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  • 700 Tote auf der Warteliste – Warum Frankreichs Transplantationssystem am Limit ist

    700 Tote auf der Warteliste – Warum Frankreichs Transplantationssystem am Limit ist

    Es ist ein Satz, der aufrüttelt – und der hängen bleibt: „Im Jahr 2024 sind 700 Patienten auf der Warteliste für eine Nierentransplantation gestorben.“ Diese Zahl stammt von der französischen Urologin und Transplantationschirurgin Cécile Champy. Sie hat sie am Welt-Organspendetag öffentlich gemacht. Und sie hat damit einen Nerv getroffen. Denn so trocken diese Zahl auch klingt, sie steht für 700 Einzelschicksale – für Menschen, die auf ein rettendes Organ gehofft haben. Vergeblich. Was läuft schief? Frankreich gehört nicht zu den Ländern mit den schlechtesten Transplantationszahlen. Im Gegenteil: 3.757 Nierentransplantationen wurden 2024 durchgeführt – immerhin 598 davon durch Lebendspenden. Ein Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber was nutzt ein Anstieg, wenn die Lücke zwischen Bedarf und Angebot weiter so tief klafft? Über 22.000 Patientinnen und Patienten standen Anfang 2025 auf der französischen Transplantations-Warteliste. Fast 12.000 davon aktiv – das heißt: Sie kön…

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  • „Hinter Gittern, nicht allein“ – Frankreichs Solidaritätswelle für Nicolas Sarkozy

    „Hinter Gittern, nicht allein“ – Frankreichs Solidaritätswelle für Nicolas Sarkozy

    Als die Nachricht öffentlich wurde, dass Nicolas Sarkozy tatsächlich ins Gefängnis muss, war es weniger das Urteil selbst, das für Aufsehen sorgte – als vielmehr das Echo. Denn Frankreich reagierte nicht still oder mit Schulterzucken. Es war, als hätte jemand eine längst schwelende Glut neu entfacht. Binnen Stunden formierte sich eine beachtliche Welle der Unterstützung. Nicht nur in sozialen Netzwerken, nicht nur in konservativen Kommentaren – sondern quer durch etablierte Parteien, Medienauftritte, persönliche Statements. Die Botschaft: Sarkozy mag verurteilt sein, aber allein soll er sich nicht fühlen. Ein Präsident – ein Symbol Natürlich geht es um eine prominente Figur. Sarkozy, Präsident von 2007 bis 2012, war nie jemand, der unbemerkt blieb. Seine Karriere war gespickt mit Auftritten, Affären, Entscheidungen, die polarisierten. Gerade deshalb wirkt sein Sturz so symbolträchtig. Für manche ist er gefallen, für andere wurde er gestürzt. Als nun bekannt wurde, dass er am 21. Oktobe…

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  • Kommentar: Da muss die Politik wohl umlernen – Ohne soziale Gerechtigkeit wird die Natur nicht zu retten sein

    Kommentar: Da muss die Politik wohl umlernen – Ohne soziale Gerechtigkeit wird die Natur nicht zu retten sein

    Es ist ein Satz, der eigentlich ganz einfach klingt – und doch wird er viel zu oft überhört: Man kann den Planeten nicht retten, wenn man die Menschen zurücklässt. Soziale Gerechtigkeit ist kein Nebenschauplatz der Umweltpolitik. Sie ist ihr Fundament. Ihr Rückgrat. Ihr Herz.

    Aber hören wir das in Berlin, Paris oder Brüssel? Nur selten. Stattdessen wird Klimapolitik noch immer in Zahlen gegossen, in Steuersätzen, Förderprogrammen und technologischen Innovationen. Alles schön und gut – aber solange eine Familie am Monatsende kaum noch heizen kann, weil die Gaspreise steigen, während andere ihre Wärmepumpen steuerlich absetzen, läuft etwas gehörig schief.

