Autor: Nachrichten

  • Giftige Stille über den Baronnies: Neun tote Geier in der Drôme

    Giftige Stille über den Baronnies: Neun tote Geier in der Drôme

    Neun majestätische Vögel, die lautlos über die Felsen der Drôme kreisten, liegen nun leblos im Tal. Vergiftet. Ein schockierender Fund, der Fragen aufwirft – und weit über einen lokalen Kriminalfall hinausweist.

    Ein Drama mit bitterem Beigeschmack Zwischen dem 19. und 21. April wurden im Süden des Départements Drôme die ersten Kadaver entdeckt. Insgesamt sind inzwischen neun tote Geier gezählt worden. Die Untersuchungen ergaben: Ein hochgiftiges, längst verbotenes Insektizid war im Spiel. Mit anderen Worten – jemand hat gezielt Gift ausgelegt. Das Ganze ist kein tragischer Unfall, sondern wirkt wie dunklen Machenschaften: „Wir sind einfach nur angewidert“, erklärte Christian Tessier von der Vereinigung Vautours en Baronnies. Der Verein hat Strafanzeige gestellt, die Ermittlungen liegen inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Grenoble und dem Office français de la biodiversité (OFB).

    Die Rolle der Geier: Naturpolizei der Lüfte Geier haben in Europa einen schweren Stand. Lange wurden sie…

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  • L’Élysée friert sein Budget ein – echte Sparpolitik oder bloße Schaufenster-Geste?

    L’Élysée friert sein Budget ein – echte Sparpolitik oder bloße Schaufenster-Geste?

    122,6 Millionen Euro.Seit zwei Jahren bewegen sich die Ausgaben des Élysée-Palastes keinen Zentimeter. Für 2026 bleibt das Budget auf exakt demselben Niveau wie 2024 und 2025. Offiziell soll das ein Akt der Solidarität sein – die Präsidentschaft wolle, so heißt es, „exemplarisch“ mit gutem Beispiel vorangehen. Klingt nach Augenmaß. Doch steckt hinter diesem Nullwachstum tatsächlich ein Opfer oder eher ein kluges Stück Inszenierung?

    Wenn „eingefroren“ in Wahrheit „gekürzt“ bedeutet Auf den ersten Blick sieht ein stabiles Budget nach Tugend aus. Keine Extrawünsche, kein Griff in die Staatskasse. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn die Preise stillstehen. Und das tun sie bekanntlich nicht. Inflation, steigende Gehälter, wachsende Energiekosten, höhere Ausgaben für die Instandhaltung des Palastes – all das nagt an den Kassen. So verwandelt sich das eingefrorene Budget faktisch in eine Kürzung. Selbst die Präsidentschaft räumt ein, dass „die Betriebsmittel real sinken“. Die nackten Zahlen…

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  • Ardèche: Wenn das Baguette zum Vorwand für Aggression wird

    Ardèche: Wenn das Baguette zum Vorwand für Aggression wird

    Die Bäckerei – seit Jahrhunderten Herzstück des französischen Dorflebens. Morgens drängen sich Nachbarn an der Theke, man wechselt ein paar Worte, vielleicht einen Scherz, bevor man mit warmem Brot unterm Arm nach Hause schlendert. Doch in der Ardèche kippt diese Idylle zunehmend ins Gegenteil. Statt freundlicher Routine berichten Bäcker:innen und Verkäufer:innen von Beleidigungen, Drohungen und wütenden Ausfällen. Das tägliche Geschäft wird zur Nervenprobe. In Saint-Sauveur-de-Montagut, einem Dorf mit kaum tausend Einwohnern, kam es jüngst zu einem Vorfall, der die ganze Gemeinde aufhorchen ließ. Ein Kunde rastete mitten im Laden aus, beschimpfte eine Angestellte und drohte ihr unverhohlen mit Gewalt. „Tu vas voir ce qui va t’arriver“, schrie er, als gehöre die Backstube nicht dem Bäcker, sondern ihm. Eine Szene, die klingt, als sei sie aus einem düsteren Film, doch sie ist bittere Realität. Und es bleibt nicht bei diesem Einzelfall. Eine andere Verkäuferin hörte Sätze wie „Bonne à ri…

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  • Heiliges im Fadenkreuz: Wie Kirchen im Norden Frankreichs zum Ziel organisierter Diebe werden

    Heiliges im Fadenkreuz: Wie Kirchen im Norden Frankreichs zum Ziel organisierter Diebe werden

