Kategorie: Alle Artikel

  • Jordan Bardella – Kronprinz im Wartestand

    Jordan Bardella – Kronprinz im Wartestand

    Im Rassemblement National (RN) hat sich eine leise, aber tiefgreifende Machtverschiebung vollzogen. Während Marine Le Pen – jahrelang unangefochtene Galionsfigur der französischen Rechten – durch juristische Turbulenzen geschwächt ist, rückt Jordan Bardella zunehmend ins Zentrum der politischen Bühne. Der 30-jährige Parteipräsident gibt sich loyal, doch seine Positionierung ist unmissverständlich: Sollte Le Pen 2027 nicht kandidieren können, stehe er bereit. Ein Erbe mit Ablaufdatum? Marine Le Pen war über zwei Jahrzehnte hinweg das Gesicht und die Stimme des RN – sie hat den Übergang vom Front National zum modernisierten Rassemblement National maßgeblich geprägt. Drei Mal trat sie bei Präsidentschaftswahlen an, zuletzt 2022 mit knapp 42 % in der Stichwahl gegen Emmanuel Macron. Doch im Frühjahr 2025 folgte ein juristischer Einschnitt: Fünf Jahre Unwählbarkeit wegen Veruntreuung von EU-Geldern im Zusammenhang mit der Beschäftigung parteinaher Mitarbeiter als Parlamentsassistenten. Zwar…

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  • Neues Erdbeben erschüttert Nordafghanistan

    Neues Erdbeben erschüttert Nordafghanistan

    In der Nacht, als viele noch schliefen, bebte in Nordafghanistan plötzlich der Boden. Was wie ein ferner Stoß in der Tiefe beginnt, entfaltet sich binnen Sekunden zu einer Naturkatastrophe mit schwerwiegenden Folgen: Ein Erdbeben der Stärke 6,3 traf am frühen Morgen des 3. November 2025 die Provinzen Balkh und Samangan mit voller Wucht. Das Epizentrum lag nahe Mazar-e Sharif – einem Ort, dessen Name nun erneut traurige Berühmtheit erlangt.

    Mindestens 20 Menschen kamen ums Leben, über 300 wurden verletzt. Und das sind nur die bisherigen offiziellen Zahlen – oft nur die Spitze eines Eisbergs. Denn viele Bergdörfer sind unerreichbar. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und die Kälte.

    Trümmer, Tränen und tiefe Risse

    Was in nüchternen Zahlen messbar scheint, hat menschliche Gesichter. In Mazar-e Sharif stürzten Häuser ein, Mauern zerbarsten, Dächer krachten in sich zusammen. Selbst die legendäre Blaue Moschee – jahrhundertealtes Symbol afghanischer Kultur – wurde beschädigt. Aufnahmen zeigen herabgestürzte Kuppelverzierungen, Risse in den Fassaden, Menschen, die betend durch die Trümmer irren.

    In den ländlichen Regionen sieht es noch düsterer aus. Viele Häuser bestehen dort aus einfachen Lehmziegeln. Nun liegen ganze Ortschaften in Schutt und Asche. Und während internationale Medien berichten, beginnt für die Betroffenen ein langer, mühsamer Kampf ums Überleben.

    Warum gerade hier? – Ein Blick ins Erdinnere

    Afghanistan gehört zu den erdbebengefährdetsten Regionen der Welt. Der Grund liegt tief unter der Erde: Die indische Kontinentalplatte drückt mit enormer Kraft gegen die eurasische. Es ist ein geologischer Dauerclinch, der sich in regelmäßig wiederkehrenden Spannungsentladungen äußert – in Form von Beben wie diesem.

    Das aktuelle Erdbeben war vergleichsweise „flach“, das heißt: Die Erschütterung kam aus nur etwa 28 Kilometern Tiefe. Genau das macht es so gefährlich. Denn je näher das Beben an der Oberfläche liegt, desto stärker die Schäden, desto höher das Risiko für die Menschen.

    Zweite Katastrophe in wenigen Monaten

    Bereits im August hatte ein Erdbeben der Stärke 6,0 in Ostafghanistan über 2.200 Menschenleben gefordert. Die Wunden davon sind kaum verheilt – da reißt das neue Beben sie brutal wieder auf. Vielerorts war der Wiederaufbau noch gar nicht richtig angelaufen. Nun steht erneut nichts mehr.

