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  • Sabotage in der Haute-Savoie: Ein Strommast bringt Fabriken zum Stillstand

    Sabotage in der Haute-Savoie: Ein Strommast bringt Fabriken zum Stillstand

    Ein beschädigter Hochspannungsmast, plötzlich stillstehende Maschinen und Betriebe, die ihre Produktion unterbrechen müssen: In der Haute-Savoie hat die mutmaßliche Sabotage an der Strominfrastruktur gezeigt, wie empfindlich eine hochindustrialisierte Region auf den Ausfall einer einzigen zentralen Verbindung reagiert.

    Der Vorfall traf insbesondere das Arve-Tal, einen der bedeutendsten Industriestandorte im französischen Alpenraum. Zahlreiche Unternehmen dort sind auf Präzisionsmechanik und die Herstellung hoch spezialisierter Bauteile ausgerichtet. Sie beliefern unter anderem die Automobilindustrie, die Luftfahrtbranche und andere Industriezweige, bei denen selbst kleinste Komponenten exakt gefertigt und termingerecht geliefert werden müssen.

    Ohne Strom läuft hier allerdings wenig.

    Durch die Beschädigung des Hochspannungsmastes wurde die Versorgung zahlreicher Betriebe unterbrochen. In mehreren Werken standen Maschinen und Fertigungsstraßen zeitweise still. Gerade energieintensive Produktionsprozesse benötigen eine stabile Versorgung; ein abrupter Ausfall lässt sich nicht einfach mit ein paar Verlängerungskabeln überbrücken. Für die Unternehmen bedeutet jede Stunde Stillstand zusätzliche Kosten – und möglicherweise Probleme bei ohnehin eng getakteten Lieferterminen.

    Nach ersten Erkenntnissen der Behörden handelt es sich nicht um einen technischen Defekt oder einen gewöhnlichen Zwischenfall. Vielmehr steht der Verdacht eines vorsätzlichen Sabotageaktes im Raum. Spezialisten untersuchten den beschädigten Mast und suchten nach Hinweisen auf den genauen Ablauf. Gleichzeitig bemühten sich die zuständigen Techniker des Stromnetzes darum, betroffene Gebiete über alternative Leitungen wieder zu versorgen.

    Auch die Justiz beschäftigt sich mit dem Fall. Ermittlungen wegen der vorsätzlichen Beschädigung kritischer Infrastruktur sollen klären, wer hinter der Tat steckt und welches Motiv eine Rolle spielte.

    Für die Haute-Savoie reicht die Bedeutung des Vorfalls weit über einen regionalen Stromausfall hinaus. Das Arve-Tal besitzt in Frankreich eine besondere Stellung als Zentrum der Drehteilefertigung und Präzisionsmechanik. Viele dort ansässige Firmen sitzen an entscheidenden Stellen internationaler Lieferketten.

    Fällt eine zentrale Stromverbindung aus, entsteht deshalb schnell ein Dominoeffekt: Maschinen stehen, Aufträge verzögern sich, Liefertermine geraten unter Druck und Kunden weit außerhalb der Region spüren möglicherweise die Folgen.

    Der beschädigte Mast macht damit eine unbequeme Realität sichtbar. Moderne Industrie lebt von komplexen Produktionsanlagen und weltweiten Lieferketten – doch am Anfang steht etwas erstaunlich Grundsätzliches: eine zuverlässige Stromversorgung.

    Andreas M. Brucker

  • 100-Tonnen-Fels stoppt 20 Zentimeter vor Wohnhaus in den Pyrenäen

    100-Tonnen-Fels stoppt 20 Zentimeter vor Wohnhaus in den Pyrenäen

    Es fehlten gerade einmal 20 Zentimeter – eine Handspanne, die im französischen Pyrenäendorf Louvie-Soubiron über Glück und Katastrophe entschied. Ein gewaltiger Felsblock mit einem geschätzten Gewicht von nahezu 100 Tonnen löste sich vom Berghang, raste talwärts und kam unmittelbar vor einem Wohnhaus zum Stillstand. Die dort lebende Familie entging nur knapp einer Katastrophe.

    Der Vorfall ereignete sich in Louvie-Soubiron im Ossau-Tal des südwestfranzösischen Départements Pyrénées-Atlantiques. Dort gehören steile Hänge und mächtige Felsformationen zur eindrucksvollen Landschaft – doch genau diese Nähe zum Gebirge birgt Risiken.

    Als sich der riesige Gesteinsblock aus dem Berg löste und den Hang hinabstürzte, blieb den Bewohnern kaum Zeit, das Geschehen einzuordnen. Das Krachen und Dröhnen muss enorm gewesen sein. Erst danach zeigte sich, wie unfassbar knapp die Familie davongekommen war: Zwischen Fels und Haus lagen lediglich rund 20 Zentimeter.

    „Ich habe gezittert“, berichtete einer der Bewohner nach dem Ereignis. Viel mehr braucht es wohl nicht, um diesen Moment zu beschreiben. Wäre der Koloss nur geringfügig anders gesprungen oder gerollt, hätte er das Gebäude mit voller Wucht treffen können.

