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  • Steuer auf Energydrink‑Alkohol‑Mix: Ein sinnvoller Schritt — aber kein Allheilmittel

    Steuer auf Energydrink‑Alkohol‑Mix: Ein sinnvoller Schritt — aber kein Allheilmittel

    Am Freitag, dem 7. November 2025, verabschiedete die französische Nationalversammlung ein neues Gesetz zur Finanzierung der sozialen Sicherheit: Darin wurde eine gezielte Steuer auf alkoholische Energydrinks beschlossen. Konkret geht es um Produkte, in denen starker Alkohol mit stimulierenden Wirkstoffen wie Koffein oder Taurin sowie oft mit viel Zucker oder süßem Aroma kombiniert wird – sogenannte Premixes, die gerade unter jungen Menschen via soziale Medien eine starke Verbreitung gefunden haben. Die Intention: Diese Mischgetränke gelten als besonders riskant, weil der Alkohol‑Effekt durch die stimulierenden Zusätze verschleiert werden kann – mit erhöhter Gefahr für Überkonsum, Unfälle und Abhängigkeit. Gleichzeitig richtet sich die Werbung oft direkt an ein junges Publikum, die Preise sind niedrig und das Image „Spaß‑drinkig“.Die Steuer wird im Haushalt der Caisse nationale de l’assurance maladie (CNAM) angesiedelt – ein klassisch fiskalisches Instrument mit gesundheitspolitischem B…

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  • „Ab Montag arbeiten die Frauen umsonst“ – Frankreichs symbolischer „Jour Z“ lenkt den Blick auf die Lohnlücke

    „Ab Montag arbeiten die Frauen umsonst“ – Frankreichs symbolischer „Jour Z“ lenkt den Blick auf die Lohnlücke

    Am Montag, dem 10. November 2025, um exakt 11:31 Uhr beginnt für viele Französinnen das symbolische Jahresende – zumindest in finanzieller Hinsicht. Ab diesem Zeitpunkt, so rechnet es die feministische Newsletter-Plattform Les Glorieuses vor, arbeiten Frauen in Frankreich „gratis“. Der sogenannte „Jour Z“ markiert jährlich den Moment, ab dem die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern rechnerisch den Rest des Jahres in unbezahlte Arbeit für Frauen verwandelt. Doch hinter dem medial wirksamen Stichtag steckt eine komplexe Debatte über Gleichstellung, wirtschaftliche Gerechtigkeit und politische Wirksamkeit symbolischer Maßnahmen.

    Wie wird der „Jour Z“ berechnet?

    Grundlage für den symbolischen Aktionszeitpunkt sind Zahlen des französischen Statistikamts INSEE. Für das Jahr 2023 weist es eine durchschnittliche Lohnlücke von 14,2 % zwischen vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen aus. Diese Differenz bedeutet: Wenn ein Mann für seine Jahresarbeit das Gehalt X erhält, bekommt eine Frau mit vergleichbarem Beschäftigungsumfang im Schnitt nur 85,8 % davon, also 0,858 × X.

    Rechnet man diese Differenz in Zeit um, so ergibt sich ein symbolischer Punkt im Kalender: Die Summe, die eine Frau bis zu diesem Datum verdient hat, entspricht dem Gehalt eines Mannes. Ab dem „Jour Z“ beginnt damit rechnerisch das „unbezahlte“ Arbeiten. Im Jahr 2025 fällt dieser Moment auf den 10. November, um 11:31 Uhr – fünf Minuten später als im Vorjahr. Diese Verschiebung illustriert einen langsamen, aber stetigen Fortschritt.

    Was dieser Tag zeigen soll – und was nicht

    Die Initiatorinnen von Les Glorieuses betonen selbst, dass es sich beim „Jour Z“ um ein bewusst vereinfachtes Symbol handelt. Der Aktionstag will Aufmerksamkeit schaffen für ein strukturelles Problem, das in vielen Dimensionen wirksam ist: ungleiche Bezahlung, ungleiche Aufstiegschancen, ungleiche Bewertung von Berufen. Dabei wird bewusst auf Komplexitätsreduktion gesetzt – etwa indem nur Vollzeitgehälter verglichen werden, unabhängig von Hierarchie, Branche oder Berufsjahren.

    Diese Vereinfachung ist einerseits notwendig, um medial durchzudringen. Andererseits lädt sie zur Kritik ein. Denn in der öffentlichen Debatte geht mit dem Stichtag oft die Vorstellung einher, dass Frauen in gleichen Positionen grundsätzlich weniger verdienten – was so nicht haltbar ist. Studien zeigen, dass bei vergleichbarer Qualifikation, Position und Arbeitszeit die Lohnlücke deutlich kleiner wird, teils auf unter 5 % sinkt. Der „Jour Z“ veranschaulicht also eher strukturelle Durchschnittsunterschiede als individuelle Diskriminierung.

    Politische Forderungen jenseits des Symbols

    Begleitet wird der Aktionstag von konkreten Forderungen. Die Hauptanliegen der Aktivistinnen:

    • Verpflichtende Lohntransparenz: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen Zugang zu Gehaltsstrukturen erhalten, um Diskrepanzen offenzulegen und Druck auf Unternehmen auszuüben.
    • Aufwertung von frauendominierten Berufen: Tätigkeiten im sozialen, pflegerischen oder erzieherischen Bereich – in denen Frauen überrepräsentiert sind – sollen besser vergütet und in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung anerkannt werden. Öffentliche Aufträge oder Förderungen könnten dabei an nachweisliche Gleichstellungsfortschritte geknüpft werden.

    Diese Forderungen sind nicht neu, gewinnen aber durch europäische Gesetzesinitiativen an Rückenwind. So soll die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz bis spätestens Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Sie sieht unter anderem Berichtspflichten für Unternehmen ab einer bestimmten Größe vor – ein Instrument, das die französische Regierung mit dem bestehenden index d’égalité professionnelle bereits partiell umgesetzt hat.

    Frankreich im europäischen Vergleich

    Die französische Gleichstellungspolitik hat in den letzten Jahren Fortschritte erzielt. Der seit 2019 eingeführte Gleichstellungsindex verpflichtet Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden, jährlich anhand eines Punktesystems Auskunft über ihre Gleichstellungsleistung zu geben – inklusive Sanktionen bei schlechten Werten. Dennoch bleibt die Lohnlücke hartnäckig bestehen.

    Im europäischen Vergleich liegt Frankreich im Mittelfeld. Deutschland weist laut Eurostat (2023) eine unbereinigte Lohnlücke von rund 18 % auf – eine der höchsten in der EU. Länder wie Italien, Belgien oder Luxemburg stehen deutlich besser da. Allerdings spielt auch die Erwerbsstruktur eine Rolle: In Frankreich ist der Anteil weiblicher Führungskräfte höher als in Deutschland, gleichzeitig sind atypische Beschäftigungen – etwa Minijobs – seltener.

    Wo liegen die strukturellen Ursachen?

    Eine zentrale Ursache der Lohnlücke liegt in der vertikalen und horizontalen Segregation des Arbeitsmarkts: Frauen sind überproportional in Branchen mit geringerem Lohnniveau vertreten (z. B. Pflege, Bildung, Einzelhandel) und seltener in Führungspositionen oder technischen Berufen anzutreffen. Hinzu kommt die hohe Teilzeitquote unter Frauen, häufig Folge ungleicher Arbeitsteilung im familiären Bereich.