    Und wieder sind es dieselben Herausforderungen, die eine effektive Hilfe erschweren: schwer zugängliche Gebirgsregionen, kaum befestigte Straßen, medizinische Einrichtungen am Rande der Belastung. Einige Orte können nur mit Hubschraubern erreicht werden – sofern das Wetter mitspielt. Und als wäre das nicht genug, beginnt in den nächsten Tagen der afghanische Winter.

    Kälte, Hunger, Isolation – ein Wettlauf gegen die Zeit

    In den Höhenlagen Nordafghanistans sinken die Temperaturen bereits jetzt nachts unter null. Familien, deren Häuser zerstört wurden, campieren im Freien – mit Decken, Zelten, dem Wenigen, was sie retten konnten. Die internationale Hilfe kommt in dem Land nur schleppend voran. Humanitäre Organisationen schlagen Alarm: Ohne schnelle Unterstützung drohen Erfrierungen, Krankheiten, Hungersnöte.

    Doch Afghanistan steht längst nicht mehr im Zentrum der Weltpolitik. Nach dem internationalen Truppenabzug und der Machtübernahme durch die Taliban haben viele Länder ihre Hilfspräsenz reduziert. Gleichzeitig steigt der humanitäre Bedarf – nicht nur durch Naturkatastrophen, sondern auch durch anhaltende wirtschaftliche und politische Instabilität.

    Frankreich, Europa – und unsere Rolle

    Was hat das mit uns zu tun?

    Mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Denn Afghanistan bleibt – auch ohne militärische Präsenz – ein geopolitischer Brennpunkt. Die Instabilität in der Region wirkt wie ein Dominoeffekt, der Fluchtbewegungen, Terrorismus und wirtschaftliche Not begünstigt. Wenn Naturkatastrophen wie dieses Erdbeben die Lage weiter zuspitzen, hat das auch Auswirkungen auf internationale Sicherheitsinteressen.

    Geschichten, die erzählt werden müssen

    Die internationale Berichterstattung neigt dazu, nach den ersten Schlagzeilen weiterzuziehen. Doch gerade jetzt beginnt die eigentliche Geschichte: Die von Nothelfern, die unter Lebensgefahr Menschen aus Trümmern ziehen. Die von Ärzten, die ohne Strom, ohne Medikamente, ohne Pause arbeiten.

    Diese Geschichten verdienen es, erzählt zu werden.

    Und jetzt?

    Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Noch ist unklar, ob weitere Nachbeben folgen. Noch ist ungewiss, wie viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten sind. Und noch ist offen, wie schnell und wirksam internationale Hilfe tatsächlich ankommt.

    Aber eines ist sicher: Afghanistan braucht uns – wieder einmal.

    Autor: Andreas M. B.

  • Frankreichs Haushalt 2026: Ein Signal an die Reichen, aber keine Revolution

    Frankreichs Haushalt 2026: Ein Signal an die Reichen, aber keine Revolution

    Frankreichs Regierung will das Haushaltsdefizit senken – und steht dabei unter wachsendem Druck, auch die vermögendsten Bürger stärker in die Pflicht zu nehmen. Im Zentrum des Budgetentwurfs 2026 stehen mehrere steuerpolitische Maßnahmen, die suggerieren: Auch große Vermögen sollen einen höheren Beitrag leisten. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der finanzielle Effekt dürfte begrenzt bleiben. Die Diskussion um eine gerechtere Vermögensbesteuerung entzündet sich in Frankreich seit Jahren regelmäßig – mit Blick auf die wachsende Vermögenskonzentration im Land und den Abbau des traditionellen Impôt de solidarité sur la fortune (ISF) unter Präsident Macron im Jahr 2018. Die politische Symbolik bleibt hoch, die fiskalische Substanz hingegen ist überschaubar.