    Ein ziemlicher Schreck – gelinde gesagt.

    Felsstürze und Erdrutsche sind in den Pyrenäen kein unbekanntes Naturphänomen. Starke Regenfälle, Erosion sowie der regelmäßige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter setzen dem Gestein zu. Wasser dringt in Spalten ein, gefriert, dehnt sich aus und lockert über längere Zeit ganze Felspartien. Irgendwann reicht mitunter eine vergleichsweise geringe zusätzliche Belastung, damit sich ein Block löst.

    Nach dem Zwischenfall rückten deshalb die Sicherheit des Hanges und mögliche weitere Gefahren in den Mittelpunkt. Fachleute und zuständige Behörden müssen prüfen, wie stabil der betroffene Bereich noch ist und ob weitere Gesteinsmassen abstürzen könnten. Solche Untersuchungen entscheiden darüber, welche Sicherungsmaßnahmen nötig sind und ob gefährdete Bereiche vorübergehend gemieden oder gesperrt bleiben müssen.

    Für Berggemeinden gehört diese Vorsorge zum Alltag. Absolute Sicherheit bietet die Natur dennoch nicht. Gerade Felsstürze besitzen eine unangenehme Eigenschaft: Sie kündigen sich für Menschen vor Ort nicht immer deutlich an.

    In Louvie-Soubiron blieb am Ende vor allem eine gewaltige Portion Glück. Ein rund 100 Tonnen schwerer Fels, ein Wohnhaus – und dazwischen nur 20 Zentimeter Luft.

    Manchmal misst das Glück tatsächlich nur eine Handbreit.

    Daniel Ivers

  • Frankreich vor einem Papstbesuch von historischer Dimension

    Frankreich vor einem Papstbesuch von historischer Dimension

    Frankreich bereitet sich auf einen der grössten religiösen Anlässe der vergangenen Jahrzehnte vor. Vom 25. bis 28. September reist Papst Leo XIV. nach Paris, Lourdes und Metz. Es ist der erste Besuch eines Papstes in der französischen Hauptstadt seit Benedikt XVI. im Jahr 2008. Mehr als eine Million Menschen könnten an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Doch die Reise ist weit mehr als ein katholisches Grossereignis: Sie berührt das schwierige Verhältnis Frankreichs zur Religion, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche und nicht zuletzt die Frage nach Europas politischer und kultureller Identität.

    Vier Tage zwischen Republik und Kirche

    Der Auftakt könnte symbolischer kaum sein. Am 25. September landet Leo XIV. in Paris und wird zunächst von Staatspräsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast empfangen. Anschliessend trifft er Vertreter der staatlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps.

    Dass ein Papst im laizistischen Frankreich mit derartiger Aufmerksamkeit empfangen wird, ist keineswegs selbstverständlich. Seit dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat von 1905 gehört die laïcité zu den tragenden Prinzipien der französischen Republik. Der Staat erkennt keine Religion als privilegiert an und finanziert grundsätzlich keinen Kultus.

    Doch Frankreichs Verhältnis zum Katholizismus ist komplizierter, als es dieses Prinzip vermuten lässt. Die Republik ist säkular, ihre Geschichte und ihr kulturelles Erbe sind es nicht. Kathedralen, Klöster, Feiertage und Pilgerorte gehören ebenso zur französischen Identität wie die republikanische Tradition der Trennung von Religion und Politik.

    Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Besuch von Leo XIV.

    Nach seinem Treffen mit Macron spricht der Papst am Sitz der UNESCO. Damit erhält die Reise bereits am ersten Tag eine internationale Dimension. Themen wie Bildung, Kultur, Frieden und der Schutz des kulturellen Erbes gehören traditionell zu jenen Feldern, auf denen der Heilige Stuhl seine diplomatische Rolle besonders sichtbar macht.

    Danach folgt eine Fahrt im Papamobil durch Paris. Am späten Nachmittag feiert Leo XIV. mit Bischöfen, Priestern, Diakonen und Ordensleuten die Vesper in Notre-Dame.

    Auch dieser Ort trägt eine aussergewöhnliche Symbolik. Die Kathedrale wurde nach dem verheerenden Brand von 2019 im Dezember 2024 wiedereröffnet. Der Papstbesuch macht Notre-Dame erneut zu einer Bühne, auf der sich französische Geschichte, christliches Erbe und moderne nationale Identität überschneiden.

    Am Abend werden rund 80 000 Jugendliche zu einer Gebetsvigil im Stade de France in Saint-Denis erwartet.

    Eine Messe für eine halbe Million Menschen

    Der organisatorische Höhepunkt folgt am Samstag. Nach einem Besuch im Sozial- und Integrationszentrum Maison Bakhita und einer Begegnung am Institut Catholique de Paris feiert Leo XIV. um 15 Uhr eine Messe auf der Place de la Concorde.

