Kategorie: Alle Artikel

  • Ein Pariser Palast als Zankapfel: Äquatorialguinea verklagt Frankreich vor dem IGH

    Ein Pariser Palast als Zankapfel: Äquatorialguinea verklagt Frankreich vor dem IGH

    Am 3. Juli 2025 reichte Äquatorialguinea eine Klage gegen Frankreich beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag ein. Hintergrund ist die drohende Veräusserung eines beschlagnahmten Pariser Hôtel particulier an der Avenue Foch. Das Gebäude gehört Teodoro Nguema Obiang Mangue, Vizepräsident des Landes und Sohn des Langzeitpräsidenten Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Mit einem geschätzten Wert von über 100 Millionen Euro ist es eines der prominentesten Vermögensobjekte, die Frankreich im Rahmen seiner Kampagne gegen sogenannte „biens mal acquis“ – unrechtmässig erworbene Vermögenswerte ausländischer Eliten – beschlagnahmt hat. Hintergrund der Beschlagnahme Frankreich hatte das Anwesen bereits 2012 im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen gegen Teodorin Obiang wegen Geldwäsche und Veruntreuung öffentlicher Gelder beschlagnahmt. 2017 wurde er in Paris in erster Instanz zu drei Jahren Haft auf Bewährung und 30 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt, das Urteil wurde 2020 bestätigt. 2021 ord…

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  • Ouessant – Wo Legenden, Klippen und Salzluft das Herz berühren

    Ouessant – Wo Legenden, Klippen und Salzluft das Herz berühren

    Wenn der Wind von Westen kommt und das Salz auf den Lippen brennt, bist du vielleicht auf Ouessant angekommen. Ganz am Rand der Bretagne – dort, wo die Erde aufhört und der Ozean beginnt. Ein Ort, der einen packt. Oder hast du schon mal eine Insel betreten, auf der Feen den Seeleuten nachstellen und kleine […]

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  • „No macadam!“ – Warum die Autobahn A69 Frankreich spaltet

    „No macadam!“ – Warum die Autobahn A69 Frankreich spaltet

    „No macadam!“ (Kein Asphalt!) – diese Worte hallten am Wochenende über die Felder des Tarn. Es war kein harmloses Festival, das dort stattfand, auch wenn es sich zunächst so anhörte: „Turboteuf“ nannten die Organisatoren ihre Protestaktion im Park des Château de Scopont, mitten in der südfranzösischen Sommerhitze. Doch hinter Techno, Redebeiträgen und Zelten brodelte Wut – Wut auf den Asphalt. Rund 1.000 Menschen kamen am Samstag zusammen, trotz eines Verbots der Präfektur. Ihr Ziel: das Projekt der Autobahn A69 zu stoppen, die Toulouse mit Castres verbinden soll. Ein Projekt, das seit Jahren wie ein Schatten über der Region liegt.

    Denn für die Gegner ist es nichts weniger als ein „ökologisches Verbrechen“. Die Ereignisse spitzten sich schnell zu. Noch am Nachmittag verließen viele Demonstrierende den Bereich des Schlossparks und zogen in Richtung der Baustelle. Auf der Nationalstraße 126 errichteten sie Barrikaden aus Baum…

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  • Triumph, Stürze und Jubel – So startete die Tour de France 2025 in Lille

    Triumph, Stürze und Jubel – So startete die Tour de France 2025 in Lille

    Ein heißer Julisamstag, rauschende Fanfaren auf der Grand-Place, ein Peloton, das wie ein bunter Schwarm durch die Straßen Nordfrankreichs jagt – die Tour de France 2025 ist gestartet. Und wie. Nach drei Jahren mit Starts im Ausland kehrte die erste Etappe des größten Radrennens der Welt am Samstag, den 5. Juli, nach Frankreich zurück. Lille empfing Fahrer, Teams und Zuschauer mit offenen Armen und verwandelte die Metropole für ein Wochenende in ein wahres Radsport-Mekka. 184,9 Kilometer standen auf dem Programm. Ein Rundkurs, der in Lille begann und endete – und der vom ersten Kilometer an alles bot, was Fans von der Tour erwarten. Wind, Stürze und ein dezimiertes Feld Der Streckenverlauf wirkte auf dem Papier harmlos. Keine Hochgebirgspässe, keine gefürchteten Kopfsteinpflasterpassagen – nur drei kleine Hügel der vierten Kategorie: Côte de Notre-Dame-de-Lorette, Mont Cassel und Mont Noir. Doch wer gedacht hatte, es würde ein entspannter Sprintfestival-Tag, lag falsch. Windböen fegten…

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  • Welt im Flammenfieber: Die globale Waldbrand-Krise 2025

    Welt im Flammenfieber: Die globale Waldbrand-Krise 2025

    Es riecht nach verbrannter Erde, nach Angst.