    Neue Regeln für „unproduktiven“ Besitz Am auffälligsten ist die geplante Transformation des bisherigen Impôt sur la fortune immobilière (IFI) in ein neues Instrument: Impôt sur la fortune improductive (IFI-i). Diese Steuer soll k…

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  • Herbstgeflüster in den Vogesen

    Herbstgeflüster in den Vogesen

    Wenn der Wald zu flüstern beginnt und die Blätter in Flammen stehen – dann ist die Zeit gekommen, die Vogesen im Herbst zu entdecken. Manchmal reicht ein einziger Spaziergang, um sich in eine ganze Region zu verlieben. Die Vogesen, dieses sanft geschwungene Mittelgebirge im Nordosten Frankreichs, haben im Herbst etwas Magisches – und das nicht […]

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  • Zucman-Steuer gescheitert – und nun? Frankreichs Regierung vor der nächsten Bewährungsprobe

    Zucman-Steuer gescheitert – und nun? Frankreichs Regierung vor der nächsten Bewährungsprobe

    Der symbolträchtige, aber auch finanzpolitisch bedeutsame Vorschlag einer Vermögensteuer nach dem Modell von Gabriel Zucman ist in der französischen Nationalversammlung durchgefallen. Das Nein zum Gesetzestext – wie auch zu einer abgeschwächten Version – hat nicht nur politische Sprengkraft, sondern bringt auch konkrete Auswirkungen für den Haushaltsplan 2026 mit sich. Der Vorstoß zur stärkeren Besteuerung extrem hoher Vermögen wurde damit aufgeschoben – oder vorerst beerdigt. Die Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu steht nun unter Zugzwang: Ihr fehlt ein zentrales Finanzierungselement für den kommenden Haushalt. Gleichzeitig offenbart die Abstimmung ein strukturelles Dilemma: die Schwierigkeit, neue Mehrheiten für ambitionierte Reformen zu bilden – insbesondere im sensiblen Bereich der Steuerpolitik.

    Der Absturz eines finanzpolitischen Symbols Der ursprüngliche Gesetzentwurf, inspiriert vom französischen Ökonomen Gabriel Zucman, sah einen Mindeststeuersatz von 2 Prozent…

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  • Martinique: Die Montagne Pelée bebt – Was unter der Erde brodelt

    Martinique: Die Montagne Pelée bebt – Was unter der Erde brodelt

    Wer in diesen Tagen in den Norden der französischen Karibikinsel Martinique blickt, sieht – nichts Auffälliges. Die Montagne Pelée, jener ikonische Vulkan, der sich über die üppige Landschaft erhebt, liegt scheinbar friedlich da. Doch der Schein trügt. Unter der Oberfläche tut sich etwas. Und zwar nicht wenig.

    In den vergangenen Wochen wurde unter dem Vulkan eine beunruhigend hohe Anzahl an kleinen Erdbeben registriert – mehr als 6.000 in nur einem Monat. Allein zwischen dem 26. September und dem 3. Oktober 2025 verzeichnete das Observatoire Volcanologique et Sismologique de Martinique (OVSM) über 2 500 seismische Ereignisse. Im Vergleich: In den vier Wochen davor lag der Wochendurchschnitt noch bei rund 1.500. An anderen Stellen ist sogar von über 8.000 Beben in vier Wochen die Rede.

    Das ist kein Rauschen im Hintergrund. Das ist ein Alarmton – wenn auch ein leiser.

    Was genau passiert da?

    Die meisten dieser Erdbeben sind so schwach, dass sie von der Bevölkerung nicht gespürt werden. Und dennoch sagen sie viel über den Zustand des Vulkans aus. Sie konzentrieren sich auf einen Bereich nur wenige Kilometer unterhalb des Gipfels, in Tiefen zwischen 0,9 und 4,3 Kilometern. Besonders auffällig: Es handelt sich nicht nur um klassische Mikrobeben, sondern um sogenannte hybride oder Long-Period-Ereignisse. Diese deuten auf Bewegungen von Gas oder Flüssigkeit im Inneren des Vulkans hin – Anzeichen für ein „Erwachen“.

    Oder besser gesagt: eine „Reaktivierung“. Denn ganz wach war die Montagne Pelée schon lange nicht mehr.

    Ein Vulkan mit Geschichte – und Trauma

    Die Montagne Pelée ist nicht irgendein Vulkan. Am 8. Mai 1902 ging sie mit verheerender Wucht in die Geschichte ein: Eine pyroklastische Wolke zerstörte damals die Stadt Saint-Pierre, tötete fast 30.000 Menschen binnen Minuten und verwandelte den Ort in ein apokalyptisches Trümmerfeld.