    Rund 500 000 Menschen werden im Bereich zwischen Concorde und Champs-Élysées erwartet. Die Zahl könnte noch steigen. Anfang September waren für die Veranstaltungen der Papstreise insgesamt bereits mehr als 700 000 Teilnehmer registriert; zeitweise gingen täglich Tausende weitere Anmeldungen ein.

    Damit erreicht der Besuch Dimensionen, wie sie Frankreich sonst eher von politischen Grossereignissen, internationalen Sportveranstaltungen oder nationalen Gedenkfeiern kennt.

    Die logistischen Anforderungen sind entsprechend hoch. Allein die kirchlichen Organisatoren rechnen mit rund 12 000 freiwilligen Helfern. Der französische Staat plant auf dem Höhepunkt des Besuchs ein Sicherheitsdispositiv von etwa 15 000 Polizisten, Gendarmen, Angehörigen mobiler Einheiten und Soldaten der Operation Sentinelle. Rund 14 000 Sicherheitskräfte sollen zeitweise allein in Paris eingesetzt werden.

    Die Regierung hat den Papstbesuch offiziell als «Grossereignis» im Sinne des französischen Sicherheitsrechts eingestuft. Hintergrund sind vor allem die enormen Menschenansammlungen und das damit verbundene Terrorismusrisiko. Eine konkrete terroristische Bedrohung war Anfang September nach Angaben der Behörden allerdings nicht bekannt.

    Auch finanziell ist das Ereignis aussergewöhnlich. Die französische Bischofskonferenz beziffert die Kosten inzwischen auf rund 27 Millionen Euro. Finanziert werden Organisation, Infrastruktur und kirchliche Veranstaltungen vor allem von der Kirche und durch private Spenden; die staatlichen Sicherheitsmassnahmen trägt hingegen die öffentliche Hand. Anfang September waren erst rund 5,5 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen.

    Lourdes und die offene Wunde des Missbrauchs

    Am Samstagabend reist Leo XIV. weiter nach Lourdes. Der Wallfahrtsort am Fuss der Pyrenäen gehört zu den bedeutendsten katholischen Pilgerstätten der Welt. Für den Sonntag rechnen die Organisatoren dort mit etwa 150 000 Besuchern.

    Das Programm folgt zunächst der klassischen Symbolik von Lourdes: Gebet an der Grotte von Massabielle, eine grosse Messe auf der Prairie des Heiligtums und am Sonntagabend Rosenkranz und Lichterprozession.

    Doch der vielleicht politisch und kirchlich sensibelste Termin steht nicht im öffentlichen Mittelpunkt des offiziellen Programms. Leo XIV. soll in Lourdes sieben Menschen treffen, die innerhalb der katholischen Kirche Opfer sexueller Gewalt geworden sind.

    Die Begegnung ist für die französische Kirche von besonderer Bedeutung. Seit der Veröffentlichung des Berichts der unabhängigen Untersuchungskommission CIASE im Jahr 2021 steht das Ausmass sexuellen Missbrauchs im französischen Katholizismus im Zentrum einer schmerzhaften Aufarbeitung. Die Kommission kam damals zu dem Ergebnis, dass seit 1950 Hunderttausende Minderjährige Opfer sexueller Gewalt durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere mit der Kirche verbundene Personen geworden waren.

    Dass Leo XIV. Betroffene persönlich trifft, ist deshalb nicht bloss eine pastorale Geste. Es berührt unmittelbar die Glaubwürdigkeit einer Institution, die um Vertrauen ringt.

    Ein säkulares Land mit katholischem Gedächtnis

    Die Reise fällt zugleich in eine bemerkenswerte Phase des französischen Katholizismus.

    Langfristig ist der Bedeutungsverlust eindeutig. Nach einer Ifop-Erhebung von 2025 erklärten nur noch 41 Prozent der Franzosen, an Gott zu glauben; 1947 waren es noch 66 Prozent gewesen. Nur 26 Prozent gaben an, zumindest einige Male im Jahr eine Messe zu besuchen. 1961 waren es noch 68 Prozent.

    Gleichzeitig zeigen sich gegenläufige Entwicklungen. Die französische Kirche registriert seit einigen Jahren einen starken Anstieg bei Erwachsenentaufen und Katechumenen. Gerade unter jüngeren Erwachsenen scheint Religion für eine kleine, aber sichtbare Minderheit wieder stärker identitätsstiftend zu werden.

    Von einer «Rückkehr Frankreichs zum Katholizismus» zu sprechen wäre deshalb übertrieben. Eher verändert sich die Struktur des französischen Katholizismus: Aus einer einst gesellschaftlich dominierenden Volkskirche wird zunehmend eine kleinere, bewusst praktizierende Gemeinschaft.

    Der Papstbesuch macht diese Minderheit für einige Tage aussergewöhnlich sichtbar.

    Metz und die europäische Botschaft

    Die letzte Station der Reise führt Leo XIV. am 28. September nach Metz. Die Wahl der lothringischen Stadt ist politisch aufgeladen.

    Im Robert-Schuman-Kongresszentrum nimmt der Papst zunächst an einer interreligiösen Begegnung teil. Anschliessend steht eine Veranstaltung unter dem programmatischen Titel «Zu den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit» auf dem Programm.