    Auch die Bewertung von Tätigkeiten spielt eine Rolle: Soziale, empathische oder pflegerische Kompetenzen, die in frauendominierten Berufen zentral sind, werden systematisch geringer entlohnt als technische oder führungsbezogene Fähigkeiten – ein strukturelles Erbe industrieller Arbeitsmarktmodelle.

    Zudem ist Frankreich, trotz laizistischer und egalitärer Selbstdarstellung, kein Vorreiter in Sachen Care-Arbeit: Die Kinderbetreuung ist zwar vergleichsweise gut ausgebaut, doch stereotype Rollenmuster in Erziehung, Haushalt und Karrierewahl halten sich hartnäckig.

    Frankreich hat sich mit dem „Jour Z“ ein Symbol geschaffen, das jährlich an diese tief verwurzelten Ungleichheiten erinnert – plakativ, aber nicht trivial. Seine eigentliche Stärke liegt weniger in der mathematischen Exaktheit als in seiner Mobilisierungskraft. Die wiederholte Sichtbarmachung der Ungleichheit schafft politischen Druck – und hält die Debatte lebendig.

    Die Herausforderung bleibt: Symbolik in konkrete Veränderungen zu überführen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Kombination aus europäischer Regulierung, nationalem Monitoring und zivilgesellschaftlichem Engagement Wirkung entfaltet – oder ob der „Jour Z“ auf absehbare Zeit ein fixer Bestandteil des französischen Kalenders bleiben wird.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Nicolas Sarkozy: Justiz auf dem Prüfstand – Entscheidung über Freilassung des Ex-Präsidenten erwartet

    Nicolas Sarkozy: Justiz auf dem Prüfstand – Entscheidung über Freilassung des Ex-Präsidenten erwartet

    Am Montagvormittag entscheidet die Cour d’appel de Paris über ein Anliegen von historischer Tragweite: Die mögliche Freilassung von Nicolas Sarkozy aus der Haft. Es ist ein Moment, in dem sich juristische Prinzipien, politischer Symbolwert und institutionelle Verantwortung überschneiden. Der ehemalige Präsident Frankreichs, verurteilt wegen mutmaßlich illegaler Wahlkampffinanzierung mit Geldern aus Libyen, sitzt seit dem 21. Oktober 2025 in der Pariser Prison de la Santé – eine Zäsur in der Geschichte der Fünften Republik. Ein Urteil mit Präzedenzwirkung Der am 25. September vom Strafgerichtshof in Paris gefällte Schuldspruch gegen Sarkozy war in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Präsident von 2007 bis 2012 sich der Teilnahme an einer „kriminellen Vereinigung“ im Rahmen der Annahme libyscher Gelder schuldig gemacht habe. Die verhängte Freiheitsstrafe von fünf Jahren – davon zwei Jahre auf Bewährung – ging mit einem sofort vollstreckbaren H…

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  • Kann die Welt den Klimawandel ohne Amerika bekämpfen?

    Kann die Welt den Klimawandel ohne Amerika bekämpfen?

    In dieser Woche treffen sich Regierungsvertreter aus aller Welt am Rand des Amazonasgebiets in Belém, Brasilien, zu ihren jährlichen Klimagesprächen. Doch die Teilnehmerliste ist auffallend klein.

    Die Staats- und Regierungschefs von China, Russland und Japan werden nicht anwesend sein. Auch die Führungsspitzen von Australien, Indonesien und der Türkei fehlen. Die auffälligste Abwesenheit jedoch betrifft die Vereinigten Staaten. Zum ersten Mal seit dem Beginn der internationalen Klimaverhandlungen vor 30 Jahren wird die US-Regierung keine hochrangigen Vertreter entsenden.

    Die Grundidee solcher Treffen ist, dass der Klimawandel keine nationalen Grenzen kennt und nur durch gemeinsames Handeln bekämpft werden kann. Doch kann die Welt das ohne die USA leisten?

    Einigermaßen gute Nachrichten

    Vor zehn Jahren einigten sich in Paris nahezu alle Staaten auf ein gemeinsames Ziel: Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur sollte deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden, möglichst nahe bei 1,5 Grad – bezogen auf das vorindustrielle Niveau.

    Die einigermaßen gute Nachricht: Das Wachstum der Emissionen hat sich verlangsamt, und die Kurve der globalen Erwärmung hat sich im letzten Jahrzehnt leicht abgeflacht. Wenn alle Länder an ihren derzeitigen Klimapolitiken festhalten, wird ein Temperaturanstieg von 2,5 bis 2,9 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet – immer noch dramatisch, aber deutlich besser als die Aussichten vor zehn Jahren.

    Das Pariser Abkommen trat im November 2016 in Kraft – nur wenige Tage vor der ersten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Trump bezeichnete den Klimawandel wiederholt als „Schwindel“ und befindet sich aktuell zum zweiten Mal im Rückzugsprozess aus dem Pariser Abkommen.

    In Trumps zweiter Amtszeit hat die US-Regierung nicht nur die eigenen Verpflichtungen zur Reduzierung fossiler Brennstoffe aufgegeben, sondern auch aktiv Maßnahmen anderer Länder blockiert – etwa ein internationales Abkommen zur Begrenzung der Plastikproduktion aus Erdöl sowie die geplante Einführung einer globalen Steuer auf Emissionen aus der Schifffahrt.

    Aber: Möglicherweise sind Fortschritte im Klimaschutz ohne die USA sogar einfacher zu erzielen.

    Die Vereinigten Staaten sind immer noch der größte Ölproduzent und der größte Exporteur von Erdgas weltweit. Zudem sind sie das reichste Land der Erde – ein entscheidender Faktor: Viele arme Länder, die kaum zur Klimakrise beigetragen haben, sind auf Unterstützung durch wohlhabende Staaten angewiesen, um sich an die Erderwärmung anzupassen und saubere Energien einzuführen.

    China als aufstrebende Klimamacht

    Die Hoffnung ruht nun auf China und den Schwellenländern, die in die Bresche springen sollen.

    China ist derzeit der größte Emittent von Treibhausgasen – gleichzeitig jedoch führend in vielen Bereichen der grünen Energie. Im vergangenen Jahr installierte das Land mehr Windräder und Solarpaneele als der gesamte Rest der Welt zusammen. China dominiert heute den Markt für saubere Technologien – von Patenten über wichtige Rohstoffe bis zu den Exportmärkten – und verkauft seine Produkte weltweit.

    Chinesische Unternehmen bauen Werke für Elektroautos und Batterien unter anderem in Brasilien, Thailand, Marokko und Ungarn.

    Eine besonders aufschlussreiche Kennzahl liefert eine aktuelle Analyse von The Economist: China verdient mittlerweile mehr Geld mit dem Export grüner Technologien, als die USA mit dem Verkauf aller ihrer fossilen Brennstoffe erzielen.

    Bezahlbare, saubere Technologien sind der Schlüssel, um die globale Abhängigkeit von fossilen Energien zu durchbrechen und die Emissionen zu senken. Solarmodule hängen heute an vielen Balkonen in Deutschland und bedecken weite Flächen in der saudischen Wüste wie auch auf dem tibetischen Hochplateau.

