur Welthandelsorganisation (WTO). Die Kommission spricht von einer „klaren Verletzung internationalen Rechts“ durch die USA. Washington wird vorgeworfen, ohne rechtliche Grundlage und ohne Absprache mit den Handelspartnern protektionistische Maßnahmen eingeführt zu haben. Ein mögliches WTO-Verfahren könnte Jahre dauern, hat jedoch eine wichtige politische Signalwirkung: Die EU präsentiert sich als Verfechterin regelbasierter Handelsordnung – ein Gegenentwurf zur „America First“-Politik Trumps.

    Die Rückkehr dieser wirtschaftspolitischen Strategie stellt die Europäer vor ein altbekanntes Dilemma: Wie mit einem Partner umgehen, der offene Märkte einfordert, aber selbst zum Protektionismus neigt? Die EU setzt zunächst auf Verhandlungen, macht aber deutlich, dass sie im Falle des Scheiterns zur Gegenwehr bereit ist.

    Wirtschaftliche und politische Implikationen

    Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen der EU und den USA hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen. Allein die betroffenen Warengruppen im Wert von rund 95 Milliarden Euro belegen die Tragweite der drohenden Zölle. Große US-Unternehmen wie Boeing oder Ford könnten massive Absatzprobleme in Europa bekommen. Umgekehrt wären auch europäische Airlines und Automobilimporteure von steigenden Preisen betroffen. Nicht zuletzt würden Konsumenten auf beiden Seiten des Atlantiks unter höheren Preisen leiden.

    Darüber hinaus stehen strategische Interessen auf dem Spiel. In einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten – vom Krieg in der Ukraine über die Spannungen im Indopazifik bis hin zu den Herausforderungen des Klimawandels – wäre ein transatlantischer Handelskrieg politisch kontraproduktiv. Die EU muss daher sorgfältig abwägen, wie weit sie in der Auseinandersetzung gehen will, ohne die transatlantische Partnerschaft als Ganzes zu gefährden.

    Der politische Kontext: Trump und die Rückkehr des Wirtschaftsnationalismus

    Die Zuspitzung des Konflikts erfolgt nicht zufällig. Trump, der sich schon in seiner ersten Amtszeit als Gegner multilateraler Handelsabkommen präsentierte, versucht offenbar, mit harter Handelspolitik erneut politisch zu punkten.

    Für die EU ergibt sich daraus ein doppelter Handlungsdruck. Einerseits muss sie gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit verdeutlichen, dass europäische Interessen nicht verhandelbar sind. Andererseits will sie keine Eskalation, die in einen offenen Handelskrieg münden könnte. Vor diesem Hintergrund ist auch die Äußerung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu verstehen, man sei „vollständig engagiert“, eine Lösung mit Washington zu finden.

    Diese Balance zwischen Härte und Gesprächsbereitschaft ist typisch für die EU-Handelspolitik. Doch sie erfordert in diesem Fall besonderes diplomatisches Geschick – nicht zuletzt, weil auch innerhalb der EU die Positionen auseinandergehen. Während wirtschaftlich stark exportorientierte Länder wie Deutschland auf eine schnelle Verständigung drängen, verfolgen andere Mitgliedstaaten eine konfrontativere Linie.

    Die nächsten Wochen als Weichenstellung

    Ob es tatsächlich zu den angedrohten Vergeltungszöllen kommt, hängt maßgeblich von den laufenden Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten ab. Die Konsultation innerhalb der EU läuft noch bis zum 10. Juni. Sollte bis dahin kein Entgegenkommen aus Washington erfolgen, könnte die Kommission rasch entsprechende Maßnahmen umsetzen. Auch der Ausgang eines möglichen WTO-Verfahrens wird mit Spannung erwartet – allerdings dürfte dieser Weg länger dauern.

    Für die internationale Handelsordnung steht viel auf dem Spiel. Die EU sieht sich als Hüterin eines regelbasierten Systems, das angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen unter Druck geraten ist. Sollte es Brüssel gelingen, durch diplomatischen Druck eine Einigung zu erzielen, wäre das ein wichtiges Signal für die Zukunft des freien Handels.