    Weltweit lodern Waldbrände in einer Heftigkeit, die Umweltbehörden und Klimaforscher gleichermaßen erschaudern lässt. Satellitenaufnahmen zeigen ein Szenario, das erschreckend vertraut klingt – nur diesmal noch größer, heißer, zerstörerischer.

    Bis zum 1. Juni 2025 wurden bereits über 102 Millionen Hektar Land von Flammen verschlungen. Das ist eine Fläche größer als Ägypten. Und dabei hat die Saison in vielen Regionen noch nicht einmal begonnen.

    Afrika – Wenn der Kontinent brennt

    Afrika steht an der Spitze. Etwa die Hälfte der global verbrannten Flächen liegt hier – rund 53 Millionen Hektar. Hauptursachen: landwirtschaftliche Brandrodungen, eine brennend heiße Trockenzeit und Temperaturen, die für viele Regionen tödliche Rekorde brechen.

    Wälder werden geopfert, um Felder anzulegen. Doch wenn der Regen ausbleibt, bleibt auch die Ernte aus – ein Teufelskreis, der sich unbarmherzig dreht.

    Asien – Russlands Fernost in Flammen

    Fast 20 Millionen Hektar brannten bisher in Asien. Besonders Russland meldet verheerende Zahlen: Bis Mai 2025 fielen mehr als 629.000 Hektar den Flammen zum Opfer, vor allem im Fernen Osten. Dort, wo Birken und Lärchen die Taiga prägen, stehen jetzt schwarze Baumskelette in verbrannter Erde.

    Auch Südasien und Südostasien kämpfen mit Bränden, die immer häufiger außer Kontrolle geraten.

    Nordamerika – Ein unstillbares Feuermeer

    In den USA wüteten bis Anfang Juni bereits über 29.000 Brände und fraßen sich durch mehr als 485.000 Hektar. Kanada meldete bis Anfang Juli 4,32 Millionen Hektar verbrannte Fläche – eine Zahl, die an die verheerenden Feuersommer der letzten Jahre erinnert.

    Tausende Menschen mussten fliehen. Einsatzkräfte kämpfen unermüdlich gegen ein Naturereignis, das längst zum Albtraum geworden ist.

    Südamerika – Dürre, Hitze, Flammen

    Auch in Südamerika steigen die Rauchfahnen in den Himmel. Über sechs Millionen Hektar Land wurden zerstört, vor allem in Argentinien, Chile und Kolumbien. Der Grund liegt auf der Hand: anhaltende Dürreperioden, die der Klimawandel erbarmungslos verlängert.

    Europa – Deutschland, Griechenland und die Explosionsgefahr

    In Europa lodern derzeit Brände, die selbst erfahrene Feuerwehrleute sprachlos machen.

    Deutschland meldete seit dem 1. Juli Großbrände in der Gohrischheide an der Grenze Sachsen/Brandenburg sowie in Saalfelder Höhe (Thüringen). Letzteres ist der größte Brand in Thüringen seit 1993. Über 1.000 Feuerwehrkräfte kämpfen gegen die Flammen, hunderte Hektar sind verbrannt, Dörfer mussten evakuiert werden, zwei Feuerwehrleute wurden schwer verletzt.

    Besonders brisant: Teile der Brände wüten auf ehemaligen Truppenübungsplätzen – Blindgänger könnten jederzeit explodieren.

    Und Griechenland? Dort reiht sich Brand an Brand:

    – Auf Chios mussten Ende Juni 17 Dörfer evakuiert werden.
    – In Palaia Fokaia und Thymari bei Athen flohen über 1.000 Menschen vor den Flammen.
    – Auf Kreta brannte es Anfang Juli so heftig, dass 1.500 Bewohner:innen und über 5.000 Tourist:innen die Region verlassen mussten.
    – In Chalkidiki bedrohte ein Großbrand Badeorte, während nahe Rafina Häuser beschädigt und Menschen evakuiert wurden.

    Auch in der Türkei brannte es großflächig: Allein in Izmir mussten mehr als 50.000 Menschen ihre Häuser verlassen. In Schottland entzündeten sich Ende Juni Brände in den Highlands, die durch Regen Ende des Monats schließlich gestoppt wurden.