    Billige, in China hergestellte Solarpaneele, Batterien und E-Autos ermöglichen Ländern wie Brasilien, Südafrika und Indien den Umstieg. In Indien stammen heute bereits mehr als 50 % der Stromerzeugungskapazität aus Solar-, Wind- oder Wasserkraft.

    Die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

    Trotz dieser Fortschritte steigen die Temperaturen weiter. Die vergangenen zehn Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und 2024 war das bislang heißeste Jahr. Extreme Hitze forderte Todesopfer unter Wahlhelfern in Indien und unter Pilgern während des Hadsch in Saudi-Arabien.

    Viele Menschen müssen sich bereits an die veränderten Bedingungen auf einem wärmeren Planeten anpassen. In Indien hat eine Frauenorganisation eine Mini-Versicherung entwickelt, die einspringt, wenn die Arbeit wegen extremer Hitze zu gefährlich wird. In Malawi und Uganda testen Landwirte neue, hitzeresistente Anbaupflanzen. Doch wie die Klimareporterin Somini Sengupta berichtet, reicht das Geld bei weitem nicht aus, um die Verwundbarsten zu schützen – nicht einmal ansatzweise.

    In gewisser Weise ist die Frage, ob die Welt den Klimawandel ohne die USA bewältigen kann, also nicht ganz die richtige. Amerika ist ein großes, einflussreiches Land, dessen Entscheidungen das weltweite Geschehen mitprägen. Aber die Klimakrise schreitet voran – und die Welt muss handeln, ob mit oder ohne die Vereinigten Staaten.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Demokraten weichen im US-Haushaltsstreit zurück

    Eine Gruppe demokratischer Senatoren hat am Sonntagabend in Washington das parteieigene Votum zur Blockade eines Übergangshaushalts durchbrochen – und damit den Weg zur Beendigung des längsten Regierungsstillstands in der Geschichte der USA freigemacht.

    Das Kompromisspaket, das mit 60 zu 40 Stimmen im Senat angenommen wurde, würde die Finanzierung der meisten Bundesbehörden bis Januar sicherstellen – allerdings ohne die Ausweitung der Krankenversicherungssubventionen, die die Demokraten zum Kern ihrer Position gemacht hatten.

    Die demokratischen Senatoren, die gemeinsam mit den Republikanern stimmten, sahen sich durch die Folgen des 40-tägigen Shutdowns unter Druck gesetzt: Millionen Amerikaner sind von Kürzungen bei der Lebensmittelhilfe bedroht, zudem drohten massive Störungen im Flugverkehr. Doch das Abkommen rief scharfen Protest bei anderen Demokraten hervor, die verärgert darüber waren, dass ihre Partei nachgegeben hatte.

    Die Wiedereröffnung der Regierungsbehörden dürfte dennoch einige Tage dauern. Das Gesetzespaket muss nach seiner Verabschiedung im Senat im Repräsentantenhaus bestätigt und schließlich noch von Präsident Trump unterzeichnet werden.

    Zwei BBC-Spitzenmanager zurückgetreten

    Tim Davie, Generaldirektor der BBC, und Deborah Turness, Chefin von BBC News, sind am Sonntag überraschend zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe, eine BBC-Dokumentation habe eine Rede von Donald Trump irreführend zusammengeschnitten.

    Laut einem durchgesickerten Memo, das der Daily Telegraph veröffentlichte, soll die Panorama-Sendung „Trump: A Second Chance?“ Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten so montiert haben, dass der Eindruck entstand, er habe den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 ausdrücklich befürwortet.

    Das Memo stammte von einem ehemaligen externen Berater des Senders. Er warf der BBC zudem vor, kritische Themen wie Transgender-Rechte nicht ausgewogen zu behandeln und auf BBC Arabic eine Plattform für einen Journalisten geboten zu haben, der antisemitische Äußerungen gemacht habe. Teile der BBC-Führung sehen in den Vorgängen eine gezielte Kampagne politischer Gegner gegen den Sender.


    WEITERE MELDUNGEN

    • Der Taifun Fung-wong ist auf der philippinischen Hauptinsel Luzon auf Land getroffen. Über eine Million Menschen mussten evakuiert werden – nur wenige Tage, nachdem ein vorheriger Sturm über 200 Todesopfer forderte.
    • Die palästinensische Terroroganisation Hamas hat die sterblichen Überreste des israelischen Soldaten Hadar Goldin übergeben, der seit 2014 in Gaza vermisst wurde.
    • Mehrere Großstädte in der Ukraine erlitten Stromausfälle nach einem russischen Angriff mit Raketen und Drohnen auf die Energieinfrastruktur des Landes.
    • China hat angekündigt, für ein Jahr die Ausfuhrbeschränkungen für fünf kritische Mineralien auszusetzen, die für die Herstellung von Halbleitern und anderen Hochtechnologieprodukten benötigt werden.
    • In Teheran haben iranische Behörden mit der Rationierung der Wasserversorgung begonnen – wegen einer anhaltenden schweren Dürre.

    P. Tiko


    Quellen:
    The New York Times (November 2025), The Economist (Oktober 2025), Climate Action Tracker (2025), Daily Telegraph (November 2025), IPCC AR6 (2023)

  • Belém ruft – Die Welt blickt auf die COP30

    Belém ruft – Die Welt blickt auf die COP30

    Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen trifft sich die Weltgemeinschaft erneut, diesmal im Herzen Amazoniens, in Belém. Eine Stadt, in der das Rauschen der Flüsse und das Summen der Insekten mit den hitzigen Debatten der Menschheit verschmelzen. Unter dem feuchten Himmel des Nordostens Brasiliens soll entschieden werden, ob die großen Versprechen von Paris mehr waren als nur gut gemeinte Worte.

    „Nous nous trouvons à un moment décisif“, hatte Antonio Guterres, der UN-Generalsekretär, mahnend gesagt – ein Moment der Wahrheit. Und tatsächlich: Was auf der COP30 geschieht, wird zeigen, ob die globale Klimapolitik noch die Kurve bekommt oder endgültig im Dickicht der Interessen stecken bleibt.


    Ein Jahrzehnt nach Paris – die bittere Zwischenbilanz

    Als 2015 in Paris das historische Klimaabkommen unterzeichnet wurde, lag eine fast euphorische Aufbruchsstimmung in der Luft. 198 Staaten hatten sich verpflichtet, die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen – ein hehres Ziel, fast poetisch in seiner Einfachheit. Doch nun, zehn Jahre später, zeigt sich, wie schwer es ist, diesem Versprechen Leben einzuhauchen.

    Nur etwas mehr als die Hälfte der Länder hat rechtzeitig neue Klimapläne vorgelegt, die sogenannten „Nationally Determined Contributions“. Und von diesen sind, laut Climate Tracker, lediglich zwei – Norwegen und das Vereinigte Königreich – wirklich kompatibel mit der Pariser Zielvorgabe. Ein ernüchterndes Ergebnis.

    Währenddessen steigen die Emissionen weiter. 55 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente wurden 2023 ausgestoßen, ein neuer Rekord. Der Planet, so sagen Forscher, „fiebert“, und das Thermometer klettert unaufhörlich nach oben.