    Der Bezug auf Robert Schuman ist bewusst gewählt. Der französische Aussenminister und christdemokratische Politiker gehörte gemeinsam mit Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Jean Monnet zu den prägenden Figuren der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 gilt als einer der politischen Ausgangspunkte der heutigen Europäischen Union.

    Metz liegt zudem in einer Grenzregion, deren Geschichte von den französisch-deutschen Konflikten des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Kaum ein Ort eignet sich deshalb besser, um über Versöhnung, Frieden und europäische Zusammenarbeit zu sprechen.

    Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine, der angespannten Beziehungen zu Russland und der wachsenden strategischen Unsicherheit Europas erhält diese Botschaft eine Aktualität, die weit über kirchliche Fragen hinausgeht.

    Am Nachmittag feiert Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne seine letzte Messe auf französischem Boden, bevor er nach Rom zurückkehrt.

    Die Reise zeigt damit eine bemerkenswerte Dramaturgie. Paris steht für das Verhältnis zwischen Kirche, Republik und internationaler Diplomatie. Lourdes verkörpert Glauben und Wallfahrt, aber ebenso die Auseinandersetzung mit den Verfehlungen der Kirche. Metz verbindet schliesslich christliches Erbe mit der politischen Idee Europas.

    Gerade darin liegt die Bedeutung des Besuchs. Leo XIV. kommt nicht in ein Land, in dem die katholische Kirche noch die gesellschaftliche Stellung früherer Jahrzehnte besitzt. Er kommt in eine weitgehend säkularisierte Republik, in der religiöse Bindungen schwächer geworden sind, das katholische Erbe aber weiterhin tief in Landschaft, Architektur, Geschichte und kollektiver Erinnerung verankert ist.

    Wenn Hunderttausende Menschen Ende September auf den Champs-Élysées, in Lourdes und in Metz zusammenkommen, wird deshalb nicht nur sichtbar werden, wie viele Katholiken Frankreich noch mobilisieren kann. Der Besuch dürfte zugleich zeigen, welche Rolle Religion in einer europäischen Gesellschaft spielen kann, die politisch säkular geworden ist, ihre religiöse Vergangenheit aber keineswegs vollständig hinter sich gelassen hat.

    P.T.

  • Europas Griff zu den Sternen – nur die Raketen fehlen

    Europas Griff zu den Sternen – nur die Raketen fehlen

    Emmanuel Macron lädt die Welt ins Grand Palais, um über die Zukunft Europas im Weltraum zu sprechen. Rund 2.000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern sollen kommen. Staatschefs, Astronauten, Forscher, Unternehmer. Ein Gipfel der großen Ambitionen. Nur haben ausgerechnet einige derjenigen abgesagt, die heute tatsächlich Raketen in großer Zahl ins All schießen. SpaceX kommt nicht. Blue Origin kommt nicht. Auch Stoke Space und Starcloud bleiben fern. Aus Washington soll zuvor ziemlich nachdrücklich signalisiert worden sein, dass amerikanische Unternehmen bei einem Treffen, das nach europäischer „strategischer Autonomie“ riecht, besser nicht allzu begeistert mitmachen sollten. Das ist bemerkenswert. Früher stritten Großmächte darüber, wer zuerst auf dem Mond landet. Heute genügt offenbar schon die Vorstellung, Europa könnte irgendwann selbstständig Satelliten starten, um diplomatische Nervosität auszulösen. Europas Autonomie beginnt mit einer Absage Noch hübscher wird die Geschichte dadurch, das…

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  • Der Präsident im Hochformat: Wie TikTok Frankreichs Wahlkampf verändert

    Der Präsident im Hochformat: Wie TikTok Frankreichs Wahlkampf verändert

    Frankreichs nächster Präsident oder seine nächste Präsidentin wird nicht auf TikTok gewählt. Aber es könnte immer schwieriger werden, den Élysée-Palast zu erobern, ohne zuvor die Mechanismen von TikTok verstanden zu haben. Was vor wenigen Jahren noch als Unterhaltungsplattform für Teenager galt, ist vor der Präsidentschaftswahl 2027 zu einem politischen Schauplatz geworden. Hier werden Kandidaten bekannt, Botschaften getestet, Gegner karikiert und Themen in die öffentliche Debatte gedrückt.

    Das Neue daran ist nicht, dass Politiker soziale Netzwerke benutzen. Das taten sie bereits auf Facebook, Twitter und Instagram. Neu ist vielmehr die Macht eines Systems, in dem der Nutzer nicht mehr hauptsächlich entscheidet, wem er folgt. Der Algorithmus entscheidet, was der Nutzer sieht.

    Damit verändert sich mehr als politische Kommunikation. Es verändert sich die Logik des Wahlkampfs.

    Der Algorithmus wird zum unsichtbaren Redaktor

    Das Fernsehen verlangte von Politikern, telegen zu sein. Twitter belohnte die zugespitzte Formulierung. TikTok verlangt etwas anderes: sofortige Aufmerksamkeit.