    Ozeanien – Australiens Feuertrauma lebt

    Australien blickt ebenfalls auf eine wachsende Katastrophe: Fast 10 Millionen Hektar Land verbrannten bis Anfang Juni 2025. Erinnerungen an die „Black Summer“-Brände werden wach – scheint es doch erst der Anfang zu sein.

    Satelliten als stille Zeugen

    Die NASA bietet mit ihrem Fire Information for Resource Management System (FIRMS) eine Echtzeitkarte aktiver Brände weltweit. Ein Blick darauf wirkt wie ein Schockmoment: Leuchtende Punkte ziehen sich von Westafrika bis Neuseeland – wie glühende Wunden auf dem blauen Planeten.

    Klimawandel als Brandbeschleuniger

    Waldbrände hat es immer gegeben, sagen Skeptiker.

    Doch nie in dieser Anzahl, nie mit dieser Intensität, nie in so kurzer Zeitspanne.

    Es sind nicht nur außer Kontrolle geratene Sommerferienfeuer oder fahrlässige Landwirte – sondern ein weltweites Klima, das sich verändert, erwärmt, austrocknet und damit die Brände entfacht.

    Eine Frage drängt sich auf: Wann werden wir endlich aufhören, so zu tun, als könnten wir das Problem aussitzen?

    Denn wer den Wald verbrennen lässt, verbrennt seine eigene Zukunft.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Heute in der Geschichte – 5. Juli: Weichenstellung und Wendepunkte

    Heute in der Geschichte – 5. Juli: Weichenstellung und Wendepunkte

    Am 5. Juli überschneiden sich bedeutende Wendepunkte der Weltgeschichte – globale Ereignisse, die bis heute nachhallen, und französische Momente, die Identität und Gesellschaft beeinflussten.


    Dolly – Aufbruch in die Biowissenschaft
    1996 kam Dolly zur Welt, das erste geklonte Säugetier. Ein Schaf, das aus einer erwachsenen Zelle entstand – aus heutiger Sicht fast wie aus einem Sci-Fi-Film. Dieses Experiment öffnete die Tür zu ethischen Debatten über Klonen, Stammzellen und womöglich Designerbabys. Forscher stehen seitdem in einem Spannungsfeld zwischen Fortschritt und moralischen Fragen.


    Newton legt Naturgesetze fest
    1687 erschien Newtons Principia, in dem er Gravitation und Bewegung mathematisch erläutert. Damit legte er den Grundstein der klassischen Physik – Grundlagen, die noch im Weltraumprogramm, in der Technik oder der Forschung wirken.


    Venezuelas Unabhängigkeit – Signal für ganz Südamerika
    1811 erklärte Venezuela seine Unabhängigkeit von Spanien – das erste südamerikanische Land, das diesen Schritt wagte. Ein Signal, das Nachahmer fand und letztlich den gesamten Kontinent befreite. Heute erinnern viele lateinamerikanische Staaten mit Nationalfeiern an diesen Aufbruch.


    Douglass’ scharfe Kritik an Ungerechtigkeit
    1852 hielt Frederick Douglass eine Rede mit dem provokanten Titel „What to the Slave is the Fourth of July?“ – ein kraftvoller Appell gegen Scheinheiligkeit und Ungleichheit. Seine Worte wirken noch heute im Kampf für Menschenrechte und Gleichstellung nach.


    Secret Service und Arbeitsschutz in den USA
    1865 gründeten die USA den Secret Service – zunächst zur Bekämpfung von Falschgeld. 1935 unterzeichnete Präsident Roosevelt den National Labor Relations Act, der gewerkschaftliche Rechte stärkte. Zwei ganz verschiedene, aber grundlegende Institutionen entstanden beide am 5. Juli.


    Spam erobert die Welt
    1937 führte Hormel „Spam“ ein – eine Konservendose, die während des Zweiten Weltkriegs und danach kultisch beliebt wurde. Überlebensration oder Retro-Snack: dieses Produkt zeigt, wie Essgewohnheiten und Popkultur zusammenspielen.


    Kontinentaldiplomatie und Kriegswenden
    1940 beendete Großbritannien seine diplomatischen Beziehungen zum Vichy-Regime in Frankreich – ein Schritt, der das politische Klima im Zweiten Weltkrieg beeinflusste. Drei Jahre später begann die Schlacht von Kursk, eine der größten Panzerschlachten und ein Wendepunkt an der Ostfront.


