Autor: Nachrichten

  • Europa wächst an seinen Krisen – aber um welchen Preis?

    Europa wächst an seinen Krisen – aber um welchen Preis?

    Hand aufs Herz: Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass die Europäische Union in einem atemberaubenden Tempo Milliardenpakete schnürt, Impfstoffe zentral einkauft und sogar Waffenlieferungen koordiniert? Eben. Noch vor wenigen Jahren war Brüssel für viele ein bürokratisches Monstrum, das sich in Gurkenkrümmungen verirrte. Heute? Heute ist die EU ein geopolitischer Akteur, ob sie will oder nicht.

    Klar, die Pandemie war ein Schock. Erst das große Chaos, dann die plötzliche Einsicht: Vielleicht ist ein bisschen Zusammenarbeit doch nicht so schlecht. Und siehe da – auf einmal konnten die Staaten gemeinsam Impfstoffe kaufen. Zwar gab es anfangs ordentlich Genörgel, weil Großbritannien schneller war, aber am Ende saß Europa auf den guten, wirksamen Vakzinen, während andere Länder sich mit zweifelhafteren Alternativen herumschlugen. Man könnte fast sagen: Brüssel hat’s gerockt.

    Doch während wir uns noch über den Erfolg der Impfstrategie freuten, stand der nächste Schock vor der Tür: Wladimir Putin marschierte in die Ukraine ein. Und plötzlich war die EU nicht nur Gesundheitsmanagerin, sondern auch strategische Kriegsplanerin. Sanktionen? Check. Waffenlieferungen? Läuft. Energiepolitik umgekrempelt? Ebenfalls abgehakt. Wo war dieses Europa eigentlich die letzten Jahrzehnte?

    Aber jetzt mal ehrlich: Wird das auf Dauer gutgehen? Die Bürger vertrauen Brüssel so sehr wie seit 2007 nicht mehr. Aber 51 % sind jetzt auch nicht die Welt. Die andere Hälfte schaut misstrauisch zu, wie Ursula von der Leyen Milliarden jongliert und sich fragt: Wer zahlt die Zeche? Und was, wenn sich der Wind dreht?

    Denn machen wir uns nichts vor: 2025 könnte für die EU zum Albtraum werden. Donald Trump scharrt schon mit den Hufen, bereit, Europa die kalte Schulter zu zeigen. Und in Brüssel diskutiert man munter über einen neuen Verteidigungsfonds. Wer soll das durchsetzen? Die Deutschen, die beim Thema Schuldenbremse Schnappatmung bekommen? Oder die Osteuropäer, die sich sicher sind, dass Westeuropa sowieso nicht versteht, was Russland bedeutet?

    Ach, und dann wäre da noch das kleine Problem mit den Rechtspopulisten. Italien, Ungarn, die Slowakei – die Riege der „Wir-machen-das-anders“-Regierungen wächst. Die EU soll stärker werden, sagen viele. Aber wie soll das gehen, wenn immer mehr Mitgliedstaaten lieber nach Washington oder Moskau schielen, anstatt sich brav an Brüsseler Spielregeln zu halten?

    Also, liebe EU: Ja, du hast bewiesen, dass du mehr kannst, als Richtlinien für Staubsaugerdüsen zu schreiben. Aber die wahre Probe kommt erst noch. Denn wenn die nächsten Krisen an die Tür klopfen – und sie werden kommen –, dann reicht es nicht mehr, mit Milliarden um sich zu werfen. Dann geht es ums Eingemachte: Wer steht wirklich für Europa? Und wer haut ab, wenn es ernst wird?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Macrons Position zur Souveränität der Ukraine und Europas Verteidigungsstrategie