    Die ökologische Wende wird scheitern, wenn sie nur für diejenigen gemacht ist, die sich die notwendigen Umstellungen leisten können. Wer in einem schlecht isolierten Plattenbau wohnt, hat keine Wahl, sondern friert. Wer täglich pendeln muss, weil die Stadtmieten unbezahlbar sind, braucht ein Auto – nicht, weil er „rückständig“ ist, sondern weil er keine Alternative hat. Es ist nicht der Planet, der ungerecht ist. Es sind die politischen Prioritäten.

    Seit Jahren sprechen wir über CO₂-Bepreisung, über Strommarkt-Design und Verbrenner-Aus. Aber wann reden wir über Menschen, deren Kühlschrank leer ist, bevor der Monat vorbei ist? Über Kinder, die mit Asthma aufwachsen, weil ihre Wohnung an einer vierspurigen Umgehungsstraße liegt? Über Rentner, die sich zwischen Heizung und Medikamenten entscheiden müssen?

    Die Wahrheit ist unbequem: Eine gerechte Umweltpolitik kostet mehr Mühe. Sie verlangt Zuhören, Umdenken, Umverteilung. Sie bedeutet, dass nicht nur neue Technologien gefördert werden, sondern auch Menschen, die bislang ignoriert wurden. Dass man nicht nur in Smart Cities investiert, sondern auch in graue Vorstädte und ländliche Räume.

    Und ja – das bedeutet auch politische Selbstkritik. Es reicht nicht, wenn Entscheidungsträger auf Konferenzen über Klimaziele philosophieren, während draußen die soziale Wirklichkeit an ihnen vorbeirauscht. Wer nicht bereit ist, ökologische und soziale Fragen zusammenzudenken, hat das Ausmaß der Krise nicht verstanden.

    Was es jetzt braucht? Mut. Menschlichkeit. Und den Willen, umzulernen. Eine gerechte Gesellschaft ist kein netter Bonus in der Umweltpolitik – sie ist die Voraussetzung dafür, dass Veränderung gelingt. Nicht gegen die Menschen, sondern mit ihnen.

    Denn nur gemeinsam – wirklich gemeinsam – lässt sich diese Welt noch retten.

    Autor: C.H.

  • „Man rettet nicht die Erde, ohne die Menschen zu retten“ – Noël Mamère über Ökologie als soziale Verpflichtung

    „Man rettet nicht die Erde, ohne die Menschen zu retten“ – Noël Mamère über Ökologie als soziale Verpflichtung

    In einer Zeit, in der Umweltpolitik oft auf CO₂-Bilanzen und Klimaziele reduziert wird, meldet sich ein bekannter Name zurück – mit einem eindringlichen Appell: Ökologie muss mehr sein als ein grünes Feigenblatt. Sie ist ein soziales Projekt. Noël Mamère, langjähriger Bürgermeister der Stadt Bègles bei Bordeaux und ehemaliger Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, sieht in der Umweltbewegung ein Werkzeug zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit. In einem aktuellen Interview mit France 24 legt er dar, warum aus seiner Sicht ökologische Fragen nicht losgelöst von sozialen Belangen diskutiert werden dürfen. Ein Leben zwischen Medien und Politik Mamère kennt beide Welten: den Journalismus und die Politik. Seine Karriere begann vor der Kamera, bevor er 1989 in die Kommunalpolitik wechselte. Fast drei Jahrzehnte stand er an der Spitze von Bègles, von 1997 bis 2017 vertrat er die Gironde auch im französischen Parlament. Diese Doppelrolle hat seinen Blick geschärft – für das Machbare,…

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  • Fête des Louches – Drei Tage Ausnahmezustand in Comines

    Fête des Louches – Drei Tage Ausnahmezustand in Comines

    Wo hölzerne Kellen vom Himmel regnen Jedes Jahr Mitte Oktober verwandelt sich die nordfranzösische Grenzstadt Comines in einen Ort, der Geschichte nicht nur erzählt – sondern lebt. Drei Tage lang tanzt hier alles nach dem Takt der „Fête Historique des Louches“: eine Tradition, die mit Kellen, Riesen, Trommlern und einem kräftigen Schuss Lokalkolorit daherkommt. Kellen? […]

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  • Herbstglanz entlang der Route des Vins d’Alsace