    Moderevolution am Strand
    1946 präsentierte Louis Réard in Paris den Bikini – ein Mode-Coup, der zunächst Empörung auslöste, heute aber strandtauglich geworden ist. Dieser Moment machte Kleidungsgeschichte.


    Baseball und Rock’n’Roll
    1947 debütierte Larry Doby in der American League und folgte Jackie Robinson als erster schwarzer Spieler – ein weiterer Schritt zur Aufhebung der Rassenschranke. 1954 nahm Elvis Presley seine erste Single auf: der Startschuss für den Rock’n’Roll. Zwei Impulse, die populäre Kultur veränderten.


    Israels „Rückkehr-Gesetz“
    1950 verabschiedete die Knesset das Gesetz, das Juden weltweit das Recht auf Einwanderung und Staatsbürgerschaft gewährt. Ein grundlegendes Element der Identitätspolitik und Demografie des Staates Israel.


    Mehr Jugend und ein historischer Wimbledon-Titel
    1971 senkte die USA das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre – ein Zeichen für mehr Jugendbeteiligung. 1975 gewann Arthur Ashe als erster schwarzer Spieler Wimbledon – ein Triumph gegen Vorurteile und für Gleichberechtigung. Und 1994 gründete Jeff Bezos Amazon – der Startschuss für die Ära des Onlinehandels.


    🇫🇷 Frankreich am 5. Juli

    Napoleons Sieg bei Wagram (1809)
    Napoleon führte am 5. Juli die Schlacht von Wagram gegen Österreich – ein Sieg, der die Vormachtstellung Frankreichs in Europa festigte.

    Barthélemy Thimonnier verlässt die Weltbühne
    1857 starb Thimonnier, der Pionier der mechanischen Nähmaschine. Seine Erfindung trieb die Textilproduktion voran und beeinflusst Mode und Industrie bis heute.

    Algerien wird unabhängig (1962)
    Nach 132 Jahren Kolonialherrschaft erklärte Algerien am 5. Juli seine Unabhängigkeit. Ein tiefgreifendes Ereignis, das Frankreichs Rolle in der Weltordnung veränderte und Nachwirkungen bis in die heutige Gesellschaft zeigt.


    Warum dieser Tag so besonders ist

    Kaum zu glauben, was an einem einzigen Tag alles passierte! Politische Umbrüche, wissenschaftliche Durchbrüche, kulturelle Meilensteine – das Datum wirkt wie ein Spiegel menschlicher Vielfalt: ein Mix aus Aufbruch, Rebellion, Idee und Identität.


    Wie das heute noch wirkt

    • Ethik und Genforschung: Dolly mahnt uns, Fortschritt stets zu reflektieren – Entscheidungen über Gentechnik treffen wir noch immer.
    • Freiheit und Dekolonisation: Venezuela und Algerien zeigen, wie komplex Selbstbestimmung ist – Nachwirkungen spüren wir in Politik und Kultur bis heute.
    • Popkultur und Konsum: Bikini, Elvis, Amazon – Innovation kann plötzlich sein, das Leben prägen und Trends setzen.
    • Gleichstellung & Gerechtigkeit: Persönlichkeiten wie Douglass, Doby, Ashe machten mutig auf Missstände aufmerksam – eine Inspiration fürs Heute.

    Ein Tag voller Geschichten – global und französisch. Egal ob du ein Fan von Mode, Politik oder Wissenschaft bist – hier steckt überall Spannung. Ein einziger Tag, so viele Impulse – ziemlich faszinierend, oder was meinst du?

  • Kommentar: Zerstochenes Boot, zerstochenes Gewissen

    Kommentar: Zerstochenes Boot, zerstochenes Gewissen

    Manchmal muss man Dinge beim Namen nennen.

    Das, was da am Strand von Pas-de-Calais passiert ist, ist keine „Taktik“ und keine „Maßnahme“. Es ist eine Schande. Eine Schande für Frankreich. Eine Schande für Großbritannien. Und, ja, eine Schande für Europa.

    Da stehen Gendarmen, bewaffnet mit Messern, und zerschlitzen ein Schlauchboot. Ein Boot, das ein paar verzweifelten Menschen vielleicht die letzte Hoffnung gegeben hat, das Elend am Rande unserer wohlgeordneten Welt hinter sich zu lassen.

    Man kann das pragmatisch nennen. Abschreckung. Sicherheitsstrategie. Grenzschutz.

    Oder man nennt es bei seinem wahren Namen: Menschenverachtung.