    Macrons Position zur Souveränität der Ukraine und Europas Verteidigungsstrategie

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in einem Interview mit mehreren Regionalzeitungen die uneingeschränkte Souveränität der Ukraine betont. Er erklärte, dass die Entscheidung der Ukraine, alliierte Streitkräfte zur Sicherung eines möglichen Friedensabkommens auf ihrem Territorium zu stationieren, ausschließlich in der Hand Kiews liege und nicht von Russland genehmigt werden müsse. Macron unterstrich, dass zahlreiche europäische und nichteuropäische Staaten bereit seien, an einer solchen Initiative teilzunehmen, wobei jedes Land einige tausend Soldaten in Schlüsselregionen entsenden würde, um Trainingsprogramme durchzuführen und langfristige Unterstützung zu demonstrieren. Diese Aussagen erfolgten im Kontext der jüngsten Verhandlungen zwischen Kiew und Washington in Saudi-Arabien, bei denen die USA einen einmonatigen Waffenstillstand vorschlugen, der von der Ukraine unterstützt wird. Macron hob hervor, dass diese Entwicklung den Druck auf Russland erhöhe und betonte, dass bei mang…

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  • Macrons neue Vision für den „Service national universel“: Reform statt allgemeiner Wehrpflicht

    Macrons neue Vision für den „Service national universel“: Reform statt allgemeiner Wehrpflicht

    Emmanuel Macron hat eine grundlegende Neugestaltung des Service national universel (SNU) angekündigt. Das bestehende Programm, das unter seiner Präsidentschaft ins Leben gerufen wurde, soll überarbeitet werden, um es an die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Bedürfnisse anzupassen. Dabei erteilt der französische Präsident der Rückkehr eines verpflichtenden Wehrdienstes eine klare Absage. Der SNU, eingeführt im Jahr 2019, sollte ursprünglich den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren ein Engagement für die Nation näherbringen. In seiner bisherigen Form besteht er aus einem zweiwöchigen Aufenthaltsprogramm mit anschließender freiwilliger Dienstzeit. Doch sowohl die Kosten als auch die Wirksamkeit dieses Programms wurden wiederholt infrage gestellt. Kritiker bemängeln, dass der Nutzen für die Gesellschaft unklar bleibt und der finanzielle Aufwand unverhältnismäßig sei. Angesichts der geopolitischen Lage und…

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  • Eiskaltes Vergnügen: Schwimmen bei 6 Grad in der Haute-Savoie

    Eiskaltes Vergnügen: Schwimmen bei 6 Grad in der Haute-Savoie

    Klingt verrückt, oder? Während die meisten Menschen im Winter warm eingepackt spazieren gehen, stürzen sich einige Unerschrockene in eiskaltes Wasser – freiwillig und mit Begeisterung. In Morillon, Haute-Savoie, wagen sich Schwimmer derzeit in den Lac Bleu, dessen Temperatur gerade einmal 6 Grad beträgt. Doch was treibt sie dazu? Und ist das gesund oder eher riskant?

    Kälte, die euphorisiert

    Im eiskalten Wasser zu schwimmen, ist nicht nur eine Mutprobe, sondern mittlerweile ein richtiger Sport mit Wettkämpfen. Erst kürzlich fanden die französischen Meisterschaften im Eisschwimmen statt. Doch nicht jeder geht es so extrem an – für viele zählt das Erlebnis, nicht die Bestzeit.

    Zwei Freundinnen am Lac Bleu lassen sich jedenfalls nicht abschrecken. „Wir sind vielleicht ein bisschen verrückt, aber nicht komplett durchgeknallt“, lacht eine von ihnen, bevor sie ins eisige Wasser steigt. Die Strecken variieren zwischen 25 und 1.000 Metern – und das Durchhalten zahlt sich aus. „Es gibt so viel Energie, man fühlt sich richtig lebendig“, schwärmt eine Teilnehmerin nach ihrem Kälteschock.

    Warum immer mehr Menschen ins eiskalte Wasser steigen

    Eisschwimmen ist ein echter Kick für den Körper. Der plötzliche Kältereiz bringt das Blut in Wallung, setzt Endorphine frei und sorgt für eine intensive Durchblutung. Genau deshalb schwört auch Véronique Beignet auf das kalte Vergnügen. Die 62-Jährige steigt seit zwei Jahren zweimal pro Woche ins eiskalte Wasser – und sie fühlt sich großartig. „Es ist stark, es ist genial! Es hat meine Gelenkbeschwerden und sogar meine Schlafprobleme geheilt“, erzählt sie begeistert.

    Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in Frankreich die Faszination des Kälteschwimmens für sich entdecken. Doch ist es wirklich so gesund, wie es sich anfühlt?