    Von Andreas Brucker

  • Haare gegen die Meeresverschmutzung: Wie ein Normanne mit Friseurabfällen die Ozeane schützen will

    Haare gegen die Meeresverschmutzung: Wie ein Normanne mit Friseurabfällen die Ozeane schützen will

    Wenn es einen Beweis braucht, dass Genialität manchmal buchstäblich auf der Straße liegt – oder besser gesagt im Friseursalon –, dann liefert ihn Sébastien Vrac aus Sideville in der Normandie. Der ehemalige Schiffstechniker hat aus etwas Alltäglichem eine umweltfreundliche Erfindung geschaffen, die das Potenzial hat, unsere Ozeane sauberer zu machen: Filter aus menschlichen Haaren. Vom Haarschnitt zur Hightech-Lösung Vrac, der früher für die nationale Marine Schiffe reparierte, tüftelte in seiner Garage an einer simplen Idee: Haare sind nicht nur biologisch abbaubar, sondern besitzen auch eine erstaunliche Fähigkeit, Schadstoffe wie Öle und Chemikalien zu absorbieren. Diese Eigenschaft war bereits 2020 bei der Ölkatastrophe auf Mauritius zum Einsatz gekommen. Dort wurden Matten aus Haaren genutzt, um ausgelaufenes Öl zu binden. Warum also nicht dieses Prinzip dauerhaft in städtische Abwassersysteme integrieren? Ein Friseurbesuch mit Folgen Statt im Müll zu landen, werden die Haare nun …

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  • Zwischen Patriotismus und geopolitischer Strategie: Frankreichs Debatte über Russlands 9.-Mai-Feierlichkeiten

    Zwischen Patriotismus und geopolitischer Strategie: Frankreichs Debatte über Russlands 9.-Mai-Feierlichkeiten

    Am 9. Mai 2025 beging Russland den 80. Jahrestag des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland mit einer groß angelegten Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau. Präsident Wladimir Putin nutzte die Gelegenheit, um die militärische Stärke Russlands zu betonen und die laufenden Operationen in der Ukraine als Verteidigung der Heimat darzustellen. Diese Inszenierung stieß in Frankreich auf gemischte Reaktionen und entfachte eine innenpolitische Debatte über den Umgang mit Russland und die Rolle Frankreichs im Ukraine-Konflikt. Putins Inszenierung der Stärke Die Feierlichkeiten in Moskau wurden von einer imposanten Militärparade begleitet, an der 29 ausländische Staats- und Regierungschefs teilnahmen, darunter der chinesische Präsident Xi Jinping und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Westliche Staatsoberhäupter blieben der Veranstaltung fern. In seiner Rede betonte Putin die Notwendigkeit, die Heimat gegen äußere Bedrohungen zu verteidigen, und stellte die…

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  • Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Ich habe schon viele Texte über den Klimawandel geschrieben. Ich habe über schmelzende Gletscher berichtet, über brennende Wälder in Kalifornien, über Sturmfluten, die Küstenstädte überfluten. Ich habe Zahlen aufgeführt, Trends beschrieben, Modelle verglichen. Doch selten war ich so sprachlos – und gleichzeitig so wütend – wie bei der Nachricht, dass die USA ihre Datenbank für milliardenschwere Klimakatastrophen nicht mehr aktualisieren wollen.

    Wisst ihr, was das bedeutet? Es ist, als würde ein Arzt beschließen, den Blutdruck seiner Patienten nicht mehr zu messen, weil die Werte „zu schlecht“ aussehen. Oder als würde ein Kapitän auf offener See das Radar ausschalten, weil ihm der aufziehende Sturm unangenehm ist.

    Diese Datenbank war kein Luxus. Sie war eine Notwendigkeit. Sie war der Versuch, einem zunehmend unberechenbaren Klima mit nüchterner Wissenschaft zu begegnen – nicht mit Ideologie. Und genau das scheint Trump ein Dorn im Auge zu sein: unbequeme Fakten, die seinem Märchen von der „Klimahysterie“ widersprechen.

    Man kann viele politische Entscheidungen diskutieren. Aber was hier passiert, ist eine Kapitulation vor der Realität. Eine gefährliche. Denn ohne Daten verlieren wir die Fähigkeit, Risiken zu erkennen. Wir verlieren die Basis für Prävention, für Gerechtigkeit, für Verantwortung. Und letztlich verlieren wir das Vertrauen in unsere Institutionen.

    Ich frage mich: Was kommt als Nächstes? Zählt man dann auch keine Todesopfer mehr bei Hitzewellen, weil sie schlecht für das Image sind? Oder löscht man Satellitenbilder, wenn sie zu viele Waldbrände zeigen?

    Ich habe keine Lust mehr auf dieses Spiel aus Leugnen, Vertuschen und Verharmlosen. Nicht, wenn Menschen leiden. Nicht, wenn Milliarden an Schäden nicht einfach „verschwinden“, nur weil sie nicht mehr in Tabellen auftauchen. Die Katastrophen hören nicht auf, nur weil man sie nicht mehr zählt.