    Frankreich und Großbritannien – und die Lüge von der Zivilisation

    Zwei Staaten, die sich rühmen, Hüter der Menschenrechte zu sein. Die Shakespeare, Rousseau, Newton, Sartre und Simone de Beauvoir hervorgebracht haben. Zwei Staaten, die stolz sind auf ihre Zivilisation, ihre Demokratie, ihre aufgeklärte Rechtsordnung.

    Und doch schaffen sie es nicht, für ein paar Tausend schutzsuchende Menschen an ihren Küsten eine humane Lösung zu finden.

    Kein Wunder, dass europäische Werte im Rest der Welt zunehmend wie ein schlechter Witz klingen.

    Wer ein Boot zersticht, zersticht mehr als Gummi

    Es geht hier nicht nur um ein Boot. Es geht um Würde. Um die Gewissheit, dass ein Mensch nicht behandelt wird wie ein Insekt, das man zertritt, weil es gerade im Weg ist.

    Ja, Migration ist ein Problem. Ja, Schleuser sind ein Problem. Aber wer glaubt, dass Messerstiche in ein Schlauchboot irgendetwas lösen, der hat nicht verstanden, warum Menschen überhaupt fliehen.

    Es ist wie ein Pflaster auf eine platzende Wasserleitung zu kleben – sinnlos, aber man kann sich einreden, etwas getan zu haben.

    Eine menschliche Katastrophe – und ein moralisches Versagen

    Als ich dieses Video sah, spürte ich Scham. Scham, Teil dieses Europas zu sein, das so viel Kraft aufbringt, um Menschen abzuwehren, und so wenig Willen zeigt, ihnen zu helfen.

    Wir reden hier nicht von Millionen. Wir reden von ein paar Schlauchbooten, von Männern, Frauen, Kindern, die den Tod riskieren, weil das Leben, das sie hinter sich lassen, schlimmer ist als jede Welle im Ärmelkanal.

    Und was tun wir? Wir nehmen ihnen auch noch das letzte Boot weg.

    Europa, schau in den Spiegel

    Eines Tages wird man auf diese Epoche zurückblicken und fragen: Wo wart ihr, als sie auf dem Meer starben? Wo wart ihr, als ihre Boote zerstochen wurden? Und wir werden sagen: Wir waren da – mit unseren Messern, unseren Patrouillen, unserer grenzenlosen Gleichgültigkeit.

    Es ist eine Schande. Und sie wird bleiben.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Zerstochenes Schlauchboot – zerrissene Prinzipien

    Zerstochenes Schlauchboot – zerrissene Prinzipien

    Ein Video genügte.

    Am 5. Juli sah Frankreich, was es lieber nicht sehen wollte: Gendarmen, die mit Messern ein Schlauchboot aufschlitzen. Ein Boot, das offenbar Migranten über den Ärmelkanal hätte bringen sollen. Ort des Geschehens: Pas-de-Calais.

    Die Bilder sind verstörend. Nicht wegen der scharfen Klinge an weichem Gummi. Sondern wegen der Frage, die sie aufwerfen: Wo endet legitime Abschreckung, wo beginnt Unmenschlichkeit?

    Die Taktik der Nadelstiche

    Die französischen Behörden setzen auf Abschreckung.

    Seit Monaten verschärfen sie in Kooperation mit Großbritannien ihre Grenzschutzmaßnahmen. Drohnen, Patrouillen, Sperranlagen – und nun auch durchstochene Boote. Die Logik dahinter klingt einfach: Kein fahrtüchtiges Boot, keine Überfahrt.

    Doch diese Logik kratzt gefährlich am Fundament humanitärer Prinzipien. Denn beschädigte Boote sind nicht immer eindeutig unbrauchbar. Verzweifelte Menschen wagen dennoch den Aufbruch – mit fatalen Folgen.

    Osmose 62: „Eine inhumane Praxis“

    Die Organisation Osmose 62 nennt das Vorgehen inhuman. Sie weist auf die Risiken hin: Sollte ein solches Boot doch zu Wasser gelassen werden, droht der schnelle Untergang. Im Ärmelkanal, bei Wellengang und starker Strömung, endet das oft tödlich.

    Andere Hilfsorganisationen stimmen ein. Sie fordern keine offene Grenze, sondern praktikable, legale Wege für Asylsuchende. Stattdessen sehen sie sich mit einer Sicherheitsstrategie konfrontiert, die Symbolkraft über Menschenwürde stellt.