    Ein Sport mit Risiken

    So viele positive Effekte das kalte Wasser auch haben mag – es gibt Risiken. Die größte Gefahr? Hypothermie. Der Körper kann im kalten Wasser rasant auskühlen, was im schlimmsten Fall lebensgefährlich wird. Auch das Herz-Kreislauf-System steht unter enormer Belastung. „Aus kardiovaskulärer Sicht kann es problematisch sein“, warnt Dr. Alexandre Fuzeau. Menschen mit Herzproblemen oder Bluthochdruck sollten sich daher gut überlegen, ob sie sich ins kalte Wasser wagen.

    Letztlich ist Eisschwimmen ein extremer Sport – aber für viele auch eine extreme Erfahrung der Lebensfreude. Also, Lust bekommen, es selbst auszuprobieren?

    Catherine H.

  • Hungerstreik der ausländischen Ärzte – Kampf um Anerkennung

    Hungerstreik der ausländischen Ärzte – Kampf um Anerkennung

    Frankreichs Gesundheitssystem stützt sich in vielen Bereichen auf ausländische Ärzte. Doch diese Mediziner, die außerhalb der EU ausgebildet wurden, stehen vor prekären Arbeitsbedingungen: niedrige Löhne, befristete Verträge und kaum Perspektiven auf eine Festanstellung. Nun wehren sie sich – 300 von ihnen haben einen Hungerstreik begonnen. Unverzichtbar, aber unterbezahlt Ohne ausländische Ärzte könnten viele französische Krankenhäuser nicht mehr funktionieren. Besonders in öffentlichen Kliniken sind sie eine tragende Säule. Doch ihr Status ist alles andere als gesichert. Sie arbeiten unter schlechteren Bedingungen als ihre französischen Kollegen und verdienen oft nur ein Drittel von deren Gehalt. Ein Beispiel ist Dr. Aminata Ould Amer, eine Anästhesistin und Intensivmedizinerin. Nach elf Jahren Studium in Algerien kam sie nach Frankreich – doch statt einer festen Stelle bekam sie nur befristete Verträge, die alle sechs Monate verlängert werden. Ihr Gehalt? 1.900 Euro brutto im Monat …

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  • Frankreichs Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch

    Frankreichs Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch

    Die geopolitischen Spannungen nehmen zu, die Sicherheitslage in Europa verändert sich – und Frankreich rüstet auf. Präsident Emmanuel Macron hat am 14. März die Spitzen der französischen Rüstungsindustrie versammelt, um die Weichen für eine schnellere und umfangreichere Waffenproduktion zu stellen. Was steckt dahinter? Frankreich setzt auf eigene Stärke Frankreich will unabhängiger werden und seine Verteidigungsfähigkeit massiv ausbauen. Präsident Macron betonte zuletzt, dass die Produktion von Waffen nicht nur gesteigert, sondern auch beschleunigt werden muss. Dabei spielt das Land ohnehin schon eine bedeutende Rolle auf dem internationalen Waffenmarkt: Mit einem Anteil von 9,6 % an den weltweiten Rüstungsexporten liegt Frankreich auf Platz zwei – weit hinter den USA, aber dennoch mit starkem Einfluss. Frankreichs militärische Vorzeigeprojekte können sich sehen lassen. Der Caesar-Haubitzenkanonen, die bereits an die Ukraine geliefert wurden, modernste U-Boote und die bewährten Rafale-…

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  • Unwetter-Katastrophe in den USA: Tornados, Brände und Blizzards fordern zahlreiche Opfer

    Unwetter-Katastrophe in den USA: Tornados, Brände und Blizzards fordern zahlreiche Opfer

    Ein gigantischer Sturm wütet über den USA – mit dramatischen Folgen. Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben, als zerstörerische Tornados über den Mittleren Westen und die Südstaaten hinwegfegten. Gleichzeitig lodern über 130 Waldbrände in Oklahoma, während Schneestürme im Norden toben.


    Missouri besonders schwer getroffen

    Die schwersten Verluste meldete der Bundesstaat Missouri. Dort rissen die nächtlichen Tornados mindestens elf Menschen in den Tod. Ganze Straßenzüge wurden dem Erdboden gleichgemacht. Ein besonders tragischer Fall: Ein Mann starb, als sein Haus von einem Tornado auseinandergerissen wurde.