    Wenn Stille zur Einladung für Täter wird, dann ist es genau das, was derzeit viele Kirchen im Norden Frankreichs erleben. Orte des Gebets und der Sammlung, Symbolorte des Glaubens – und doch zunehmend Tatorte. In der Region Hauts-de-France, insbesondere im Département Nord, rollt derzeit eine beunruhigende Serie von Kircheneindiebstählen durch kleine Gemeinden und ländliche Pfarreien. Abr, es geht nicht nur um Diebstahl. Es geht um Verletzungen, die tiefer sitzen. Sechs Kirchen in zwei Wochen – und kein Ende in Sicht Hasnon. Valenciennes. Cambrai. Namen kleiner Städte, die kaum in den Schlagzeilen auftauchen – es sei denn, wenn etwas aus der Ordnung fällt. In nur wenigen Tagen wurden mindestens sechs Kirchen Opfer von Einbruch, Diebstahl oder Profanation. Besonders betroffen: liturgisches Gerät wie Kelche, Patene, Monstranzen. Manche aus edlen Metallen, andere rein symbolisch wertvoll. In gleich drei Fällen wurden Tabernakel aufgebrochen, die geweihten Hostien entwendet – für gläubige …

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  • 30. September – Ein Tag voller Wendepunkte

    30. September – Ein Tag voller Wendepunkte

    Manchmal lohnt es sich, den Kalender zur Hand zu nehmen und zu schauen, was eigentlich an einem scheinbar unscheinbaren Datum passiert ist. Der 30. September ist so ein Tag. In seiner Geschichte verbinden sich Umbrüche, Tragödien und kulturelle Sternstunden, die bis heute nachwirken.

    Weltweit: Was …

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  • Die Muschelfischer kehren in die Bucht der Somme zurück

    Die Muschelfischer kehren in die Bucht der Somme zurück

    Zwei Jahre lang war die Stille auf den „hénonnières“ fast ohrenbetäubend. Wo sonst das rhythmische Kratzen der Rechen über den Sandboden und das Klappern der Eimer zu hören war, herrschte gähnende Leere. Nun, im Herbst 2025, dürfen Muschelfischer und Sammler endlich zurück in die Bucht der Somme. Ein Neustart – vorsichtig, streng überwacht und mit einer gehörigen Portion Hoffnung im Gepäck. Zwei Jahre Stillstand – und viele Sorgen Seit 2023 war die Muschelernte in der Bucht der Somme verboten. Der Grund: Massensterben der Muscheln, Verschlechterung der Wasserqualität und bakterielle Verunreinigungen, die im schlimmsten Fall auch für den Menschen gefährlich werden konnten. Besonders in der nahegelegenen Bucht von Authie wurden kritische Werte gemessen. Für die Region war das ein Schock. Die Schalentiere sind nicht nur maritimes Kulturgut, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Die professionellen Fischer verloren einen erheblichen Teil ihres Einkommens, während Hobby-Sammler ein Stück ihre…

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  • Kommentar: Vertrauen? In wen denn bitte – den Weihnachtsmann?

    Kommentar: Vertrauen? In wen denn bitte – den Weihnachtsmann?

    Wem sollen wir noch trauen? Etwa der Politik? Haha… – der Lacher des Jahres. Leider bleibt einem das Lachen im Hals stecken, wenn man sich anschaut, wie tief der Graben inzwischen ist, der sich zwischen denen da oben und uns hier unten auftut.

    74 Prozent der Französinnen und Franzosen vertrauen der Nationalversammlung nicht. 86 Prozent winken bei „Parteien“ nur noch müde ab. Und wer jetzt denkt, das ist eine Momentaufnahme – weit gefehlt. Das ist keine kurze Krise, das ist eine Erosion im Fundament unserer Demokratie. Und zwar eine, die nicht mehr mit ein paar warmen Worten oder PR-Kampagnen zu kitten ist.

    Denn Vertrauen ist kein Gesetz. Kein Erlass. Kein Präsidentenwort.

    Vertrauen entsteht nicht durch große Reden – sondern durch kleine Taten. Durch Integrität. Durch Ehrlichkeit. Und, ja, durch Konsequenz.

    Aber was sehen wir stattdessen? Postengeschacher, Lobby-Verfilzung, Politiker, die nach der Amtszeit in Vorstandspositionen wechseln, und Minister, die eher wie PR-Berater in eigener Sache wirken. Wer will da bitte noch glauben, dass es hier um das Gemeinwohl geht?