    Seitdem gehört der Vulkan zu den am intensivsten überwachten des französischen Überseegebiets. Und seine Geschichte wirkt wie ein stiller Mahner: Nimm die Zeichen ernst – aber verliere nicht den Kopf.

    Was sagen die Expert:innen?

    Die gute Nachricht: Aktuell gibt es keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Es wurde keine signifikante Deformation des Vulkangebäudes festgestellt, auch die Gasemissionen zeigen keine ungewöhnlichen Ausschläge. Dennoch: Der Lärm im Innern ist nicht zu überhören – zumindest nicht für die empfindlichen Instrumente des OVSM.

    Die Behörde spricht von einem seismischen Energiepegel, der „so hoch ist wie noch nie seit Beginn der Reaktivierung im Jahr 2019“. Man beobachtet. Man misst. Man wertet aus. Und man warnt, ohne Panik zu verbreiten.

    Denn die Erfahrung zeigt: Solche Phasen können entweder in eine Eruption münden – oder sich schlicht verlaufen, ohne dass etwas Dramatisches passiert.

    Was heißt das für die Menschen auf der Insel?

    Für die Bewohner:innen Martiniques – ebenso wie für Tourist:innen – bedeutet das vor allem: informiert bleiben. Die Behörden raten dazu, sich regelmäßig über die offiziellen Kanäle des OVSM auf dem Laufenden zu halten. In Risikozonen, insbesondere im Norden der Insel, sollte man sich mit den offiziellen Evakuierungsplänen bekannt machen. Bei spürbaren Erschütterungen gilt: Ruhe bewahren, Schutz suchen, Abstand von instabilen Hängen halten.

    Es geht nicht um Alarmismus, sondern um Aufmerksamkeit. Denn zwischen Überreaktion und Verharmlosung liegt ein schmaler Grat. Genau auf diesem Grat bewegt sich Martinique derzeit.

    Ein Balanceakt zwischen Alltag und Alarmbereitschaft

    Man darf nicht vergessen: Martinique ist nicht nur eine Vulkaninsel, sondern auch ein Sehnsuchtsort für Tourist:innen, ein Lebensraum für Zehntausende. Wirtschaft, Alltag, Normalität – all das steht in einem Spannungsfeld mit der latenten Bedrohung aus der Tiefe.

    Ein plötzlicher Einbruch der Tourismuszahlen, Panikkäufe oder übereilte Evakuierungen wären überzogen. Doch die jetzige Situation ist auch eine Chance: Sie zwingt zur Verbesserung der Informationsketten, zur Übung des Ernstfalls, zur Schärfung der Wahrnehmung. Denn wenn sich eines gezeigt hat in der Geschichte aktiver Vulkane: Am Ende zählt, wer vorbereitet ist.

    Und jetzt?

    Die Montagne Pelée brodelt – und sie schläft nicht. Die Wissenschaft hört ihr genau zu. Und sie tut gut daran. Denn selbst wenn es keine unmittelbare Gefahr gibt, ist dieses seismische „Flüstern“ ein wertvoller Hinweis darauf, dass unter dem Gipfel Bewegung herrscht.

    Vielleicht bleibt alles ruhig. Vielleicht auch nicht. Doch wer sich vorbereitet, hat im Ernstfall mehr als nur einen Schritt Vorsprung.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Lille im Wandel: Wie Fast-Food-Ketten den Brasserien den Rang ablaufen

    Lille im Wandel: Wie Fast-Food-Ketten den Brasserien den Rang ablaufen

    Lille ist stolz auf seine Brasserien – doch leise, fast unbemerkt, zieht ein kulinarischer Paradigmenwechsel durch die Straßen der nordfranzösischen Metropole. Die Gastronomieszene erlebt eine Mutation, die nicht nur den Speiseplan betrifft, sondern auch tief in die Stadtkultur eingreift. Immer mehr Fast-Food-Konzepte – digitalisiert, urban, schnell – erobern den Markt und drängen das traditionsreiche Modell der Brasserie an den Rand. Was steckt hinter dieser Entwicklung? Und können die Brasserien überhaupt noch gegenhalten?