    Herbstglanz entlang der Route des Vins d’Alsace

    Wenn der Sommer langsam die Bühne verlässt und die ersten Nebelschwaden über die Reben ziehen, verwandelt sich das Elsass in eine Bühne voller Farben, Aromen und Geschichten. Die Weinroute – Route des Vins d’Alsace – zeigt sich im Herbst von ihrer schönsten Seite. Wer zur Zeit der Weinlese reist, erlebt mehr als nur schöne Landschaft: […]

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  • Goldene Frucht des Waldes: Warum jetzt Châtaigne-Zeit ist

    Goldene Frucht des Waldes: Warum jetzt Châtaigne-Zeit ist

    Der Herbst ist da – und mit ihm die Châtaigne, die französische Edelkastanie, die nicht nur in der Küche, sondern auch im Herzen vieler Regionen Frankreichs eine Hauptrolle spielt. Wenn das Laub sich färbt, die Wälder duften und die Luft frischer wird, beginnt ein kulinarisches und sinnliches Ritual: die Kastanienernte. Drei Jahreszeiten in einer Frucht Châtaigne ist nicht gleich Châtaigne – und Herbst nicht gleich Herbst. Denn je nach Region, Höhenlage und Wetterlage hat die Kastaniensaison ihren eigenen Rhythmus. In der Dordogne etwa beginnt die Ernte bereits Mitte September und endet gegen Ende Oktober. In anderen Regionen wie der Ardèche oder auf Korsika kann sie sich bis in den November oder gar Dezember ziehen. Die Saison gliedert sich in drei Phasen: die ersten reifen Früchte (Primeurs), dann die Hauptsaison mit reicher Ernte und schließlich die Lagerphase, in der die Kastanien sorgfältig konserviert werden. Ein bisschen wie bei einem guten Wein – jede Phase hat ihren Charakter….

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  • Frankreichs Haushaltsgesetz 2026 – eine Mutprobe in Zeiten schwindender Spielräume

    Frankreichs Haushaltsgesetz 2026 – eine Mutprobe in Zeiten schwindender Spielräume

    Mit dem Beginn der parlamentarischen Beratungen zum französischen Staatshaushalt für 2026 startet in Paris heute um 9:00 Uhr ein politischer Kraftakt, dessen Gelingen über mehr entscheidet als nur über die Budgetzahlen des kommenden Jahres. Der vorliegende Gesetzentwurf, den Premierminister Sébastien Lecornu mit demonstrativer Ernsthaftigkeit ins Parlament eingebracht hat, steht für den Versuch, finanzpolitische Konsolidierung, politische Stabilität und gesellschaftliche Verträglichkeit unter einen zunehmend engen Hut zu bringen.

    Premierminister Sebastian Lecornu hat sich entschieden, auf die Durchsetzungskraft des Verfassungsartikels 49.3 zu verzichten – jener Möglichkeit, mit der er das Gesetz am Parlament vorbei hätte durchdrücken können. In Zeiten einer fragmentierten Assemblée nationale, die von parteipolitischem Misstrauen und taktischer Blockade geprägt ist, gleicht dies einem Balanceakt auf offener Bühne. Die Botschaft: Demokratische Öffnung, ja – aber auch ein Wagnis. Denn scheitert das Vorhaben, steht nicht nur die Haushaltsarchitektur, sondern die Autorität der Regierung zur Disposition.


    Konsolidierung als politische Bewährungsprobe

    Der Haushaltsentwurf verlangt der französischen Gesellschaft einiges ab. Rund 30 Milliarden Euro sollen durch neue Einnahmen und Kürzungen zusammenkommen – eine Summe, die sich nicht mit kosmetischen Eingriffen erreichen lässt. So sieht der Haushaltsplan unter anderem eine Sondersteuer auf Unternehmensgewinne und hohe Einkommen vor, gekoppelt mit einem Einfrieren der Einkommensteuerschwellen und einem spürbaren Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Gleichzeitig werden bestimmte Sozialleistungen real entwertet, etwa durch die Aussetzung automatischer Inflationsanpassungen.