    Die Wahrheit ist: Wer Klimaschäden nicht erfasst, gibt auf. Und wer aufgibt, macht sich mitschuldig an dem, was kommt.

    Wir dürfen das nicht zulassen.

    Andreas M. Brucker

  • USA stoppen Klimakatastrophen-Datenbank – wenn das Verschweigen teurer wird als das Warnen

    USA stoppen Klimakatastrophen-Datenbank – wenn das Verschweigen teurer wird als das Warnen

    Man stelle sich vor, ein Land wird regelmäßig von Tornados, Hitzewellen und Überschwemmungen heimgesucht – und entscheidet plötzlich, solche Katastrophen einfach nicht mehr mitzuzählen. Klingt absurd? Genau das passiert gerade in den Vereinigten Staaten.

    Die NOAA, also die nationale ozeanische und atmosphärische Überwachungsbehörde, stellt ihre legendäre Katastrophen-Datenbank ein. Seit 1980 hatte sie akribisch aufgezeichnet, welche Naturkatastrophen mehr als eine Milliarde Dollar Schaden verursachten. Jetzt ist Schluss.

    Eine Datenbank als Spiegel der Klimarealität

    Diese Sammlung war mehr als nur eine Zahlenreihe. Sie war eine Lupe auf das, was uns der Planet über Jahrzehnte hinweg ins Stammbuch geschrieben hat. 403 Großereignisse zwischen 1980 und 2024, mehr als 2,9 Billionen Dollar Schaden – das ist keine Fußnote, das ist eine Mahnung in Ziffern gegossen.

    Die Datenbank hat Wissenschaftler informiert, Medienberichte untermauert und Politikern geholfen, Entscheidungen zu treffen. Und nun? Eine Banner-Nachricht auf der NOAA-Website sagt nüchtern: Aufgrund neuer Prioritäten, gesetzlicher Veränderungen und Personalwechsel werde sie nicht mehr weitergeführt.

    Was steckt dahinter?

    Wer ein bisschen zwischen den Zeilen liest, erkennt schnell: Das Ganze ist kein bürokratischer Unfall, sondern eine politische Richtungsentscheidung. Donald Trump – wieder Präsident, wieder mit der alten klimapolitischen Agenda – fährt den Klimaschutz systematisch zurück. Schon der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen an Tag 1 seiner zweiten Amtszeit war ein klares Signal.

    Jetzt wird’s praktisch: Wenn man die Daten nicht mehr erhebt, muss man sich auch nicht mehr mit den Konsequenzen herumschlagen. Keine Zahlen, keine Verantwortung – oder?

    Zahlen verstecken statt Verantwortung tragen

    Maya Golden-Krasner vom Center for Biological Diversity bringt es auf den Punkt: „Diese Regierung lässt die Menschen in Unwissenheit und damit in Unsicherheit.“ Und ja – wie soll man sich gegen eine Bedrohung wappnen, wenn man ihre Ausmaße nicht mehr erfassen will?

    Die Katastrophen nehmen zu, das zeigt jede einzelne Kurve, jedes Balkendiagramm der letzten Jahrzehnte. Besonders seit den 2000ern steigen Häufigkeit und Schadenshöhe sprunghaft an. Klimaforscher sehen den Klimawandel als Hauptursache – eine Kausalität, die man kaum noch leugnen kann. Und trotzdem: Die USA kneifen.

    Was bedeutet das konkret?

    Ein kleines Beispiel: In Kalifornien loderten 2020 die Flammen über Monate, 4 Millionen Hektar verbrannten. Der Schaden? Über 16 Milliarden Dollar. Diese Daten halfen Stadtverwaltungen, Versicherungen und Feuerwehren bei der Vorbereitung auf ähnliche Lagen.

    Und nun? Wer in Zukunft wissen will, ob sich Extremereignisse häufen, muss sich auf private Initiativen verlassen oder internationale Datenbanken nutzen – sofern die noch zugänglich bleiben. Kann das gutgehen?

    Ein gefährlicher Präzedenzfall

    Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal. Wenn das mächtigste Industrieland der Welt aufhört, Klimaschäden systematisch zu erfassen, warum sollten kleinere Staaten das noch tun? In Zeiten globaler Vernetzung und grenzüberschreitender Krisen ist das ein Eigentor für alle.