    Eine politische Botschaft muss innerhalb weniger Sekunden funktionieren. Sie braucht keinen langen Vorlauf, keine Parteigeschichte und häufig nicht einmal einen politischen Zusammenhang. Entscheidend ist, ob ein Video den Nutzer davon abhält, mit dem Daumen weiterzuwischen.

    Das verschafft TikTok eine besondere politische Bedeutung. Ein Kandidat benötigt dort nicht zwingend eine über Jahrzehnte aufgebaute Parteiorganisation oder bereits Millionen Anhänger. Das Empfehlungssystem kann auch Inhalte bislang wenig bekannter Akteure einem sehr grossen Publikum präsentieren.

    Für Wahlkampfstäbe bedeutet dies eine grundlegende Umstellung. Eine Rede ist nicht mehr nur eine Rede. Sie ist Rohmaterial für zehn oder zwanzig kurze Videos. Ein Fabrikbesuch ist zugleich eine Kulisse. Ein Streitgespräch liefert Clips. Ein Zwischenruf kann wertvoller werden als die vorbereitete Antwort.

    Der Wahlkampf wird damit zunehmend «mobile first» gedacht: zuerst das Smartphone, danach der Rest.

    Frankreichs Politiker werden zu Produzenten

    Frankreich bietet für diese Entwicklung besonders günstige Voraussetzungen. Seine politische Kultur war schon immer stark personalisiert. Die Verfassung der Fünften Republik stellt den Präsidenten ins Zentrum des politischen Systems; die Direktwahl seit 1962 verstärkte diesen Charakter zusätzlich.

    TikTok treibt diese Personalisierung nun weiter.

    Jordan Bardella gehört zu jenen französischen Politikern, die früh verstanden haben, wie wirkungsvoll kurze, visuell präzise inszenierte Inhalte sein können. Jean-Luc Mélenchon wiederum nutzt digitale Plattformen seit Jahren, um klassische Medien teilweise zu umgehen und seine Anhängerschaft unmittelbar anzusprechen. Auch Emmanuel Macron hat während seiner Präsidentschaft TikTok als Kommunikationskanal genutzt.

    Doch die Plattform verlangt mehr als die digitale Verbreitung traditioneller Politik. Wer lediglich eine dreiminütige Fernsehansprache hochlädt, hat ihre Mechanik nicht verstanden.

    Erfolgreich sind Szenen aus dem Alltag, pointierte Antworten, humoristische Sequenzen, Blicke hinter die Kulissen und scheinbar spontane Begegnungen. Politiker erscheinen nicht mehr nur als Amtsträger oder Parteiführer. Sie werden zu Figuren eines fortlaufenden digitalen Erzählformats.

    Darin liegt eine eigentümliche Ironie: Je professioneller diese vermeintliche Spontaneität produziert wird, desto authentischer soll sie wirken.

    Die Generation des Wischens

    Die Parteien haben einen guten Grund, sich darauf einzulassen. Für einen wachsenden Teil jüngerer Bürger sind soziale Plattformen nicht bloss Orte der Unterhaltung, sondern Zugänge zur Nachrichtenwelt.

    Das verändert die politische Sozialisation.

    Frühere Generationen begegneten Politik häufig in der Abendzeitung, den Radionachrichten oder im «20 heures». Dort entschieden Redaktionen über die Reihenfolge der Themen. Beiträge besassen Anfang und Ende, und unterschiedliche Positionen konnten zumindest theoretisch nebeneinander dargestellt werden.

    Auf TikTok existiert diese gemeinsame Dramaturgie kaum noch. Zwei französische Wähler können am selben Abend eine halbe Stunde politische Inhalte konsumieren und dabei nahezu vollständig verschiedene Wirklichkeiten sehen.

    Die politische Öffentlichkeit zerfällt damit nicht einfach in links und rechts. Sie zerfällt in Tausende algorithmisch zusammengestellte Öffentlichkeiten.

    Das ist für Wahlkämpfer verführerisch. Ein 22-jähriger Erstwähler kann erreicht werden, ohne dass er jemals bewusst nach einem bestimmten Kandidaten gesucht hat. Die Politik kommt zu ihm.

    Emotion schlägt Haushaltsrecht

    Hier beginnt das demokratische Problem.

    Ein Algorithmus besitzt keine politische Überzeugung. Er möchte Aufmerksamkeit binden. Doch Aufmerksamkeit ist politisch keineswegs neutral.

    Empörung, Überraschung, Angst, Humor und Konflikt lassen sich schneller vermitteln als die Finanzierung des Rentensystems oder die institutionellen Feinheiten der Europäischen Union. Eine wütende Reaktion benötigt fünfzehn Sekunden. Eine seriöse Erklärung des französischen Haushaltsdefizits erheblich länger.

    Die ökonomische Logik der Plattform erzeugt deshalb einen strukturellen Vorteil für Emotionalisierung und Vereinfachung.