    Bemerkenswert ist, dass zentrale Ausgabenkapitel – etwa die Verteidigung – vom Sparkurs weitgehend ausgenommen bleiben. Dies deutet auf eine strategische Prioritätensetzung hin, die sicherheitspolitische Erfordernisse höher gewichtet als kurzfristige finanzielle Erleichterung. Die Regierung scheint überzeugt: Ohne glaubwürdige sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ist auch wirtschaftspolitische Resilienz nicht zu haben.

    Doch während gewichtige fiskalpolitisch Argumente für eine Konsolidierung bestehen – Frankreichs Schuldenstand ist seit Jahren auf hohem Niveau eingefroren und die Zinslast wächst –, stellt sich die Frage nach der sozialen Akzeptanz. Schon jetzt äussert sich Unmut in Berufsgruppen, die sich als Hauptbetroffene der Sparmassnahmen sehen. Der Verzicht auf demonstrative Härte in der Kommunikation ist daher klug gewählt. Lecornus Kabinett vermeidet das Vokabular der Austerität und bemüht sich um den Eindruck einer «gelenkten Verantwortung».


    Die Stunde des Parlaments – oder ein kalkuliertes Risiko?

    Dass die Regierung auf das Instrument des Verfassungsparagraphen 49.3 verzichtet, ist in der französischen Verfassungspraxis keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil: Unter Präsident Macron wurde das Verfahren zum wiederholten Male genutzt, zuletzt bei der umstrittenen Rentenreform. Der Verzicht diesmal kann als Versuch gedeutet werden, Legitimität durch parlamentarische Mitwirkung zu gewinnen – ein demokratisches Signal nach innen, aber auch in Richtung Brüssel, wo Frankreichs Budgetpfade mit zunehmender Skepsis beobachtet werden.

    Allerdings ist dieses Entgegenkommen nicht ohne Preis. Das Verfahren ist offen, die Zahl der eingereichten Änderungsanträge bereits in vierstelliger Höhe. Selbst aus regierungsnahen Kreisen kommen mahnende Stimmen, wonach der vorgelegte Entwurf in seiner jetzigen Form nicht durchsetzbar sei. Das lässt auf heftige Auseinandersetzungen in den kommenden Wochen schliessen – mit dem Risiko, dass zentrale Massnahmen abgeschwächt oder zerredet werden.

    In dieser Gemengelage wird das Budgetverfahren zum Seismografen der politischen Kooperationsfähigkeit der V. Republik. Wenn sich keine tragfähige Mehrheit für die Eckpunkte des Entwurfs finden lässt, ist nicht nur das Gesetz gefährdet, sondern die Handlungsfähigkeit des gesamten Exekutivapparates. Lecornus Position – ohnehin ohne klare Mehrheit – wäre dann gefährdet.


    Der französische Staatshaushalt 2026 ist mehr als eine fiskalische Jahresplanung. Er ist Prüfstein für die politische Standfestigkeit einer Regierung, die sich unter strukturellem Druck zwischen Schuldenbremse, sozialem Ausgleich und internationaler Glaubwürdigkeit bewegt. Gelänge es, den Entwurf im parlamentarischen Prozess nicht nur durchzubringen, sondern auch mit einer gewissen Breite des Konsenses zu versehen, wäre dies ein starkes Signal – nach innen wie nach aussen. Scheitert das Projekt jedoch an parteipolitischen Gräben oder sozialen Verwerfungen, droht Frankreich nicht nur eine neue Haushaltskrise, sondern ein weiterer Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit seiner Institutionen – und eine erneute Abwertung seiner Kreditwürdigkeit.

    Autor: P. Tiko

  • Sieben Minuten, neun Juwelen, ein nationaler Schock – Der spektakuläre Einbruch im Louvre

    Sieben Minuten, neun Juwelen, ein nationaler Schock – Der spektakuläre Einbruch im Louvre

    Ein Fenster im ersten Stock. Eine Hebebühne. Vier Täter. Und nur sieben Minuten.

    So liest sich das Drehbuch eines der spektakulärsten Kunstdiebstähle der jüngeren Geschichte – mitten in Paris, mitten im weltberühmten Musée du Louvre.