    „Es war nicht mehr als ein Trümmerfeld“, berichtete Jim Akers, Gerichtsmediziner in Butler County. „Der Boden lag plötzlich oben. Wir liefen auf Wänden.“

    Seine Rettungskräfte konnten eine Frau aus den Überresten des Hauses befreien – ein kleines Wunder inmitten der Zerstörung.

    Auch Arkansas meldete Opfer: Mindestens drei Tote und 29 Verletzte zählten die Behörden am Samstagmorgen. Gouverneurin Sarah Huckabee Sanders stellte umgehend 250.000 Dollar aus dem Katastrophenfonds bereit.

    Und als wäre das noch nicht genug: In Texas sorgten Staubstürme für tödliche Verkehrsunfälle. Drei Menschen starben in der Region Amarillo.


    Ein Sturmmonster wütet über dem Kontinent

    Das aktuelle Sturmsystem ist eine Naturgewalt der Extreme. Orkanartige Böen mit bis zu 130 km/h ziehen von der kanadischen Grenze bis nach Texas. Der Norden versinkt im Schnee, während im Süden Dürren die Waldbrandgefahr massiv verschärfen.

    In Oklahoma wurden hunderte Häuser durch Brände zerstört. Mehr als 260.000 Haushalte sind in den betroffenen Staaten ohne Strom. Und Lastwagenfahrer kämpfen auf den Highways ums Überleben.

    „Das ist hier die Hölle“, berichtete Charles Daniel, der mit seinem 15-Meter-Sattelschlepper durch Oklahoma fuhr. „Überall Sand und Dreck in der Luft. Ich traue mich nicht, schneller als 90 km/h zu fahren – sonst kippt mein Truck um.“

    Die Wetterlage verschärft sich weiter. Experten warnen: Besonders der Samstag könnte noch heftigere Tornados und zerstörerische Windböen bringen.


    Tornado-Gefahr steigt weiter

    Der Sturmvorhersage-Zentrale zufolge sind gefährliche Tornados mit bis zu 160 km/h zu erwarten. Hagelkörner so groß wie Baseballs könnten vom Himmel prasseln. Besonders riskant ist die Lage in Louisiana, Mississippi, Alabama und Georgia.

    Stellen wir uns das mal bildlich vor: Ein Sturm, der Autos durch die Luft wirbelt, Dächer wie Pappdeckel abreißt und ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legt. Kaum vorstellbar – aber genau das passiert hier.

    Lange, zerstörerische Tornados sind vor allem am Nachmittag und Abend zu befürchten. Und mit ihnen kommt das nächste große Problem: Feuer.


    Brände toben in Oklahoma, Texas und Kansas

    Die Kombination aus Hitze, Trockenheit und Wind macht den Süden zur Brandhölle. Besonders in Oklahoma und Texas breiten sich die Flammen rasend schnell aus.

    Ein Feuer in Roberts County, Texas, wuchs in wenigen Stunden von zwei auf 85 Quadratkilometer. Die Feuerwehr kämpft mit allen Mitteln, konnte die Ausbreitung aber erst am Abend stoppen.

    Währenddessen stehen auch in Kansas und Missouri tausende Hektar in Flammen. Die Situation ist brenzlig, denn durch die hohen Windgeschwindigkeiten springen die Brände über Straßen und Siedlungen hinweg.

    „Wir haben alles verloren“, sagte ein Bewohner von Oklahoma, dessen Haus niedergebrannt wurde. „Es ging so schnell – wir konnten nur noch rennen.“


    Blizzard-Warnung im Norden

    Während der Süden gegen Feuer kämpft, versinkt der Norden im Schneechaos. Der Wetterdienst hat Blizzard-Warnungen für Minnesota und South Dakota herausgegeben.

    Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee werden erwartet, dazu heftige Windböen. Die Folge: Straßen sind unpassierbar, Sichtweiten sinken auf null. Wer jetzt noch unterwegs ist, riskiert sein Leben.

    Die Frage ist: Wann hört das endlich auf? Experten sagen, dass März typischerweise ein Monat der Wetterextreme ist – aber dieses Jahr scheint es besonders schlimm zu sein.


    Eine Katastrophe mit Ansage

    Klimaforscher warnen seit Jahren, dass Extremwetterereignisse zunehmen – und genau das erleben wir jetzt.