    Rasant, effizient – und überall: Der Siegeszug der Schnellgastronomie Wer in Lille mittags durch die Innenstadt läuft, merkt es sofort: Zwischen Baguetterien, Pizzerien und Bistros schieben sich zunehmend moderne Fast-Food-Läden ins Straßenbild. Tacos, Poké-Bowls, Burger auf Streetfood-Niveau, manchmal vegan, oft regional – aber immer schnell, unkompliziert und mit digitalem Bestellsystem. Die Zahlen sprechen Bände: Die Marke Nachos etwa eröffnet in Frankreich der…

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  • Sarkozy im Gefängnis – der 10. November wird zum Schicksalstag

    Sarkozy im Gefängnis – der 10. November wird zum Schicksalstag

    Der Name Nicolas Sarkozy steht für viele Franzosen noch immer für das politische Frankreich der 2000er-Jahre: energiegeladen, meinungsstark, allgegenwärtig. Doch heute ist der einstige Staatschef an einem Ort, den man mit der Funktion des Präsidenten der Republik bis dato nicht in Verbindung brachte – hinter Gittern, in der Pariser Justizvollzugsanstalt La Santé. Am 10. November 2025 entscheidet sich nun, ob er vorerst freikommt oder weiter in Haft bleibt. Die Nachricht kam nüchtern, fast beiläufig – und schlug dennoch ein wie ein Donnerschlag: Am 21. Oktober wurde Nicolas Sarkozy verhaftet, nachdem ein Gericht ihn wegen krimineller Vereinigung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt hatte. Es geht um die Affäre um mutmaßliche libysche Geldflüsse für seinen Wahlkampf 2007 – ein Fall, der seit Jahren schwelt, aber nun juristisch sein Gewicht voll entfaltet. Noch in derselben Woche beantragten seine Anwälte die sofortige Haftentlassung. Die Anhörung dazu findet nun am 10…

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  • Ein neuer Krieg auf altbekanntem Boden

    Ein neuer Krieg auf altbekanntem Boden

    Seitdem die Stadt El Fasher im Sudan vergangene Woche an eine paramilitärische Truppe gefallen ist, deuten verifizierte Bildaufnahmen und Augenzeugenberichte auf ein sich entfaltendes Massaker in der sudanesischen Region Darfur hin.

    Bewohner wurden erschossen, als sie versuchten, aus der Stadt zu fliehen. Videos zeigen, wie paramilitärische Kämpfer Zivilisten exekutieren. Jene, die den beschwerlichen Weg in eine 65 Kilometer entfernte Stadt schafften, berichteten von Terror, Hunger und Tod.

    Vor zwanzig Jahren war das Wort „Darfur“ weltweit ein Synonym für ungesühnte Gräueltaten in einem uns fernen Land. Heute geschieht es wieder.

    Eine Welle von Tötungen fegt durch eine der größten Städte der Region. Die gleichen ethnischen Spannungen scheinen das Chaos erneut zu befeuern. Die paramilitärischen Kräfte, die den Terror entfesseln, stammen von den Dschandschawid ab – den überwiegend arabischen Milizen, die auch vor zwei Jahrzehnten schon hier wüteten.

    Damals gab es zumindest ein gewisses Maß an westlichem Druck. Heute gibt es kaum prominente Fürsprecher oder politische Aufmerksamkeit – und die Straflosigkeit für diese Gräueltaten ist eine grausame Tatsache.

    Damals und heute

    Die Kämpfer, die derzeit in Darfur wüten, sind besser bewaffnet, besser organisiert und besser finanziert als je zuvor. Und sie werden von einem der reichsten Länder der arabischen Region unterstützt: den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem engen Verbündeten der Vereinigten Staaten. Die Emirate bestreiten allerdings, eine der Konfliktparteien gezielt zu unterstützen.

    Vor 20 Jahren ritten die Kämpfer hauptsächlich auf Pferden und Kamelen; heute fahren sie gepanzerte Fahrzeuge und Pickups. Früher steckten sie Dörfer in Brand; heute setzen sie schwere Artillerie ein und hochentwickelte Drohnen.