    Das betrifft keineswegs nur populistische Parteien. Politiker fast aller politischen Lager passen ihre Kommunikation an dieselben Anreizsysteme an. Wer differenziert argumentiert, riskiert, übersehen zu werden. Wer verkürzt, wird womöglich millionenfach abgespielt.

    Das bedeutet nicht, dass TikTok zwangsläufig Extremismus produziert. Es bedeutet jedoch, dass die Plattform Eigenschaften belohnt, von denen politische Polarisierung profitieren kann.

    Virale Reichweite ist noch keine Mehrheit

    Dabei wäre es ein Fehler, digitale Popularität mit Wahlerfolg gleichzusetzen.

    Ein Video mit zwei Millionen Aufrufen ergibt keine zwei Millionen Stimmen. TikTok-Nutzer sind keine repräsentative Stichprobe der französischen Bevölkerung. Reichweite kann durch Wiederholungen, internationale Zuschauer oder Nutzer ohne Wahlrecht entstehen. Auch Anhänger politischer Gegner tragen durch Kommentare und empörtes Teilen zur Verbreitung eines Beitrags bei.

    Die entscheidende Wirkung TikToks liegt deshalb möglicherweise weniger in der direkten Überzeugung von Wählern als in seiner Fähigkeit, die politische Tagesordnung zu beeinflussen.

    Ein Clip wird viral. Journalisten greifen ihn auf. Nachrichtensender diskutieren ihn. Politiker reagieren darauf. Andere Plattformen verbreiten die Reaktionen. Innerhalb weniger Stunden kann aus einer Smartphone-Aufnahme ein nationales Thema werden.

    Damit verschiebt sich die klassische Hierarchie politischer Kommunikation. Früher gelangte eine Aussage aus einer Parteizentrale über Journalisten zum Publikum. Heute kann sie vom Smartphone eines Mitarbeiters über TikTok in die Fernsehnachrichten gelangen.

    Das soziale Netzwerk wird damit nicht zum Ersatz der traditionellen Medien. Es wird zu deren Themenlieferant.

    Die rumänische Warnung

    Wie problematisch diese Macht werden kann, zeigte die rumänische Präsidentschaftswahl von 2024. Nach Hinweisen auf koordinierte Einflussaktivitäten und mögliche ausländische Interventionen geriet insbesondere TikTok in den Fokus der europäischen Behörden.

    Die Europäische Kommission eröffnete im Dezember 2024 ein formelles Verfahren und untersuchte unter anderem, ob TikTok seine Verpflichtungen nach dem Digital Services Act bei der Bewertung und Eindämmung von Risiken für die Integrität von Wahlen ausreichend erfüllt hatte. Im Mittelpunkt standen auch Empfehlungssysteme, koordinierte unauthentische Aktivitäten und politisch relevante Inhalte.

    Der Fall veränderte die europäische Diskussion. Seitdem geht es nicht mehr allein um Desinformation im klassischen Sinne. Die schwierigere Frage lautet, ob die Architektur einer Plattform selbst manipuliert werden kann.

    Frankreich nimmt diese Gefahr ernst. Die staatliche Stelle Viginum, die ausländische digitale Einflussoperationen untersucht, berichtete nach den Kommunalwahlen vom März 2026 von vier ausländischen digitalen Einmischungsoperationen. Bei einer von Viginum analysierten Kampagne wurden koordinierte Aktivitäten unter anderem auf TikTok, Instagram, Facebook und X festgestellt.

    Die Präsidentschaftswahl 2027 wird deshalb nicht nur eine politische, sondern auch eine sicherheitspolitische Herausforderung sein.

    Regulierung löst das Grundproblem nicht

    Europa verfügt mit dem Digital Services Act inzwischen über ein Instrument, das sehr grosse Plattformen verpflichtet, systemische Risiken zu untersuchen und Gegenmassnahmen zu treffen. Das ist notwendig. Es beantwortet aber nicht die zentrale demokratische Frage.

    Denn das eigentliche Problem beginnt lange vor der illegalen Manipulation.

    Was geschieht mit einer Demokratie, wenn politische Kommunikation immer stärker nach Kriterien optimiert wird, die private Empfehlungssysteme festlegen?

    Die Algorithmen entscheiden nicht, wer Präsident Frankreichs wird. Aber sie entscheiden zunehmend darüber, welcher Kandidat sichtbar wird, welche Aussage verbreitet wird und welcher Konflikt genügend Aufmerksamkeit erhält, um überhaupt als politisches Ereignis wahrgenommen zu werden.

    Diese Macht ist subtiler als Zensur. Niemand muss eine politische Position verbieten. Es genügt, andere Inhalte häufiger zu empfehlen.

    Die neue Inszenierung des Politischen

    Man sollte TikTok dennoch nicht nur als Bedrohung betrachten. Die Plattform senkt auch Zugangshürden. Politiker können Bürger erreichen, die kaum noch eine Zeitung lesen oder politische Fernsehsendungen verfolgen. Komplexe Themen können anschaulich erklärt werden. Junge Menschen können unmittelbar Fragen stellen, widersprechen und politische Inhalte selbst verbreiten.