    Stärkere Tornados, häufigere Waldbrände, heftigere Stürme. Die Erde heizt sich auf, und die Atmosphäre speichert immer mehr Energie. Das Ergebnis sind genau diese Wetterextreme, die wir gerade sehen.

    Sind wir darauf vorbereitet? Jein. Die Rettungskräfte leisten Unglaubliches, aber vielen Menschen bleibt kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

    Was bleibt, ist die Frage: Wie oft müssen wir solche Katastrophen noch erleben, bis wir wirklich handeln?

    Von Andreas M. B.

  • Israel verschärft Vorschriften für Hilfsorganisationen in den Palästinensergebieten

    Israel verschärft Vorschriften für Hilfsorganisationen in den Palästinensergebieten

    Israel führt neue, strenge Visa- und Registrierungsregeln für internationale Hilfsorganisationen ein, die in den Palästinensergebieten tätig sind. Die Maßnahmen, die diese Woche bekannt gegeben wurden, ermöglichen es den israelischen Behörden, die Registrierung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die Palästinenser unterstützen, nach weitreichenden Kriterien abzulehnen. Dazu gehört, ob eine Organisation oder ihre Mitarbeiter jemals zum Boykott Israels aufgerufen, die Existenz Israels „als jüdischer und demokratischer Staat“ infrage gestellt oder rechtliche Schritte gegen israelische Staatsbürger vor internationalen Gerichten unterstützt haben.

    Besondere Besorgnis unter Hilfsorganisationen ruft eine Regelung hervor, die sie dazu verpflichtet, Namen, Kontaktdaten und Identifikationsnummern ihrer palästinensischen Mitarbeiter offenzulegen. Israel begründet dies mit der Notwendigkeit, Verbindungen zu militanten Gruppen zu überprüfen. Angesichts der hohen Zahl getöteter humanitärer Helfer im Gaza-Krieg – über 300, die meisten davon Palästinenser – sehen Hilfsorganisationen diese Forderung jedoch als problematisch an.

    Die Registrierung in Israel ist für internationale Hilfsorganisationen, die Zugang zu den Palästinensergebieten erhalten wollen, verpflichtend. Sie ermöglicht Visa, Genehmigungen, Finanztransaktionen und andere logistische Abläufe, die für groß angelegte Hilfsmaßnahmen unerlässlich sind. Dennoch steht die Verschärfung der Vorschriften im Kontext einer umfassenderen israelischen Strategie, die humanitäre Hilfe in Gaza einzuschränken und den Handlungsspielraum von NGOs zu verkleinern.

    Israel verteidigt die neuen Vorschriften mit der Begründung, dass sie sicherstellen, dass humanitäre Hilfe „im Einklang mit den nationalen Interessen Israels“ geleistet wird. Die für die Koordinierung zivilgesellschaftlicher Angelegenheiten in den besetzten Gebieten zuständige Behörde des israelischen Verteidigungsministeriums, COGAT, betonte zudem, dass die neuen Regelungen frühere, pandemiebedingt ins Stocken geratene Verfahren vereinfachen würden.

    Gleichzeitig wirft Israel Hilfsorganisationen ohne Vorlage von Beweisen vor, Hilfsgüter würden von Hamas, der herrschenden militanten Gruppe im Gazastreifen, umgeleitet. In einem Beitrag auf X warf COGAT Hilfsorganisationen zudem vor, „falsche Narrative“ zu verbreiten, die Israel für die mangelnde Hilfe in Gaza verantwortlich machten.

    Die Einführung der neuen Regeln fällt mit einer Entscheidung von Premierminister Benjamin Netanjahu zusammen, die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Hilfsgütern nach Gaza zu stoppen, um Druck auf Hamas auszuüben, israelische Geiseln freizulassen. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff auf israelische Ortschaften am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln genommen wurden. Die israelische Militäroffensive zerstörte große Teile Gazas, darunter auch kritische Infrastruktur. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza, das zwischen Zivilisten und Kombattanten nicht unterscheidet, wurden bisher über 48.000 Palästinenser getötet, darunter mehrheitlich Frauen und Kinder.