    Ist das Ziel von 1,5 Grad also schon verloren? Antonio Guterres glaubt, dass es „am Abgrund steht“. Doch vielleicht ist gerade das der Ansporn, es nicht einfach fallen zu lassen.


    Europa – ehrgeizig auf dem Papier, zögerlich in der Tat

    In Europa ringt man derweil mit sich selbst. Deutschland bremst beim Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, Norwegen winkt Bergbauprojekte auf dem Meeresgrund durch, und Frankreich – Hüterin des Pariser Geistes – gilt selbst als zögerlich.

    Laurence Tubiana, eine der Architektinnen des Abkommens, gibt sich diplomatisch: „Man darf den Prozess beklagen, aber das Ergebnis feiern.“ Ein Satz, der klingt wie das Motto vieler Klimaverhandlungen – komplizierte Kompromisse, schön verpackt in große Worte.

    Das jüngste EU-Klimapaket gilt als ambitioniert, doch es kam spät zustande, nach langen, zermürbenden Verhandlungen. Glaubwürdigkeit? Ein rares Gut, wenn die eigenen Ziele unter dem Druck nationaler Interessen verwässern.


    Vom Reden zum Handeln – die Frage des Geldes

    „Assez parlé, maintenant il faut agir!“ rief Brasiliens Präsident Lula vor dem Gipfel. Recht hat er. Denn was nützen neue Ziele, wenn die bisherigen kaum umgesetzt sind?

    Die Länder des globalen Südens fordern endlich Taten – und Geld. 300 Milliarden Dollar jährlich bis 2035 sollen die reichen Staaten bereitstellen, beschlossen bei der COP29 in Aserbaidschan. Doch bislang bleibt das meiste davon ein Versprechen auf Papier.

    Frankreich etwa verteilt seine Mittel überwiegend in Form von Krediten. Das mag großzügig klingen, doch es verstärkt die Schuldenlast vieler armer Länder. Wie soll ein Staat in Westafrika in Solaranlagen investieren, wenn er gleichzeitig alte Kredite tilgen muss?

    Gaïa Febvre vom Réseau Action Climat bringt es auf den Punkt: „Wenn die Länder ihre Schulden bedienen müssen, bleibt kein Geld für Klima, Bildung oder Gesundheit.“ Ein Teufelskreis – und einer, der die Glaubwürdigkeit der reichen Nationen massiv beschädigt.

    Gleichzeitig geistert eine gewaltige Zahl durch die Verhandlungsräume: 1.300 Milliarden Dollar. So viel, sagen die Entwicklungsländer, braucht die Welt jährlich für den Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Gigantisch? Sicher. Aber wie viel kostet Untätigkeit?


    Stimmen aus dem Regenwald

    Dass die COP30 ausgerechnet in Belém stattfindet, ist kein Zufall. Die Amazonasregion ist ein Sinnbild für das, was auf dem Spiel steht – und für jene, die oft übersehen werden: die indigenen Völker.

    Ihre Stimmen sind leise, doch ihre Botschaft ist laut: „Wir schützen den Wald, also schützt auch uns.“ Sie sind es, die seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur leben, deren Wissen über Pflanzen, Böden und Wasserläufe unbezahlbar ist.

    Die brasilianische Regierung hat versprochen, ihnen auf der COP eine größere Bühne zu geben. Ob sie gehört werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber ohne sie, da sind sich Experten einig, lässt sich die Klimakrise nicht lösen.

    Manche nennen sie die „Hüter des Planeten“. Vielleicht ist es an der Zeit, ihnen zuzuhören, statt sie als Folklore abzutun.


    Methan – der übersehene Riese

    Während alle auf CO₂ starren, schleicht sich ein anderer Übeltäter durchs Treibhaus: Methan. Dreißigmal klimaschädlicher als Kohlendioxid, aber seltener in den Schlagzeilen. Es entweicht aus Lecks in Gaspipelines, aus Rinderherden, aus Reisanbau und Müllhalden.

    Hundert Staaten haben 2021 versprochen, ihre Methanemissionen deutlich zu senken. Doch seither? Viel Gerede, wenig Veränderung. Einige Länder wie Neuseeland rudern sogar zurück.

    Ana Toni, die Chefin der COP30, kündigte an, das Thema ins Zentrum der Gespräche zu rücken. Wird sie Erfolg haben? Schwer zu sagen. Methan ist ein komplizierter Gegner – unsichtbar, flüchtig und oft wirtschaftlich unbequem. Aber: Wer es schafft, hier Fortschritte zu erzielen, könnte tatsächlich „ein paar Zehntelgrade gewinnen“, wie Laurent Fabius betont.

    Und in einer Welt, die zwischen 1,3 und 1,5 Grad Erwärmung schwankt, zählt jedes Zehntel.


    Belém – Hoffnung zwischen Fluss und Feuer

    In Belém mischt sich tropische Hitze mit politischer Spannung. Zwischen den Verhandlungsräumen rauscht der Amazonas, als wolle er selbst ein Wörtchen mitreden. Draußen demonstrieren indigene Aktivistinnen mit bunt bemalten Gesichtern, drinnen verhandeln Diplomaten über Milliardenbeträge und Zehntelgrade.

    Eine surreale Kulisse, fast filmreif – und doch spiegelt sie die Realität unserer Zeit.

    Wird die COP30 die Wende bringen? Oder reiht sie sich ein in die Liste der verpassten Chancen? Niemand weiß es. Aber vielleicht liegt in diesem Zweifel selbst eine Art Hoffnung: dass der Wille, es diesmal besser zu machen, stärker ist als die Müdigkeit nach Jahrzehnten des Zauderns.

    Denn was bleibt sonst?


    Ein Planet am Scheideweg

    Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Erde um 1,3 Grad erwärmt. Klingt nach wenig, verändert aber alles: Ernten verdorren, Gletscher schmelzen, Meere steigen, Menschen fliehen. Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern tägliche Realität – auch in Europa.

    Und doch, zwischen all den düsteren Prognosen, gibt es Licht. Solaranlagen sprießen in der Sahara, Windräder drehen sich vor bretonischen Küsten, junge Start-ups entwickeln klimaneutrale Baustoffe.

    Es gibt sie, die Lösungen. Sie liegen auf dem Tisch. Man muss sie nur – endlich – anpacken.


    Zwischen Hoffnung und Verantwortung

    Die COP30 ist kein Fest der Worte mehr. Sie ist ein Prüfstein. Für Regierungen, für Unternehmen, für jeden Einzelnen. Ob in Paris, Berlin oder São Paulo – die Frage bleibt dieselbe: Wie ernst meinen wir es mit unserer Zukunft?

    Vielleicht ist das eigentliche Ziel von Belém nicht ein neues Abkommen, sondern ein neuer Geist. Ein Bewusstsein, dass es längst nicht mehr um die ferne Zukunft geht, sondern um das Hier und Jetzt.