    Auch darin liegt demokratisches Potenzial.

    Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Politik auf TikTok stattfinden sollte. Sie findet dort längst statt. Entscheidend ist, welche Politik daraus entsteht.

    Die Präsidentschaftswahl 2027 dürfte zeigen, wie weit die Transformation bereits fortgeschritten ist. Wahlkampfveranstaltungen werden weiterhin Tausende Menschen versammeln. Fernsehdebatten werden weiterhin Millionen Zuschauer erreichen. Parteiprogramme werden weiterhin Hunderte Seiten umfassen.

    Doch zunehmend werden all diese Formate auch danach beurteilt, was sich aus ihnen für einen Smartphone-Bildschirm herausschneiden lässt.

    Vielleicht besteht darin die tiefste Veränderung. Politik musste schon immer Aufmerksamkeit erzeugen. Nun wird Aufmerksamkeit selbst zur messbaren Währung des politischen Wettbewerbs.

    Frankreichs künftiger Präsident oder die künftige Präsidentin wird am Ende von Bürgern gewählt, nicht von einem Algorithmus. Aber auf dem Weg zur Wahlurne könnte dieser Algorithmus erheblichen Einfluss darauf haben, welche Kandidaten diese Bürger wahrnehmen, welche Themen sie beschäftigen und welche Bilder ihnen im Gedächtnis bleiben.

    Die Republik bekommt damit keinen digitalen Souverän. Wohl aber einen neuen, unsichtbaren Vermittler ihrer politischen Öffentlichkeit. Und niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, wie mächtig dieser Vermittler 2027 sein wird.

    Christine Macha

  • Lecornu will bei der Regierung selbst sparen – Frankreichs Ministergehälter geraten ins Visier

    Lecornu will bei der Regierung selbst sparen – Frankreichs Ministergehälter geraten ins Visier

    Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu prüft offenbar eine Kürzung der Bezüge von Ministern und deren Mitarbeitern. Finanzpolitisch wäre der Effekt überschaubar. Politisch ist die Botschaft dagegen leicht verständlich: Wer von Bürgern und Verwaltung Sparanstrengungen verlangt, soll zunächst demonstrieren, dass die politische Führung selbst dazu bereit ist. Für eine Regierung, die angesichts angespannter Staatsfinanzen um Akzeptanz für Haushaltsdisziplin werben muss, wird damit aus einer vergleichsweise kleinen Ausgabenposition eine Frage politischer Glaubwürdigkeit. Sparen als Frage der politischen Legitimität Nach den bislang bekanntgewordenen Überlegungen erwägt Lecornu, die Vergütungen beziehungsweise Zulagen der Regierungsmitglieder und zumindest eines Teils ihrer Berater zu reduzieren. Über die genaue Höhe einer Kürzung, ihren Zeitpunkt und den Kreis der betroffenen Mitarbeiter sind noch keine endgültigen Entscheidungen bekannt. Gerade deshalb sollte die finanzielle Dimensi…

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  • Verhagelter Sommer: Frankreichs Werkstätten versinken in Reparaturaufträgen

    Verhagelter Sommer: Frankreichs Werkstätten versinken in Reparaturaufträgen

    Der Sommer brachte vielen Regionen Frankreichs nicht nur Hitze und Ferienlaune. Heftige Gewitter mit teils massivem Hagelschlag hinterließen auf Tausenden Fahrzeugen ihre Spuren – und bescherten Karosseriebetrieben und Autowerkstätten eine Auftragswelle, die noch Monate nachhallen dürfte.

    „Das bringt uns enorm viel Arbeit“, lautet der nüchterne Befund vieler Werkstattbetreiber. Hinter diesem Satz steckt ein Problem, das Autofahrer unmittelbar zu spüren bekommen: Die Terminkalender der Betriebe sind voll, Ersatzteile müssen organisiert und beschädigte Fahrzeuge zunächst von Versicherungen begutachtet werden.

    In besonders stark betroffenen Regionen müssen Autofahrer deshalb mitunter mehrere Monate auf einen freien Reparaturtermin warten.

    Die Schäden ähneln sich. Motorhauben und Fahrzeugdächer sehen nach schweren Hagelgewittern aus wie zerbeultes Blech aus der Werkstatt eines wenig talentierten Lehrlings. Kleine und größere Einschläge verteilen sich über die Karosserie, Scheiben zeigen Risse oder sind vollständig zerbrochen. Besonders begehrt sind deshalb Fachleute für die sogenannte lackschadenfreie Ausbeultechnik. Dabei drücken oder ziehen Spezialisten Dellen möglichst zurück, ohne anschließend ganze Fahrzeugteile neu lackieren zu müssen.

    Was früher vielerorts eher zum saisonalen Zusatzgeschäft gehörte, entwickelt sich für manche Betriebe zu einem beträchtlichen Teil ihrer Arbeit. Wiederkehrende Hagelereignisse treffen innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Fahrzeuge gleichzeitig. Genau darin liegt die Herausforderung: Ein einzelnes beschädigtes Auto bringt eine Werkstatt nicht aus dem Takt. Hunderte Fahrzeuge aus derselben Region schon.