    Es ist ein Trauerspiel mit sehr berechenbarem Plot: Die Bevölkerung glaubt an den Niedergang – 87 Prozent empfinden Frankreich als Land im Abstieg. Ein Drittel davon sieht diesen Prozess sogar als irreversibel. Hoppla! Das ist nicht nur schlechte Laune, das ist kollektiver Vertrauensverlust auf einem Level, das früher ganze Regime ins Wanken brachte.

    Und was ist die Antwort der Politik? „Mehr Transparenz! Mehr Bürgerbeteiligung! Mehr Effizienz!“ – Klingt super. Echt jetzt. Aber ehrlich: Wer glaubt das noch?

    Als ob man jahrelanges Desinteresse und Machtarroganz einfach wegzaubern kann mit einer Bürger*innenversammlung oder einem hübsch designten Online-Portal.

    Natürlich: Es gibt kluge Konzepte. Es gibt engagierte Leute. Es gibt Ideen, wie man Vertrauen zurückholen könnte.

    Aber: Vertrauen zurückholen heißt nicht, es zu fordern. Es heißt, es sich zu verdienen. Und das bedeutet: Macht abgeben. Verantwortung übernehmen. Fehler zugeben. Und nicht zuletzt: Menschen zuhören, ohne sie zu belehren.

    Aber genau hier liegt das Problem. Wer an der Macht ist, klammert sich daran. Weil Macht bequem ist. Weil Macht schützt. Und weil Macht selten freiwillig geteilt wird.

    Und so bleibt das Misstrauen. Es nistet sich ein. In Gesprächen am Küchentisch. In mitleidigen Blicken auf Wahlplakate. In ironischen Kommentaren unter Nachrichtenvideos. Vertrauen? Ja, klar – und Einhörner gibt’s auch.

    Aber: Die Politik hat noch eine letzte Chance. Wenn sie wirklich aufmacht. Wenn sie wirklich aufhört, Macht als Besitz zu begreifen. Wenn sie wirklich anfängt, den Menschen etwas zurückzugeben, das sie sich nicht mehr vorstellen können: Ehrlichkeit.

    Denn sonst kommt der große Knall. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht übermorgen. Aber er kommt. Populismus, Radikalisierung, Wahlverweigerung – all das sind keine Symptome. Sie sind das Fieber. Und das Fieber zeigt an: Die Demokratie ist krank.

    Will sie genesen, muss sie sich ändern.

    Nicht irgendwann.

    Jetzt.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Trump und Netanyahu präsentieren Friedensplan für Gaza: Ambitioniert, riskant – und voller Unwägbarkeiten

    Trump und Netanyahu präsentieren Friedensplan für Gaza: Ambitioniert, riskant – und voller Unwägbarkeiten

    Der Nahostkonflikt hat eine neue Etappe erreicht. Mit einem gemeinsamen Friedensvorschlag haben US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu ein Papier vorgestellt, das Gaza in eine entmilitarisierte Übergangszone verwandeln, die Geiselkrise lösen und eine langfristige Friedensordnung anstoßen soll. Der Plan ist umfangreich, detailreich – und hoch umstritten. Während internationale Stimmen Zustimmung signalisieren, bleibt die Reaktion in den palästinensischen Gebieten zögerlich bis ablehnend.

    Die zentralen Punkte des Plans

    Das von Trump und Netanyahu präsentierte Dokument umfasst 20 Punkte und basiert auf einer radikalen Umstrukturierung des Gazastreifens. Es sieht zunächst einen sofortigen Waffenstillstand bei Zustimmung beider Seiten vor, verbunden mit einem eingefrorenen Frontverlauf. Innerhalb von 72 Stunden nach Unterzeichnung sollen alle israelischen Geiseln – lebend oder tot – von der Terrororganisation Hamas an Israel übergeben werden. Im Gegenzug würde Israel rund 2.000 palästinensische Gefangene entlassen, darunter auch lebenslänglich Verurteilte und Personen, die nach dem 7. Oktober 2023 inhaftiert wurden.

    Zentral ist die vollständige Entwaffnung des Gazastreifens. Alle militärischen Anlagen, Waffenlager und unterirdischen Infrastrukturen sollen zerstört und dauerhaft unbrauchbar gemacht werden. Über die Region soll eine technokratische Übergangsverwaltung eingesetzt werden, begleitet von einem internationalen Aufsichtsgremium mit Donald Trump als Vorsitzendem. Auch ehemalige Politiker wie Tony Blair sind im Gespräch.