    Belém – der Ort, an dem die Welt entscheiden könnte, ob sie wirklich bereit ist, sich zu verändern. Oder ob sie weiter wartet, bis der Regenwald schweigt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Nach dem Preisregen: Acht Romane, die bleiben, wenn das Rampenlicht erlischt

    Nach dem Preisregen: Acht Romane, die bleiben, wenn das Rampenlicht erlischt

    Kaum sind die Preise vergeben, die Reden gehalten, die Siegerfotos gemacht, da senkt sich eine eigenartige Ruhe über die Literaturlandschaft. Die Saison der Trophäen ist vorbei – doch wer aufmerksam blättert, merkt schnell: Jetzt beginnt die eigentliche Erntezeit. Abseits des Jubels und der Bestsellerlisten warten Romane, die leiser, aber nachhaltiger wirken. Geschichten, die nicht schreien, sondern singen.


    „L’Entroubli“ von Thibault Daelman – ein Erstling mit Schneid und Seele

    Das Wort gibt es gar nicht, und doch trifft es ins Mark: L’Entroubli – das Vergessene, das Zwischen, das kaum Sagbare. Thibault Daelman, Jahrgang 1987, legt mit seinem Debüt einen Roman vor, der das Milieu der kleinen Leute nicht verklärt, sondern zum Klingen bringt.

    Er erzählt von einer Mutter mit großen Träumen für ihre fünf Kinder, von einem Vater, der längst in der Flasche verschwunden ist, und von einer Kindheit im grauen Gürtel von Paris. Daelman schreibt in Splittern, in leuchtenden Sätzen, als würde er die Sprache selbst gegen das Schweigen stemmen. Jede Seite trägt den Rhythmus des Überlebens.

    Sein Roman ist kein sozialer Traktat, sondern ein Liebesbrief an die Würde derer, die vergessen werden.


    „Le diable est un menteur“ von Femi Kayode – Glaube, Macht und der Staub von Lagos

    Philip Taiwo ist kein gebrochener Ermittler aus dem Noir-Lehrbuch. Er ist Psychologe, Vater, Zweifler – ein Mann, der seine Moral durch die Straßen von Lagos trägt, während ringsum Korruption blüht und Prediger Geld sammeln wie Regen.

    Als die Frau eines einflussreichen Geistlichen verschwindet, gerät Taiwo in einen Strudel aus Politik, Religion und Gewalt. Femi Kayode, selbst Nigerianer, schreibt mit einer Klarheit, die fast journalistisch wirkt, und einem Taktgefühl, das weit über das Genre hinausgeht.

    Sein Lagos ist eine vibrierende Metropole, chaotisch und göttlich zugleich. Le diable est un menteur ist ein Kriminalroman, der in Wahrheit ein Seelenporträt eines Landes ist, das zwischen Himmel und Hölle pendelt.


    „Sa guerre“ von Laurent Bénégui – eine Mutter im Labyrinth der Verzweiflung

    Laurent Bénégui, bekannt für seine feine Ironie, lässt sie diesmal beiseite. Sa guerre ist ein stiller Schrei. Die Geschichte von Hélène Dompierre, deren Tochter sich dem Islamischen Staat anschließt, liest sich wie ein innerer Monolog, ein atemloses Protokoll der Entfremdung.

    Zwischen Paris, Ankara und einem syrischen Flüchtlingslager sucht Hélène nach einem Rest Hoffnung – und nach sich selbst. Bénégui schreibt knapp, ohne jede Pose, und trifft damit mitten ins Herz.

    Es ist ein Roman über Schuld und Mutterliebe, über die Frage, was Vergebung bedeuten kann, wenn die Welt verrückt geworden ist.


    „Nuit indigo“ von Lars Mytting – Mythen, Schnee und Schicksal

    Es beginnt mit einer Tierszene, die man so schnell nicht vergisst: Ein Bauer findet in der norwegischen Winterlandschaft ein totes Schaf – und darunter ein Lamm mit silbrigem Fell.

    Lars Mytting, der große nordische Erzähler, entfaltet daraus eine Geschichte, die zwischen Legende und Historie schwebt. Zwei siamesische Zwillingsschwestern, Halfrid und Gunhild, erschaffen aus der mystischen Wolle ein Gewebe, das das Ende der Welt voraussagt.

    „Nuit indigo“ ist kein historischer Roman im klassischen Sinn, sondern eine Studie über das Erzählen selbst – darüber, wie Gemeinschaften ihre Mythen weben, um das Chaos zu bändigen. Myttings Sprache ist präzise, fast handwerklich – und doch von poetischer Glut.


    „Quand dansent les oiseaux“ von Kiyoko Murata – zwei alte Frauen und der Klang der Stille

    In einer stillen Bucht Japans leben Io (92) und Someko (88), zwei letzte Bewohnerinnen einer Insel, die längst vergessen wurde. Jeden Morgen tauchen sie in die See, als ginge es um ein Ritual.

    Ihre Tochter Umiko, die sie aufs Festland holen will, versteht erst spät, dass diese Insel für die alten Frauen ein Ort der Erinnerung ist. Die Vögel, die um sie kreisen, tragen – so glauben sie – die Seelen ihrer Toten.

    Kiyoko Murata, mit über achtzig Jahren noch immer erstaunlich modern, schreibt in sanften, klaren Sätzen. Ihr Roman ist ein Gleichgewicht zwischen Leben und Tod, zwischen Wasser und Wind. Quand dansent les oiseaux ist kein Buch, das man verschlingt – man lässt es nachklingen.


    „Laissez-moi brûler en paix“ von Peter Farris – ein Land unter Waffen

    Peter Farris beschreibt eine Welt, in der die Polizei längst zur Miliz geworden ist, wo Gewalt zum Reflex gehört. Nach einer missglückten Razzia sterben Unschuldige, und Jahre später beginnt eine Kette von Rachemorden.

    Was wie ein Thriller beginnt, wird schnell zur Parabel über Amerikas toxische Obsession mit Sicherheit. Farris schreibt ohne Pathos, aber mit Zorn. Sein Ton ist direkt, kantig, politisch.

    Zwischen den Zeilen lodert die Frage: Wie viel Demokratie lässt sich mit Angst verteidigen?


    „Suissexe“ von Jen Beagin – eine Stimme, die ins Leben greift

    Greta, Mitte dreißig, transkribiert Therapiesitzungen eines Sexcoachs. Sie hört einer Frau zu, deren Stimme sie nicht mehr loslässt. Sie nennt sie „Suissexe“. Als sie ihr auf der Straße begegnet, beginnt ein Spiel mit Identität, Begehren und Wahrheit.

    Jen Beagin erzählt diese Obsession mit schwarzem Humor und fast schmerzlicher Empathie. Hinter der Komik lauert der Ernst: Wie nah darf man einem Menschen kommen, den man nur durch seine Stimme kennt?

    Suissexe ist eine Liebesgeschichte, eine Farce, ein Selbstgespräch – und ein Beweis, dass Beagin zu den klügsten Beobachterinnen weiblicher Sehnsucht gehört.


    „Les Maisons de sel“ von Hala Alyan – das Gedächtnis der Frauen

    „Salma blickt in den Kaffeesatz ihrer Tochter und weiß, dass sie ihr lügen muss.“ Schon dieser erste Satz zieht einen hinein.

    Über fünf Jahrzehnte begleitet Hala Alyan die palästinensische Familie Yacoub, von Jaffa über Kuwait und Beirut bis in die USA. Ihre Sprache ist schlicht, aber voll Resonanz. In jeder Generation sind es die Frauen, die die Geschichten tragen – in Rezepten, Düften, Gesten.