    Am Morgen des 19. Oktober 2025 wird der Mythos Louvre erschüttert. Eine Diebesbande schlägt mit chirurgischer Präzision zu und raubt Kronjuwelen, die nicht nur unbezahlbar sind, sondern tief in der Identität Frankreichs verwurzelt. Diademe, Colliers, Broschen – einst getragen von Königinnen und Kaiserinnen – verschwinden, während die ersten Besucher ahnungslos durch andere Museumssäle schlendern.

    Was wie ein Hollywood-Drehbuch klingt, ist bittere Realität geworden.

    Der Ablauf – eine perfekte Choreografie

    Gegen 9:30 Uhr – das Museum hatte gerade geöffnet – fährt ein Lastwagen mit Hebebühne an die Seine-Seite des Gebäudes heran. Ziel: ein Fenster der Galerie d’Apollon im ersten Stock. Mit Trennscheibe und Routine schaffen sich die Täter Zugang, schlagen blitzschnell zwei Vitrinen ein und verschwinden mit ihrer Beute auf leistungsstarken Scootern entlang des Flussufers.

    Zurück bleiben Scherben, Sicherheitsleute in Schockstarre – und ein Gefühl nationaler Ohnmacht.

    Das Diebesgut – Glanz vergangener Epochen

    Was gestohlen wurde, liest sich wie ein Auszug aus einem königlichen Inventarverzeichnis:

    Ein Diadem und ein Collier der Königin Marie-Amélie. Ohrringe von Königin Hortense. Ein Set aus Collier und Ohrschmuck von Kaiserin Marie-Louise – Napoleons zweiter Ehefrau. Und nicht zuletzt: Schmuckstücke von Eugénie, der letzten Kaiserin Frankreichs – darunter eine aufwendig gearbeitete Brosche und ein Diadem.

    Eines ihrer Schmuckstücke, eine Krone, wurde später außerhalb des Museums gefunden – beschädigt. Ein trauriges Symbol dieses Überfalls.

    Zwischen acht und neun Objekte sind es insgesamt. Manche Angaben variieren. Doch klar ist: Der materielle wie ideelle Verlust ist immens.

    Die politische Reaktion – scharfe Worte, drängende Fragen

    Innenminister Laurent Nunez nennt die Tat einen „großen Raub“ – mit Betonung auf der Professionalität. Die „unglaubliche Geschwindigkeit“ der Täter offenbare wichtige Schwachstellen. Frankreichs Sicherheitskräfte stehen nun unter Zugzwang.

    Denn die Öffentlichkeit fragt: Wie konnte ein Lastwagen unbemerkt bis an das Museumsgebäude fahren? Wieso alarmierte niemand die Polizei über die gut sichtbare Hebebühne in einer denkmalgeschützten Sicherheitszone? Und warum blieb die Tätergruppe trotz anwesender Besucher vollständig unbehelligt?

    Der kulturelle Verlust – mehr als nur Juwelen

    Der Louvre ist nicht einfach ein Museum. Er ist eine Bastion nationaler Erinnerung, ein Symbol republikanischer Offenheit und kultureller Exzellenz. Wer hier einbricht, stiehlt nicht nur Schmuck – er raubt ein Stück französische Seele.

    Insbesondere die Galerie d’Apollon, in der die Juwelen der Krone ausgestellt sind, ist weit mehr als ein Ausstellungsraum. Sie ist der Ort, an dem das monarchische Erbe in republikanischer Obhut überlebt. Dass nun ausgerechnet hier der Zugriff der Diebe erfolgte, schmerzt besonders.

    Ein Angriff auf das Erbe – und auf die Idee von Sicherheit in einem offenen Haus der Kultur.

    Die Ermittlungen – Spurensuche unter Hochdruck

    Noch laufen die Ermittlungen. Videoaufnahmen, Spuren und Fingerabdrücke an der Hebebühne, potenzielle Insiderkontakte – alles wird akribisch ausgewertet. Auch eine mögliche Mittäterschaft innerhalb des Museumsbetriebs steht im Raum.