    Während der 15 Monate andauernden Kämpfe blieben humanitäre Organisationen in der Region aktiv, unterstützten Krankenhäuser, lieferten Hilfsgüter und warnten vor einer Hungersnot in Gaza. Israel wiederum wies wiederholt den Vorwurf zurück, Hilfslieferungen zu blockieren, und machte NGOs für Verzögerungen bei der Verteilung der Hilfsgüter verantwortlich.

    Amichai Chikli, Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten und Bekämpfung von Antisemitismus, erklärte, die neuen Vorschriften seien notwendig, um „ausländische Organisationen, die unter dem Deckmantel humanitärer Arbeit den Staat Israel untergraben, Boykotte fördern und seinen Ruf schädigen wollen“, zu regulieren. Sein Ministerium leitet den Zulassungsprozess und setzt eine neue Kommission ein, die aus Regierungsvertretern besteht, darunter Geheimdienst- und Sicherheitsbehörden, die nach Ansicht von Rechtsexperten wenig Erfahrung mit humanitären Verpflichtungen haben.

    Völkerrechtlich gilt Israel als Besatzungsmacht in der Westbank und im Gazastreifen, die 1967 von Jordanien bzw. Ägypten erobert wurden. Damit ist es verpflichtet, humanitäre Hilfe zu ermöglichen. Der Internationale Gerichtshof ordnete vergangenes Jahr an, dass Israel „unverzügliche und wirksame Maßnahmen“ ergreifen müsse, um Palästinenser in Gaza vor dem Risiko eines Völkermords zu schützen. Zudem stellte das Gericht fest, dass Israel sicherstellen müsse, dass die Bevölkerung ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgt wird.

    Dennoch erhielten etwa 170 internationale NGOs, darunter Oxfam, Ärzte ohne Grenzen und der Norwegische Flüchtlingsrat, nur sechs Monate Zeit, um sich unter den neuen Vorschriften neu zu registrieren. Andernfalls würde ihre Zulassung widerrufen – mit nur sieben Tagen für eine mögliche Berufung. Diese Ankündigung folgte auf die Ablehnung einer Klage gegen die neuen Regeln durch Israels Obersten Gerichtshof. Die Klage war von der Association of International Development Agencies (AIDA), einem Zusammenschluss von mehr als 80 in den Palästinensergebieten tätigen NGOs, eingereicht worden. AIDA argumentierte, die Regelungen seien nicht mit israelischem Recht vereinbar und verstießen gegen humanitäre Prinzipien.

    Zusätzlich müssen NGOs künftig detaillierte Informationen über ihre ausländischen Mitarbeiter und deren Familienangehörige, ihre Geldgeber sowie alle Kooperationspartner, einschließlich UN-Organisationen, offenlegen.

    Ein hochrangiger Vertreter einer Hilfsorganisation äußerte sich besorgt über diese Auflagen: „Es ist noch schlimmer, als wir befürchtet haben. Dies ist einer der besorgniserregendsten Momente, die wir als humanitäre Organisationen seit Langem erlebt haben.“

    Viele NGOs stehen nun vor der Entscheidung, ob sie unter diesen Bedingungen weiterarbeiten oder sich zurückziehen sollen. Sean Carroll, Präsident von American Near East Refugee Aid (Anera), das seit über 55 Jahren in der Region tätig ist, sieht darin eine potenzielle existenzielle Bedrohung für die humanitäre Arbeit.

    Hilfsorganisationen, die sich für die Rechte und den Schutz von Zivilisten gemäß internationalem Recht einsetzen, sehen sich besonders gefährdet. Eine der neuen Bestimmungen erlaubt es der israelischen Regierung, Organisationen abzulehnen, die „aktiv Delegitimierungskampagnen gegen Israel betreiben“. Allegra Pacheco, Menschenrechtsanwältin und Leiterin des West Bank Protection Consortiums, sagt: „Wenn man sich für die Anwendung internationalen Rechts einsetzt, könnte das bereits als anti-israelisch gewertet werden.“

    Mehrere NGOs haben die aktuellen israelischen Maßnahmen scharf kritisiert. Oxfam bezeichnete die erneute Blockade von Hilfslieferungen als „rücksichtslosen Akt der kollektiven Bestrafung“. Save the Children sprach von einem „Todesurteil für Gazas Kinder“. Ärzte ohne Grenzen warf Israel vor, „Hilfe als Verhandlungsmittel“ einzusetzen.