    Für die Sicherheitskontrolle ist eine multinationale Stabilisierungstruppe vorgesehen, unterstützt von neu aufgestellten palästinensischen Polizeieinheiten. Israel und Ägypten sollen an den Außengrenzen mitwirken. Der Plan beinhaltet zudem milliardenschwere internationale Wiederaufbauhilfen, deren Verteilung explizit nicht von den Konfliktparteien blockiert werden darf.

    Ein wichtiges Element ist die schrittweise Rückführung israelischer Truppen aus Gaza, ohne dass eine Annexion erfolgt. Hamas-Mitglieder, die sich entwaffnen, sollen entweder Amnestie erhalten oder sicheren Abzug aus der Region. Langfristig – so das Versprechen – soll ein politischer Prozess zur palästinensischen Selbstbestimmung beginnen, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

    Zustimmung aus Israel – Zurückhaltung bei den Palästinensern

    Benjamin Netanyahu lobte den Plan als Erfüllung der wesentlichen Kriegsziele Israels: Die Rückkehr der Geiseln, die Zerschlagung der Hamas und eine garantierte Sicherheitsarchitektur. Zugleich stellte er klar, dass bei einer Ablehnung durch Hamas die Militäroperationen fortgesetzt würden.

    Die Palästinensische Autonomiebehörde zeigte sich vorsichtig offen, nannte einige Vorschläge konstruktiv, äußerte jedoch auch Bedenken, insbesondere hinsichtlich der Übergangsverwaltung und der Frage der politischen Mitsprache. Besonders kritisch wird gesehen, dass der Plan die Hamas faktisch aus dem politischen Prozess ausschließt.

    Hamas selbst war an der Ausarbeitung nicht beteiligt. Aus dem Umfeld heißt es, die Entwaffnungsforderung sei mit der aktuellen Gemengelage nicht vereinbar. Ohne Anerkennung ihrer politischen Rolle sei der Vorschlag nicht tragfähig. Auch kleinere Gruppen im Gazastreifen, wie der Islamische Dschihad, lehnen den Plan ab. Die Sorge: Eine extern oktroyierte Friedensordnung könnte als Besatzung im neuen Gewand wahrgenommen werden.

    Internationale Reaktionen: Hoffnung und Warnung

    Auf internationaler Ebene fand der Vorschlag durchaus Resonanz. Ägypten, Jordanien, mehrere Golfstaaten und auch die Europäische Union äußerten verhaltene Unterstützung. In westlichen Hauptstädten wird das Papier als erster konkreter Fahrplan seit langem betrachtet – nicht als perfekte Lösung, aber als potenzieller Startpunkt für neue Verhandlungen.

    Gleichzeitig äußerten zahlreiche Experten und Menschenrechtsorganisationen Kritik. Sie warnen davor, dass die einseitige Struktur des Plans – insbesondere die zentrale Rolle Trumps und die fehlende palästinensische Einbindung – die Legitimität des Vorhabens untergrabe. Auch die technokratische Verwaltung durch internationale Gremien könnte als paternalistische Maßnahme interpretiert werden, die lokale Demokratie und Selbstbestimmung unterminiert.

    Die geplante Umsetzung in „terrorfreien Zonen“ – also Gebieten unter israelischer Kontrolle, selbst bei teilweiser Ablehnung durch Hamas – wird als besonders heikel gesehen. Diese Strategie könnte Gaza faktisch in unterschiedliche Verwaltungszonen aufspalten und neue Konfliktlinien entstehen lassen.

    Zwischen Friedenshoffnung und politischer Realität

    Der Plan markiert zweifellos einen strategischen Vorstoß. Die klare Struktur, die Verbindung von Sicherheit, Wiederaufbau und politischer Perspektive sowie die internationale Einbindung sind ambitioniert. Dennoch bleibt die zentrale Schwäche: Die Realität vor Ort ist komplexer, als es ein diplomatischer Vorschlag abbilden kann.

    Ohne eine Einbindung relevanter Akteure in Gaza bleibt der Plan ein Modell auf dem Papier. Politische Legitimität entsteht nicht durch Druck oder Ausschluss, sondern durch Beteiligung und Akzeptanz. Selbst ein Rückzug Israels nach Maßgabe des Plans wird nicht zu nachhaltigem Frieden führen, wenn in Gaza selbst kein tragfähiger politischer Konsens entsteht.