    Das Problem: Die Zeit läuft gegen die Ermittler.

    Denn historische Juwelen sind zwar nicht leicht zu verkaufen – gerade das macht sie aber anfällig. Zerschneiden, Neufassung, Abverkauf auf dem Schwarzmarkt. Jeder Tag, der vergeht, verringert die Chance auf eine vollständige Rückführung.

    Das größere Bild – Offenheit versus Sicherheit

    Diese Tat ist kein Einzelfall. Vielmehr reiht sie sich ein in eine wachsende Liste spektakulärer Museumseinbrüche in Europa. Ob Dresden, Stockholm oder Paris – immer wieder gelingt es Tätern, mit Professionalität und Dreistigkeit das auszutricksen, was eigentlich unüberwindbar scheint.

    Und immer wieder stellt sich dieselbe Frage: Wie viel Offenheit verträgt ein Museum, das zugleich sicher sein muss?

    Der Louvre, Aushängeschild des kulturellen Frankreichs, steht jetzt an einem Scheideweg. Der Spagat zwischen internationaler Gastfreundschaft und wachsamem Schutz wird zur Gratwanderung. Besucherströme, architektonische Komplexität, Sparzwänge beim Personal – all das bildet ein Sicherheitsrisiko, das neu bewertet werden muss.

    Ein Fall mit Symbolkraft

    Der Einbruch von Paris ist mehr als ein Kriminalfall. Er ist ein Signal. An Sicherheitsbehörden, an Kulturpolitiker, an Museumsleitungen weltweit. Der Schutz von Kulturgut ist kein Beiwerk – er ist Kernaufgabe. Und er verlangt neue Strategien.

    Ob das gestohlene Erbe je zurückkehrt, ist offen.

    Sicher ist: Frankreich wird diesen Schock nicht so schnell verdauen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Die ansteckenden Aufstände der Generation Z

    Die ansteckenden Aufstände der Generation Z

    Protestbewegungen der jungen Generation sind – auch dank der allgegenwärtigen Online-Jugendkultur – in Indonesien, den Philippinen, Kenia und Peru entstanden. In Nepal und Madagaskar stürzten Demonstrierende sogar Regierungen. In Marokko halten die Proteste weiter an.

    Nepal und Madagaskar sind zwei sehr unterschiedliche Länder. Doch die Parallelen zwischen den dortigen Protestbewegungen – ihren Ursachen und dem, was seither geschah – verweisen auf ein grundlegendes Paradox: Die jungen Revolutionäre der Generation Z verfügen über reale Macht. Doch sie besitzen nicht die Kontrolle über das, was sie angestoßen haben – und sie können nicht garantieren, dass ihre Bewegungen tatsächlich zu einer Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse führen.

    Unterschiedliche Länder, ähnliche Bewegungen
    Die unmittelbaren Auslöser der jeweiligen Proteste unterschieden sich. In Nepal war es ein abruptes Verbot sozialer Medien. In Madagaskar der staatliche Unwille, Wasser- und Stromversorgung sicherzustellen.

    Gemeinsam ist diesen Ländern – wie vielen Staaten mit Gen-Z-Protesten – eine junge Bevölkerungsstruktur. Das Durchschnittsalter liegt in Nepal bei 28 Jahren, in Madagaskar sogar bei nur 21 Jahren. Hohe Jugendarbeitslosigkeit ist in beiden Ländern ein zentrales Problem. Korruption und Unterdrückung sind tief verankert.

    Und ebenso: soziale Medien.

    Diese Proteste breiten sich über Plattformen aus, die geografische Distanzen überwinden und eine gemeinsame Sprache sowie Kultur unter jungen Menschen befördern.

    Selbst in entlegensten Dörfern, auf Berggipfeln oder in Wüstenregionen sind junge Menschen über TikTok und Discord miteinander vernetzt. Sie sprechen dieselbe digitale Sprache, teilen dieselben Memes.

    In Nepal, so berichten Beteiligte, hätten sich die Protestierenden von den Demonstrationen in Indonesien inspirieren lassen. In Madagaskar, so erzählt ein Aktivist, sei der Impuls wiederum aus Nepal gekommen.