    Ein hochrangiger humanitärer Helfer warnte: „Es ist eine gefährliche Zeit für Gaza, aber auch ein gefährlicher Präzedenzfall weltweit.“ Viele NGOs wissen nicht, ob sie in wenigen Monaten noch vor Ort sein werden. „Sollen wir unter diesen Bedingungen bleiben, um den Bedürftigsten zu helfen? Oder müssen wir unsere Prinzipien bewahren und gehen? Wir wissen es nicht.“

    Autor: P. Tiko

  • Ein Präsident im Rausch der Rache

    Ein Präsident im Rausch der Rache

    Man muss es Donald Trump lassen: Er bleibt sich treu. Wer dachte, er würde sich in seiner zweiten Amtszeit zügeln, politische Traditionen achten oder gar aus vergangenen Fehlern lernen, der hat die Natur dieses Mannes nicht verstanden. Trumps Auftritt im Justizministerium war nichts anderes als eine Machtdemonstration – eine kalkulierte, inszenierte, zutiefst persönliche Abrechnung mit seinen Gegnern. Die Bühne? Der symbolische Kern der amerikanischen Rechtsstaatlichkeit. Die Botschaft? Das Gesetz bin ich.

    Schon der Anblick eines amtierenden Präsidenten, der sich ans Pult einer Strafverfolgungsbehörde stellt, um dort über seine eigenen Prozesse zu schimpfen, lässt einen ungläubig den Kopf schütteln. Aber Trump geht weiter. Er macht sich lustig über Richter, nennt Verfahren gegen ihn „Bullshit“ und jubelt seinen Gefolgsleuten zu, als wäre das Justizministerium eine Wahlkampfarena. Die Absurdität kennt keine Grenzen: Währenddessen sitzt sein eigener Justizminister im Publikum, als sei das alles völlig normal.

    Trump hat in den vergangenen Jahren oft gezeigt, dass er keine Grenzen kennt, wenn es darum geht, sich selbst als Opfer einer Verschwörung darzustellen. Aber nun, mit der vollen Macht des Präsidentenamts in den Händen, tut er, was seine Kritiker immer befürchtet haben: Er verwandelt das Justizministerium in eine Bühne für seine persönlichen Fehden. Wenn ihm ein Richter nicht passt, ist er „korrupt“. Wenn eine Anklage abgewiesen wird, ist das ein Beweis seiner Unschuld. Die Logik ist so schlicht wie perfide.

    Und die Republikaner? Schweigen. Feiern ihn. Schauen zu. Der Mann, der noch vor wenigen Jahren das FBI und die Bundesanwälte als „die Besten der Besten“ lobte, weil sie gegen Hillary Clinton ermittelten, sieht heute in denselben Institutionen eine kriminelle Vereinigung – nur weil sie es wagten, ihn selbst anzuklagen. Ironie, die keiner seiner Anhänger bemerken will.

    Es gibt gute Gründe, warum das Justizministerium historisch auf Distanz zum Präsidenten gehalten wurde. Richard Nixon hat die USA gelehrt, wie gefährlich es ist, wenn sich ein Präsident über die Justiz stellt. Trump dagegen zieht genau die gegenteilige Lehre: Es geht nicht darum, ob er schuldig oder unschuldig ist – sondern darum, dass niemand es wagen sollte, ihn überhaupt anzuklagen.

    Und so endet die groteske Inszenierung mit Applaus, mit Triumphgesten, mit „YMCA“ aus den Lautsprechern. Die Institution, die über Recht und Gesetz wacht, hat Trump für einen Tag zu seinem persönlichen Rachetempel umfunktioniert. Was das für die Zukunft bedeutet? Man wagt es sich kaum auszumalen.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Trump im Justizministerium: Ein Bruch mit allen Normen

    Trump im Justizministerium: Ein Bruch mit allen Normen

    Mit einer beispiellosen Rede im US-Justizministerium hat Donald Trump einmal mehr die Grenzen politischer Traditionen verschoben. Der amerikanische Präsident nutzte seinen Auftritt in der Behörde nicht, um neue politische Massnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung vorzustellen, sondern um eine Abrechnung mit der Justiz und den gegen ihn gerichteten Verfahren zu liefern. Die Veranstaltung glich einer Wahlkampfkundgebung und markierte eine weitere Zuspitzung der politischen Fronten in Washington.