    Alyan schreibt über den Verlust der Heimat, aber auch über die Kunst, sie im Herzen weiterzubewahren. Les Maisons de sel ist ein Roman über Migration, Trauma und Stolz – und über das, was bleibt, wenn alles andere verweht.


    Ein stiller Herbst für aufmerksame Leser

    Wenn die Preisträger längst im Regal glänzen, sind es oft diese leiseren Bücher, die nachhallen. Sie erzählen vom Überleben, vom Glauben, von der Sehnsucht nach Sinn. Und vielleicht liegt genau darin ihr Zauber: Sie wollen nicht glänzen – sie wollen begleiten.

    Also: Warum nicht einmal den großen Namen entkommen, dem Mainstream den Rücken kehren und sich treiben lassen durch fremde Stimmen, andere Rhythmen, neue Welten? Der Herbst ist lang, die Abende sind dunkel – und kaum etwas wärmt besser als ein Buch, das niemand einem empfohlen hat.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Courbefy – Das Dorf, das einen Fluch trägt

    Courbefy – Das Dorf, das einen Fluch trägt

    Hoch über der Haute-Vienne, dort wo sich die Hügel wie Wellen im Morgennebel verlieren, liegt Courbefy. Ein paar verfallene Mauern, ein rostiges Eisentor, eine überwucherte Zufahrt. Kein Mensch, kein Laut – nur der Wind, der durch geborstene Fenster pfeift. Und doch war dieser Ort einmal lebendig. Ein Weiler voller Stimmen, Kinderlachen, und dem Duft von Holzfeuern. Heute ist er ein Symbol. Ein Rätsel. Ein Stück Frankreich, das zwischen Traum und Tragödie gefangen scheint.

    Wie konnte ein Dorf, das einst Hoffnung atmete, in eine Geistergeschichte verwandelt werden?


    Vom Weiler zum Ferienparadies

    In den 1970er Jahren war Courbefy noch ein kleines, bodenständiges Dorf. Ein paar Bauern, Felder, Hühner, ein unscheinbarer Glockenturm. Nichts Besonderes – und genau das machte seinen Charme aus. Doch dann kam die große Landflucht. Die Jungen zogen fort, die Alten starben, und nach und nach erlosch das Leben.

    Ein Unternehmer sah jedoch in den alten Steinen Potenzial. Er wollte Courbefy in ein Ferienzentrum verwandeln – mit Swimmingpool, Tennisplatz, Gästezimmern, Restaurant. Ein Stück Riviera mitten im Limousin. Und für kurze Zeit schien der Plan aufzugehen. Familien planschten im Pool, Kinder rannten über den Platz, die Dorfglocke schlug zum Mittagessen.

    Doch Träume können bröckeln wie Putz an alten Mauern. Nach wenigen Jahren war das Geld weg, die Besucher blieben aus. Courbefy fiel in den Dornröschenschlaf zurück – und diesmal schien der Schlaf ewig.


    Ein Dorf unter dem Hammer

    Fast vier Jahrzehnte später, im Jahr 2012, tauchte Courbefy wieder in den Schlagzeilen auf. Nicht wegen eines neuen Projekts – sondern weil es verkauft werden sollte. Ganze zwölf Hektar, vierzehn Häuser, eine Kapelle, ein Pool. Startpreis: 300.000 Euro.

    Ein Dorf wie ein Gebrauchtwagen! Die Weltpresse stürzte sich auf die Geschichte. „Ein ganzes französisches Dorf zu verkaufen!“ titelten amerikanische, britische und asiatische Medien. Kamerateams drängten sich zwischen den Ruinen. Courbefy war plötzlich berühmt – aber nicht belebt.

    Dann kam der Käufer: Ahae, ein südkoreanischer Unternehmer, Fotograf, Milliardär – und Phantom. Niemand hatte ihn je gesehen. Er schickte Vertreter, kaufte den Ort anonym und ließ ihn ungenutzt verfallen. Jahre später fand man seine Leiche, verwest, in einem Garten bei Seoul. Ein Mann, so geheimnisvoll wie der Ort, den er besaß.

    War das Zufall oder Fluch?


    Die „Malédiction de Courbefy“ – Ein Film gegen das Vergessen

    Die Filmemacherin Laurline Danguy des Déserts wollte genau das wissen. Ihr Dokumentarfilm „La malédiction de Courbefy“ (Der Fluch von Courbefy) zeichnet das bizarre Schicksal des Dorfes nach – vom bäuerlichen Alltag über die Ferienidylle bis zum medialen Spektakel.

    „Ich erinnere mich, 2012 von einem Dorf gehört zu haben, das versteigert wurde“, erzählt sie. „Damals dachte ich: Das kann doch nicht wahr sein! Und Jahre später spürte ich, dass dieser Ort noch immer eine Geschichte zu erzählen hat.“

    Sie fand sie – in den Mauern, in der Stille, in den Legenden.

    Die Kamera fängt das Licht ein, das über den Hügeln tanzt, und die Schatten, die sich in den Fenstern brechen. Das Dorf wirkt fast wie ein Filmset – ein Ort zwischen Realität und Fiktion. „Man spürt dort etwas“, sagt die Regisseurin, „eine seltsame Energie, als wären Erinnerungen noch greifbar. Ich übertreibe kaum: Es ist, als wären Geister geblieben.“


    Eine Spur von Wahnsinn

    Wer einmal durch Courbefy geht, begreift, wie dicht hier die Gegensätze beieinander liegen. Schönheit und Verfall, Hoffnung und Aufgabe, Mensch und Natur. Noch immer steht die alte Kapelle, halb eingestürzt, halb trotzig. Die Betonpiste der ehemaligen Kartbahn schimmert durch Gras und Moos. Und neben der leeren Poolschale liegen Blätter wie vergilbte Briefe.

    Einer der Anwohner aus Bussière-Galant, der den Ort noch aus Kindertagen kennt, sagt im Film:
    „Früher hörte man hier menschliche Stimmen, jetzt hört man nur den Wind flüstern. Vielleicht sind’s dieselben.“

    Ein Satz, der hängen bleibt.


    Zwischen Mythos und Wiedergeburt

    Courbefy zieht Menschen an – nicht wegen dem, was es ist, sondern wegen dem, was es einmal war. Künstler träumen davon, den Ort zu beleben, ihn zu einem kreativen Rückzugsort zu machen. Andere sehen darin einen Ort des Gedenkens, ein Mahnmal des ländlichen Niedergangs.

    Die Bürgermeisterin von Bussière-Galant glaubt an eine Zukunft: „Man könnte dort Wanderunterkünfte schaffen, Kunstresidenzen, einen kleinen Markt – es gäbe Möglichkeiten genug.“

    Aber will Courbefy überhaupt zurück ins Leben? Oder liebt es seine Stille, seine melancholische Poesie zu sehr?

    Man weiß es nicht. Doch vielleicht liegt genau darin seine Magie. Manche Orte erzählen keine fertigen Geschichten – sie flüstern sie nur.


    Der Fluch der Vergänglichkeit

    „La malédiction de Courbefy“ ist weniger ein Film über ein verlassenes Dorf als ein Spiegel unserer Zeit. Er erzählt vom Wunsch, zu besitzen, ohne zu verstehen. Vom Drang, zu retten, was vielleicht gar nicht gerettet werden will. Und von der unaufhaltsamen Rückkehr der Natur, die irgendwann jedes menschliche Werk umarmt – und verschluckt.