    Im letzten Krieg kämpften die paramilitärischen Kräfte noch auf der Seite der sudanesischen Armee. Jetzt jedoch kämpft die paramilitärische Gruppe namens Rapid Support Forces, oder RSF, gegen die nationale Armee – ein Konflikt, der den Sudan zerreißt und wahrscheinlich die schlimmste humanitäre Krise der Welt ausgelöst hat.

    Der Bürgerkrieg zwischen der sudanesischen Armee und der RSF, der im April 2023 ausbrach, ist zum Teil auf die politischen Ambitionen des RSF-Führers Generalleutnant Mohamed Hamdan zurückzuführen. Er hat im Bundesstaat Süddarfur seine eigene Parallelregierung ausgerufen. Seine Truppen haben Gräueltaten begangen, die von den Vereinten Nationen als Kriegsverbrechen eingestuft werden und von der Regierung Biden als Völkermord bezeichnet wurden – oft zielen sie auf Mitglieder der ethnischen Gruppe der Zaghawa. Auch sexuelle Gewalt ist laut UN weit verbreitet.

    Bis vergangene Woche war El Fasher die einzige Stadt in Darfur, die nicht unter Kontrolle der RSF stand. Ein Kontingent sudanesischer Soldaten und verbündeter Darfuri-Milizen hielt sich in einer Garnison in der Nähe des Flughafens – ihr letzter Stützpunkt in der Region.

    Während die RSF ihre Belagerung verschärfte, errichteten ihre Kämpfer einen hohen Erdwall, der sich um die Stadt zog und rund eine Viertelmillion Einwohner einschloss. Zivilisten, die versuchten, Nahrung oder Medikamente über den Wall zu schmuggeln, wurden verprügelt oder getötet. Die Bewohner begannen zu verhungern. Im letzten funktionierenden Krankenhaus der Stadt griffen Ärzte darauf zurück, unterernährte Kinder mit Tierfutter zu ernähren.

    Begrenzte Empörung

    Vor zwanzig Jahren machten prominente Aktivisten wie George Clooney Darfur zu einem internationalen Thema. Die Krise wurde zu einer außenpolitischen Priorität für Präsident George W. Bush und führte zu Spannungen mit China, das in Sudan Ölinteressen verfolgte.

    Die jüngsten Gräueltaten haben zwar scharfe Verurteilungen ausgelöst, doch diese beschränken sich weitgehend auf Fachkreise – etwa den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, einige Mitglieder des US-Kongresses und vereinzelte Politiker in anderen Ländern.

    Der Afrika-Sonderberater von Präsident Trump versucht derzeit, einen Waffenstillstand zu vermitteln. Doch bisher gibt es kaum Anzeichen für Fortschritte. Ein Grund dafür ist, dass an den Gesprächen auch Diplomaten aus den Emiraten, Ägypten und Saudi-Arabien teilnehmen – also jenen arabischen Mächten, die den Konflikt gleichzeitig mit anheizen.


    Weitere Top-Nachrichten

    • Ukraine: Videos zeigen eine Drohne, die auf eine Straße einschlägt und eine weitere, die einen russischen Soldaten ins Visier nimmt. Die ukrainische Armee nutzt ein Punktesystem für Drohnenpiloten: Für das Verwunden eines russischen Soldaten gibt es acht Punkte. Einen russischen Soldaten lebend mithilfe einer Drohne zu fangen, ist der Jackpot: 120 Punkte. Offizielle teilen mit, dass dieser Wettbewerb die Truppen nach dreieinhalb Jahren Krieg erneut motiviere.
    • USA/Venezuela: Präsident Trump sagte in einem ausführlichen Interview, ein Krieg mit Venezuela sei unwahrscheinlich, schloss jedoch Bodentruppeneinsätze nicht aus.
    • Nigeria: Trump drohte mit Militäraktionen gegen islamistische Milizen in Nigeria und warf der Regierung vor, Christen nicht zu schützen.
    • Jamaika: Die Zahl der bekannten Todesopfer durch Hurrikan Melissa steigt fast täglich. Dutzende betroffene Gemeinden konnten bisher noch nicht erreicht werden.
    • Tansania: Nach Tagen der Proteste verkündete die Wahlkommission, Präsidentin Samia Suluhu Hassan habe 97 Prozent der Stimmen erhalten. Wahlbeobachter äußerten Zweifel an der Integrität der Abstimmung.
    • Afghanistan: Ein starkes Erdbeben erschütterte den Norden des Landes nahe Mazar-i-Sharif. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.
    • Mexiko: Ein Bürgermeister im Westen des Landes, der als Gegner der Drogenkartelle galt, wurde während einer Feier zum Tag der Toten erschossen.
    • Großbritannien: Ein britischer Mann wurde wegen versuchten Mordes festgenommen, nachdem er in einem Zug elf Menschen bei einer Messerattacke schwer verletzte.