    Hinzu kommt: Der Plan könnte für Israel als strategischer Hebel fungieren, um internationale Zustimmung für ein weiteres militärisches Vorgehen zu erhalten, sollte die Hamas den Vorschlag ablehnen. Auch der Wiederaufbau droht zur politischen Waffe zu werden, wenn internationale Hilfen an Sicherheitskriterien gebunden bleiben, ohne lokale Mitbestimmung sicherzustellen.

    Was bleibt, ist ein diplomatischer Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen – mit vielen Unwägbarkeiten. Ob aus dem Vorschlag ein Friedensprozess oder nur ein weiteres Kapitel asymmetrischer Konfliktbewältigung wird, hängt weniger von Trump und Netanyahu ab als von der Bereitschaft aller Beteiligten, reale politische Teilhabe zu ermöglichen.

    Autor: P. Tiko

  • Wenn die Maschine Missbrauch erfindet – Europas Kampf gegen KI-generierte Pädokriminalität

    Wenn die Maschine Missbrauch erfindet – Europas Kampf gegen KI-generierte Pädokriminalität

    Eine der dunkelsten Schattenseiten der künstlichen Intelligenz zeigt sich dort, wo die Technologie in die Hände von Tätern gerät: bei der Produktion von Missbrauchsdarstellungen von Kindern, die nie stattgefunden haben – und doch real wirken. Bilder, die keine physische Tat dokumentieren, sondern aus Code, Pixeln und Algorithmen entstehen. Doch macht sie das weniger gefährlich? Genau daran entzündet sich derzeit eine der drängendsten juristischen und ethischen Debatten in Europa.


    Ein „Vorstellungsdelikt“ – wenn Fantasie zur Straftat wird

    Lange war die Gesetzeslage klar: Kinderpornografie bedeutete Aufnahmen realer Gewalt, reale Opfer, reale Täter. Doch mit Deepfakes, text-to-image-Modellen und „Nudifying“-Software verschwimmen die Grenzen. KI kann Gesichter von Kindern synthetisieren, Fotos digital entkleiden oder ganze Szenen aus dem Nichts erschaffen.

    Das klingt wie ein technisches Kuriosum, ist aber längst bitterer Ernst. Schon jetzt zirkulieren synthetische Bilder in Untergrundforen, zum Teil täuschend echt – so echt, dass Ermittler kaum noch unterscheiden können, ob eine Straftat stattgefunden hat oder nicht.

    Operation „Cumberland“ Anfang 2025 war ein Weckruf: 25 Verdächtige in 19 Ländern, allesamt Teil eines Netzwerks, das ausschließlich KI-generierte Missbrauchsdarstellungen erstellte und verbreitete. Die Festnahmen zeigten: Das Problem ist global, hochorganisiert – und bisher rechtlich nur unzureichend greifbar.


    Europas Grauzonen: Wo das Gesetz hinterherhinkt

    1. Alte Gesetze, neue Realität

    Fast alle EU-Staaten verbieten Produktion, Besitz und Verbreitung von Missbrauchsbildern. Doch meist gilt das nur für „reale“ Darstellungen. Synthetische Bilder? Ambivalenz.

    Frankreich etwa ahndet nach Artikel 227-23 des Strafgesetzbuches jede Art von kinderpornografischem Material. Aber KI-generierte Bilder erwähnt der Paragraf nicht. Reicht die bestehende Definition aus – oder brauchen wir einen neuen Straftatbestand? Kritiker warnen vor Schlupflöchern: Was, wenn jemand einen Generator anbietet, der gezielt Missbrauchsbilder produziert?

    Noch komplizierter wird es auf EU-Ebene: Während das Parlament im Juni 2025 eine eindeutige Linie gezogen hat – keine Ausnahmen, kein Besitz, kein „Privatgebrauch“ – pocht der Rat der EU weiter auf eine Einschränkung: Wer ein solches Bild nur „für sich“ speichert, solle straffrei bleiben. Ein Freifahrtschein für Täter, sagen NGOs.

    2. Politischer Wille trifft auf politische Langsamkeit

    Das Parlament will die Strafbarkeit für KI-generierte Missbrauchsdarstellungen mit realem Material gleichstellen. Ein starkes Signal, doch es ist nur der erste Schritt. Nun folgen die zähen Verhandlungen mit Rat und Kommission. Und genau dort droht der große Wurf zu versanden.

    Parallel läuft ein separates Vorhaben der Kommission, das die Rolle von Plattformen und KI-Anbietern klärt: Sie sollen Missbrauchsmaterial erkennen und melden – auch synthetisches. Doch zwischen Datenschutz, Verschlüsselung und Grundrechten entbrennt bereits die nächste Grundsatzdebatte.