    Wer Courbefy besucht, merkt schnell: Da schwingt etwas Ewiges mit. Kein echter Fluch, sondern eine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, dass Schönheit und Zerfall oft nur eine dünne Mauer trennt.

    Und wenn man am Abend dort steht, während die Sonne über der Haute-Vienne versinkt, dann könnte man fast meinen, irgendwo in der Ferne ein Kinderlachen zu hören. Oder ist das nur der Wind?

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Man sagt, wer auf dem Mont d’Or steht, sieht halb Frankreich und einen guten Teil der Schweiz. Vielleicht ist das übertrieben – aber wer einmal dort oben war, weiß, warum sich solche Geschichten halten. Zwischen den schroffen Felsen und den sanft geschwungenen Weiden des Haut-Doubs entfaltet sich eine Landschaft, die sich nicht einfach beschreiben lässt. Man muss sie spüren: den Wind, der über die Grate pfeift, das Rascheln des Herbstlaubs, den Geruch von feuchtem Holz und kaltem Käse.

    Der Mont d’Or ist kein Gipfel, der sich mit reißerischem Pathos ins Gedächtnis brennt. Er ist leiser, fast demütig. Mit seinen gut 1.460 Metern wirkt er eher wie ein langgestreckter Rücken, der sich vorsichtig an die Wolken lehnt. Doch seine Schönheit liegt gerade in dieser Sanftheit.


    Der Aufstieg über die Crêtes

    Der Weg hinauf beginnt unscheinbar. Ein schmaler Pfad, der sich durch Weiden und Nadelwälder schlängelt, begleitet vom Läuten der Kuhglocken. Dann wird es steiler. Der Himmel weitet sich, die Luft wird klarer. Und plötzlich – steht man oben.

    Ein paar Meter weiter öffnet sich der Blick auf ein Panorama, das fast unwirklich erscheint: Im Osten die Alpen, schimmernd wie eine ferne Illusion; im Westen das Jura, wellig, gedämpft, vertraut. An Tagen ohne Dunst reicht der Blick bis zum Mont-Blanc, dessen weiße Kappe über der Erde schwebt wie eine Verheißung.

    Eine Familie aus Besançon steht staunend auf der Plattform, die Haare zerzaust vom Wind. „Schau mal, wie sich das Licht verändert“, ruft die Tochter, „das sieht ja aus wie gemalt!“ Der Vater nickt still – und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.

    Sieben Kilometer dauert die Wanderung entlang der Crêtes, vorbei an grasenden Schafen, kleinen Holzschuppen und Weiden, die im Herbst in tausend Farben leuchten. „C’est trop beau“, ruft jemand, und man versteht sofort, dass hier keine Übertreibung im Spiel ist.


    Zwischen Wildnis und Handwerk

    Im Doubs lebt man mit den Jahreszeiten, nicht gegen sie. Wer sich auf den Mont d’Or einlässt, begegnet dieser Ruhe auf Schritt und Tritt. Und doch schlägt das Herz der Region kräftig, besonders in den kleinen Dörfern rund um Métabief und Mouthe.

    Hier bereitet man sich schon im Herbst auf den Winter vor. Fanny, eine junge Skilehrerin mit Sonnenbrand auf der Nase, zeigt Touristen das „ski-roue“, eine Art Sommertraining auf Rollen. „Man bleibt in Bewegung“, sagt sie lachend, „und die Beine vergessen den Winter nicht.“

    Ringsum dehnen sich Wälder und Almwiesen, durchzogen von klaren Bächen. Wer einen Moment innehält, hört das ferne Rauschen der Quelle des Doubs – dieser Fluss, der der Region ihren Namen gibt und an manchen Stellen so geheimnisvoll aus der Erde tritt, dass man fast an Märchen glaubt.

    Im Sommer schwimmt man im Lac de Saint-Point, im Herbst spaziert man durch das Farbenspiel der Wälder. „Hier ändert sich alles, aber auf eine sanfte Weise“, sagt ein alter Bauer. „Nie abrupt, immer mit Gefühl.“


    Der Käse, der den Namen des Berges trägt

    Wer „Mont d’Or“ sagt, meint oft nicht den Gipfel, sondern den Käse. Ein runder Laib, cremig und weich, in Rinde von Fichtenholz gebettet – so duftet er nach Wald, nach Rauch, nach Zuhause. Seit Jahrhunderten wird er hier im Haut-Doubs hergestellt, aus der Milch jener Kühe, die an den Hängen des Mont d’Or grasen.

    Im kleinen Dorf Les Longevilles-Mont-d’Or steht Fabien in seiner Küche. Auf dem Herd blubbert ein Topf, in der Ecke ein Stück Comté, daneben die runden, hellen Kisten des Mont d’Or. „C’est le moment“, sagt er, und bohrt mit geübter Hand ein Loch in den Käse. Ein Schuss Vin du Jura, ein paar Scheiben Knoblauch – und schon duftet der ganze Raum.

    Diese Version, warm, goldgelb und leicht zerlaufen, wird mit Kartoffeln und Charcuterie serviert. „Il a du goût“, meint ein Besucher aus Nancy, „et il tient chaud au cœur.“ Genau darum geht es: um Wärme, um dieses Gefühl, das von innen kommt, wenn draußen der Wind über die Jurakämme zieht.

    Fabien wagt sich auch an Neues: eine Mousse de Mont d’Or auf einem leichten Gemüsevelouté, garniert mit knuspriger Tuile de Morteau. „Das ist unsere Art, Tradition lebendig zu halten“, sagt er. „Nichts versteinern – immer weiter erfinden.“


    Der Mont d’Or als Seele des Doubs

    Vielleicht ist der Mont d’Or deshalb so besonders: weil er beides verkörpert – die Ruhe der Natur und die lebendige Kraft der Menschen, die hier leben.

    In Métabief sitzt man abends auf der Terrasse eines kleinen Gasthauses, das Holz knarzt, die Gläser klirren. Draußen leuchtet der Himmel in dunklem Orange, und irgendwo muht eine Kuh träge. Eine Frau aus Pontarlier sagt: „Hier oben hat man das Gefühl, dass die Zeit sich dehnt. Nicht stillsteht, aber langsamer läuft.“

    Was sucht man, wenn man auf einen Berg steigt? Aussicht? Ruhe? Eine Art von Wahrheit? Vielleicht alles zusammen. Der Mont d’Or antwortet nicht mit Spektakel, sondern mit stiller Geste. Mit einem Licht, das die Landschaft streichelt, statt sie zu blenden. Mit einer Weite, die nicht einschüchtert, sondern atmen lässt.

    Und wenn man am Ende des Tages unten im Tal sitzt, mit einem Glas Vin jaune und einem Teller dampfender Mont d’Or-Kartoffeln, dann begreift man: Dieser Berg ist kein Ziel, sondern eine Stimmung.