    P. Tiko

  • Wo der Mittwoch nach Gemüse riecht – 50 Jahre Bio-Markt in Villeneuve-sur-Lot

    Wo der Mittwoch nach Gemüse riecht – 50 Jahre Bio-Markt in Villeneuve-sur-Lot

    Man muss nur die Hallen betreten, um zu verstehen, warum dieser Ort seit 1975 überdauert hat. Der Duft von frischen Kräutern, das Knarzen der Holzkisten, das leise Gemurmel der Stammkundschaft – hier, im Herzen von Villeneuve-sur-Lot, schlägt das älteste Biomarktherz Frankreichs.

    Seit fünf Jahrzehnten treffen sich rund dreißig Händler, um ihre Ernte anzubieten: Brot, Käse, Trauben, Sellerie, Honig. Alles echt, alles handgemacht, nichts Überflüssiges. Zwischen den Ständen spürt man eine Art ruhige Gewissheit – die Überzeugung, dass gutes Essen mehr ist als bloße Ernährung.

    „Was zählt, ist, dass die Leute sich gut ernähren“, sagt Henri Barbot, ein wettergegerbter Mann mit weichen Augen, der seit 26 Jahren hier steht. Kein Werbespruch, kein Pathos – einfach Überzeugung pur.


    Wo alles begann

    1. In Paris diskutiert man über Umweltpolitik, in Villeneuve pflanzen ein paar Bauern ohne Chemie. Damals war „bio“ ein Fremdwort, fast eine Spinnerei. Doch hier, im Lot-et-Garonne, fanden sich Menschen, die etwas anderes wollten: Boden, Sonne, Regen – sonst nichts.

    „Wir waren damals ein bisschen verrückt“, erinnert sich Laurent Pouget, einst Präsident des Marktes. „Aber diese Verrücktheit hat uns verbunden.“
    Er lacht, während er seine Hände in die Taschen steckt – Hände, die so viel Erde gesehen haben, dass sie fast Teil davon sind.

    Heute ist der Markt längst Institution. Ein Mittwochsritual, das zu Villeneuve gehört wie das Läuten der Kirchenglocken.


    Eine Region, die trägt

    Die Vallée du Lot ist ein Garten. Fruchtbare Böden, milde Winter, ein Fluss, der Leben spendet. Schon früh fragten sich die Menschen hier: Was landet eigentlich auf unseren Tellern? Und warum?

    „Die Bio-Bewegung hat sich hier nicht eingeschlichen, sie ist explodiert“, sagt Pouget. „Es war fast zwangsläufig.“
    Man merkt ihm den Stolz an – nicht den lauten, sondern den stillen. Den eines Landwirts, der weiß, dass seine Erde mehr kann, als bloß zu liefern.


    Gemeinschaft unter Hallendächern

    Mittwochmorgen, kurz vor acht. Die Sonne dringt durch die Glasdächer, der Markt erwacht. Stimmen mischen sich mit dem Klirren von Weckgläsern, Kinder rennen zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch.

    „Wir haben eine besondere Kundschaft“, erzählt Pierre Pernix, der aktuelle Vorsitzende. „Treue Menschen, fast schon Mitstreiter.“
    Er sagt das nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Wärme. Diese Leute kaufen nicht nur ein – sie glauben an eine Idee.