    3. Ein Flickenteppich in Europa

    Manche Staaten gehen voran. Großbritannien etwa plant ein explizites Verbot nicht nur der Bilder selbst, sondern auch der KI-Tools, die sie erzeugen. Frankreich diskutiert über ein Verbot, Darstellungen von Minderjährigen überhaupt in solchen Modellen zu verwenden.

    Andere Länder? Schweigen. So entsteht ein gefährlicher Flickenteppich: Was in Berlin strafbar ist, könnte in Madrid legal bleiben – und das Internet kennt keine Grenzen.


    Was tun? Vorschläge gegen das digitale Grauen

    1. Keine Ausnahmen mehr
      Wer KI-generierte Missbrauchsbilder besitzt, produziert oder verbreitet, muss strafrechtlich belangt werden – unabhängig von der Frage, ob reale Kinder beteiligt waren oder nicht. Alles andere öffnet Tür und Tor für Täter.
    2. Die Werkzeuge selbst verbieten
      Nicht nur das Endprodukt ist problematisch. Auch die Generatoren, die Modelle und die technischen „Bauanleitungen“ gehören geächtet. Wer so etwas entwickelt oder verbreitet, trägt Mitverantwortung.
    3. Europäische Einheit statt nationaler Inseln
      Ein einheitlicher Rechtsrahmen ist nötig, um die bekannten „Grenzeffekte“ zu vermeiden: Server hier, Nutzer dort, Ermittler ohne Zugriff. Europol und Eurojust brauchen stärkere Befugnisse und Ressourcen.
    4. Bessere Technik für Ermittler
      KI muss gegen KI eingesetzt werden: Forensische Tools, die synthetische Bilder identifizieren, sind überlebenswichtig, um echte Opfer schneller zu schützen. Doch dafür braucht es politische Rückendeckung und Budgets.
    5. Schutz der „Rohdaten“
      Eltern sollten wissen: Jedes Urlaubsfoto im Netz kann Teil eines Datensatzes werden. Ohne schärfere Regeln für die Nutzung frei verfügbarer Bilder bleibt der Datenhunger der Modelle ein offenes Einfallstor.

    Europa am Scheideweg

    Die Frage ist nicht mehr, ob synthetische Missbrauchsbilder gefährlich sind. Sie sind es. Die Frage lautet: Wie lange schaut die Politik noch zu, während Täter die Grauzonen ausnutzen?

    Das Parlament hat im Sommer 2025 ein klares Signal gesetzt. Doch Worte auf Papier stoppen keine Täter. Jetzt zählen Umsetzung, Harmonisierung und Konsequenz.

    Denn die Wahrheit ist unbequem, aber eindeutig: Jede Darstellung, die ein Kind sexualisiert – ob real, gefälscht oder vollständig synthetisch – ist Teil des Problems. Und solange Europa nicht mit einer Stimme spricht, bleibt der Kontinent anfällig für einen Markt, der längst digital, global und erschreckend professionell organisiert ist.

    Autor: Andreas M. B.

  • Gewerkschaften am Zug: Lecornu unter Druck vor neuer Protestwelle am 2. Oktober

    Gewerkschaften am Zug: Lecornu unter Druck vor neuer Protestwelle am 2. Oktober

    Frankreichs Gewerkschaften rufen erneut zum Streik – und diesmal soll es ernst werden. Nur wenige Tage nach der ersten großen Mobilisierung vom 18. September wollen die großen Gewerkschaften den Druck auf Premierminister Sébastien Lecornu nochmals spürbar erhöhen. Die Botschaft ist klar: Halbherzige Zugeständnisse reichen nicht, jetzt muss die Regierung liefern. Warum gehen die Leute wieder auf die Straße? Die Vorgeschichte liest sich wie ein klassisches Machtspiel. Nach der ersten Streikwelle, die je nach Quelle zwischen 500.000 und über eine Million Menschen auf die Straße brachte, stellten die großen Gewerkschaften ein Ultimatum. Bis zum 24. September sollte Premierminister Lecornu konkrete Antworten geben. Die Antworten aus Matignon? Für die Gewerkschaften viel zu vage, für viele Beschäftigte kaum mehr als Placebos. Das Kernpaket der Forderungen hat es in sich: Keine Erhöhung des Rentenalters auf 64, mehr Mittel für Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungen, eine gerechtere Steuerpol…

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