    Sicherheit als moralischer Drahtseilakt

    Die französische Regierung steht unter Druck. Immer mehr Menschen versuchen, nach Großbritannien zu gelangen. Die Camps in Calais und Dunkerque platzen aus allen Nähten. Schleuser nutzen jede Lücke im System.

    Doch Abschreckung allein schafft keine Lösungen. Sie verlagert nur Probleme. Wer kein intaktes Boot am Strand findet, sucht Schleuser mit schlechterem Material. Wer kein Schlauchboot findet, schwimmt. Jede zerstochene Luftkammer zwingt Menschen, noch riskantere Wege zu gehen.

    Der Preis der Abschreckung

    Niemand bestreitet die Notwendigkeit von Grenzschutz. Doch er darf nicht zur Demütigung Schutzsuchender verkommen. Europas Werte beruhen auf Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde – auch dort, wo sie unbequem sind.

    Hier zeigt sich ein altes Paradox: Je härter ein Staat auftritt, desto größer wird der Markt für kriminelle Netzwerke. Und je gefährlicher der Weg, desto verzweifelter die Menschen, die ihn gehen.

    Es braucht mehr als Messer an Gummibooten

    Die Bilder aus Pas-de-Calais sind ein Spiegel. Sie zeigen, was Europa in der Migrationspolitik geworden ist: entschlossen, aber ratlos. Abschreckend, aber nicht lösungsorientiert. Effizient, aber nicht menschlich.

    Eine nachhaltige Politik wird nicht an der Länge von Messerklingen gemessen, sondern an der Fähigkeit, legale Wege zu eröffnen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Wer nur Boote zerstört, zerstört letztlich auch den Glauben an die Werte, die Europa groß gemacht haben.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Paris springt kopfüber in die Zukunft – nach 100 Jahren ist die Seine wieder ein Freibad

    Paris springt kopfüber in die Zukunft – nach 100 Jahren ist die Seine wieder ein Freibad

    Die Vorstellung klingt fast märchenhaft: Pariserinnen und Pariser, die sich an einem heißen Sommertag unbeschwert in der Seine abkühlen. Nach über einem Jahrhundert ist dieses Bild heute Wirklichkeit geworden. Seit dem 5. Juli 2025 darf offiziell im berühmten Fluss gebadet werden – eine Premiere seit 1923. Doch was steckt hinter dieser historischen Wiedereröffnung? Und worauf sollten Besucher achten, bevor sie sich ins kühle Nass stürzen? Drei Badestellen, drei neue Lieblingsplätze Paris hat gleich drei Zonen für die Bevölkerung eingerichtet. Und jede hat ihren eigenen Charme. Am Bras Marie, direkt gegenüber der Île Saint-Louis, tummeln sich maximal 150 Badegäste gleichzeitig. Unter der Woche öffnet die Badestelle um 8 Uhr, schließt jedoch bereits um 11:30 Uhr – ideal für Frühaufsteher. Sonntags bleibt sie bis 17:30 Uhr geöffnet. Etwas weiter flussabwärts liegt der Bras de Grenelle im 15. Arrondissement. Hier darf von Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 17:30 Uhr geplanscht werden, samst…

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  • Flammenmeer in Le Rove: 100 Hektar Wald zerstört, 150 Menschen evakuiert

    Flammenmeer in Le Rove: 100 Hektar Wald zerstört, 150 Menschen evakuiert

    Ein leises Knistern in der Dunkelheit. Dann plötzlich ein greller Feuerschein, der den Himmel über Le Rove rot färbt. So begann in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Albtraum für viele Bewohner dieser kleinen Gemeinde nahe Marseille. Gegen 3:30 Uhr morgens brach das Feuer in einem schwer zugänglichen, bergigen Gebiet aus. Innerhalb weniger Stunden fraß es sich durch Buschland und Pinienwälder, bis es schließlich am späten Vormittag „stabilisiert“ wurde – so die Einsatzleitung. Doch was heißt schon stabilisiert, wenn über 100 Hektar Natur in Flammen aufgehen? Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen Es ist ein Bild, das sich immer öfter in Südfrankreich wiederholt. Dieses Mal waren rund 350 Feuerwehrleute und Marins-Pompiers im Einsatz, unterstützt von zwei Canadair-Löschflugzeugen, zwei Helikoptern mit Wasserbehältern sowie Booten der Marins-Pompiers von Marseille. Verstärkung aus dem Osten Frankreichs, die aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr bereits im Département stationiert war,…

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