    Aber es geht noch tiefer. Denn ohne Daten geht auch der Druck auf große Emittenten – insbesondere aus der fossilen Energiebranche – verloren. Die Verbindung zwischen Klimaschäden und konkretem wirtschaftlichem Verhalten wird unsichtbar gemacht. Plötzlich scheint niemand mehr schuld zu sein – außer vielleicht dem „Wetter“.

    Verantwortungsloses Vergessen

    Hier zeigt sich ein Muster, das sich in der Trump-Administration durchzieht: Wissenschaft wird zurechtgestutzt, Fakten werden selektiv ignoriert, kritische Stimmen marginalisiert. Die Datenbank war unbequem. Weil sie nicht lügen konnte. Weil sie zeigte, was es kostet, wegzuschauen.

    Der Think Tank hinter Trumps „Projekt 2025“ nennt die NOAA „alarmistisch“. Doch wer Alarm schlägt, wenn das Haus brennt, ist kein Panikmacher – sondern Feuerwehr.

    Also, was tun?

    Ist die Datenbank verloren? Nein – sie bleibt archiviert, das immerhin. Doch damit sie lebendig bleibt, braucht es jetzt andere: unabhängige Wissenschaft, investigative Medien, internationale Zusammenarbeit. Vielleicht auch Menschen wie dich und mich.

    Denn wer sonst, wenn nicht wir, soll daran erinnern, dass eine Billion nicht nur eine Zahl ist, sondern ein Aufschrei?

    Ein persönliches Wort

    Ich kann nicht anders, als dabei Wut zu verspüren. Nicht die destruktive, sondern die, die einen antreibt. Die, die sagt: „Nicht mit uns!“ Denn wenn wir anfangen, Katastrophen zu verschweigen, lassen wir die Schwächsten im Regen stehen – buchstäblich. Klimagerechtigkeit beginnt mit Ehrlichkeit. Und Ehrlichkeit beginnt mit Daten.

    Wer soll noch an die Zukunft glauben, wenn die Vergangenheit gelöscht wird?

    Und trotzdem: Ich glaube daran, dass eine informierte Gesellschaft stärker ist. Dass Wissenschaft am Ende mehr Menschen mobilisiert als Populismus. Dass Daten wieder zurückkehren – weil Menschen sie einfordern.

    Denn eines ist sicher: Der nächste Hurrikan wartet nicht darauf, ob er mitgezählt wird oder nicht.

    Von Andreas M. B.

  • Europa – eine Idee, die mehr denn je verteidigt werden muss – Ein Editorial zum Europatag 2025

    Europa – eine Idee, die mehr denn je verteidigt werden muss – Ein Editorial zum Europatag 2025

    Es gibt Tage, die auf dem Papier feierlich wirken – aber nur selten tiefer berühren. Der Europatag, begangen am 9. Mai, droht in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu verblassen, irgendwo zwischen kommunaler Kulturwoche und internationalem Aktionstag. Dabei markiert dieses Datum den vielleicht kühnsten politischen Entwurf des 20. Jahrhunderts: die Vorstellung eines geeinten Europas, geboren aus den Trümmern zweier Weltkriege.

    Heute, 2025, ist dieser Entwurf nicht nur aktueller, sondern auch gefährdeter denn je.

    Die europäische Einigung, die mit Robert Schumans Vorschlag begann, Kohle und Stahl – also Kriegspotenzial – unter eine gemeinsame Verwaltung zu stellen, war nicht nur wirtschaftlich clever. Sie war ein moralisches Versprechen: Nie wieder Krieg auf diesem Kontinent, nie wieder nationale Alleingänge, nie wieder ideologischer Fanatismus ohne Gegengewicht. Dieses Versprechen trug über Jahrzehnte. Es brachte uns offene Grenzen, einen gemeinsamen Binnenmarkt, eine Währung und eine bisher nie dagewesene Freizügigkeit. Für viele junge Europäer ist das Reisen zwischen Helsinki, Lissabon und Athen heute so selbstverständlich wie für frühere Generationen der Gang zur Dorfkirmes.

    Doch was ist geblieben von diesem Traum?

    Der Europatag 2025 fällt in eine Zeit, in der die Einigkeit Risse zeigt. Die Migrationsfrage bleibt ungelöst. Rechtspopulistische Bewegungen dringen immer weiter in die politischen Zentren der Mitgliedstaaten vor. Die europäische Digitalpolitik hinkt der Realität der Tech-Giganten aus den USA und China meilenweit hinterher. Und geopolitisch? Da wirkt Europa oft wie ein zögerlicher Zaungast, während in Washington, Moskau und Peking Fakten geschaffen werden.