    Ein Gefühl aus Holz, Wind und Wärme.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • La Pintade de Lussan – Ein Stück südfranzösischer Poesie, das Amerika erobert

    La Pintade de Lussan – Ein Stück südfranzösischer Poesie, das Amerika erobert

    Wer Lussan kennt, vergisst es nicht. Das kleine Dorf im Gard, auf einem Felsvorsprung thronend, umgeben von Mauern und mit einem Blick, der bis zur Garrigue reicht, wirkt, als habe sich hier die Zeit in die Provence verliebt. Zwischen Olivenbäumen und Lavendelduft versteckt sich ein Schatz, der längst über die Grenzen Frankreichs hinaus schillert: die Pintade de Lussan – jene charmanten Keramik-Perlhühner, die in Werkstätten geboren werden, in denen Handwerk noch Herzschlag hat.

    Was als kleine, fast vertrauliche Dorfgeschichte begann, ist heute ein Symbol französischer Kreativität, das selbst in New York oder San Francisco auf Designerregalen steht. Doch wie schafft es ein simples Huhn aus Ton, die Welt zu verzaubern?


    Ein Dorf, das Kunst atmet

    In Lussan spürt man diesen ganz eigenen Rhythmus – leise, fast meditativ. Die schmalen Gassen, die alten Steinhäuser, die Sonne, die über die Steinmauern streicht. Und dann, in einem dieser Häuser, klopft und schleift, pinselt und modelliert ein kleines Team um Adrien Caillard seine besonderen Vögel. Hier duftet es nach Erde, nach Ton, nach Arbeit – nach Leben.

    Lussan-Gard
    Lussan im Departement Gard

    Adrien, ein Mann mit ruhigem Blick und kräftigen Händen, führt das Atelier, das seine Mutter vor einem halben Jahrhundert gegründet hat. „Ma mère voulait faire un objet simple, joyeux, universel“, erzählt er mit einem Lächeln. Ein Objekt, das allen gefällt – vom provenzalischen Nachbarn bis zum kalifornischen Sammler.

    Die Formel? Nichts weniger als Poesie in Ton.


    Vom Gips zum Glanz

    Wer das Atelier betritt, betritt eine kleine Welt der Geduld. In der Hand eines Handwerkers liegt ein Gipsmodell, gefüllt mit Barbotine, dieser flüssigen Tonmischung, die so zart ist wie Schokolade im Wasserbad. Dann beginnt das Warten. Das Ziehen. Das Atmen des Materials.

    Und schließlich – ein Moment fast wie eine Geburt. Der Gips öffnet sich, und eine neue Pintade erblickt das Licht des Tages.

    Bevor sie in Farbe getaucht wird, bekommt sie eine liebevolle Behandlung: Géraldine Fumey, Céramiste mit einem Auge für Eleganz, glättet sorgsam jede Naht, zeichnet die feinen Konturen nach, formt die drei charakteristischen „Bosses“ über dem Kopf. „C’est là qu’elle prend vie“, sagt sie – hier beginnt das Leben.

    Jede Pintade ist anders. Eine leichte Neigung des Halses, eine zartere Linie am Rücken, ein Lächeln, das man fast zu spüren meint. Es ist diese Einzigartigkeit, die sie unwiderstehlich macht.


    Die Kunst der Naivität

    In der Welt des Designs liebt man oft das Perfekte, das Glatte, das Berechenbare. Doch die Pintade de Lussan bricht mit dieser Logik. Sie ist schlicht – aber niemals simpel. Naiv – aber voller Charme.

    Muriel Lods, Dekorateurin der Werkstatt, sagt es treffend: „Elles ont été tellement synthétisées dans leur naïveté… qu’elles plaisent à tout le monde.“ Eine Form, so reduziert, dass sie universell geworden ist.

    Wie kann ein Objekt, das scheinbar „altmodisch“ wirkt, plötzlich Kultstatus erlangen? Vielleicht, weil es echt ist. Weil man in jeder Kurve, in jeder Farbspur den Abdruck einer Hand erkennt.

    Und sind es nicht genau diese kleinen, menschlichen Unvollkommenheiten, die uns berühren?


    Ein Flug über den Atlantik

    Heute verlassen jedes Jahr rund 15.000 dieser Keramiktiere das Atelier. Über die Hälfte davon fliegt in die Vereinigten Staaten. Von Paris bis Portland, von Lyon bis Los Angeles – überall finden sich kleine Boutiquen, die stolz „Made in Lussan“ ins Schaufenster schreiben.

    In den sozialen Netzwerken zeigen Sammler ihre „pintades“ auf Sideboards, Terrassen oder neben Sukkulenten. Manche posieren mit ihnen wie mit Haustieren, andere sprechen sogar mit ihnen. Verrückt? Vielleicht. Aber wer einmal eine dieser kleinen Figuren betrachtet, versteht, warum.

    Da ist etwas Tröstliches an dieser runden Form, an diesem stillen, fast meditativen Blick der Pintade. Als würde sie sagen: „Nimm’s leicht, das Leben ist schön.“


    Zwischen Tradition und Zukunft

    Adrien Caillard und sein Team ruhen sich nicht auf ihrem Erfolg aus. Immer wieder entstehen neue Farbreihen – pastellige Blautöne, erdige Ocker, mutige Schwarz-Weiß-Kontraste. So bleibt die Pintade de Lussan modern, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

    Gleichzeitig bleibt das Herz des Unternehmens unverändert: Handarbeit, lokale Materialien, Nähe zur Natur. Die Tonerde kommt aus der Region, die Glasuren aus französischen Werkstätten, die Ideen aus langen Gesprächen bei einem Café auf der Dorfterrasse.

    Könnte das der wahre Luxus unserer Zeit sein – ein Gegenstand, der Zeit, Zuwendung und Geschichte in sich trägt?


    Lussan, das kleine Wunder im Gard

    Wer das Dorf besucht, versteht schnell, warum Kunst und Landschaft hier so eng miteinander verschmelzen. Die Sonne spiegelt sich in den Keramikfarben, der Wind streicht durch Pinien, und manchmal hört man aus einer Werkstatt ein leises Lachen, wenn wieder eine Pintade gelungen ist.

    Vielleicht ist genau das der Geist von Lussan: eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lebensfreude, aus Handwerk und Poesie, aus Dorf und Welt.

    Und wenn in New York eine Designliebhaberin ihre Pintade streichelt, dann fliegt – zumindest symbolisch – ein Stück südfranzösische Seele über den Atlantik zurück nach Hause.


    Eine kleine Geschichte mit großem Herz

    Die Pintade de Lussan ist mehr als ein Dekorationsobjekt. Sie ist ein Symbol für das, was Frankreich ausmacht: Stolz auf das Handwerk, Liebe zum Detail, Freude am Schönen.

    In einer Welt, die immer schneller, digitaler und lauter wird, erinnert sie uns daran, dass wahre Schönheit leise spricht.

    Und vielleicht – ganz vielleicht – steckt in jedem von uns ein kleines Perlhuhn, das einfach in Ruhe träumen will.

    Ein Artikel von M. Legrand

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    🥐 Einleitung – Wenn Süße auf Würze trifft In der französischen Küche wird das Spiel mit Kontrasten zelebriert: süß und salzig, cremig und knusprig, warm und frisch.Diese Tartelette ist ein Paradebeispiel für diese Harmonie. Die saftige Birne trifft auf den kräftig-würzigen Roquefort, dazu die erdige…

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