    Doch selbst dieser Glaube wackelt gelegentlich. Inflation, Zeitmangel, Bequemlichkeit – die großen Gegenspieler des Wochenmarkts. „Wir dachten, Corona würde die Lust aufs Lokale verstärken“, seufzt Pernix, „aber das war nur ein Strohfeuer.“


    Das Vorurteil vom teuren Bio

    „Zu teuer, sagen sie immer“, murmelt Barbot, während er Tomaten sortiert. „Aber haben sie mal genau hingesehen?“
    Er nimmt eine Frucht in die Hand, wiegt sie, lächelt. „Wenn man Qualität und Frische vergleicht, sind wir oft günstiger als die Supermärkte.“

    Der Mythos vom Luxus-Bio klebt hartnäckig an der Branche. Dabei steckt der wahre Preis im Unsichtbaren: in sauberem Wasser, gesunden Böden, kurzen Wegen. In Vertrauen.
    Wie misst man das? Gar nicht. Man schmeckt es – oder man schmeckt es eben nicht.


    Ein Markt als Klassenzimmer

    Zwischen den Ständen hüpfen Kinder, schnuppern an Kräutern, staunen über lilafarbene Karotten. Eine Mutter beugt sich zu ihrer Tochter: „Weißt du, was das ist?“
    Das Mädchen schüttelt den Kopf. „Ein Rübenkönig“, antwortet die Mutter lachend, während die Kleine kichert.

    „Das ist unser wichtigster Auftrag“, sagt Jacques Réjalot, Winzer und Schriftführer der Marktsgemeinschaft. „Kinder sollen sehen, wo Essen herkommt. Wie’s riecht, wenn’s echt ist.“
    Er redet wie ein Lehrer, der seine Schule liebt. Denn für ihn ist der Markt kein Verkaufsplatz – er ist eine Bühne der Bildung, Woche für Woche.


    Zwischen Tradition und Zukunft

    Doch wer genau hinschaut, sieht: Das Publikum altert. Viele graue Köpfe, weniger junge Gesichter.
    „Wir fragen uns wirklich, wer unsere Kunden von morgen sein werden“, meint Pernix ernst.

    Es ist eine berechtigte Frage. Denn auch wenn das Ideal des „bio“ längst gesellschaftlich angekommen ist, bleibt der Gang zum Markt für viele eine Ausnahme.
    Aber hier gibt man nicht auf. „Man muss Geduld haben – wie bei einem guten Wein“, sagt Réjalot. „Wenn man die Saat legt, kommt irgendwann auch die Frucht.“


    Kein Ort für Moden

    In einer Welt, in der Trends so schnell wechseln wie Fernsehprogramme, wirkt Villeneuve-sur-Lot fast trotzig. Hier gibt’s keine hippen Smoothie-Bars, keine glitzernden Etiketten. Nur Tische, Körbe, Erde, Schweiß – und Ehrlichkeit.

    „Modeerscheinungen interessieren mich nicht“, meint Barbot schlicht. „Was zählt, ist, dass wir respektvoll mit der Natur umgehen.“
    Seine Worte hallen nach. Weil sie echt sind. Weil sie nichts versprechen, sondern leben, was sie sagen.


    Zwischen den Zeilen der Zeit

    Fünfzig Jahre – das sind Generationen, Stürme, Wirtschaftskrisen. Der Markt hat alles überstanden. Warum?
    Weil hier kein Konzept verkauft wird, sondern Haltung.
    Weil die Leute, die kommen, nicht nur einkaufen – sie suchen Nähe, Gespräch, Sinn.

    Und vielleicht ist das das Geheimnis: Wer mittwochs hier steht, hat für einen Moment das Gefühl, die Welt sei noch ein bisschen im Gleichgewicht.


    Eine Zukunft, die nach Brot duftet

    Wenn man am Ende des Vormittags durch die leeren Hallen läuft, sieht man die letzten Spuren eines lebendigen Rituals: ein paar Gemüseschalen, Brotreste, Spuren von Erde.
    Die Sonne steht schon höher. Die Händler laden ein letztes Mal aus, reden, lachen, verabreden sich für nächste Woche.

    Wird es den Markt in weiteren fünfzig Jahren noch geben?
    Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber solange Menschen wie Barbot, Pouget und Pernix hier stehen – mit Herz, mit Haltung, mit Humor – wird er leben.
    Denn Märkte wie dieser sterben nicht. Sie atmen.

    Ein Artikel von M. Legrand