    Ein Auftritt voller Anspielungen und Angriffe

    Es ist ein seltenes Ereignis, dass ein amtierender Präsident das Justizministerium besucht. Seit der Watergate-Affäre gelten in den USA klare Regeln zur Wahrung der Unabhängigkeit der Justizbehörden. Trump jedoch durchbrach diese Konventionen und hielt in der grossen Halle des Ministeriums eine Rede, die geprägt war von persönlichen Klagen und politischen Angriffen. Dabei lobte er die Richterin in Florida, die kürzlich die Anklage wegen unsachgemässer Handhabung geheimer Dokumente gegen ihn abgewiesen hatte, und verunglimpfte andere Richter als korrupt.

    Seine Ausführungen enthielten wenig neue inhaltliche Akzente. Zwar wiederholte Trump sein Versprechen, gegen die Fentanyl-Krise vorzugehen und eine härtere Migrationspolitik durchzusetzen, doch diese Ankündigungen traten hinter seine juristischen Animositäten zurück. Er stellte die gegen ihn geführten Strafverfahren als Teil einer grossangelegten politischen Verschwörung dar, die von „radikalen Kräften“ gesteuert werde, um ihn aus dem Amt zu drängen.

    Politische Einflussnahme auf das Justizministerium?

    Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus hat Trump bereits mehrfach bewiesen, dass er die politische Neutralität des Justizministeriums nicht als zwingend erachtet. Er ernannte zwei seiner Verteidiger, Todd Blanche und Emil Bove, in hohe Positionen der Behörde und besetzte das Amt der Justizministerin mit Pam Bondi, die ihn während seines ersten Amtsenthebungsverfahrens verteidigt hatte. Zudem wurden zahlreiche erfahrene Beamte entlassen oder in andere Positionen versetzt, insbesondere jene, die an früheren Ermittlungen gegen Trump beteiligt waren.

    Diese Entwicklungen haben für Unruhe gesorgt. Kritiker sehen darin eine gezielte Untergrabung der Unabhängigkeit der Strafverfolgungsbehörden. Demokratische Abgeordnete wie Jamie Raskin warfen Trump vor, das Justizministerium in eine „Waffe der politischen Vergeltung“ zu verwandeln. Raskin bezeichnete den Auftritt des Präsidenten als „einen düsteren Meilenstein auf dem Weg in den Autoritarismus“.

    Ein Publikum aus Verbündeten

    Die Veranstaltung im Justizministerium glich weniger einer sachlichen Rede als vielmehr einer Inszenierung für Trumps Anhängerschaft. Unter den Zuhörern befanden sich zahlreiche enge Verbündete des Präsidenten, darunter sein ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn, der selbst ins Visier der Justiz geraten war und später von Trump begnadigt wurde.

    Die Atmosphäre erinnerte an eine Wahlkampfveranstaltung: Trump lobte Flynn als „Mann, der durch die Hölle gegangen ist“, sprach über steigende Eierpreise, pries seine eigenen Umfragewerte und zog Parallelen zwischen seinen juristischen Gegnern und Basketballschiedsrichtern, die sich manipulieren liessen. Die Rede endete in typischer Trump-Manier: Mit lautem Applaus und dem Song „YMCA“ der Village People verliess der Präsident die Bühne.

    Ein Test für die amerikanische Justiz

    Die Ereignisse rund um Trumps Auftritt im Justizministerium werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie widerstandsfähig ist das amerikanische Rechtssystem gegenüber politischer Einflussnahme? Zwar hat das Justizministerium historisch auch unter Druck von Präsidenten gestanden, doch eine derart offene Vereinnahmung durch die Exekutive ist in der jüngeren Geschichte beispiellos.

    Ob Trumps Umbau des Justizministeriums langfristige Folgen haben wird, ist unklar. Doch die Debatte über die Unabhängigkeit der Justiz hat sich verschärft, und die politische Polarisierung in den USA dürfte durch diesen Auftritt weiter angefacht werden.

    Autor: P. Tiko