    Aber Europa ist eben keine geopolitische Maschine. Es ist kein Block, der sich durch Muskeln oder schnelle Entscheidungen definiert. Es ist eine Idee – ein Versprechen auf Frieden, Vielfalt und gemeinsamen Wohlstand. Diese Idee lebt durch Kompromisse. Sie atmet durch ihre Widersprüche. Wer heute einen einheitlichen europäischen „Willen“ einfordert, wird enttäuscht werden. Europa, das ist ein Gespräch in vielen Stimmen, manchmal ein Streit, aber immer ein Versuch, zusammenzubleiben.

    Natürlich: Man kann sich über Bürokratien ärgern, über Fördergeld-Irrsinn und Sprachregelungen, die selbst Juristen ins Schwitzen bringen. Aber wer Europa auf seine Verwaltung reduziert, verkennt das Wesentliche: dass es sich hier um das bislang erfolgreichste Friedensprojekt der Menschheitsgeschichte handelt. Und um ein Bollwerk gegen jene Kräfte, die in einer fragmentierten Welt ihre Macht durch Spaltung suchen.

    Man stelle sich nur für einen Moment vor, was ohne Europa wäre: Wäre der Krieg in der Ukraine nicht noch näher an uns herangerückt? Hätten wir im Angesicht von Pandemie oder Inflation wirklich besser abgeschnitten, jeder für sich allein? Wer glaubt, dass nationale Alleingänge heute noch funktionieren, hat den globalen Kontext entweder nicht verstanden – oder will ihn absichtlich ausblenden.

    Gerade deshalb braucht es den Europatag als Erinnerung. Und nicht nur als Erinnerung, sondern als Weckruf. Denn Europa ist nicht selbstverständlich. Es ist nicht „da“ wie ein Berg oder ein Fluss. Es existiert, weil wir es jeden Tag aufs Neue schaffen – oder eben scheitern lassen.

    Dabei hat Europa auch heute noch eine Anziehungskraft, von der viele träumen. Denken wir an die Beitrittskandidaten auf dem Balkan, an die Ukraine oder an Georgien. Für sie ist Europa keine bürokratische Belastung, sondern ein Lichtstreif am politischen Horizont – ein Versprechen auf Stabilität und Zukunft.

    Natürlich darf man Kritik äußern. Natürlich muss man Europa reformieren, effizienter, bürgernäher, demokratischer machen. Aber das geht nur von innen. Wer Europa verbessern will, darf es nicht von außen beargwöhnen, sondern muss es gestalten. In den Parlamenten, in den Medien, im Alltag. Und ja, manchmal auch auf der Straße.

    Was also tun am Europatag? Eine Flagge hissen? Ein Konzert besuchen? Warum nicht. Doch das Entscheidende passiert im Kopf: die Frage, ob wir weiter an diesen Kontinent glauben – an seine Werte, an seine Möglichkeiten. Und ob wir bereit sind, ihn zu verteidigen. Nicht mit Waffen, sondern mit Haltung.

    Denn: Wer, wenn nicht wir? Und wenn nicht jetzt – wann?

    Andreas M. Brucker

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Verdeckter Streik bei der SNCF – Wenn Manager zu Schaffnern werden

    Verdeckter Streik bei der SNCF – Wenn Manager zu Schaffnern werden

    Wer dieser Tage mit dem Zug durch Frankreich reisen will, könnte meinen, alles läuft seinen gewohnten Gang. Doch der Schein trügt – denn im Hintergrund brodelt es gewaltig. Von Freitag, dem 9. Mai, bis Sonntag, dem 11. Mai, sind zahlreiche Zugbegleiter der SNCF im Streik. Aufgerufen hat die Gewerkschaft SUD Rail, unterstützt von einem unabhängigen nationalen Kollektiv der Kontrolleure. Es geht um bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Anerkennung ihrer Rolle – die Forderungen sind altbekannt, doch dieses Mal wurde mit ungewöhnlicher Entschlossenheit mobilisiert. Und trotzdem: Der Bahnverkehr steht nicht still. Im Gegenteil – die SNCF verkündet stolz, dass 90 Prozent der TGV- und Ouigo-Verbindungen wie geplant fahren. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt in einem bemerkenswerten Manöver des Konzerns: Hunderte Führungskräfte, sogenannte „Volontaires d’Accompagnement Occasionnels“ (VAO), wurden kurzerhand in die Züge geschickt, um die streikenden Kontrolleure zu ersetzen. Viele…

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