    Für Besitzer beginnt nach dem Unwetter deshalb häufig ein Geduldsspiel. Schaden fotografieren, Versicherung verständigen, Begutachtung abwarten, Werkstatttermin vereinbaren – und dann heißt es erst einmal: warten. Wie lange, hängt von der Region, dem Ausmaß der Schäden und der Auslastung des jeweiligen Betriebs ab. Während kleinere Reparaturen teilweise vergleichsweise rasch erledigt werden, liegen die verfügbaren Termine für umfangreichere Karosseriearbeiten in stark belasteten Werkstätten teils mehrere Monate in der Zukunft.

    Auch die Versicherer geraten unter Druck. Nach schweren Hagelzügen treffen innerhalb kürzester Zeit außergewöhnlich viele Schadenmeldungen ein. Jede davon muss erfasst, geprüft und je nach Fall durch einen Sachverständigen bewertet werden. Diese geballte Menge verlängert die Bearbeitungszeiten zusätzlich und wirkt sich wiederum auf die Werkstätten aus, die bei vielen Reparaturen zunächst auf Freigaben warten.

    Für die Branche besitzt die Entwicklung eine bemerkenswerte Kehrseite. Mehr Aufträge klingen zunächst nach guten Geschäften. Doch wenn Stellflächen vollstehen, Kunden täglich nach Terminen fragen und qualifiziertes Personal ohnehin knapp ist, verwandelt sich der vermeintliche Segen schnell in organisatorischen Dauerstress. Mehr Arbeit bedeutet eben nicht automatisch leichter verdientes Geld.

    Der Hagelsommer zeigt damit ziemlich handfest, wie extreme Wetterereignisse ganze Dienstleistungsketten beschäftigen. Vom beschädigten Autodach über den Gutachter bis zum Versicherungsbüro zieht sich eine lange Spur.

    Und während die letzte Gewitterwolke längst verschwunden ist, bleiben ihre Dellen noch monatelang sichtbar.

    Daniel Ivers

  • Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Ein Museum als Erinnerungsort, ein berühmter Name und plötzlich leere Stellen dort, wo Kunstwerke hingen: Der Einbruch in das Renoir-Museum im südfranzösischen Cagnes-sur-Mer sorgt für Bestürzung. Besonders hart trifft die Nachricht Pauline Renoir, die Ururenkelin des großen Impressionisten Auguste …

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  • Kommentar: Und wieder zahlen die Schwächsten die Zeche

    Kommentar: Und wieder zahlen die Schwächsten die Zeche

    Man muss der französischen Politik eines lassen: Wenn irgendwo gespart werden soll, findet sie mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit jene, die garantiert nicht auf die Barrikaden gehen. Diesmal sind es Kinder. Praktisch. Die haben weder Lobbyisten in Paris noch Vorstandsvorsitzende auf der Kurzwahltaste und verfassen gewöhnlich auch keine bösen Briefe an Ministerien. Sie sitzen einfach im Klassenzimmer. Bei 30, 35 oder noch mehr Grad. Und schwitzen. Noch vor wenigen Wochen, mitten in der Gluthitze, klang alles wunderbar entschlossen. Frankreich müsse seine Schulen an den Klimawandel anpassen. Rund 12.500 Einrichtungen sollten Unterstützung erhalten, zunächst besonders gefährdete Schulen. 56 Millionen Euro standen dafür bereit. Nun sind daraus 16 Millionen geworden. 40 Millionen Euro weg. Rund 71 Prozent der vorgesehenen Summe. Zack. Aber selbstverständlich, so heißt es aus dem Bildungsministerium, gebe es „keine Verringerung der Ambitionen“. Herrlich. Diesen Satz sollte man sich e…

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  • Sachsen-Anhalt und Europas neue Rechte: Nicht die Parteien allein haben sich verändert

    Sachsen-Anhalt und Europas neue Rechte: Nicht die Parteien allein haben sich verändert

    Editorial Es gibt Wahlergebnisse, die eine Regierung bestrafen, und solche, die das Parteiensystem verändern. Das Resultat der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September gehört zur zweiten Kategorie. Mit 43,8 Prozent hat die AfD nicht bloss gewonnen. Sie hat die CDU, die auf 17,2 Prozent abstürzte, politisch deklassiert. Gegenüber 2021 hat die AfD ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt. Zugleich stieg die Wahlbeteiligung auf den Rekordwert von 77,8 Prozent. Damit verliert eine bequeme Erklärung ihre Überzeugungskraft: dass der Aufstieg der radikalen Rechten vor allem das Werk einer lautstarken, politisch entfremdeten Minderheit sei. Wenn beinahe 44 Prozent der Wähler für eine Partei stimmen, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, und dies bei aussergewöhnlich hoher Beteiligung, ist der Begriff «Protestwahl» allein zu klein geworden. «Quelque chose a changé au sein de la société européenne» – etwas hat sich innerhalb der europä…

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