    Israel bombardierte erneut den Gazastreifen

    Israel flog gestern die massivsten Angriffe auf den Gazastreifen seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober. Die Regierung beschuldigte die Hamas, auf israelische Truppen geschossen und damit den Waffenstillstand verletzt zu haben. Bei den Angriffen wurde ein Mitarbeiter einer für das ZDF tätigen Filmcrew und der 8-jährige Sohn eines weiteren ZDF-Mitarbeiters getötet. Es wird vermutet, dass das israelische Militär erneut Pressevertreter gezielt unter Beschuss genommen hat.

    Ein israelischer Regierungsvertreter teilte mit, die humanitäre Hilfe für Gaza sei vorübergehend gestoppt worden – werde jedoch nach Ende der Bombardierungen wieder aufgenommen. Sowohl Israel als auch die Hamas werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Feuerpause vor, nachdem es in den vergangenen drei Tagen wiederholt zu Gewaltausbrüchen gekommen war.

    Beide Seiten betonen jedoch, weiterhin am Waffenstillstand festhalten zu wollen. Am Abend erklärte das israelische Militär, man habe „mit der erneuten Durchsetzung des Waffenstillstands begonnen“.

    In den letzten Tagen kehrten tausende Palästinenserinnen und Palästinenser nach Gaza-Stadt oder in andere Gebiete im Norden des Gazastreifens zurück. Viele von ihnen fanden ihre Häuser und Wohnviertel völlig zerstört vor.


    Ein spektakulärer Raub im Louvre

    Gestern drangen Diebe mit Hilfe einer Hebebühne in die Galerie d’Apollon ein – ein Flügel des Pariser Louvre, in dem eine wertvolle Sammlung königlicher Juwelen und Krondiamanten ausgestellt ist.

    Sie entwendeten innerhalb von nur sieben Minuten acht Schmuckstücke aus zwei Vitrinen und flohen auf Motorrollern. In der Eile der Flucht ließen die Täter allerdings eine historische Krone fallen – einst im Besitz von Kaiserin Eugénie –, die mit acht goldenen Adlern, 56 Smaragden und tausenden Diamanten besetzt ist.

    Französische Politiker zeigten sich öffentlich erschüttert über den Verlust der kostbaren Objekte und forderten Aufklärung, wie ein solch dreister Diebstahl an einem Sonntagmorgen um 9:30 Uhr in einem der berühmtesten Museen der Welt geschehen konnte. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.


    Weitere Meldungen

    – Das US-Militär tötete drei Männer bei einem Angriff auf ein mutmaßliches Drogenboot in der Karibik – der siebte bekannte Angriff dieser Art seit Anfang September.
    – Der kolumbianische Präsident warf den USA vor, bei einem dieser Angriffe einen Fischer getötet zu haben. Donald Trump kündigte daraufhin an, die US-Hilfen für Kolumbien zu kürzen und neue Zölle auf kolumbianische Waren zu erheben.
    Rodrigo Paz, ein wirtschaftsliberaler Zentrums­politiker und Sohn eines früheren Präsidenten, gewann die Präsidentschaftswahl in Bolivien – und beendete damit zwei Jahrzehnte linker Regierungsführung.
    Chinas Wirtschaftswachstum blieb im Sommer stabil – gestützt durch starke Exporte und fortgesetzte Investitionen in neue Fabriken, wie das nationale Statistikamt mitteilte.
    Afghanistan und Pakistan einigten sich nach dem schwersten militärischen Schlagabtausch seit Jahren auf eine Waffenruhe und kündigten eine Deeskalation an.
    – In den USA versammelten sich große Menschenmengen zu „No Kings“-Kundgebungen gegen die Trump-Regierung. Trump veröffentlichte daraufhin ein Video, in dem er eine Krone trägt.
    – Sollte es zu neuen Verhandlungen über ein Ende des Ukrainekriegs kommen, wäre Kiew laut Analysten in einer stärkeren Verhandlungsposition als bei früheren Gesprächen.

    Autor: P. Tiko